Modellbau mal anders

Noch scheint die Sonne, aber wie ich das Wetter dieses Jahr kenne, wird es spätestens in ein paar Stunden gießen wie aus Eimern. Zeit also für einen kleinen Basteltipp: geniale Papierautomaten. Hört sich ziemlich langweilig an, jaja…Aber: 

Für schlappe 10 Pfund (11 Euro) gehört Euch dieses Kunststück. Also, zusammenbauen muss man es dann noch, aber das dürfte ja ein Leichtes sein…

Catch and Release

Nein, also sowas! Am Freitag kauft sich Cohu das Buch “ABC des Angelns“. Und einen Tag später schreibt die SZ, Angeln wäre der “neue Trend”:

Angeln, das ist vor allem: stundenlang aufs Wasser starren und nichts passiert, sozusagen: meditative Besinnung. (…) Angeln: Das scheint zur Zeit einfach die stilvollste Therapie für die neue Lost Generation zu sein, die vor lauter Gewinnen und weißen Motoryachten das Verlieren fast verlernt hätte. (sueddeutsche.de)

Soso. Ich sage: grundfalsch. Nach meiner Lektüre des Angel-ABCs scheint es mir beim Angeln nämlich um ganz andere Sachen zu gehen als “stundenlang aufs Wasser starren und nichts passiert” und “Verlieren lernen”. Ich muss das mal kurz erläutern:

Die SZ hat, wie so oft, was verpasst. Das Fischefangen ist nämlich längst nicht mehr Domäne der Dosenbierschlürfer und Achselhemdträger. Der heißeste Trend im Angelsport ist nämlich spätestens seit A River Runs Through It das Fliegenfischen. Jeder junge Angler, der heute ins Hobby einsteigt, träumt davon, mal wie Brad Pitt vor schmachtenden jungen Damen zu stehen, wenn er – haha – die Rute rausholt. Passiert am Karpfenteich ja eher nicht.

Der Fliegenfischer ist mit dem traditionellen Standardangler gar nicht zu vergleichen. Einen Großteil seiner Energie widmet er der Konstruktion und richtigen Auswahl der künstlichen Köder. Das sind bei ihm virtuos geschlungene Gebilde aus Haaren, Borsten, Federn und Draht, die bestimmte Futtertiere (z.B. Eintagsfliegen, ihre Larven oder Fische) täuschend echt nachbilden und sogar die launische Forelle zum Biss verlocken (s. Abb.).

Der Angler macht es sich dabei keineswegs im Klappstuhl gemütlich – beim Fliegenfischen, erklärt vielmehr mein Angel-ABC, geht es effizient zu – da “werden ganze Flüsse systematisch abgefischt.” Der Jäger steht nicht wartend da, sondern wirft den verlockenden Köder immer wieder kunstvoll aus – imitiert dabei aus dem lockeren Handgelenk den Insektenflug -, bis die Grätentiere nicht mehr widerstehen können und zuschnappen. Ihr Verhängnis!

Und jetzt zur unvermeidlichen theoretischen Analyse dieses Phänomens, liebe Leser. Beim Fliegenfischen, dem Angel-Trendsport, lernt man nicht Verlieren – sondern Bescheißen. Man legt die schlauste und leckerste Beute aufs Kreuz: die fettesten Lachse, die köstlichsten Raubforellen. Und zwar mit Tücke und intelligent konstruierten, bunten und schillernden, in unglaublicher Vielfalt produzierten Attrappen.

Kam der herkömmliche Angler noch bieder daher wie eine Sparkassenfiliale, ist der heutige Fliegenfischer quasi der Bernie Madoff unter den Fischfängern. Die Trockenfliegen in ihrer unglaublichen Detailtreue und Diversität entsprechen den Swapderivaten, Rainbow Options und sonstigen für die Beute undurchsichtigen, hochkomplexen Finanzprodukten der letzten Jahre. Vom gierig zubeißenden Beutefisch bleiben hier wie dort nur ein paar Gräten und Flossen, zur großen Freude der rutenschwingenden Hochstapler.

Und dieses groß aufgezogene Bescheiß- und Verwirrspiel soll jetzt die Therapie der Lost Generation sein soll, liebe SZ? Na, ich weiß ja nicht. Scheint mir eher überholt. Übernehmt für Eure Stil-Seite doch lieber einen anderen “neuen” Trend, den neulich die NYT ausgerufen hat: Canning. Das grandiose Steckenpferd der Bohème der Weltmetropolen. Das moderne Bungeejumping praktisch, der Poetryslam von heute, so heiß wie Bikram Yoga und so spannend wie Slacklining. Und im Gegensatz zum teuren Angelhobby ist es wirklich rezessionstauglich. Die Älteren unter meinen Lesern werden es vielleicht noch kennen:

Es geht ums Einwecken.

