Knipsknirps

Wie ihr wisst, ist Cohu eine große Freundin modernster Technik. Auch jetzt, wo es in die Türkei geht, herrscht bei mir – haha! – Bombenstimmung, denn falls mich die Freiheitsfalken Kurdistans mit in den Tod reißen, werden wenigstens meine Urlaubsfotos überleben: meine Dekaden alte Asahi Pentax ME ist nämlich dank ihres Metallgehäuses enorm robust. Sie hat ein wunderschönes “Klick”-Geräusch und lustige Schalter und Knöpfe und braucht keinen blöden Akku, der ständig leer ist. Sie ist (für eine Spiegelreflex) ziemlich klein und leicht. Und zudem macht sie – im Gegensatz zu praktisch allen für mich erschwinglichen Digitalkameras – auch ganz wunderschöne Fotos mit feinen Schärfentiefe-Effekten; wenn auch der Photographin noch das Scharfstellen und die Blendenauswahl überlassen bleibt. Und natürlich das Filme entwickeln lassen, und das, wo in meiner Gegend plötzlich irgendwie alle Fotoläden durch Billigfriseure ersetzt worden sind, aber dann halt per Post. Jetzt hoff ich natürlich nur, dass sie mich mit dem verdächtigen alten G’raffel anstandslos durch die Flughafensicherheitssperre lassen. Freiheitsfalken, bitte recht freundlich!

Kontrollwahn

Nicht nur Großbritannien ist auf dem Weg in den Überwachungsstaat: heut morgen wurde Cohu mal wieder mit zwei äußerst kontrollwütigen Politikervorschlägen aus der Nachtruhe gerissen.
Zuerst kommt da ein ein ominöser "Vorsitzender der Sportministerkonferenz", Thomas Röwekamp, seines Zeichens auch bremischer Innenminister, daher. Und  fordert im Deutschlandradio, den Besitz von "Dopingmitteln" unter Strafe zu stellen, um dann, ich zitiere, besser die Mittel der "Durchsuchung und auch Telefonüberwachung" einsetzen zu können. Juhu! Gottseidank haben unsere Strafverfolgungsbehörden momentan ja nichts anderes zu tun, als mit starken Eingriffen in die Privatsphäre ein Verhalten zu verfolgen, mit denen die Sportler ausschließlich sich selbst schädigen, wenn überhaupt. Einziger Trost und Hoffnungsschimmer: bei diesem Röwekamp weiß man nie, ob er nicht noch eine 180°-Wendung macht und  vielleicht eine Dopingpflicht für alle Sportler fordert – sein Verhalten im Fall Kurnaz legt eine gewisse Volatilität des Bremer Juristen jedenfalls nahe.
Aber damit noch nicht genug der Überwachungsvorschläge junger, energetisch übersteuerter Unionspolitiker: Phillip "Hüftgelenk" Mißfelder fordert, Kindergeldempfänger zu kontrollieren dahingehend, ob die Kröten auch wirklich für die Blagen verwendet werden oder vielmehr für Kippen, Bier und die neue Coupé:

«Wenn es nachweisbare Indizien für Verwahrlosung gibt, muss nach der Verwendung des Kindergeldes gefragt werden», sagte Missfelder der «Osnabrücker Zeitung». Die finanziellen Aufwendungen für den Nachwuchs seien schließlich eine sozialpolitische Maßnahme für die Kinder. «Daher sollen sie allein von dem Geld profitieren», sagte Mißfelder. (.,..)
Mißfelders Vorstoß basiert auf der Vermutung, dass Eltern diesen Zuschuss für eigene Zwecke verwenden.
Besonders in Familien mit geringem Einkommen oder Leistungsempfängern ist die Versuchung groß, das Kindergeld umzuwidmen und die Kleinen kurz zu halten. (Netzeitung)

Auch hier kommt wieder Cohus Standardvorschlag: lasst das doch einfach Hartz-IV-Empfänger kontrollieren, die haben 1. eh nix zu tun und 2. kennen sich im Milieu von "sozial Schwachen" aus! Und vielleicht könnten die, wenn sie schon da sind, bei der Kinderzimmerkontrolle auch gleich nach Anabolika suchen…

