Wääääh! Wäääääh! Wääääääääääh!

Auch wunderschön: musizierende Kinder!

Natürlich gibt es vereinzelte Feinde der Fortpflanzung. Manche(r) ist so stolz darauf, dass es seine Spermien noch nie zur Verschmelzung bzw. ihr Uterus noch nie zur Kontraktion gebracht haben, dass man denken könnte, es handele sich bei der bloßen Nichtproduktion eigener Blagen um eine geradezu übermenschliche Lebensleistung. Dann gibt es auf der anderen Seite die gefürchteten 120%-Eltern, für die das “richtige Leben” erst mit der selbstverständlich komplett schmerzmittelfreien Wassergeburt ihres PaulMaxLeon anfängt und mit dem Abstillen des Burschen nach 6 Jahren so gut wie vorbei ist. Natürliche Abgrenzungskämpfe, die man auch in allen anderen Bereichen findet (Biogärtner vs. Gartennazi, Autofahrer vs. Radfahrer, BWLer vs. attac, IKEA vs. Antiquitäten). In solchen grundsätzlichen Fragen der Lebensgestaltung sind heftige Streitigkeiten überflüssig, aber unvermeidlich. Menschen haben eben generell gerne Feinde, auf die sie dann und wann verächtlich herabschauen können (Ja, auch Du, lieber Leser. Oder was war das, was du da neulich über CSU-Wähler/Bayern-1-Hörer/Frauenzeitschriftenleserinnen gesagt/gedacht hast? Ha!)

Aber warum es notwendigerweise gleich “Kinderfeindlichkeit” ausdrückt, wenn ich keine laute KiTa im Nachbarhaus bzw. der Nebenwohnung haben will, ist mir ein Rätsel (ähnliche Fälle aus Hamburg und München). Ich vermute mal, die lärmgeplagten Nachbarn hätten genauso geklagt, wenn nebenan (wohlgemerkt: in ruhigen Wohngebieten) eine Aerobicstube aufgemacht hätte, in der von 8 bis 18 Uhr kinderlose Mittvierziger ihre (streifenfreien) Körper stählen. Wäre das dann Frauenfeindlichkeit? Sportlerfeindlichkeit? DJ-Bobo-Feindlichkeit? Na klar, Kinderlärm gehört zum Leben dazu. Ausscheidungsprozesse auch, aber deshalb muss ichs doch nicht noch toll finden, wenn mein Nachbar eine Kläranlage aufmacht. Ts.

25 Responses to “Wääääh! Wäääääh! Wääääääääääh!”

  1. Helga Says:

    Ich hab mir mal eine Wohnung angeschaut, da wäre mein Arbeitszimmer zum Kita-Garten hingelegen gewesen – Luftlinie drei Meter. Nein, ich hab die Wohnung nicht genommen. Aber was wäre, wenn ich und mein Arbeitszimmer zuerst da gewesen wären????

  2. mars Says:

    Ihr seid alle so entwöhnt von der Realität! Was ist falsch daran, dass Kinder einen angemessenen Platz zum spielen und leben haben? Wohin soll man sie denn sonst schicken, wenn beide Eltern arbeiten? Bauen wir ein deutschlandweites Untergrund-Tunnelsystem? Oder richten wir gleich Waisenhäuser im Bayrischen Wald ein, mit vierteljährlichen Besuchen (optional), damit uns diese Blagen garnicht erst vor die Augen kommen? Ist das nicht nur ein kranker Trend, die Kinder zu vernachlässigen? Sie werden es uns jedenfalls nicht danken! Kinder lieben, nicht abschieben.

  3. cohu Says:

    Natürlich sollen sie einen angemessenen Platz haben. Der liegt aber halt nicht exakt neben einer Wohnung. Ich hab z.B. auch mal wo gewohnt, wo die KiTa im Hinterhof war – das war aber bei der dortigen Einrichtung kein Problem, denn der Hinterhof war groß genug, so dass es keine Lärmbelästigung gab sondern nur ganz süßes Gequietsche und Gesinge, über das ich mich immer gefreut hab 😉 – und meine Nachbarn sicher auch.Und Deine Reaktion, mars? Das ist genau das, was ich nicht verstehe. Vollkommen überzogen. Kinder sind halt keine ätherischen Engelchen, die nur Sphärenklänge und Licht absondern. Ne, die machen Lärm, Dreck, und Probleme – wie jeder anderer Mensch auch. Ich finde es "von der Realität entwöhnt", wenn man einfach so tut, als seien alle, die gerne bei weniger als 70db wohnen, kinderfressende Irre. Erzieher finden es im KiGa so laut, dass sie Hörprobleme (!) bekommen. Ja, sogar Eltern haben manchmal Probleme mit der Lautstärke ihrer Kleinkinder. Warum um alles in der Welt sind Anwohner dann sofort Kinderfeinde, wenn es ihnen zu laut wird?

