Kurze Meldung von der Front

Cohu ist momentan etwas beschäftigt – weniger mit dem “Shopping” als mit dem bald anstehenden Umzug (habe mich entschlossen, die vormals hamburgische IT-Abteilung in-zu-sourcen und daher neue Geschäftsräume in der Türkenstr. anmieten müssen…).
Trotzdem, etwas Erstaunliches vom Obletterbesuch neulich muss ich berichten: es gibt dort ein Playmobil-Frauenfußballteam! Endlich tut mal (außerhalb von Wien) jemand was gegen Gender-Stereotyping. Neffe und Nichte haben sich allerdings davon unbeeindruckt gewünscht: einen Polizei-Motorradfahrer und eine Lillifee-Puppe. In der zu erwartenden Verteilung.
Kein Wunder:

Although you may not realize it, your child is constantly being bombarded with gender stereotypes — the oversimplified ideas about how males and females are “supposed” to act. These messages come from the media — through movies, TV programs, books, and commercials — as well as through things like kids’ clothing and toys and even the way in which parents divide up the household duties, says Kathleen Crowley-Long, PhD, professor of psychology at The College of Saint Rose in Albany, New York, and an expert in gender and child development. (“Avoiding Gender Stereotypes”)

Ach, ich weiß nicht. Frauen sollte man in so wissenschaftlichen Dingen eh nicht trauen, glaub ich – hormonelle Schwankungen machen akademisches Arbeiten ja fast unmöglich! Obwohl, is schon mal gut, dass sie was mit Kindern macht, diese Crowley-Long. Können Frauen einfach besser.

Blasphemiker aufgepasst

Beim HL, Minimal, Rewe oder wie der jetzt grade heißt gibts momentan das ultimative Zubehör für Hardcore-Weihnachtshasser. Nämlich Toilettenpapier in der "Merry Christmas"-Edition. Wenn man bedenkt, dass die aufgedruckten Symbole – geschweifter Stern bzw. klingelnde Glöckchen – für einen signifikanten Prozentsatz der Menschheit symbolisch für die freudig erwartete Ankunft ihres Religionsführers stehen, kann man es schon ganz schön geschmacklos finden, sie auf Exkretionszubehör zu drucken. Ich würde fast schon sagen: Koranverbrennen war gestern. Und dann auch noch dreilagig – als ob die Trinitätsdoktrin im Laufe der Jahrhunderte nicht schon genug Spott hätte aushalten müssen…

Cohu hat jedenfalls gleich zugeschlagen – 1,77€ für 8 Rollen, da kann doch keine Religion der Welt was gegen sagen. Im Drogerieproduktebereich sind sie neuerdings ansonsten ja auch innovativ.

Decline Of A Nation: Glänzend geht die Welt zugrunde

Am letzten Glanz eines untergehenden Imperiums erfreuen sich traditionsgemäß die verfeinertsten und verbildetsten Geister jeder Epoche. So auch Cohu. An besonderer Dekadenz durfte ich heute beim samstäglichen Schuhputz teilhaben, die Treter wurden nämlich mit einer ganz besonderen Essenz behandelt:
Die IT hortet – seit einem Einkauf in Oxfords ältestem Schuhgeschäft “Ducker & Son” – noch einen Vorrat der Schuhcreme der (ursprünglich australischen) Marke “Kiwi“. Schon der Name erinnert an Zeiten, als dies Vogels Heimatland Neuseeland noch Teil des British Empire und nicht nur des popeligen Commonwealth war. Die besondere Ausführung “Parade Gloss” in der Farbe “Dark Tan” (Abb. abweichend) lässt nochmals die militärische Stärke eines Weltimperiums aufblitzen, selbst wenn Cohu ihre Treter auch diese Woche nicht zu einer Parade tragen wird. Der “Parade Gloss”-Dose entsteigt ein feiner Duft, der – obwohl die Firma natürlich längst einem amerikanischen Konzern gehört – an die Stiefelkammer eines Landgestüts im Somerset erinnert, jedoch wohl auf Terpentinöl zurückzuführen ist. Die Geschmeidigkeit, Glanztiefe und Farbverteilung ist jedenfalls mit gängigen deutschen Schuhpflegeprodukten (auch z.B. Hochpreissegment wie Tapir) nicht vergleichbar. Leider ist (wohl aus Angst vor erneutem Blitzkrieg?) die Ausführung “Parade Gloss” in Deutschland nicht erhältlich.

