Licence to smack – Die Lizenz zum Watschen

“Parents are allowed to give their children a “mild smack”. This right to smack extends to those who have parental responsibility, such as grandparents or other family members.”

BBC News – School smacking loophole closed.

Darf man seinen volljährigen Kindern eigentlich auch “mild smacks”, oder, wie der Bayer sagen würde, eine leichte Watschn geben? Denn wie allen Eltern von erwachsenen Kindern längst klar sein dürfte, hört die Erziehung ja nicht mit dem 18. Geburtstag auf…

Eine Sprache von Aussätzigen

“Zweisprachige Gymnasien: Französisch ja, Türkisch nein!” (taz)

Das verleiht Cohus Plänen, endlich mal Türkisch zu lernen, erneut Auftrieb.

Wenn man darauf achtet, fallen einem da ja viele Kleinigkeiten auf: An jedem Geldautomaten in Deutschland gibt es die alternativen Sprachoptionen “Französisch”, “Englisch”, “Italienisch” und manchmal noch “Spanisch”. Türkisch habe ich bis jetzt nur in einem Automatenmenü entdeckt, und das auch erst vor ein paar Wochen…genauso ist es bei fast allen Internetseiten, z.B. MVV, Bundesregierung. Und die Stadt München setzt noch eins drauf: auf ihrer Seite gibt es neben den üblichen Optionen noch Arabisch, Russisch, Chinesisch und Japanisch – kein Türkisch. Sogar die Seite über “Migration und Integration” gibt’s, soweit ich sehe, nur auf Deutsch.

Eine der wenigen Ausnahmen: für den Text über die Großmarkthalle München hat man sich eine türkische Übersetzung geleistet – Münih Hali. Damit der Türke gleich sieht, was er bei uns zu werden hat…

African Poverty is Falling…Much Faster than You Think!

Ich habe keine Ahnung, wie dieser Artikel unter Ökonomen oder Entwicklungsexperten aufgenommen wird, aber ich fand ihn jedenfalls ganz interessant:

“The conventional wisdom that Africa is not reducing poverty is wrong. (…) We show that:
(1) African poverty is falling and is falling rapidly.
(2) If present trends continue, the poverty Millennium Development Goal of halving the proportion of people with incomes less than one dollar a day will be achieved on time.
(3) The growth spurt that began in 1995 decreased African income inequality instead of increasing it.
(4) African poverty reduction is remarkably general: it cannot be explained by a large country, or even by a single set of countries possessing some beneficial geographical or historical characteristic.”

(African Poverty is Falling…Much Faster than You Think!,
Maxim Pinkovskiy and Xavier Sala‐i‐Martin, NBER Working Paper Nr. 157752010)

Die FAZ hat hier drüber berichtet, erklärt einen Abschnitt der Studie für fragwürdig und meint etwas vage: “Die anderen Ergebnisse, die Hoffnung für Afrika wecken, dürften in der Realität gründen.” Eine etwas detaillierter Besprechung gibt es von Martin Ravallion, dem Direktor der Development Research Group bei der Weltbank: Is African Poverty Falling?

Für Freunde der Trambahn…

…bzw. des Cable Car. Und natürlich für Erdbebeninteressierte:

“In 1905, an unknown cameraman filmed a streetcar trip along San Francisco’s Market Street. The following year, the Great Earthquake struck, and he filmed the trip again. This is a five-minute silent film that edits together excerpts of his two films. Footage from the Prelinger Archives, edited by Matt Lake.”


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Backlash

Die promod-Kollektion mit dem vielversprechenden Namen “City-Amazone” besteht aus brav geschnittenen Klamotten in Leukoplastbeige (oder soll ich sagen Pflasterrosa?), Beige und Schmutzfarben bis hin zu einem etwas unentschiedenen Mittel-Weiß. Das Ganze noch verziert mit braven Rüschen und Glitzerstickereien. Hm, ich hatte mir unter Amazonen ja eher sowas vorgestellt:

Amazone mit Brustpanzer und Faltenmini (ca. 500 v.u.Z.)

Amazone mit modischer Tunika und abgefahrenen Leggins (ca. 420 v.u.Z.)

Amazone mit schlichten Hosen und kessem Oberteil (ca. 470 v.u.Z.)

Gut gerüstete Amazonen in der Schädel’schen Weltchronik

Typische Amazone der Volkskunst des späten 20sten Jahrhunderts

Und jetzt: “Volantkleid mit Pailletten, 44,95”. Das soll ein Amazonenkleid sein? Wenn überhaupt, ist das ein Musterbeispiel für den antifeministischen Backlash! Und zu Eurer blöden Anziehpuppe noch eine Anmerkung: ich weiß nicht viel über Amazonen, aber ich bin mir sicher, sie tragen keine hautfarbenen BHs.

