Sprechender Sprachatlas

Freunden des "Kleinen Bayerischen Sprachatlas" wird das da vermutlich auch gut gefallen.

Wie heißt bei Euch ein Küken? Den Ausdruck Biberl findet man auf der Karte gar nicht (obwohl ihn einige Sprecher dazusagen). Dabei braucht man den doch so dringend für den Kinderreim:

Rennfahrer Biberl
scheißt ins Küberl
scheißt wieder raus
Du bist draus.

Singerl dagegen kenne ich jetzt wieder nur als unsterbliche Volksschauspielerin (s. Abb.). Dass Ausdrücke wie Scheedan oder, noch besser, Gläppm, für "vertrocknete Kotklumpen an Kuhschenkeln" mitsamt dem bairischen Dialekt aussterben müssen, ist doch schade. Könnte man die Wörter nicht einfach umfunktionieren und z.B. als Bezeichnung für junge Neonazis verwenden?
(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Wagnerian Crescendo

Ein Hamburger Informant hat mich dankenswerterweise auf die diesjährigen "Bad Sex Awards" hingewiesen, die von der enlischen "Literary Review" verliehen werden:

"The Bad Sex Awards were inaugurated in 1993 in order to draw attention to, and hopefully discourage, poorly written, redundant or excessively pornographic passages of a sexual nature in fiction. The intention is not to humiliate." 

Cohu und viele andere sehen diesen Preis tatsächlich eher als Auszeichnung denn als Ohrfeige – schließlich hat sogar der größte lebende Romancier, Tom Wolfe, für das Meisterwerk "I Am Charlotte Simmons" einen solchen Award eingeheimst ("Slither slither slither slither went the tongue…")

Für die im Englischen nicht so firmen gibt es hier einen netten Zeit-Artikel zur diesjährigen Verleihung. Wesentlich interessanter aber: die Shortlist, die hier nachzulesen ist – mit so zeitlosen Zeilen wie

"Sebastian’s erect member was so big I mistook it for some sort of monument in the centre of a town." (Kathy Lette, To Love, Honour and Betray)

"Brida surrendered herself entirely. The forces of the world were penetrating her five senses and these were becoming transformed into an overwhelming energy." (Paolo Coelho, Brida)

"Do you want to see my vagina?" (John Updike, The Widows of Eastwick)

Und wer hat den Preis gewonnen? Niemand geringerer als die Schwester des großartigen und unvergleichlichen Boris Johnson, des Londoner Bürgermeisters (Cohu berichtete). Diese Familie ist geradezu gepflastert mit Genies, und das sieht man auch an dieser Passage:

"I find myself gripping his ears and tugging at the locks curling over them, beside myself, and a strange animal noise escapes from me as the mounting, Wagnerian crescendo overtakes me. I really do hope at this point that all the Spodders are, as requested, attending the meeting about slug clearance or whatever it is." (Rachel Johnson, Shire Hell)

Das Buch wird gekauft und gelesen. Wenn es diese beiden Sätze enthält, muss es gut sein.

Darum liebe ich den Suckfüll

… weil ich keinen anderen Eisen- und Haushaltswarenhändler kenne, der Zitate von Ruskin in seine Schaufenster hängt.

[Man verzeihe die schlechte Bildqualität. Ein neuer elektronischer Helfer wird bald im Hause Cohu eintreffen, dann wird das Bildmaterial wieder gestochen scharf – bis dahin muss das Fotohandy der IT herhalten…]

Ökenalarm

Das kommt davon, wenn man Weleda anschreibt…habe mail natürlich gleich ausgedruckt, bis das Papierfach leer war. Mit dem guten "100% rainforest"-Papier.

Brot für die Welt

Zu globaler internetziger Berühmtheit ist inzwischen das knetfreie Brot des NYT-Kolumnisten Mark Bittman gelangt (der es wiederum von der Sullivan St. Bakery adaptiert hat). Wer sich von einem Rezept von “The Minimalist” ein, naja, wirklich minimalistisches Brot erhofft, dürfte nicht ganz so begeistert sein, wenn er feststellt, dass das No-Knead-Brot:
1. mit Hefe gemacht wird (manchen gelingt sie immer, wie z.B. der in dieser Hinsicht sehr glücklichen Cohu, andere haben da irgendwie eine schlechte Aura…)
2. 18-20 Stunden, und dann in der Form nochmal 2 Stunden, gehen muss und
3. dass man einen gusseisernen Topf dafür braucht, in dem das Brot gebacken wird.