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Satire und Wahrheit

Diese kafkaeske und wahre Geschichte eines braven amerikanischen Mannes, dem sein IPod ins Flugzeugklo fiel, lässt den prophetischen McSweeney’s-Text "Your Flight, three years from now" (der zweite Text, bitte runterscrollen) fast schon real erscheinen. Am schönsten fand ich:

He asked me if I knew how to make a bomb. "I have a degree in physics, and I’m not an idiot." Of course I knew how to make a bomb — what kind of question is that?? The better question is, WOULD I make a bomb? The answer is no.

Decline of a Nation: Bin Brother

Blitzkrieg mit Blood, Sweat and Tears überlebt, das Blair-Schröder-Papier überstanden, immer noch im Towel War an den Pools der Mittelmeerhotels verstrickt – Großbritannien ist seit Dekaden immer wieder absurden Attacken Deutschlands ausgesetzt. Und jetzt der nächste Tiefschlag: ein treuer Leser (der sich im Übrigen von der sozialistischen Lynch-Fraktion ausdrücklich distanzieren möchte) schickt   mir gerade einen Link zu einem Artikel der “Daily Mail” mit dem schönen Titel:
“Germans plant bugs in our wheelie bins” .
Deutsche Firmen haben, so berichtet die Presse, (natürlich nicht ohne von englischen Kommunen beauftragt worden zu sein) private Mülltonnen mit Chips ausgerüstet. So sollen nicht nur die Mülltonnen eindeutig den Mülltonnenbesitzern zuordenbar sein, sondern auch das Müllentsorgungsverhalten letzterer überwachbar gemacht werden – mithilfe der Boppel und an den Mülllastern angebrachten computerisierten Waagen kann festgestellt werden, welche Müllmenge in der Tonne entsorgt wurde. Die Wanzen wurden – wie es bei solchen Geräten üblich ist – ohne Mitwissen der Müllentsorger eingebaut. In so einer Situation darf man als Politiker mit drastischen Worten nicht sparen, so sagte der konservative MP Andrew Pelling:

‘This is nothing more than a spy in the bin and I don’t think even the old Soviet Union made such an intrusion into people’s personal lives.”

Cohu findet es schade, dass sie keinen Sozi gefragt haben, dann wäre vielleicht noch ein schöner Nazivergleich rausgesprungen! Aber sonst: die gesammelten Daten (Müllgewicht) sind doch – außer vielleicht für Wesen wie Marjorie (siehe Abb.)- eigentlich nicht soooo sensibel, dass man sich großartig aufregen müsste – Datenschutzexperten, korrigiert mich?

So gesehen…

Hm, also wenn diese Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke “Kapitalismuskritik” ist – wie Spiegel online in seiner Überschrift behauptet – dann wird die Weltbank vermutlich bald mit Attac fusionieren. Wer hätte das gedacht? Angeblich mahnt Bernanke sogar vehement “Gerechtigkeit bei der weltweiten Verteilung des Wohlstandes” an.
Ich hatte die Rede eher so verstanden, dass Bernanke für den Kapitalismus, ach was, für globales Wachstum und gegen die protektionistischen Barrieren ankämpft, die einen freien Weltmarkt und damit Wachstum für alle verhindern. Und zwar auch gegen die Widerstände z.B. von Firmen und Arbeitern, die Aufgrund momentaner Umwälzungsprozesse ihre Märkte oder ihren Job verlieren. Solche vorrübergehenden Verlierer der Marktbefreiung muss man, so Bernanke, als gewichtiges Risiko und Problem für die gloable wirtschaftliche Integration sehen. Von “Gerechtigkeit” und “Verteilung” redet er – so, wie ich den Text verstehe – gar nicht, geschweige denn mahnt er sie an. Wie unterschiedlich man doch einen Text interpretieren kann…

