Decline of a Nation: Stangentanz zerstört Leben

Tesco, die größte britische Super- und Hypermarktkette, hat Cohu schon während ihres Englandaufenthalts stark beeindruckt. Dort wurden die KassiererInnen nämlich durch MaschinInnen ersetzt, an denen man per “self-service” (geiler Ausdruck übrigens) seine spärlichen Einkäufe einscannen und Automatenbezahlen konnte. Großartige Idee, leider im falschen Land umgesetzt: in England sind die Kassierer nämlich ausnahmslos äußerst freundlich, wohingegen ich in Deutschland schon einige Exemplare nennen könnte, die man schnellstmöglich durch Automaten ersetzen sollte, um die Servicequalität entscheidend zu verbessern.
Egal, zurück zu Tesco: die haben, bzw. hatten, ein Pole-Dancing-Kit im Angebot (siehe Abb.). Schlimm genug, könnte man denken, zum allem Überfluss ist die 75€-Stange (“Peekaboo pole”) plus Anleitung (“Unleash the sex kitten inside“) und DVD nicht für gelangweilte Hausfrauen, sondern für Kinder unter 10 Jahren gedacht. Behaupten  zumindest die Kritiker. Cohu schöpft aus ihrem reichhaltigen Sprichwortschatz: Was ein Häkchen werden will, muss sich beizeiten biegen! Auch für Erwachsene schön zu lesen sind jedenfalls die Anklagen dieser “Familienschutz”-Organisation:

Dr Adrian Rogers, of family campaigning group Family Focus said yesterday that the kit would “destroy children’s lives”.
He said: “Tesco is Britain’s number one chain, this is extremely dangerous. It is an open invitation to turn the youngest children on to sexual behaviour.
This will be sold to four, five and six-year olds. This is a most dangerous toy that will contribute towards destroying children’s innocence.”
He added: “Children are being encouraged to dance round a pole which is interpreted in the adult world as a phallic symbol.
“It ought to be stopped, it really requires the intervention of members of Parliament. This should only be available to the most depraved people who want to corrupt their children.”

(Daily Mail)

Boandlkramer

Was haben “unsere Jungs” da wieder angestellt! Nein, nicht die Klinsmänner. Sondern unsere Verteidigungsarmee, die den Schutz unserer kostbaren Freiheit momentan dort versieht, wo fern hinter der Türkei die Völker aufeinanderschlagen. Schockierend! Skandalös!
Aber jetzt muss ich schon mal einschränkend sagen: Leichenschändung, darunter stellt sich Cohu was anderes vor. Vielleicht bin ich da einfach nicht stilistisch bzw. moralisch sensibel genug. Dass ein Bundeswehrsoldat auf Staatskosten seine Zeit damit verbringt, seinen Pimmel zu fotografieren, und dann auch noch blöd genug ist, diese Bilder in fremde (nicht Soldatenfrauen-)Hände geraten zu lassen, finde ich jedenfalls genauso schlimm, wie dass er einen Totenschädel danebenhält. Also eigentlich gar nicht schlimm.
Wikipedia, an die sich Cohu in jeder Lebenslage hilfesuchend wendet, beweist übrigens ausgeprägte wahrsagerische und legasthenische Fähigkeiten und berichtet unter dem Stichwort Leichenschändung: “Im November 2006 (sic) wurde bekannt, dass in Afghanistan stationierte Bundeswehrsoldaten Leichenschändung begangen hatten und mit Totenschädlen (sic) in den Straßen patroulierten.(sic)
Wenn Euch die Machenschaften dieser schamlosen Boandlkramer trotz Cohus besänftigender Worte keine Ruhe lassen: Fahndungsfotos zur Erleichterung der schonungslosen Verfolgung und sofortigen Festsetzung der Täter finden sich beim Weltenweisen.

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Future Leaders of Tomorrow

Langeweile am Schreibtisch? Dann surft doch mal zu dieser Seite, die mir Freund und evt. bald Vormieter Graf Witz aus Starnberg empfohlen hat. Des Grafen Äußerung in Angesicht dieser Reinkarnation von Dr. Udo Brömme kann ich mich nur anschließen: “Um Deutschlands Zukunft ist mir fortan nicht mehr bang.”