Es geht noch einfacher. Bei meiner Expedition nach Doolin war ich im “Sommer” ganz hingerissen vom Irish Soda Bread, das uns unsere B&B-Wirtin jeden Morgen frisch gebacken zum Frühstück reichte (in der Variante “Spotted Dog”, d.h. süß mit Rosinen), und das in der schlichten, leicht salzigen Version auch in den diversen Pubs dieses Landstrichs gerne zum Stew serviert wird. Der Geschmack ist schlecht zu beschreiben – Brot mit leichtem Brezenaroma? Das liegt, vermute ich jetzt mal, am Baking Soda, zu deutsch Natron, das der Ire in Kombination mit Buttermilch als Backtriebmittel verwendet. Die Konsistenz ist saftig-krümelig, aber nicht so schwer wie der typische Vollkorn-Pflasterstein, im gegenteil, trotz fehlender großer Blasen ist das Brot richtig leicht und hat eine knusprige Kruste. Ich hab es jetzt mal ausprobiert und es ist tatsächlich auch für eine Nicht-Brotspezialistin ganz gut replizierbar:

500g Vollkornmehl
150g Weißmehl
1/2 Tasse zarte Haferflocken
1 EL Baking Soda (im Supermarkt bei den Backzutaten unter “Kaiser Natron” erhältlich)
1 EL Salz
500-750ml Buttermilch

Die trockenen Zutaten sieben und sehr gut vermischen (aus dem VK-Mehl ausgesiebte Kleie einfach wieder dazugeben). Währenddessen Ofen und Backblech bzw. Kastenform auf 230° vorheizen. Buttermilch zu den trockenen Zutaten gießen und verrühren. Es soll einen bazigen und klebrigen Teig geben, der nicht besonders homogen sein muss, nur halt irgenwie zusammenhält. Da die Buttermilch nun sofort beginnt, mit dem Natron zu reagieren und der Teig aufgeht, soll man so kurz wie möglich kneten. Dann Teig in einen Batzen rollen und evt noch in Haferflocken oder Kleie wälzen, in die heiße (!) Kastenform geben bzw. auf das Backblech (dann mit Backpapier). bei 230°C 10 Minuten backen, auf 200° runterschalten und noch mal 35 Minuten backen. Also mir schmeckts…

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Suchmich im November

gruenkohl mit pinkel in rom/italien
Nein. Also – nein.

nazis haben kleine pimmel
Frage? Tatsachenbehauptung? Ich halte es für eher unwahrscheinlich, dass ein solcher Kausalzusammenhang besteht. Festzuhalten ist, dass Menschen ganz ohne Pimmel statistisch gesehen eher selten Nazis sind.

türkischeehre gedicht
Wird gemacht:

"Dass er den Boden kehre
verbietet die türkische Ehre
Fegt aber seine Mutter,
ist wieder alles in Butter."

fraggles fragwürdiges kinderlied
Und jetzt alle mitsingen:

kapitän ahab liberalismus kapitalismus
Sorry, da muss ich passen. Vielleicht fällt den Experten was dazu ein. Ahab scheint jedenfalls nicht in erster Linie aus Gewinnerzielungsabsicht zu handeln. Außerdem geht er samt Anhängerschaft mit fliegenden Fahnen unter. Sehe da eher Parallelen zum Kommunismus.

lebensweisheiten eichhörnchen
Da gibt es einige – "Was Du heute kannst bepuscheln, das verschiebe nicht auf Morgen" oder "Nagezahn im Kobel erspart den Nussknacker".

lucy redler nacktfoto
Ich glaub, ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit der IT reden.

Wääääh! Wäääääh! Wääääääääääh!

Auch wunderschön: musizierende Kinder!