All by myself

AskMefi Nutzer stellen Fragen, auf die es ankommt: Is it theoretically possible for a human hermaphrodite to self-impregnate?
Für Cohu in ihrer Eigenschaft als Chimärenforscherin sind Hermaphroditen schon deshalb interessant, weil es sich bei ihnen manchmal um Chimären handelt (nicht immer, wie sich Leser von Jeffrey Eugenides’ genialem “Middlesex” vielleicht erinnern können). Und zwar kommt es – ich darf kurz ausholen –  ja häufiger vor, dass Zwillinge im Mutterleib Zellen austauschen oder gar miteinander verschmelzen – dann hat der resultierende Organismus, bei dem es sich z.B. um einen des Dopings durch Fremdblutinfusion verdächtigten Radsportler handeln kann, auch später unterschiedliche Zellpopulationen im Körper. So ein Mikrochimerismus ist nicht selten. Auffällig wird der Chimerismus dann, wenn die Fremdpopulation irgendwo da unten angesiedelt ist und der verschluckte Zwilling dem anderen Geschlecht angehörte: dann kann es nämlich dazu kommen, dass funktionsfähige Ausrüstungsgegenstände beider Provenienz ausgebildet werden – siehe Abbildung (Intersexualität durch Chimärismus).
Jetzt aber zurück zur Frage des AskMefi-Nutzers: wenn man beide für die Fortpflanzung nötigen Seiten in sich vereint, kann man dann getrost auf einen Partner verzichten? Für hermaphroditische Kaninchen ist das anscheinend kein Problem:

“A true hermaphrodite rabbit served several females and sired more than 250 young of both sexes. In the next breeding season the rabbit, which was housed in isolation, became pregnant and delivered seven healthy young of both sexes. It was kept in isolation and when autopsied was again pregnant and demonstrated two functional ovaries and two infertile testes. A chromosome preparation revealed a diploid number of autosomes and two sex chromosomes of uncertain configuration.” Frankenhuis et al. (1990)

 

Hört sich wunderbar an im wahrsten Sinne des Wortes, dieser Rammler. Aber Menschen? Dieser Verdachtsfall liegt für eine Untersuchung leider viel zu lange zurück…
Wenn man fleißig genug googelt, scheint einem die Jungfrauengeburt übrigens selbst in heutigen Zeiten und bei Nicht-Hermaphroditen möglich zu sein, sofern man es richtig anpackt, nämlich mit veganer Ernährung – das verspricht zumindest der von Marianne Wex vorgelegte Titel: “Parthenogenese heute. Von der Urkraft der Frau, aus sich selbst heraus zu gebären, ohne Beteiligung eines zweiten Geschlechts.” Und jetzt obacht: “Nach einer Schätzung aus den USA kommt die menschliche Parthenogenese in der heutigen Zeit etwa so häufig vor wie die Geburt zweieiiger Zwillinge” (aus einem Frauenforum). So, meine Damen, dann, würd ich sagen, wird mal für Renteneinzahler gesorgt. Mit der Ausrede “Aber ich hab keinen Freund!” braucht mir jetzt keine mehr zu kommen!

Die Quadratur des Dreiecks

Die New York Times thematisiert ein Problem, will sagen: problematisiert ein Thema, das zweifellos jedem von uns schon mal auf dem Herzen lag: Eifersucht auf die Hardware des Partners bzw. der Partnerin. Ich mein jetzt nicht: Penisneid (sicher auch ein großes Problem in unserer Generation!), sondern Ärger über die störende Präsenz eines Laptops oder “Handheld” im ehe- bzw. partnerschaftlichen Bett. Durch den mobilen Computer soll auf den Matratzen laut NYT ein “Love Triangle”, sprich Liebesdreieck, oder gar eine “Ménage a trois” entstehen. Wenn auch Ihr unter einer solchen Dreieckskonstellation leidet, könnt Ihr natürlich gerne auf den im Artikel zitierten amerikanischen Experten auf dem Gebiet der Leidenschaftserhaltung hören (solltet aber vielleicht vorerst ausblenden, dass er David Schnarch heißt), oder aber auf Cohu, die Euch dringend empfiehlt, das Dreieck auf ein Viereck zu erweitern und einen weiteren PC ins Boot, äh, Bett zu holen. Bei schweren Fällen von Computerautismus kann man sich dann auch über Messenger-Programme unterhalten und so wichtige Beziehungsprobleme (etwa PC-Sucht, Streit um die einzige Steckdose im Schlafzimmer, Downloadkontingente) besprechen. Nur von einem rate ich ab: holt Euch bloß kein iBook wie der Typ in dem Artikel, sonst: Ka-Wumm!