Exakte Dosierung

Jeden Scheiß gibt es bei uns in Dosen und Flaschen, sogar Pfannkuchenpulver und Prosecco. Nur keinen Kürbis – dabei würde man sich da wirklich viel Arbeit sparen. Auch schon mal so ein Riesentrum heimgeschleppt, zu schälen versucht und dabei mehrere Finger teilamputiert, dann ungefähr 300 Gramm des Monsters wirklich verwertet und den Rest – nach einer Woche im Kühlschrank – weggeschmissen? In den USA, dem Land von Käse aus der Tube und Low-Carb-Brownies, ist das Kürbiseindosen gang und gäbe, nur bei uns gibts den himmlischen Dosenkürbis nirgends – oder habt ihr ihn schon mal gesehen?
P.S. Ich meine nicht eingelegten Kürbis. Den hab ich schon oft gesehen und leider auch schon mal probiert…
P.P.S. Wo ich grad beim Thema Convenience-Food bin: die Minuteria-Mikrowellen-Pizza, über die ich mich vor ein paar Monaten noch ausgiebig lustig gemacht hatte, hat im Pizzatest der “Stiftung Warentest” sehr gut abgeschnitten. Und zwar sogar im Vergleich mit normalen Herd-Pizzas. Wenn ich wider Erwarten Zugang zu einer Mikrowelle haben sollte, werde ich sie mal ausprobieren! Begrabt mich auf dem Waldfriedhof…

Herbstlicher Spaß mit Google Keyphrases

Welch Kontrast: "Nackt in der WG" konkurriert in meinen Suchanfragen mit "arbeitsalltag großkanzlei."
"michel hunziker opus dei"
: ein Klassiker.
Anscheinend haben dann auch einige arme, redenschreibende Referenten nach Alternativen gesucht: "name für unterschicht", "name der neuen unterschicht", "prekariat – was heißt dieses wort?", "was bedeutet neue unterschicht nationalsozialismus". sogar ein "unterschicht blog" bzw. "die neue unterschicht blogs dazu" werden gesucht. Schlage ja übrigens für das "Prekariat" den Namen "Unterschicht 2.0" vor (genau wie bei allen 2.0-Sachen ist auch hier nicht so ganz geklärt, woher die auf Dauer ihr Geld nehmen sollen und wozu sie zu gebrauchen sind).
Noch ein schöner, wenn auch nicht ganz nahe liegender Nazivergleich ist dabei:"hitler vs. polt".
Und klar, das hat hier auch mal saisonalen Bezug: bei den kälter werdenden Nächten sehnen sich nicht alle nach Nackt-WGs, sondern auch einfach mal nach "sauna gemeinsam onanieren". Uäh!

Livingstone, I presume?

Nicht nur Cohu hat eine Vorliebe für die Blutgrätsche unter den Stilmitteln – auch der Bürgermeister Londons, Ken Livingstone, ist schon Anfang des Jahres durch einen besonders geschmackvollen Nazivergleich aufgefallen, der ihm gleich eine mehrwöchige Suspendierung einbrachte. Neben seiner ausgeprägten Vorliebe für Wassersparen direkt an der Ausscheidungsfront ("If it’s yellow, let it mellow, if it’s brown, flush it down") hat Livingstone aber das Nazivergleichen wohl nun zu seinem Hobby gemacht: die "Dämonisierung" von Muslimen in der britischen Öffentlichkeit habe Parallelen zur Dämonisierung der Juden in der Nazizeit, sagte er gestern:

"It is quite clear that the problems we have in Britain are not because Muslims wish to be separate … I think the entire debate has been totally lopsided as though Muslims were somehow at fault for this," Mr Livingstone said.

"That echoes very much the demonology of Nazi Germany when Hitler said it was the Jews’ fault and the problems were brought upon themselves. There is a faint echo of that in a lot of the rubbish we have been seeing in the media recently." (Guardian)

Mit dieser Bemerkung verteidigte unser tapferer Bürgermeister nicht nur zu Recht die unter Dauerbeschuss stehenden rechtschaffenen Muslime des Vereinigten Königreichs. Er stellte auch unter Beweis, dass der High Court seinem Einwand gegen seine sommerliche Suspensierung zurecht stattgegeben hat. Denn dieser Nazivergleich war doch schon wesentlich zivilisierter, qualifizierter und hilfreicher als der Letzte – weiter so! Jetzt müssen sie ihm nur noch diese Klospülungs-Geschichte austreiben…
Was übrigens die Ärgernis erregenden verschleierten Damen angeht: da berichtet diese britische Seite von einem wunderbaren Kompromiss.