Natürlich gibt es vereinzelte Feinde der Fortpflanzung. Manche(r) ist so stolz darauf, dass es seine Spermien noch nie zur Verschmelzung bzw. ihr Uterus noch nie zur Kontraktion gebracht haben, dass man denken könnte, es handele sich bei der bloßen Nichtproduktion eigener Blagen um eine geradezu übermenschliche Lebensleistung. Dann gibt es auf der anderen Seite die gefürchteten 120%-Eltern, für die das “richtige Leben” erst mit der selbstverständlich komplett schmerzmittelfreien Wassergeburt ihres PaulMaxLeon anfängt und mit dem Abstillen des Burschen nach 6 Jahren so gut wie vorbei ist. Natürliche Abgrenzungskämpfe, die man auch in allen anderen Bereichen findet (Biogärtner vs. Gartennazi, Autofahrer vs. Radfahrer, BWLer vs. attac, IKEA vs. Antiquitäten). In solchen grundsätzlichen Fragen der Lebensgestaltung sind heftige Streitigkeiten überflüssig, aber unvermeidlich. Menschen haben eben generell gerne Feinde, auf die sie dann und wann verächtlich herabschauen können (Ja, auch Du, lieber Leser. Oder was war das, was du da neulich über CSU-Wähler/Bayern-1-Hörer/Frauenzeitschriftenleserinnen gesagt/gedacht hast? Ha!)

Aber warum es notwendigerweise gleich “Kinderfeindlichkeit” ausdrückt, wenn ich keine laute KiTa im Nachbarhaus bzw. der Nebenwohnung haben will, ist mir ein Rätsel (ähnliche Fälle aus Hamburg und München). Ich vermute mal, die lärmgeplagten Nachbarn hätten genauso geklagt, wenn nebenan (wohlgemerkt: in ruhigen Wohngebieten) eine Aerobicstube aufgemacht hätte, in der von 8 bis 18 Uhr kinderlose Mittvierziger ihre (streifenfreien) Körper stählen. Wäre das dann Frauenfeindlichkeit? Sportlerfeindlichkeit? DJ-Bobo-Feindlichkeit? Na klar, Kinderlärm gehört zum Leben dazu. Ausscheidungsprozesse auch, aber deshalb muss ichs doch nicht noch toll finden, wenn mein Nachbar eine Kläranlage aufmacht. Ts.

Hausgemacht

Der Wordcount schreitet tapfer voran. Der NaNoWriMo-Counter zählt sogar noch etwa 300  Wörter mehr als der im hauseigenen Textverarbeitungsprogramm. Die Story lahmt etwas, das kann aber auch daran liegen, dass ich schon weiß, wie es ausgeht – laaangweilig!
Schwierig: Dialoge. Praktischerweise ist mein Protagonist nicht besonders gesprächig.
Noch schwieriger: Titelfindung. Vielleicht sollte ich, wie es in Hollywood üblich ist, einen “Freelance Naming Consultant” (Bsp.) einstellen, der mir dann ein paar Dutzend Vorschläge macht, und ich muss nur noch einen aussuchen. (Aber das wäre natürlich übler Betrug, da könnte ich ja gleich einen Ghostwriter engagieren!)

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Für die Sportler unter meinen Lesern

Immer wenn ich an einem Fitnessstudio vorbeikomme, tun mir die armen Menschen leid, die dort hinter Glas auf tretmühlenartigen Geräten laufen und doch keinen Meter vorankommen. Bewegung an sich ist ja schon unschön – aber dann auch noch statt frischer Luft die Ausdünstungen anderer sich Quälender einatmen und statt Vogelgezwitscher und Hundegebell MTV-Geplärr und Börsenticker? Nein danke… Gottseidank haben nun amerikanische Ingenieure eine elegante Lösung für dieses vertrackte Problem gefunden. Seht selbst:

Was ist süßer?

Miffy-Tissues (ja, auch auf den Taschentüchern selbst sind kleine Miffies abgedruckt!) oder Chantenay Carrots? Beides dient jedenfalls als moralische Unterstützung für die letzten… *nachzähl*…13498 Wörter bzw. 40 Seiten, die bis nächsten Sonntag aufs (virtuelle) Papier gebracht werden müssen.

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