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Besser geht’s nicht? Von wegen!

In der Nature ist ein interessantes Interview mit meinem ehemaligen Tutor, Nick Bostrom, zum Thema "Human Enhancement." Bostrom ist Transhumanist, das heißt:

"Transhumanists view human nature as a work-in-progress, a half-baked beginning that we can learn to remold in desirable ways. Current humanity need not be the endpoint of evolution. Transhumanists hope that by responsible use of science, technology, and other rational means we shall eventually manage to become posthuman, beings with vastly greater capacities than present human beings have." (Transhumanist Values)

So eine Einstellung geht natürlich vielen gegen den Strich (besonders denen, die der Meinung sind, sie seien eh schon die Krone der Schöpfung und die bestmögliche Ausformung der Art Homo Sapiens). Francis Fukuyama etwa bezeichnete den Transhumanismus als "größte Bedrohung für das Wohlergehen der Menschheit". Eine sehr unterhaltsame Erwiderung von Bostrom findet sich hier. Den Fukuyama hab ich eh g’fressen, verwirrenderweise wird er übrigens bei der deutschen Wikipedia als "liberaler Denker" (???) bezeichnet, dabei ist er davon – trotz seiner Abkehr von den Neocons – etwa so weit entfernt wie ich von einer Heiligsprechung durch die katholische Kirche,  und zwar, wenn ihr mich fragt, sowohl vom Attribut "Denker" als auch vom "Liberalen". Ja aber schön, wenn um ein ethisches Thema noch so richtig diskutiert wird, mit ad hominems und Superlativen.
 Hätte auch direkt ne Idee für Cohu-Enhancement: so ein paar Trübsal-Gene könntens bei mir auch Out-Knocken. Die Darstellung von geheilten Depri-Mäuse als "permanent fröhlich" lässt beim Autoren Rötzer übrigens eine typisch wissenschaftsjournalistische Gehirnschrumpfung vermuten, die allerdings durch ein paar Hirnimplantate sicher zu beheben wäre. Alles kein Problem für den Transhumanismus!

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Decline of a Nation: Abgeschminkt

Harte Zeiten für Engländerinnen: Kosmetika, Schminke und Lippenstift dürfen bei Heathrow-Flügen nicht mehr ins Handgepäck. Dabei hat es die Damen (und Herren) aus dem Vereinigten Königreich sicher schon unverhältnismäßig hart getroffen, dass seit einiger Zeit der Flachmann zuhause bleiben muss.
Ein Trost jedoch könnte sein, dass Fluggästen aus Terrorismusverhinderungsgründen vermutlich bald jegliche Kleidung – bis auf transparente Stringtangas und Flipflops – untersagt wird: das käme wohl so mancher lebensfrohen Britin entgegen!

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For relax you must come here!

Cohus Urlaub Forschungsreise in der Nähe von Chimaira ist gebucht, wenn man dem nebenstehenden Bestätigungsfax des Hoteliers Glauben schenken will. Ansonsten steh ich halt in ‘nen paar Tagen um elf Uhr nachts mit der IT am Flughafen von Antalya und mir die Beine in den Bauch. Abgesehen von Horden von Chimärenforschern wie mir finden sich in der Bucht von Adrasan wohl hauptsächlich Taucher, denn: "Adrasan has a cove which is covered by pines and interesting.(…) Adrasan’s cove is so aestetic and beautiful place. (…) Great ambience and beautiful place you can’t leave there when you see. For real relax you must come here." (Hotelseite über Adrasan). Cohu wird natürlich jede Minute, in der sie nicht isst bzw. schläft bzw. Chimären erforscht, beim Schnorcheln sein. Jetzt fehlen nur noch die Flossen. Oder stimmt die alte Behauptung, dass einem Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen, wenn man nur lang genug im Wasser ist?