[Alternative Erklärung: die moderne Amazone arbeitet undercover. Sie tarnt sich in gedeckten Farben quasi als erwachsene Prinzessin Lillifee -“Juhuuu, juhuuu, ich reite auf meinem süßen Pony, hihihi!” — und zieht im rechten Moment blitzschnell das scharf geschliffene Schwert aus der “Handtasche in Nubukoptik, 19,95”, um den männlichen Gegner stilecht mit einem Schlag zu enthaupten…]

Alphabetozid

Großbritannien und seine ehemalige Kolonie kämpfen seit Jahrhunderten um die Herzen der Kontinentaleuropäer. Doch obwohl Fernseher, IPod und Kleiderschrank sich längst hemmungslos dem transatlantischen Freund hingeben, gewinnt in einer Hinsicht  immer noch der Brite: er gewährt scheinbar nutzlos gewordenen Buchstaben ein Obdach, wo der Amerikaner herzlos-utilitaristisch aussortiert. Während in Amerika z.B. – horribile dictu!– der ageing, travelling paedagogue seinen favourite doughnut im all-nighte-drive-through kauft und so mit einem Handstreich vierzehn (14!) unschuldigen Lettern den Garaus macht, blühen auf der Insel immer noch sprachliche Orchideen wie:

Bicester, ausgesprochen: Bister

Cholmondeley, ausgesprochen: Chumley

und mein persönlicher Liebling:

Featherstonhaugh, ausgesprochen: Fanshaw

Darauf einen Schluck Worcester-Soße (ausgesprochen: Wooster), bzw. für meine amerikanischen Leser einen Löffel Ketchup.

Mehr seltsame Namen gibts bei: Odd pronunciations of proper names – The University of Hull.

@

Auf Tschechisch heißt es: zavináč (Rollmops)

Auf Finnisch heißt es: kissanhäntä (Katzenschwanz)

Auf Griechisch heißt es: παπάκι (Entchen)

Auf Kasachisch heißt es: айқұлақ (Mond-Ohr)

Auf Hebräisch heißt es: שטרודל – shtrudel

Ähnlich in Japan: naruto, nach den Naruto-Gezeitenstrudeln (s. dazu den berühmten Hiroshige-Holzschnitt)

Besonders appetitlich im Schwedischen: kanelbulle (siehe)

(Weitere Varianten: Wikipedia: Commercial at in other languages)

“We listened to the birds, and tried to sing with the birds”

Weiterer Beweis für Cohus These, dass Jodler nicht nur den Alpenraum, sondern auch Mexiko, New Orleans, Dusty/Washington, den Wilden WestenChicago, Afrika und Estland – ach, was sag ich, die Welt beherrschen: die DeZurik Sisters, auch bekannt als “Cackle Sisters”, die ursprünglich aus Wisconsin stammen und Ende der 30er-Jahre mit ihrem speziellen Jodelstil bekannt wurden:

Und ein ganz seltsamer “Blues”:

Bonus: Peach Pickin’ Time in Georgia

Die ursprüngliche Alice…

…steht jetzt online, und zwar hier. Besonders schön die Illustrationen:

Alice mit dem weißen Kaninchen

“Long and sad tale/tail” der Maus

Vogel Strauß als Crocketschläger (erst in späteren Versionen wird daraus ein Flamingo)

Die Herzkönigin

Die Grinsekatze, engl. cheshire cat fehlt auch noch in dieser frühen Version. Wikipedia liefert als eine mögliche Erklärung für ihren seltsamen Namen diese katzenartige Wasserspeierfratze (s. Abb.)

Und als wäre das nicht genug: hier noch die erste Filmversion der Alice, aus dem Jahr 1903 (8 Minuten). Man beachte die Grinsekatze um die 5. Minute herum. Modernste Filmtechnik!

(Bild: SilkTork/Wikimedia Commons)

Da ist doch was faul

“To many, peeling potatoes is a boring way to spend a few minutes that you would rather spend reading a book, watching a film or with your family.”

BBC News – The rise of lazy foods.

Soso: die Zeit, die für Kartoffelschälen draufgeht, könnte man auf Sinnvolleres verwenden. Im Artikel lernen wir: Immer mehr Briten sparen sich diese Zeit, indem sie geschnipselte Karotten, Äpfel, Schwammerl und gehackte Zwiebeln abgepackt im Supermarkt kaufen. Und die gesparte Zeit verwenden sie – hier schließt sich der Kreis! – vermutlich auf die Lektüre von seitenlangen, bescheuerten Artikeln über geschältes Gemüse. Brave new world!