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Chronik eines angekündigten Absturzes

Papst Benedikt hat, so lese ich bei Reuters, Wissenschaftler davor gewarnt, dem gleichen Schicksal zum Opfer zu fallen wie der Sohn des Dädalos. Ts, aber heutzutage, Herr Ratzinger, würde man doch samt Papa einfach in einen Billigflieger voller FKK-freudiger, besoffener Engländerinnen steigen, wenn man dringend von einer griechischen Insel wegwollte, da würde der moderne Wissenschaftler sich doch keine Wachsflügel basteln, die ihm dann bei ungünstiger Flughöhe von den Ellbogen tröpfeln. Auf die Idee, vor sowas zu warnen, würde ja wohl nur jemand kommen, der noch im Mittelalter… ach so.

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Freud und Leid

Jedesmal, wenn ich an einem Versicherungsbüro in der Nähe vorbeigehe, lese ich: PRIESTERRENTE. Natürlich steht da was anderes. Anscheinend macht sich mein Unterbewusstsein, ganz im Gegensatz zu mir selbst, große Sorgen um die Altersversorgung von Geistlichen.
Seltsame Dinge geschehen aber nicht nur in meiner Psyche. Der Politologe Prof. Oberreuter der Uni Passau sagte heute Mittag in einem Deutschlandfunkinterview (hier leider nur Auszüge) auf die – nach Ausführungen über Probleme in den Ostländern – gestellte Frage "Hat die CDU eine Antwort auf die NPD?" nach einer kurzen Pause sichtlich verwirrt: "Sagten sie SPD oder NPD?". Was wohl ein Freudianer dazu sagen würde?

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Auch nicht die feine Englische…

…ist es, "medienethisch" gesehen, wenn die ZEIT Ihre Aufmacher-Schlagzeile "Die Entdeckung der Unterschicht" mit einem großen Farbfoto unterlegt, das vier klar und deutlich identifizierbare, minderjährige Kinder nebst Westhighland-Terrier (und deren, will sagen der Kinder, nicht des Hundes, traurig dreinblickenden Vater) zeigt.
Ich gehe davon aus, dass die ZEIT-Berichterstattungen über die Armen, Mühseligen und Beladenen im Blattinneren tadellos und politisch korrekt sind. Trotzdem möchte ich nicht wissen, was sich diese Kinder morgen (und für den Rest Ihrer Schulzeit) auf dem Schulhof anhören müssen. Der Vater konnte sich zumindest selbst entscheiden, ob es ihm das wert ist, aber bei Kindern sollte doch Schluss sein, oder? Kann man das Thema ohne die photographische Darstellung von Minderjährigen auf der Titelseite (!) nicht behandeln? Oder muss die ZEIT, was ihre Auflage angeht, jetzt schon auf spontanes Mitleid im Angesicht von Kindchen und (Unterschichts-)Wuschelhündchen setzen?

Untergang des Abendlandes

Nee, nicht weil der Westerwelle die Klassenlose Gesellschaft ausgerufen hat. Sondern weil es hier im Supermarkt Prosecco gibt.
IN DOSEN!!!1
Ich weiß, da hatte z.B. der Shopblogger mal was drüber geschrieben, aber jetzt erst hab ich es mit meinen eigenen Augen gesehen!

Muss man ein Getränk, das eh schon einen höchst zweifelhaften Leumund hat – ich darf exemplarisch erinnern an das Machwerk "Frauen die Prosecco trinken", angeblich ein "Frauenroman", in Wirklichkeit eine peinliche Klischeesammlung, der im Titel auch noch ein Komma fehlt – also, warum füllt man eine solche Flüssigkeit, die nur ab und zu,  in geringen Mengen, zu ertragen (bzw. gar schmackhaft) ist,  auch noch in eine Dose? Das ist so, als würde man…äh…einen Juristen…auch noch in einen ballonseidenen Jogginganzug kleiden – zum davonlaufen! [Natürlich gleicht der gemeine Jurist dem Prosecco nicht in der Eigenschaft, spontan mit seichter Unterhaltungsliteratur assoziiert zu werden, sondern lediglich in der Eigenschaft, in großen Mengen schwer erträglich zu sein. Jaja, ihr könnt Euch ja eine bessere Metapher ausdenken! Undankbares Pack.]

Jedenfalls, vielleicht haben Al Quaida und die irren Hippies recht, und wir sollten es mit der modernen Zivilisation einfach lassen. Übertrieben, meint Ihr? Na gut, aber ich sags Euch, spätestens, wenn fertiger Pfannkuchenteig auf den Markt kommt, gebe ich alle Hoffnung auf Fortschritt, Rationalität, Aufklärung und kulturell-ästhetische Weiterentwicklung auf!
Ach Mist.