Arbeiter zu Pflugscharen

Bei der Diskussion um Investivlöhne sind die Grenzen von Cohus Verstandeskraft erreicht. Bei Beteiligung am Arbeitgeberunternehmen fällt mir zunächst mal die lustige Praxis mancher Dotcom-1.0- Startups ein, die doch tatsächlich jede noch so kleine Sekretärin dazu überredeten, ihre Bundesschatzbriefe zu verkaufen und in Unternehmensanteile der “Wuzi Consulting A.G.” umzuwandeln. In der Blase und vor der Insolvenz: sehr arbeitgeberfreundlich, sehr lohnkostensparend!
Auch ansonsten: man würde doch jedem Lohnsklaven raten, die Unternehmensanteile/Aktien, die er von seinem Arbeitgeber bekommt, schnellstmöglich abzustoßen und sein Geld sinnvoll zu investieren. Sogar mein  Beraterbank-Bankberater – der im Bezug auf Dow Jones, Dax et al. übrigens stets von “Indexen” spricht – weiß nämlich, dass die Investition von Privatvermögen in Einzelunternehmen aufgrund der fehlenden Risikostreuung vollkommener Schmarrn ist. Arbeiter zu Kapitalisten ist ein netter Slogan, aber jeder Arbeiter, der Geld auf dem Kapitalmarkt anlegt, ist ein Kapitalist, da braucht er keine fünf Thyssen-Krupp-Geburtstagsaktien im Wandschrank.
Ursprung des Ganzen ist, wenn mich mein Kommunistenlatein nicht täuscht, die Theorie,dass der Arbeiter von seiner Arbeit entfremdet wird, weil ihm die Produktionsmittel nicht gehören. Dies soll psychologisch unangenehm sein. Aber korrigiert mich gerne. Marxismus-Leninismus hatten wir in meinem humanistisch-niederbayerischen Gymnasium nur kurz in der Mittelstufe.

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Reih Dich ein in die Suchmaschineneinheitsfront…

Manche denken, der Sozialismus sei tot. Andere haben bereits von Quaero gehört – einem staatlichen Suchmaschinentechnologieprojekt mit einem Investitionsvolumen von "deutlich über 400 Millionen Euro" (davon anscheinend etwa 100 Millionen Euro aus deutschen Steuergeldern). Das Projekt dient hauptsächlich der Förderung des Nationalstolzes der Grande Nation, die meint, dass der Prozess der europäische Identitätsfindung in regelmäßigen Abständen mit großen Dosen Antiamerikanismus befeuert werden muss  – in your face, Google! Interessant diese Anmerkung in einem Heise-Artikel zum Thema Quaero:

Alle diese "Business Cases" seien "von vornherein auf kommerzielle Nutzung ausgerichtet", da "alle beteiligten Firmen Geld verdienen wollen" und keine reine Werbefinanzierung geplant sei. "Wir sind nicht interessiert an Dingen", betonte Wahlster auf einem Bitkom-Forum Anfang September in Berlin, "wo wir sagen, das stellen wir jetzt zum Gemeinwohl ins Internet." (heise online)

Von einer Ausschreibung wurde selbstverständlich abgesehen, mit der reizenden ministeriellen Begründung:

"Bei der Aufsetzung von strategischen Großprojekten mit grundlegender Bedeutung sind Ausschreibungen nicht üblich, da hier – auf der Grundlage von vorgegebenen Zielen – die Projektpartner durch die stringente Projektführung ausgewählt werden und das notwendige Projektmanagement durch den Konsortialführer vorgenommen wird." (gleicher heise-artikel)

Ich verweise, um diese schrecklichen Formulierungen aus meinem Hirn zu tilgen, einfach mal auf Milton Friedman’s Analyse der Kraft des freien Marktes in der legendären "Bleistift"-Szen aus Free To Choose:

Ich bezweifle, ob ein staatlich kontrolliertes europäisches Großprojekt in der Lage wäre, auch nur einen einzigen popeligen Bleistift (zu einem konkurrenzfähigen Preis!) herzustellen. Wie ihre Suchmaschinentechnologie am Ende aussehen wird, möcht ich daher gar nicht wissen… Am Schluss wird vermutlich in allen europäischen Behörden, Universitäten, Unternehmen und Privathaushalten eine Quote eingeführt, wie oft "Quaero" an Stelle von Google benutzt werden muss. Diese wird anhand eines Fünfjahresplans zentral festgelegt. Hasta la victoria siempre!

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In Memoriam

Milton Friedman, einer der größten Liberalen der Nachkriegsgeschichte, unermüdlicher Kämpfer für die Freiheit des Einzelnen, Vater des Anarchokapitalisten David Friedman und von Janet Friedman, außerdem einflußreicher Ökonom und Nobelpreisgewinner, ist gestern im Alter von 94 Jahren gestorben. In der Wikipedia spottet man gerade: “Friedman’s death was caused by his not having enough heart.” Zumindest seine beneidenswert harmonische und – sowohl wissenschaftlich als auch prokreativ – produktive Ehe mit Rose D. Friedman  war aber wohl vom wohlwollenden Schicksal arrangiert. Vergleiche dazu die Memoiren “Two Lucky People”, die Milton und Rose, genauso wie “Capitalism and Freedom” und den Bestseller “Free to Choose”, zusammen geschrieben haben.

Wem der Milton jetzt immer noch nichts sagt, den bitte ich, sich dieses Video zu betrachten. Ja, nur zu, da kommt sogar der Terminator vor!

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Wer ist hier der Chef?

Cohu hat sich, in Anbetracht des nahenden Jahreswechsels und ihrer Abneigung gegen elektronisch gestützte Terminplanung, heute einen ganz ordinären paper-based-Kalender gekauft. Hab von den Moleskines, Bindewerk – Produkten und sonstigem kostspieligen, befilzten und belederten Tand  abgesehen. Nein, natürlich nicht, weil ich übertrieben sparsam wäre (keinesfalls!), sondern lediglich, um mich bewusst von den "Schriftstellern und Intellektuellen der letzten 200 Jahre" sowie von "Originalität, Qualität, Individualität, oder Exklusivität" abzusetzen. Als alte Anarcholiberale, die Schrifstellerei verachtet, Intellektuelle hasst, Traditionen (insbesondere 200-jährige) prinzipiell ablehnt, Originalität verspottet, Qualität meidet, Individualität entgegenzuwirken sucht und Exklusivität aus der Tiefe ihres Herzens hasst (außerdem mag ich diese Moleskine Gummibandtl nicht!), habe ich mir stattdessen für zweifuchzig beim Karstadt einen schlichtes Kalenderbuch geholt namens – man höre und staune – "Chefkalender." Es gab Familienkalender, Handwerkerkalender, Mondkalender, Arztkalender und sogar Akademikerkalender, aber der gefiel mir am besten.
Beim Durchblättern meines alten Notizblocks habe ich übrigens viele amüsante Einträge gefunden, darunter auch, einmal im September: "Bild lesen!". WTF???? Daneben ein Kastl zum Durchstreichen, das gottseidank unbefleckt war…

Ich habe einen Traum

Jedesmal, wenn Cohu durchgefroren, mit Tüten voller Essen und Flaschen voller Trinken bepackt in das Vestibül ihrer bescheidenen Heimstätte in München-Maxvorstadt tritt, stellt sie fest, dass es drinnen ziemlich viel wärmer ist als draußen. Im ungünstigen Fall beschlägt ihre Brille schon einige Sekunden vor dieser Feststellung auf das Vehementeste, im Günstigsten Fall hat sie es trotz morgendlicher Faulheit geschafft, vor dem Einkaufen die Linsen in die Augen zu popeln. Aber selbst dann: wo hin mit dem ganzen Zeug? Erstmal werden die Viktualien strategisch günstig in der Miniatur-Küche und der Mantel auf dem Bett fallengelassen. Doch jetzt stellt sich die alles entscheidende Frage: wohin mit Mütze, Handschuhen und u.U. sogar noch einem Schal? Jedesmal, wenn Cohu sich in dieser Situation befindet, wünscht sie sich auf das Sehnlichste einen galanten Diener, der alles auf einem Silbertablett drapiert und dann dezent aus dem Raum geht diesen Böppel von Ikea (siehe Abb. ) namens BLIMP Wandaufbewahrung. Besitzer eines solchen Böppels beneide ich, bzw. ich benitte sie, wann ich sie kännte. Ich habe einen Traum: eines Tages werde ich in ein IKEA-Möbelhaus treten. Und es als Besitzerin eines BLIMP-Böppels wieder verlassen. I say to you today, my friends, so even though we face the difficulties of today and tomorrow, I still have a dream.