  4. Maex Says:

    Wir waren doch alle mal Kinder und (zumindest ich) war im Kindergarten und in der Schule. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir den ganzen Tag laermend und schreiend im Freien rumgetobt sind.Klar haben wir Spiele gespielt (Haeschen in der Grube habe ich geliebt) aber das wurde gesungen und nicht geplaerrt und unsere Betreuerinnen haben uns – soweit ich mich erinnere – auch immer zu einem halbwegs annehmbaren Laermpegel angehalten.Das eigentliche Problem ist doch, dass wir mittlerweile eine 24h Stunden Laermgesellschaft sind. Die Strassenreinigung laermt ab 5 Uhr, die Handwerker bohren, haemmern und laermen ab 6 Uhr … das geht dann den ganzen Tag und abends/nachts soll man dann noch tolerieren, dass die Kneipen bis 4 oder 5 Uhr morgens geoeffnet und bei offenen Tueren mit voller Lautstaerke die Gaeste unterhalten oder dass Feiglinge im gesamten Haus hoerbar auf Tische geschlagen werden.Ich kann es verstehen, wenn jemand eine Ruhezone sucht und diese dann auch als solche erhalten will.Dazu kommt, dass sich der Bewegungsradius von Kindern in den letzten Jahren massiv verkleinert hat. Der Fachbegriff (fuer Google-Suchen z.B.) ist "Streifradius" und waehrend er in den 70er Jahren noch an die 20km betrug, sind wir mittlerweile bei 4km angekommen. In bestimmt Wohnsiedlungen Muenchener Satellitengebiete wuerde ich vermuten, dass er sich bei (Vor-)Grundschuelern allerdings eher bei 200m bewegt. Dass damit die laermende Horde sich nicht mehr auf ein breites Gebiet verteilt, sondern immer den gleichen auf der Gehoer sitzt duerfte klar sein. Zu meiner Zeit wenn es jemanden zu laut wurde haben sie uns weggeschickt, also sind wir einfach zum uebernaechsten Nachbarn. Heute liegt der aber eher ausserhalb des Streifradius und wenn man die Kinder verscheucht ist man gleich ein intoleranter Kinderhasser.Ich bin froh, dass ich noch frei und wild durch die Natur, Wald und Wiesen toben konnte und nicht aus Angst vor Kindesmisshandlungen keine 2m unbeachtet tun darf. Und ja, ich hatte den ganzen Sommer fast permanent aufgeschlagene Knie und ich habe ein paar kleinere Narben davongetragen und ich kann die Strafe noch spueren, als uns die Eltern mit 6 Jahren beim rauchen von getrockneten "Maishaaren" (eingerollt in gewachstes Karopapier *baeh*) erwischt haben, aber ich moechte all das NIE NIE NIE missen und mir tun die ueberbehueteten, uebergeliebten Kinder von heute leid.

  5. croco Says:

    Ja, Herr Maex, ich stimme ihnen in vollem Umfange zu.Kinder sind über die Jahre viel lauter geworden, das stimmt.Früher durfte man auf dem Schulhof nicht rumrennen oder krakeelen. Heute darf man das. Aber das ist auch der einzige Ort, wo das noch möglich ist. Die Kinder sind körperlich nicht mehr ausgelastet. Alle werden morgens gebracht. Der schuleigene Fahrradständer ist leer. Sie bewegen sich nicht mehr, keiner macht sie müde.Und versuchen sie mal als Biologielehrerin Kinder in den Wald zu schicken zur Spurensuche; Fichtenzapfen, Knöchlein und sonst noch was.Dann hüpfen Ihnen die Mamas mit beiden Beinen ins Gesicht.Viel zu gefährlich für mein Kind! Wald! WALD!Wilde Tiere und böse Buben!Dann gehen Sie doch mit? Was ?ICH? IN DEN WALD?Ich möchte kein Kind sein heute.Und bin froh, dass ich noch Schnecken gesammelt habe und Eidechsen gefangen. Und wusste, wo es Feuersalamander gab.

  6. Helga Says:

    Wenn ich heute einer Freundin sage, dass wir in dem Alter ihrer Kinder schon längst allein draußen waren, schaut sie mich entsetzt an. Dabei wohnt sie in einer absolut friedlichen und durchgangsverkehr freien Vorstadtsiedlung. Gut, meine Mutter war wesentlich öfter in der Notaufnahme mit mir wie sie es heute mit ihren Kindern ist;-)Aber um eines nochmal klar zu stellen: ich bin nicht kinderfeindlich, nur weil ich nicht neben einer Kita wohnen will. Und würde ich am Morgen das Haus verlassen und wäre den ganzen Tag in einem Büro (das eben nicht in meiner Wohnung ist) wär mir das auch egal…

  7. Stadtneurotiker Says:

    st es Kinderfeindlichkeit? Dieser Artikel und andere Beispiele mögen diese Frage bejahen. Die Antwort ist sicher nicht falsch, greift aber nicht weit genug.Sie wirft ein grundsätzliches Problem in unserer Gesellschaft auf: das Sankt-Florian-Prinzip. Man findet viele Dinge wichtig, ja sogar notwendig, aber bitte schön nicht vor der eigenen Haustüre!Natürlich will man einen Zubringer, der einen schnell zur nächstgelegenen Autobahn führt. Das Problem dabei ist nur: er verursacht Lärm, den man nicht haben will.Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs? Unbedingt! Aber bitte nicht in der Parallelstraße, weil Busse und Bahnen sehr laut sind.Es ist eine Grundhaltung vieler Menschen: sie klagen gegen alles, was ihre Lebensqulaität auch nur im geringsten beeinträchtigen könnte (und das Laub von Nachbars Baum, das in meinen Garten fällt, ist eigentlich das Paradebeispiel). Diese Einstellung zieht sich übrigens durch alle politische Lager, wie ich in meinem Viertel gerade Zeit feststelle…Ich will damit sagen, daß diese Menschen per se nicht kinderfeindlich sind, aber der Begriff der Lebensqualität wird arg individualisiert.Urteile wie das in Hamburg fördern so eine Haltung.

  8. cohu Says:

    Klar muss man gewisse Beeinträchtigungen auf sich nehmen, wenn man überhaupt in der Gesellschaft anderer Menschen leben will – ansonsten muss man halt auf einen Einödhof ziehen :-)Insgesamt find ich halt, dass es einfach auf den Einzelfall ankommt und man sich eben Fälle vorstellen kann, wo es durchaus gerechtfertigt ist, KiTas zu schließen, weil die Lärmbelästigung nicht mehr in diesem Rahmen des allgemeinüblichen Toleranzrahmens ist. Ich traue der deutschen Justiz zu, dass sie sowas im Rahmen eines Verfahrens in der Regel ganz gut feststellen kann. Ausnahmen mag es geben, und natürlich auch den einen oder anderen vollkommen überempfindlichen Anwohner, aber die Theorie, dass es in Deutschland eine Art institutionalisierte Kinderfeindlichkeit gibt (das wird ja dann in manchen Artikeln vertreten…), finde ich einfach nicht besonders überzeugend.

  9. mars Says:

    kinder sind eben doch engel, wenn auch nicht ätherische (das wäre unsympathisch). wie bereits vom stadtneurotiker trefflich gesagt, man kann nicht immer die dinge verlangen, deren durchführung aber immer anderen leuten zuschieben. nach dieser logik müsste man die abschaffung von kitas verlangen. auch wenn das den menschen vom lande vielleicht schwer verständlich ist: in der stadt sind überall menschen, also wohin mit den kindern, wo ist dieser sagenumwobene ruhige, schalldichte hinterhof? nach puchheim outsourcen? oder mit finanzieller gewalt nach hasenbergl oder neuperlach? schnackseln ja eh die ganze zeit die türken?! zum glück ist dieser egoismus nicht institutionalisiert. er ist absurd. auch kinder sind menschen.

  10. cohu Says:

    Also, wenn ich z.B. auf der Seite der Stadt München nach KiTas suche, werden mir allein 114 Einrichtungen angezeigt. Kindergärten gibt es sogar 518. Das mag keine 100-Prozent-Abdeckung sein und daran sollte man arbeiten (gerne mit Steuergeldern, da bin ich trotz meines überaus großen "Egoismus" auch dabei). Aber eine Verdrängung von Betreuungseinrichtungen aus der Stadt ist da beim besten Willen nicht festzustellen. Es handelt sich bei Klagen wegen Lärmproblemen um Einzelfälle.In meinem Viertel, der Maxvorstadt, gibt es übrigens mittlerweile eine Kiga-ÜBERversorgung von stolzen 116% (nachzulesen hier, die SZ hatte auch mal darüber berichtet).Sorry, aber wer in dieser Situation Abschiebungs- und Ghettoisierungsszenarien beschreibt, ist IMHO schön langsam auf dem Weg in Richtung Paranoia…

  11. Anonymous Says:

    Eine gewisse Paranoia kann ich jungen Eltern nicht verdenken, wenn sie partout keinen Betreuungsplatz für ihr Kind finden und dann solche Schlagzeilen lesen, die sie vermeintlich in ihrem Frust bestätigen, dass der kinderlose Teil der Gesellschaft anscheinend Kinder nicht mal in ihrer Nähe haben will. Entspannt kann man da jedenfalls kaum bleiben, auch wenn es unberechtigt sein mag… Aber passende Räumlichkeiten für eine Betreuungsstätte zu finden ist schon eine Herausforderung. Bürgerhäuser gibts schließlich nicht an jeder Ecke und wo sonst sind die Räumlichkeiten grundsätzlich geeignet? Innerhalb der Stadt ist doch fast immer eine Wohnung oder ein Büro nebenan/drüber. Wenn Gründungsversuche scheitern, dann eigentlich fast immer an der Raumfrage, so die Erfahrung aus meinem Umfeld.Dieser ZEIT-Artikel ist zwar vom letzten Jahr, an der geschilderten Situation hat sich aber bis heute nichts geändert.

  12. Flycs Says:

    Hoppla! Wollte nicht anonym kommentieren – das oben ist von mir…

  13. cohu Says:

    Ok, das kann ich nachvollziehen. Aber glaubst Du, dass die Krippen-Unterversorgung in München tatsächlich kausal dadurch verursacht wird, dass die Innenstadtbewohner hier besonders "kinderfeindlich" oder lärmempfindlich sind?Kann es nicht sein, dass die Raumprobleme schlicht und einfach daran liegen, dass München halt perverse Mietpreise hat und das, was eine Betreuungseinrichtung "einspielt" bzw. was das Sozialreferat dafür zahlt nicht mithalten kann mit Boutiquen, Arztpraxen etc…? Denn in anderen Städten (mit niedrigeren Mietpreisen) sind doch auch überall Wohnungen/Büros nebenan/drüber, die Lärmprobleme bzw. Probleme, ein geeignetes Objekt zu finden, müssten die gleichen sein. Die Versorgung ist in anderen Städten aber dennoch besser als hier… Eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für Krippen könnte dann ja evt. ein geeignetes Mittel sein, diese Probleme zu lösen. Appelle an mehr "kinderfreundlichkeit" dagegen werden, das vermute ich jetzt einfach mal, exakt null komma nix bringen, was die tatsächliche Betreuungssituation angeht…

  14. Flycs Says:

    Laut dem oben verlinkten ZEIT-Artikel liegt es tatsächlich vordergründig daran, dass das Angebot an geeigneten Räumlichkeiten im inneren Stadtgebiet erschöpft ist – wie das zustande kommt liegt aber wohl nicht an kinderunfreundlichen, protestierenden Nachbarn, sondern eher an den vermietunwilligen Eigentümern (meine Vermutung). Und ob bei denen Kinderunfreundlichkeit oder finanzielle Gründe der Antrieb sind, entzieht sich noch meiner Kenntnis.Dabei wären verzweifelte Eltern schon bereit, ordentlich was zu zahlen, wenn sie dafür wenigstens die Möglichkeit erhalten, überhaupt mehr als ein Gehalt einzufahren. Und soo teuer muss die Miete für die einzelne Familie eigentlich nicht werden, die Münchner Qualitätsmerkmale für Kinderbetreuung schreiben gerade mal 5,5 qm pro Kind fest…Was die Erhöhung der staatlichen Zuschusse angeht: München reduziert im Gegenzug die bisher von ihr erbrachten Fördergelder bzw. verteilt sie auf neue Bildungsprojekte (nicht neue Einrichtungen) um. Als (zweiter) Vorstand einer Eltern-Kind-Initiative bekomme ich gerade hautnah mit, was das für die privat organisierten Elterninitiativen in München bedeutet, nämlich nach derzeitigem Stand eine finanzielle Schlechterstellung für ca. 75% der rund 200 EKIs (mit ca. 4000 Plätzen). Das würde die Schließung für die eine oder andere Betreuungsstätte bedeuten. Inwiefern die Stadt dadurch für die 80% der Münchner Familien, die einen Krippenplatz suchen, aber nicht kriegen, kinderfreundlicher wird, ich kanns nicht sagen.Diese Entwicklung liegt nun aber wiederum an den Vorgaben des Gesetzgebers – und den Verteilungsvorhaben der Stadt, an denen zum Glück noch gefeilt wird.Kein einfaches Thema, vor allem für Betroffene nicht.

  15. Maex Says:

    @Stadtneurotiker: Meiner Meinung nach ist das alles aber eher ein Problem der Überregulierung. Man kann doch heute schon fast keinen Schritt mehr vor die Haustüre machen, ohne dass einem vorgeschrieben wird mit welchem Paar Schuhe man zu dieser Jahreszeit unterwegs zu sein hat und am besten hat man welche zum Wechseln dabei, weil sich der Bodenbelag/das Wetter ja ändern könnte.Dass, wenn man sowas erst anfägt, jeder versucht sich soviel wie möglich noch Freiraum zu schaffen dürfte wohl klar sein. Und dass man vorher erst mal den Straßenbelag auf Lärmerzeugung testet und die Anzahl der Leute zählt die dadurch belästigt werden und dann das mit der Parallelstraße macht und es dort haben will wo es weniger übel verursacht sollte wohl klar sein, wenn man erst mal in so einer Gesellschaft lebt. (Nein, es ist mir egal, ich habe ewig lange in einer Straße mit Straßenbahn gewoht und das kann man (ich) sehr gut ertragen).Diese Überregulierung zeigt sich übrigens auch bei den Kindern. Denen wird heute der A* nachgetragen (wie wir aus Niederbayern sagen). "Willst Du das? Oder dies? oder vielleicht doch lieber was anderes? Aber wenn Du keine Lust hast können wir das auch morgen machen." Und dann wundern, dass sie unleidlich sind, wenn sie nie gelernt haben, dass man auch viele (sogar mehr) Sachen tun muß, die einem nicht Spaß machen oder gefallen. Bei mir haben noch die Eltern bestimmt, wo es langgeht, anfangs ganz viel und mit dem Alter immer weniger. Wenn ich rumgezickt habe und mich nicht entscheiden wollte/konnte, wurde irgendwas genommen. Das schult Entscheidungen relativ schnell abzuwägen und zu treffen und dann später (notgedrungen) damit klarzukommen :-)Klar will niemand das Übel (um auf das Sankt-Florian-Prinzip zurückzukommen) am Hals haben, aber jeder kann damit leben, wenn es halbwegs gleichmässig verteilt wird, aber das passiert heute auch nicht mehr. Wer sich nicht permanent wehrt wird permanent untergebuttert.Nur am Rande dazu ontopic aber: fällt es euch auch auf, dass man nur noch 2. Wahl oder sogar 3. Wahl bekommt Artikel? Beispiel: bei CDs sind die Schachteln kaputt, verkratzt, es gibt keine ohne Macken, aber man soll den vollen Preis zahlen und wenn man sich beschwert oder das anmahnt, wird man schon fast gesteinigt oder erntet zumindest Unverständnis. Werde ich zu alt, dass ich mich über fehlerfreie Ware freue und diese auch gerne haben will, wenn ich schon den vollen Preis dafür bezahle?

  16. Maex Says:

    @mars: Jetzt muß ich dann doch mal provozierend fragen: Wenn all die Eltern ihre Kinder den ganzen Tag outsourcen, weil sie keine Zeit haben, was soll dann das Geflenne, wenn es ganz wo anders ist.Ich mein’ wenn ich ein Kind nach 3 Monaten (oder frueher) in eine KiTa gebe, wann habe ich denn dann was von dem Kind? Morgens ist Stress mit aufstehen, Tasche packen und aus dem Haus hetzen um das Kind abzugeben und dann in die Arbeit. Abends ist Stress, weil man rechtzeitig in der KiTa sein muss um es abzuholen, obwohl man noch 30 Minuten Areit zu erledigen hätte. Dann nach Hause nochmal wicklen und dann ab ins Bett damit.Warum schafft man sich dann ein Kind an? Geht es nicht darum dass man seine Werte und Vorstellungen weiterträgt? Diese Kinder tun das aber bestenfalls mit denen der Erzieherinnen und die Kinder sind permanent überfordert, wenn sich diese dann mal am Wochenende nicht mit denen der Eltern decken.Vielleicht wäre ja für solche Eltern auch ein Hund besser? Halt nein, den kann man ja nicht den ganzen Tag einfach so irgendwo abgeben.Wie gesagt, das ist jetzt ueberzeichnet, aber Du schreibst:"man kann nicht immer die dinge verlangen, deren durchführung aber immer anderen leuten zuschieben"aber die Leute, die ihre Kinder den ganzen Tag in die KiTa stecken, machen doch genau das, oder nicht?

  17. cohu Says:

    Der Fairness halber sollte man erwähnen, dass Eltern, die nach 3 Monaten wieder voll arbeiten, für unser Rentensystem sozusagen der Jackpot sind 😉 Was die Allgemeinheit ihnen an Unterstützung z.B. in Form staatlicher Betreuung zukommen lässt, kriegt sie zwanzig Jahre später halt ums zehn- bis hundertfache wieder raus, insofern: wäre ökonomisch gesehen ein guter Deal.Ich sehe allerdings nicht, dass man aus dieser ökonomischen Sachlage direkt eine moralische Verpflichtung der Allgemeinheit zur Förderung von 100%-Kinderbetreuung (oder überhaupt irgendeiner Kinderbetreuung) ableiten muss. Das könnte man vielleicht, wenn es einen staatlichen Zwang zum Kinderkriegen gäbe. Soweit ich weiß besteht ein solcher bis jetzt noch nicht :-)(Damit das jetzt nicht missverstanden wird: ich persönlich fände eine verstärkte staatliche Förderung der Kleinkinderbetreuung gut. Das ist allerdings meine Privatmeinung und ich sehe nicht, warum jemand gleich "Kinderfeindlich" ist, wenn er sie nicht teilt…)

  18. Flycs Says:

    @Maex: Deine überspitzte Darstellung kann man auch als ganz schön dreist empfinden. Ich glaube, dass die Mehrheit der Eltern, die einen Krippenplatz suchen, lieber daheim beim Kind bleiben würden, statt arbeiten gehen zu müssen. Und da ist es für diese Eltern umso wichtiger, dass sie möglichst wenig Zeit mit ihren Kindern auf dem Weg zum/von der Krippe verlieren, bzw. auf dem Weg zum/von der Arbeitsstelle – oder fändest Du das wertvoll verbrachte Zeit? Genau deswegen soll die KiTa möglichst nahe an Wohnung oder Arbeit sein. Es geht nicht drum, das Kind loszuwerden, sondern einen Kompromiss zu finden, um in der Stadt bleiben zu können. Wenn es finanziell möglich ist, reicht den Zweitverdienern ja oft auch eine Teilzeitbetreuung, um das Kind eben möglichst wenig abgeben zu müssen. Wir können jetzt darüber diskutieren, ob man dann nicht einfach aus München wegzieht, aber das geht genauso an der Thematik hier vorbei, wie solche Unterstellungen von Dir.@cohu: der Akt der Ablehnung ist in seiner Konsequenz kinderfeindlich, ob der Mensch dahinter keine Kinder mag, ist damit nicht gesagt, das stimmt.

  19. cohu Says:

    "der Akt der Ablehnung ist in seiner Konsequenz kinderfeindlich"Warum? Was ist der Schaden, der *Kindern* dadurch entsteht, dass es keine staatlichen Krippenangebote gibt? Primär hat fehlene Betreuung doch die Auswirkung, dass die Leute halt weniger Kinder kriegen. Siehe Geburtenrate in Deutschland. Das ist aber nicht per se "kinderfeindlich." Kindern wird nicht dadurch geschadet, dass es sie nicht gibt.Die Schwierigkeiten unter jungen berufstätigen Paaren, Betreuung in München zu organisieren, sind traurig (und sollten, wie gesagt, abgemildert werden) – es scheint sich aber dabei eher um Elternprobleme als Kinderprobleme zu handeln. In Extremfällen (Alleinerziehende etwa) scheint mir die staatliche Betreuung auch nicht wirklich die kinderfreundlichste Lösung zu sein: klar, es ist besser, nicht mit einer arbeitslosen Mama aufzuwachsen. Aber ist das Modell Krippe ab 3. Lebensmonat, damit Mama jobben kann, denn wirklich so ideal?Ich sträube mich einfach dagegen, "Kinderfreundliche" Politik darauf zu reduzieren bzw. damit zu identifizieren, was momentan im Rahmen der Geburtenförderung gemacht wird. Teilweise deckt es sich; teilweise kann man "Kinderfreundlichkeit" aber auch einfach anders interpretieren.

  20. Maex Says:

    @Flycs: Welche Unterstellungen?Ich bin ein Fan von "wenn Kind dann auch Vollzeit dafür da sein, vor allem in den ersten Jahren" (zumindest ein Elternteil).Alles andere ist für mich ein bisserl wie "eigentlich können wir uns das nicht leisten, dann vereinbaren wir halt eine Ratenzahlung, dann geht das schon". So haben wir ja auch das Auto und den Fernseher und die Wohnungseinrichtung gekauft, dann wird das mit dem Kind schon auch so klappen.In dem Fall ist ein Teil Ratenzahlung dann die KiTa und die Bezahlung soll am besten auch noch der Staat übernehmen.Da wäre es mir 100mal lieber, wenn die Eltern eine längere ausreeichende finanzielle Unterstützung durch den Staat erhalten würden, dafür bleibt dann aber ein Elternteil zu Hause. Das kann gerne die ersten 4 Jahre sein.Hallo! Es ist ein Kind, ein Mensch, ein lebendiges Wesen, das eigene Fleisch und Blut. So jemand hat es meiner Meinung nach nicht verdient, dass man ihn so jung abschiebt. Egal aus welchen Gründen. Und schon gar nicht möchte ich, dass die Prägung, die in diesen ersten Jahren ja am stärksten ist, von irgendwelchen wildfremden Erzieherinnen ausgeht.Bei mir ist übrigens genau gegenüber eine KiTa in einem ehemaligen Buchladen. Habe ich überhaupt keine Probleme damit und die Kinder scheinen recht ausgeglichen zu sein, denn da gibt es kein grosses Rumgeschreie den ganzen Tag. Das gibt es eigentlich nur nachmittags, wenn sich die Schüler aus der Schule ein paar Straßen weiter, von einer Straßenseite zur anderen unterhalten, während sie in die gleiche Richtung nach Hause gehen 🙂

  21. mars Says:

    Es ist natürlich immer ein Kompromiss zwischen "Kindesliebe" und materiellen Möglichkeiten bzw. beruflichen Perspektiven, wenn die Eltern eines Kindes sich dazu entscheiden, ihr Kind im jungen Alter an eine Kita zu geben. Die moderne Gesellschaft ermöglicht es Frauen, dies ohne schlechtes Gewissen zu machen, was bei begrenzten materiellen Möglichkeit wohl verständlich ist, bei beruflichen Möglichkeiten meiner Meinung nach jedoch eher nicht (die FeministInnen mögen mich dafür steinigen). Dies ist jedoch nur meine persönliche ethische Ansicht – wir können den Leuten, die so nicht denken, nur unsere eigenen Erfahrungen ans Herz legen: nämlich die, dass ein Kind, welches in einer intakten Familie aufwächst, tendenziell in der Gesellschaft lebensfähiger ist (man kann sich dabei aber auch fragen, ob die Funktion der Familie in diesem Fall nicht die Kita-Gemeinschaft übernimmt – außerdem wird "die" Gesellschaft auch durch solche Phänomene wie die Kita geprägt). Insofern stimme ich mit der Forderung, der Staat sollte eine Alternative zum Kinderabgeben anbieten, vollkommen überein.Mein viel allgemeinerer Punkt, den ich auch schon zuvor angesprochen habe, ist jedoch der, dass eine Gesellschaft, die nicht in der Lage, genug Nachwuchs zu erzeugen, auf Dauer nicht überlebensfähig ist. Ich bin der Meinung, dass in Deutschland eine kinderunfreundliche Atmosphäre vorherrscht. Es ist doch logisch: die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, weil weniger Leute Kinder haben wollen. Es ist eine reine Mentalitätsfrage. Ich bin überzeugt davon, dass die deutschen mehr Kinder haben könnten, wenn sie es wollen würden – die materiellen Mittel, die im vergleich zur 2. oder 3. welt hier vorhanden sind, sind doch offensichtlich ausreichend. Ich möchte es jetzt nicht negativ oder positiv bewerten, aber die direkte Folge ist doch wohl, dass die Deutschen eines Tages aussterben werden. Dies klingt jetzt wie billiger Lebensraum-Winterhilfswerk-Populismus, doch ich frage: ist es nicht so? Ich schlage nicht vor, die Ausländer zu morden (ich bin selber nur zur Hälfte deutsch), oder ähnliches. Ich möchte nur die Frage diskutieren, was es für Auswirkungen auf eine Gesellschaft hat, wenn sie schrumpft. Denn: auf Dauer kann das doch nicht gesund sein, oder? Vielleicht denke ich da zu weit, oder auch "paranoid"?

  22. cohu Says:

    Ja, da liegt der Hase im Pfeffer: mir ist es vollkommen wurscht, ob die Deutschen aussterben. Ich glaube auch nicht daran, dass es ein moralischer Wert an sich ist, Kinder zu kriegen. Ich sehe kein großes Problem darin, wenn eine Gesellschaft schrumpft. Und ich finde es vor allem eine gute Entwicklung und wirkliche Errungenschaft der modernen westlichen Welt, dass heutzutage nicht mehr jeder Kinder kriegen muss – auch im Sinne der "Kinderfreundlichkeit" übrigens.Ich kann Deinen Punkt aber schon nachvollziehen, Geburtenrückgang kann man natürlich auch doof finden (vor allem kann man es sehr bedauern, dass es Leute gibt, die gerne Kinder hätten, es sich aber nicht leisten können…)Aber, und das war der Punkt, der mir wichtig ist: ob man das tut oder nicht hat nicht notwendigerweise was mit "Kinderfeindlichkeit" oder "Kinderfreundlichkeit" zu tun.Wenn man "Kinderfeindlichkeit" sucht, findet man die meiner Meinung nach zur Genüge in der menschenverachtenden, autoritären Konstitution der Schulen, in der immer noch oft rücksichtlos ausgeübten Macht mancher Eltern (Recht auf gewaltfreie Erziehung gibt es erst seit lächerlichen 8 Jahren – und wo wird es durchgesetzt?) und in der Tatsache, dass Kindern und Jugendlichen jegliche Einbindung in demokratische Prozesse bis heute versagt bleibt. Da werden m.E. Menschenrechte ignoriert und verletzt. Im Bereich der Betreuungspolitik geht es dagegen primär um Geburtenförderung (also gesamtgesellschaftliche Weichenstellungen) und nicht um genuine Kinderinteressen.

  23. Flycs Says:

    @cohu: diesen Kommentar unterschreibe ich mit. Und ich akzeptiere auch, dass fehlendes Interesse an Kindern in unserer Gesellschaft nicht mit Kinderfeindlichkeit gleichzusetzen ist. Da bin ich von einer anderen Definition des Begriffs ausgegangen.Ich muss mich aber doch mal wundern, was für ein Bild von KiTas vorherrscht, wenn ich von "abschieben" etc. lese. Ohne mir ein gutes Gewissen einreden zu wollen, aber Kinder werden von unseren Erzieherinnen nicht geduldet oder gar gequält, sondern sehr liebevoll angeleitet. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Sohn darunter leidet, sondern die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen genießt, was wir ihm z.B. gar nicht anders bieten können. Und ich bin sogar ein wenig stolz darauf, dass er kein weinerliches Mamasöhnchen ist, aber dennoch ein Urvertrauen zu uns hat. Aber wir lassen ihn ja auch nur für 5 Stunden weg, von denen er 1,5 schlafend verbringt.

  24. cohu Says:

    Gut, das freut mich :-)Das ständige Rumkritisieren an Eltern (vor allem an Müttern) finde ich deprimierend. Wer seine Kinder nicht in Fremdbetreuung gibt und zuhause bleibt, muss sich ja auch wieder Kritik anhören: da sei ja dann das ganze Studium für die Katz gewesen, man lasse sich "aushalten" und überhaupt den Feminismus im Stich. Wer Teilzeit arbeitet, darf sich gleich mal auf Beschuss aus beiden Richtungen einstellen…Es gibt schlicht *keine* Lebensform als Mutter kleiner Kinder, die alle um einen herum akzeptabel fänden…

  25. mars Says:

    Mir ist vor einiger Zeit die Theorie in den Kopf gekommen, dass die Deutsche sich systematisch auf ihre Auflösung als Volk vorbereiten. Wozu sonst würden so viele unter ihnen so viele Sprachen lernen – mehr als in den meisten anderen Ländern -, so viel Wissen ansammeln, so viel Auslandserfahrung sammeln? Die Antwort kann nur die sein, dass es sowas wie eine gesamtdeutsche Intuition gibt, dass es bald keine deutschen mehr gibt, und wenn man schon eh nichts mehr dagegen unternehmen kann, bemüht man sich halt um die größtmögliche Bildung, um in Zukunft besser aufgehoben zu sein. Die Erfahrung zeigt ja, dass, je höher der Status eines Volkes vor der Auswanderung war – technologisch, moralisch, wirtschaftlich -, desto mehr geachtet werden auch ihre emigrierten Nachkommen. Im europäischen Hochadel hat man sich, außerhalb "Deutschlands", auch gerne Töchter von deutschen Potentaten zur Braut genommen, da diese sich einfach am schnellsten anpassten und zu einer echten Französin oder einer echten Engländerin werden konnten. Vielleicht ist das etwas weit gegriffen, aber meine Theorie ist auch nicht so bierernst gemeint.Noch eine Theorie: das deutsche Volk kann nur normal werden, wenn es sich mit anderen vermischt. Stichwort Humor.


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