(Bild: Wikimedia Commons)

Lebensecht

"This is Kev and his daughter Alice. They’re living on a couple of park benches, surviving on free meals from work and school, and the occasional bucket of ice cream stolen from a neighbour’s fridge. When you create a Sim in The Sims 3, you can give them personality traits that alter their behaviour. Kev is hot-headed, mean-spirited, and inappropriate. He also dislikes children, and he’s insane. He’s basically the worst Dad in the world. He is a horrible human being, but he’s also amusing to watch. (…) His daughter Alice is a kind-hearted clumsy loser. With those traits, that Dad, and no money, she’s going to have a hard life."

(Alice and Kev – the story of being homeless in The Sims 3)

Ich bin ja, angesichts dieser drolligen Spieloptionen, wirklich schwer versucht, mir diese neue Sims-Version zu kaufen. Wer weiß schließlich, wann das Spiel im Rahmen der neuen Offensive als "Killerspiel" verboten wird…Freigeben Ab 6 Jahren? Mitnichten beruhigend, liebe Eltern! Das machen nämlich Eure Kinderchen mit den netten kleinen Sims:

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Propaganda im Kinderzimmer

Dass die heutigen Teenager fast ausschließlich mit Schuleschwänzen, Alkopops und Schwangerschaften (in genau dieser Reihenfolge) beschäftigt sind und auch sont nichts Gutes im Schilde führen, ist ja an sich nichts Neues.

Dass aber jetzt schon zarte, unschuldige Kindergartenkinder mit einer Bilderbuchreihe namens "Frag doch mal…" eiskalt an Killerspiele herangeführt werden sollen… schockierend! Von der Leyen, übernehmen Sie!

Cojones

"March Madness" hat nichts mit der statistischen Spitze der Verschlimmerung psychischer Erkrankungen im Frühjahr zu tun, sondern bezeichnet üblicherweise die Endrunde des US-College-Basketballs. Irrsinn trifft es ganz gut – sogar der mächtigste Mann der Welt nimmt sich fünf Minuten Zeit, um öffentlich seine Tipps abzugeben und besteht darauf, trotz NATO-Gipfel und Zeitverschiebung ein paarmal einschalten zu wollen: "Air Force One does have DirecTV…" (Präsidententipp sind übrigens die Tar Heels).

Auf die Idee, die March Madness als perfekten Zeitpunkt für eine Vasektomie zu verkaufen, muss man allerdings erstmal kommen:

Schedule your vasectomy for one of the prime 24 slots during the first days of the tournament! You get a recovery kit – and most importantly – a doctor’s note stating you need to sit on the couch and watch basketball! (Oregon Urology Institute)

(In den USA ist diese ambulante OP übrigens viel, viel verbreiteter als in Europa. Aber wenn die europäischen Urologen erstmal draufkommen, ihre Dienste kurz vor der Fußball-WM anzubieten…)

(Bild: Wikimedia Commons)

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Kinderlächeln

Lieber Leser, sind Sie Kinderzahnarzt? Haben Sie ihr großes Privatvermögen auf Zahnstein und Tränen kleiner Engel gebaut, und erfüllt Sie das Schrillen des Bohrers genauso mit Freude wie das markerschütternde "Mamiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii" ihrer Patienten? Was können Sie tun zur Perfektionierung ihres Geschäfts? Nein, nennen Sie ihre Praxis nich "Kinderlächeln" – darauf fällt niemand rein – investieren Sie stattdessen 200 Euro und stellen sie Kota, den Triceratops in ihr Wartezimmer. Es wird nie wieder leer sein.

Warum glaubt man eigentlich, Werbesongs immer mit Kindergeschrei beschallen zu müssen, das nur jeden dritten Ton trifft, und zwar krächzend und schnarrend? Bringt das irgendwie Street Cred? Hier ein saisonal passendes Gegenmittel (nur mit Widerwillen zeige ich hier Cambridge-Burschen, aber sie sind halt gut).

 

Für die Sportler unter meinen Lesern

Immer wenn ich an einem Fitnessstudio vorbeikomme, tun mir die armen Menschen leid, die dort hinter Glas auf tretmühlenartigen Geräten laufen und doch keinen Meter vorankommen. Bewegung an sich ist ja schon unschön – aber dann auch noch statt frischer Luft die Ausdünstungen anderer sich Quälender einatmen und statt Vogelgezwitscher und Hundegebell MTV-Geplärr und Börsenticker? Nein danke… Gottseidank haben nun amerikanische Ingenieure eine elegante Lösung für dieses vertrackte Problem gefunden. Seht selbst: