Decline of a Nation: Noisy Romps

“GIRLS at Cambridge University have been ordered to have sex more quietly after complaints about the noise.
All 400 undergraduates at Newnham female college were warned after 30 people grumbled to bosses in a month. An email from student union President Lizzy Cole, 19, said: “Newnham corridors funnel sound and walls are very thin. Please remember to be discreet in your activities, especially during late/early hours of the day.”
Students are mortified. (…)”

via Complaints about Cambridge Uni girls’ noisy romps | The Sun |News.

Mal wieder eines der vielen Gebiete, wo die unselige “Universität” Cambridge von wirklichen Eliteunis lernen könnte. Z.B. von Oxford: Das letzte reine Frauencollege (St Hilda’s) hat man dort nämlich 2008 endlich von der traditionellen Geschlechterseparation befreit. Und wie wir alle wissen: Wenn man Männer ständig um sich hat, sind sie gar nicht mehr sooo spannend.

(Eine transatlantisch-feuchte Alternativlocation für noisy romps haben die Studenten in Yale schon 2007 entdeckt. – Cohu berichtete natürlich!)

Decline of a Nation: Thumping away

Die Bibliotheken des Vereinigten Königreichs sind weltbekannt und wunderschön (wobei es natürlich auch hässliche Ausnahmen von der Regel gibt, wie diese Bruchbude). Die Bibliothekskunst auf der Insel war jahrhundertelang absolute Spitze. Wenn man in relevanten Bestandszahlen und nicht in Regalkilometern misst, ist die British Libary angeblich sogar die größte Bibliothek der Welt, und wenn die, wie ihr Chef fordert, jetzt dann bald auch noch das gesamte Internetz archiviert, wird das wohl auch in Zukunft so bleiben.

Und was machen die Briten mit dieser Tradition? Fangen natürlich an, in ihren Bibliotheken grauenhafte Dudelmusik abzuspielen. Die pensionierte Oxford-Dozentin Doraine Potts ist erschüttert:

"I was trying to choose a book in my local library but I just couldn’t concentrate. That’s how loud it was. The beat was just thumping away." (telegraph.co.uk)

Andernorts werden angeblich sogar Speisen und Getränke sowie Handys im Lesesaal geduldet. Der nächste logische Schritt für die britischen Bibliothekskultur: Gorillas an der Buchausgabe!

The Next Fernsehabend

Warum man unbedingt einen "nächsten Uri Geller" braucht, ist mir persönlich ein Rätsel. Na gut, der bezeichnet sich ja auch als "bekanntester Mystifier der Welt", also vielleicht ist das Rätselhafte beabsichtigt. Aber mal ernsthaft: mit seinen billigen Löffeltricks hat der Typ doch bereits Generationen gelangweilt. Mein großer Bruder konnte ihn sehr lustig nachmachen – schon als Kinder fanden wir Gellers Performances eher vom komödiantischen als vom magischen Standpunkt her ergiebig. Immerhin muss ich aber gestehen, um mit über sechzig so auszusehen: dafür braucht man auf jeden Fall Zauber- Kräfte (mit seinem jugendlichen Look erreicht Geller jedenfalls, dass mir "Haare zu Berge stehen und ich eine Gänsehaut habe"- sein erklärtes Ziel).
Naja, was soll man machen, wir werden uns heut abend das Trash-Ereignis natürlich ansehen, schließlich haben wir da ein (aus Studientagen bekanntes) Pferd im Rennen. Wobei es, äh, er auf dem Foto so ein bisschen lebensmüde aussieht. Hoffen wir mal, dass das nichts mit dem "Fluch des Uri Geller" zu tun hat:

Geller appeared on Scottish TV before a football match against Belarus urging people to stare into his eys and and say "Win Scotland, win. Win Scotland win." The result: Belarus 1, Scotland 0. (The Curse of Uri Geller!)

(Bild: iguana_nirvana14 / Wikimedia Commons)

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Decline of a Nation: hear hear

Die Oxford Union – der angeblich berühmteste Debattierclub der Welt, auf jeden Fall einer der selbstbewußtesten – hat mal wieder eine aufsehenerregende Veranstaltung im Programm: sie laden laut BBC den rechtsextremen Nick Griffin und den Holocaustleugner David Irving zu ihrer nächsten Debatte ein. Ob die Thesen dieser Herren eine Diskussion verdienen, sei dahingestellt. Die Gefahr, dass sie nach einem Auftritt bei der Oxford Union ernster genommen werden als zuvor, halte ich jedoch für relativ gering: bei der Oxford Union waren nämlich zwar schon Mutter Teresa und der Dalai Lama zu Gast. Aber auch Diego Maradona, O.J. Simpson, Jenna Jameson und Ron Jeremy sowie:
Kermit der Frosch.

