Decline of a Nation: So ein Käse

Die Briten sind ja inzwischen, genau wie die Amerikaner, von einer "Junk-Food"-Hysterie befallen. Großartig die Idee (Cohu berichtete), alle Werbung für dieses Teufelszeug in Kinderprogrammen zu verbieten. Unter diese Müllfraß-Werbeverbot fällt nun aber leider auch Käse – der ist nämlich zu fettig, um den gestrengen Standards der Britischen Fernsehaufsichtsbehörde Ofcom bzw. der der FSA zu entsprechen, genauso wie übrigens, so zitiert zumindest der Telegraph die Nahrungsmittelindustrie, die gute alte Muttermilch. Aber für die macht eh keiner Werbung, von der LLL mal abgesehen.
Ja, dabei hatte damals in England der gute Käse Cohu stark beeindruckt – nicht nur Wensleydale, sondern sogar stinknormaler Cheddar und Stilton (siehe Abb.) korrigierten meine fromagologischen  (oder soll ich sagen: kasuistischen) Fehleinschätzung, nur die Franzosen hätten die Milchfermentation so richtig drauf. Drauf hatte ich nach dem Jahr auch 10 Kilo mehr, das kann aber keinesfalls am Käs gelegen haben. Und selbst wenn. Für ein Kulturgut werd ich gerne fett! Schön find ich in diesem Zusammenhang auch, dass es in Großbritannien eine All-Party Parliamentary Group for Cheese gibt. Wollen die mich nicht mal auf ihr Annual Meeting einladen?

 (Bild: Wikimedia Commons)

Krapfenporno

Komisch, wenn Cohu mit der U-Bahn fährt, fallen ihr ganz andere Sachen auf als dem berüchtigten U-Bahn-Blogger. Statt primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen (ich zitiere wörtlich: “Knutsch, Grunz, Fummel, Leck“) stach mir nämlich heute in der U2 die Werbung für einen Krapfenlieferdienst für “Krapfenparties” und “Seniorenstammtische” ins Auge, mit der denkwürdigen URL: www.call-a-krapfen.de .*
Ab 1.1. gibt es in der Faschingskrapfen-Kollektion sogar einen “Braunbär Bruno”- Krapfen (á 1,60): “Mit jedem Braunbär Bruno unterstützen Sie die Bärenprojekte des WWF, Vanillepudding mit Haselnusslikör”. Ich vermute, dass der Bruno Hiffenmark vorgezogen hätte (neben Schafen mögen Bären nämlich angeblich Hagebutten), aber: was die Krapfensorten angeht, kann man zu dezidiert unterschiedlichen Geschmacksurteilen kommen, siehe auch Ursis Krapfentest. Spätestens bei Jager-Tee – Hagebuttenkonfitüre mit Jagertee und Stroh Rum hört bei Cohu der Spaß auf. Uäh! Wer mich jedoch zu einer Krapfenparty mit “Dem Klassiker” einladen will, den möchte ich davon nicht abhalten.

* Information für Nichtbayern: Krapfen sind Berliner bzw. Pfannkuchen. Information für Bayern: Pfannkuchen heißen da oben Eierkuchen. Information für Hessen: Wir sprechen vom Kreppel.

Decline of a Nation: Sin and Tonic

Besoffene Engländer: manchmal lustig.
Unfug redende Kleriker: oft amüsant.
Pöbelnde, besoffene, spielzeugwerfende englische Bischöfe: fucking hilarious!

The Right Reverend Tom Butler, Bishop of Southwark, reportedly staggered home from an embassy function and climbed into the back of a stranger’s Mercedes, where he started throwing an infant’s toys. He was pulled out but toppled over and suffered several head wounds. Asked to explain himself, he is claimed to have said: ‘I’m the Bishop of Southwark. It’s what I do.’ He then disappeared into the night but left in the car personal belongings including a cross, personal organiser and correspondence with the Home Office. (Guardian)

Auch das ein Berufsrisiko! Alkoholfreier Messwein ist halt weder bei den Katholiken noch bei den Anglikanern zugelassen. Mit einem Traubensaft kannst die Transubstantiation nämlich gleich vergessen (lustig übrigens der erste Suchtreffer, wenn man in der Wikipedia diesen Begriff nachschlägt…).

(Vgl. auch den britischen Bruder im Glauben – Father Jack Hackett.)