(Bild: IKEA)

Exakte Dosierung

Jeden Scheiß gibt es bei uns in Dosen und Flaschen, sogar Pfannkuchenpulver und Prosecco. Nur keinen Kürbis – dabei würde man sich da wirklich viel Arbeit sparen. Auch schon mal so ein Riesentrum heimgeschleppt, zu schälen versucht und dabei mehrere Finger teilamputiert, dann ungefähr 300 Gramm des Monsters wirklich verwertet und den Rest – nach einer Woche im Kühlschrank – weggeschmissen? In den USA, dem Land von Käse aus der Tube und Low-Carb-Brownies, ist das Kürbiseindosen gang und gäbe, nur bei uns gibts den himmlischen Dosenkürbis nirgends – oder habt ihr ihn schon mal gesehen?
P.S. Ich meine nicht eingelegten Kürbis. Den hab ich schon oft gesehen und leider auch schon mal probiert…
P.P.S. Wo ich grad beim Thema Convenience-Food bin: die Minuteria-Mikrowellen-Pizza, über die ich mich vor ein paar Monaten noch ausgiebig lustig gemacht hatte, hat im Pizzatest der “Stiftung Warentest” sehr gut abgeschnitten. Und zwar sogar im Vergleich mit normalen Herd-Pizzas. Wenn ich wider Erwarten Zugang zu einer Mikrowelle haben sollte, werde ich sie mal ausprobieren! Begrabt mich auf dem Waldfriedhof…

Untergang des Abendlandes

Nee, nicht weil der Westerwelle die Klassenlose Gesellschaft ausgerufen hat. Sondern weil es hier im Supermarkt Prosecco gibt.
IN DOSEN!!!1
Ich weiß, da hatte z.B. der Shopblogger mal was drüber geschrieben, aber jetzt erst hab ich es mit meinen eigenen Augen gesehen!

Muss man ein Getränk, das eh schon einen höchst zweifelhaften Leumund hat – ich darf exemplarisch erinnern an das Machwerk "Frauen die Prosecco trinken", angeblich ein "Frauenroman", in Wirklichkeit eine peinliche Klischeesammlung, der im Titel auch noch ein Komma fehlt – also, warum füllt man eine solche Flüssigkeit, die nur ab und zu,  in geringen Mengen, zu ertragen (bzw. gar schmackhaft) ist,  auch noch in eine Dose? Das ist so, als würde man…äh…einen Juristen…auch noch in einen ballonseidenen Jogginganzug kleiden – zum davonlaufen! [Natürlich gleicht der gemeine Jurist dem Prosecco nicht in der Eigenschaft, spontan mit seichter Unterhaltungsliteratur assoziiert zu werden, sondern lediglich in der Eigenschaft, in großen Mengen schwer erträglich zu sein. Jaja, ihr könnt Euch ja eine bessere Metapher ausdenken! Undankbares Pack.]

Jedenfalls, vielleicht haben Al Quaida und die irren Hippies recht, und wir sollten es mit der modernen Zivilisation einfach lassen. Übertrieben, meint Ihr? Na gut, aber ich sags Euch, spätestens, wenn fertiger Pfannkuchenteig auf den Markt kommt, gebe ich alle Hoffnung auf Fortschritt, Rationalität, Aufklärung und kulturell-ästhetische Weiterentwicklung auf!
Ach Mist.