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Gute Nacht, Verstand

England galt lange als Bastion der Ratio (Newton, Mill, Thatcher) und der stets ironisch-distanzierten, lebensweisen Intelligentsia (Wilde, Larkin, Cleese). Aber das geht ja alles den Bach runter.
Fangen wir bei einer besonders drolligen Geschichte an. In der Nähe eines dorset’schen Dorfes names Cerne Abbas findet sich auf eine sanften Hang die vielfach überlebensgroße in den Kreideboden gekratze Zeichnung eines nackten, ostentativ männlichen (s. Abb.), Riesen. Angeblich aus vorchristlichen Zeiten, jedenfalls wird das Ding von heidnischen Religionsgemeinschaften als heiliger Ort verehrt. Nichtsdestotrotz mussten wenig gottes- (bzw. götter-)fürchtige Werber den Nebenhang durch eine ebenso große Figur eines Homer Simpson in Unterhose und mit obligatorischem Donut verzieren, um den Simpsons-Film zu promoten, natürlich aus abwaschbarer weißer Farbe. Schande, sagt die Ober-Heidin der Region:

Ann Bryn-Evans, joint Wessex district manager for The Pagan Federation, said: "We were hoping for some dry weather but I think I have changed my mind. We’ll be doing some rain magic to bring the rain and wash it away." (BBC News)

In England Regenmagie betreiben, das erscheint mir so sinnvoll, wie dafür zu beten, dass auch morgen die Sonne wieder aufgeht, für die Zustellung eines Steuerbescheids, oder dafür, am Ende des Lebens auch wirklich zu sterben. Aber gut, dass die Vernunft vor der Religion die Waffen streckt, ist nichts neues, da ist meine zweite Geschichte vielleicht erstaunlicher:

In Oxford hat es eine lange Tradition, nach Beendigung der letzten Examina die Prüflinge in der Merton Street zu empfangen und dann mit Mehl, Champagner, Konfetti, und allerlei Unrat zu bewerfen ("Trashing"). Großer Spaß, die Universität bezeichnet das allerdings als "antisocial behaviour" und versucht schon seit Jahren, es zu unterbinden. Drastische Strafen von bis zu 150 Euro wurden verhängt, nur ist es halt schwierig, im Gewusel hinter den Exam Schools die bösen Mehl- und Oktopus-Werfer überhaupt zu identifizieren. Naja, es sei denn…die Studenten machen Fotos vom Trashing und veröffentlichen die dann im Internet. Und Uni-Disziplinarbeamten finden sie da und verfolgen die Anti-Sozialen. Montags schrieb denn auch die Student Union eine aufgeregte Rundmail ("URGENT!") und bat alle Mitglieder, ihre Privacy Settings bei Facebook zu überprüfen, um keine Kommilitonen ans Messer zu liefern – inklusive detaillierter Anleitung (s. Abb.). Wohlgemerkt: eigentlich sollten das alles schlaue Kerlchen sein. Aber dass im Internet veröffentlichte Bilder, auch, wenn man das gar nicht willimmer den Weg zu daran Interessierten finden, das hatte sich bei ihnen noch nicht rumgesprochen, genausowenig wie die Funktionsweise einer ursprünglich für durch Spring Break und zuviel Cola verblödete amerikanische Highschool-Studenten ausgelegten Software. Also, Herr Wilde hätte, in der guten alten Zeit, seine Bosie-Eskapaden jedenfalls kaum bei Facebook ausgebreitet. Oder wäre zumindest schlau genug gewesen, den Datenschutz richtig einzustellen…

 (Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Webcameron

Der – so das Wahlvolk will – zukünftige Staatenlenker Großbritanniens hat keine Geschirrspülmaschine, ja, nicht mal Gummihandschuhe, aber dafür im Hintergrund mutmaßlich einen Helfer, der sein Kind mit Nadeln traktiert bzw. vor seinen Augen Stofftiere und Puppen foltert. Lernt man solche Methoden beim PPE-Studium oder im Bullingdon Club? Eins wissen wir jetzt zumindest, aus medienethischer Perspektive: es ist ok, wöchentlich Videos des "herzlichen Konservativen" beim Abspülen oder beim privaten Essen mit seiner Familie  ins Internetz zu stellen. Ihn nach eventuellen Drogenerfahrungen zu fragen, kommt hingegen einer medialen Vergewaltigung gleich. Verständlich, wenn die Kollegen gleich mit solchen Geschichten daherkamen: da kann Cameron natürlich nicht mithalten.
Eine Befürchtung hab ich noch – nämlich die, dass unsere Konservativen das übernehmen. Werden wir uns auch bald Söder beim Rasenmähen anschauen, wie er sich über die Terrordatei ereifert? Singhammer beim Zeugen des siebten Kindes über Familienpolitik reden hören? Sehen, wie Merkel in der Badewanne über die deutsche Einheit schwärmt?
Man sieht mal wieder: es kann immer noch schlimmer kommen, als es schon ist.

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Decline of a Nation: The Other Place

Tsk, tsk, tsk! Da sieht man’s mal wieder. Von wegen Elite. Ein Cambridge-Don des Trinity College der Trinity Hall, Spezialgebiet deutsche Literatur und Bartpflege,  hat sich unter Alkoholeinfluss angeblich ganz prosaisch an eine ehemalige Studentin herangemacht. Am besten, Ihr lest den ganzen Artikel:

The woman told jurors that Dr Hutchinson “groped” her buttock while making a “pervy Benny Hill-style noise (…) “Maybe the gin had gone to my head. It was a stiff one,” Dr Hutchinson told detectives. “I think I must have found her irresistible.”

Also, in Oxford wär das nicht passiert. Dort trinkt man traditionell Port oder Sherry.

[Update: also gut, anscheinend hat diese Volkshochschule mehrere der Dreifaltigkeit huldigende “Lehr”-Einrichtungen. Meinetwegen…]