Traumhaft

Traum eins: ich gehe die Schellingstraße entlang und kaufe Weißwürscht beim vinzenzmurr (!), des weiteren Kartoffelsalat (!!) und scharfen (!!!) Senf. In meinem Traum plane ich ernsthaft, dies alles zusammen zu verspeisen. Befürchtet etwa mein Unterbewußtsein, dass ich durch meinen kurzen Hamburg-Aufenthalt vollkommen verpreissn und jegliche kulturell-zivilisatorische Umgangsform verlieren könnte?
Realistischerer bzw. prophetischer Traum zwei: ich treffe Leute in einem Café in der Türkenstraße; als ich mich an den Tisch setze, meint die Bedienung, es würde 50ct. weniger kosten, wenn sie mir jetzt keine Karte bringt und ich einfach so bestelle. Leihgebühr für Speisekarten – auf die Idee ist noch keiner gekommen…

Ja in den Bergen wohnt die Freiheit / In den Tälern wohnt der Schicki-Micki

 
Tiroler fressen mir aus der Hand

So, Tirol hätten wir auch überstanden. Sehr erholsam! Berge, Berge von Essen, und Berge von Geschenken (exemplarisch: eine schöne Robert Gernhardt-Gesamtausgabe, eine Aluminiumkasserole, und ein Riesen-Coffeetablebook mit allen Cartoons des New Yorker, und noch ganz viele andere Sachen). Danke auch für die zahlreichen Gratulations-SMS und -Kommentare.
 Nur gegen Ende wurde es dann ganz schön kalt und schneelastig, und bei einem Talbesuch in Ötz (der Hunger trieb uns nach unten) sind wir in ganz komische Kreise geraten. Nur so von der Anmutung her, ich will nichts unterstellen, kam man auf die Idee, dass hier der Schnee nicht nur unter den Reifen der Geländewagen knirscht. Ganz im Gegensatz zur Vorstellung unseres Mannes in New Haven waren die Schicki-Mickis keineswegs ausgestattet mit (Zitat) "Edelweisstattoo am Oberarm und Polo-Ralph-Lauren-Holzfällerhemd" sondern vielmehr schwarzen Anzügen (!), gelverstärkten Haaren, pashminabehängten Damenschultern, feinen (?) "Drinks", es hatte gar eine dezente Diskokugel und vor allem wahnsinnig laute, u.a. volkstümliche Musik, die uns das Essen zu einer wahren Freude machte. Im Il Giardino sind die 90er noch nicht zuende gegangen und werden das auch eine Weile lang nicht tun, daher wohl die deutliche Alkoholisierung rauschhafte Stimmung von Wirtin und Gästen, die hoffentlich das Morgenlicht bzw. das Fin de Siècle nicht so bald bzw. wenigstens nicht so bewusst erleben werden. Heisser Geheimtipp für Zeitreisende mit akustischer Toleranz!

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Exakte Dosierung

Jeden Scheiß gibt es bei uns in Dosen und Flaschen, sogar Pfannkuchenpulver und Prosecco. Nur keinen Kürbis – dabei würde man sich da wirklich viel Arbeit sparen. Auch schon mal so ein Riesentrum heimgeschleppt, zu schälen versucht und dabei mehrere Finger teilamputiert, dann ungefähr 300 Gramm des Monsters wirklich verwertet und den Rest – nach einer Woche im Kühlschrank – weggeschmissen? In den USA, dem Land von Käse aus der Tube und Low-Carb-Brownies, ist das Kürbiseindosen gang und gäbe, nur bei uns gibts den himmlischen Dosenkürbis nirgends – oder habt ihr ihn schon mal gesehen?
P.S. Ich meine nicht eingelegten Kürbis. Den hab ich schon oft gesehen und leider auch schon mal probiert…
P.P.S. Wo ich grad beim Thema Convenience-Food bin: die Minuteria-Mikrowellen-Pizza, über die ich mich vor ein paar Monaten noch ausgiebig lustig gemacht hatte, hat im Pizzatest der “Stiftung Warentest” sehr gut abgeschnitten. Und zwar sogar im Vergleich mit normalen Herd-Pizzas. Wenn ich wider Erwarten Zugang zu einer Mikrowelle haben sollte, werde ich sie mal ausprobieren! Begrabt mich auf dem Waldfriedhof…

Untergang des Abendlandes

Nee, nicht weil der Westerwelle die Klassenlose Gesellschaft ausgerufen hat. Sondern weil es hier im Supermarkt Prosecco gibt.
IN DOSEN!!!1
Ich weiß, da hatte z.B. der Shopblogger mal was drüber geschrieben, aber jetzt erst hab ich es mit meinen eigenen Augen gesehen!

Muss man ein Getränk, das eh schon einen höchst zweifelhaften Leumund hat – ich darf exemplarisch erinnern an das Machwerk "Frauen die Prosecco trinken", angeblich ein "Frauenroman", in Wirklichkeit eine peinliche Klischeesammlung, der im Titel auch noch ein Komma fehlt – also, warum füllt man eine solche Flüssigkeit, die nur ab und zu,  in geringen Mengen, zu ertragen (bzw. gar schmackhaft) ist,  auch noch in eine Dose? Das ist so, als würde man…äh…einen Juristen…auch noch in einen ballonseidenen Jogginganzug kleiden – zum davonlaufen! [Natürlich gleicht der gemeine Jurist dem Prosecco nicht in der Eigenschaft, spontan mit seichter Unterhaltungsliteratur assoziiert zu werden, sondern lediglich in der Eigenschaft, in großen Mengen schwer erträglich zu sein. Jaja, ihr könnt Euch ja eine bessere Metapher ausdenken! Undankbares Pack.]

Jedenfalls, vielleicht haben Al Quaida und die irren Hippies recht, und wir sollten es mit der modernen Zivilisation einfach lassen. Übertrieben, meint Ihr? Na gut, aber ich sags Euch, spätestens, wenn fertiger Pfannkuchenteig auf den Markt kommt, gebe ich alle Hoffnung auf Fortschritt, Rationalität, Aufklärung und kulturell-ästhetische Weiterentwicklung auf!
Ach Mist.

Krautsauerei

Ich fand ja schon die britischen Auberginen in Schokoladensauce grenzwertig. Aber der Amerikaner treibt es, wie so oft, auf die Spitze…Sauerkraut-Brownies!

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Neueröffnung

Schelling Ecke Augusten – praktisch schräg gegenüber von der Munich Readery (cohu berichtete) – war vor Urzeiten mal ein Müller-Bäcker Backtriebmittel-& Emulgatoreneinzelhandel.
Dann stand der Laden ein, zwei Jahre leer und jetzt – oh Wunder: macht dort ein Geschäft (oder Restaurant?) auf mit dem Namen “Schindler’s Schnitzel”. Im Internet find ich nix dazu, weiß jemand, was das ist?
Eins steht für mich alte Doppel-Dichterin jedenfalls schon fest. Wenn die Schnitzel inklusive Getränk nur 4,95 kosten, wie ein Plakat an der Noch-Baustelle ankündigt, müssten die in Wirklichkeit einen anderen Namen haben: Schnitzler’s Schindel.

Schön, schön!

Das ist jetzt zwar nur ein ganz kleiner Datenpunkt bei der Berechnung der Pizza-Weltformel, aber: ich hab endlich mal eine Pizzeria gefunden, die ich vorbehaltlos empfehlen kann. Und zwar die Trattoria "Da Bello e Bello" in der Elisabethstraße Ecke Isabella. Das Lokal ist jetzt optisch, äh, ahem… nicht so der Bringer – deshalb war ich bis jetzt noch nie drin und habe mich nur über die Kellner geärgert, die immer über den Radweg laufen.
Aber: im kleinen pavillonartigen Außenbereich an der Straße sitzt man eigentlich ganz nett, man kann die Pizza zudem auch mitnehmen. Habe mir mit der IT eine Pizza "Bello e Bello" mit Schinken, Ricotta und Spinat geteilt und war ganz hingerissen. Die Bedienung war sehr freundlich und, wie es sich gehört, mit einer feinen Schürze angetan, außerdem wurde die Pizza gleich fein säuberlich in zwei Hälften geteilt und auf separaten Tellern serviert (bei Cohus kindheitstraumabedingtem Futterneid sind solche Maßnahmen unabdingbar). Also, probiert doch diese Trattoria trotz ihres tendentiell abschreckenden Äußeren mal aus. Ich werd mich jetzt erstmal wieder nach Eppendorf verziehen!

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