Mit guter Laune ins Neue Jahr

Das fortune cookie beim Chinesen versprach mir vor ein paar Tagen:

“Your life is going to be enriched by invulgar experiences.”

Unvulgär? Enttäuschend, lehrt doch die Erfahrung, dass Vulgarität die Voraussetzung für alles Gute und Schöne ist. (Der deutsche Text enthüllte, was gemeint war: “ungewöhnlich”. Naja.)

Á propos ungewöhnlich, wer wie Cohu noch immer keinen passenden Kalender hat, kann sich nun, wie Wired berichtet, bei der Amerikanischen Anti-Terror-Behörde kostenlos per Download mit einem besonders schönen Exemplar eindecken: während auf der einen Seite die Tage in Wochenspalten aufgeführt sind, angereichert mit den wichtigsten Daten der Terrorismusgeschichte, findet man gegenüber schön bebilderte Blätter über Terroristen, Terrorvereinigungen und kulturelle Hintergründe des islamistischen Terrors, sowie Informationen über zu erwartende Belohnungen bei Terroristendenunziation, und sogar tolle Gimmicks wie eine Montage von Osama ohne Bart und Anzug:

Mit so einem Kalender kommt Freude auf. Wer die überschwängliche Stimmung, die wohl charakteristisch für dieses Jahr sein wird, noch weiter betonen möchte, kauft sich für die Neueinrichtung des Schreibtischs noch ein Poster von Despair.com und einen Lehman-Brothers-Kaffeebecher. Ein Gutes Neues!

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Brot für die Welt

Zu globaler internetziger Berühmtheit ist inzwischen das knetfreie Brot des NYT-Kolumnisten Mark Bittman gelangt (der es wiederum von der Sullivan St. Bakery adaptiert hat). Wer sich von einem Rezept von “The Minimalist” ein, naja, wirklich minimalistisches Brot erhofft, dürfte nicht ganz so begeistert sein, wenn er feststellt, dass das No-Knead-Brot:
1. mit Hefe gemacht wird (manchen gelingt sie immer, wie z.B. der in dieser Hinsicht sehr glücklichen Cohu, andere haben da irgendwie eine schlechte Aura…)
2. 18-20 Stunden, und dann in der Form nochmal 2 Stunden, gehen muss und
3. dass man einen gusseisernen Topf dafür braucht, in dem das Brot gebacken wird.

Es geht noch einfacher. Bei meiner Expedition nach Doolin war ich im “Sommer” ganz hingerissen vom Irish Soda Bread, das uns unsere B&B-Wirtin jeden Morgen frisch gebacken zum Frühstück reichte (in der Variante “Spotted Dog”, d.h. süß mit Rosinen), und das in der schlichten, leicht salzigen Version auch in den diversen Pubs dieses Landstrichs gerne zum Stew serviert wird. Der Geschmack ist schlecht zu beschreiben – Brot mit leichtem Brezenaroma? Das liegt, vermute ich jetzt mal, am Baking Soda, zu deutsch Natron, das der Ire in Kombination mit Buttermilch als Backtriebmittel verwendet. Die Konsistenz ist saftig-krümelig, aber nicht so schwer wie der typische Vollkorn-Pflasterstein, im gegenteil, trotz fehlender großer Blasen ist das Brot richtig leicht und hat eine knusprige Kruste. Ich hab es jetzt mal ausprobiert und es ist tatsächlich auch für eine Nicht-Brotspezialistin ganz gut replizierbar:

500g Vollkornmehl
150g Weißmehl
1/2 Tasse zarte Haferflocken
1 EL Baking Soda (im Supermarkt bei den Backzutaten unter “Kaiser Natron” erhältlich)
1 EL Salz
500-750ml Buttermilch

Die trockenen Zutaten sieben und sehr gut vermischen (aus dem VK-Mehl ausgesiebte Kleie einfach wieder dazugeben). Währenddessen Ofen und Backblech bzw. Kastenform auf 230° vorheizen. Buttermilch zu den trockenen Zutaten gießen und verrühren. Es soll einen bazigen und klebrigen Teig geben, der nicht besonders homogen sein muss, nur halt irgenwie zusammenhält. Da die Buttermilch nun sofort beginnt, mit dem Natron zu reagieren und der Teig aufgeht, soll man so kurz wie möglich kneten. Dann Teig in einen Batzen rollen und evt noch in Haferflocken oder Kleie wälzen, in die heiße (!) Kastenform geben bzw. auf das Backblech (dann mit Backpapier). bei 230°C 10 Minuten backen, auf 200° runterschalten und noch mal 35 Minuten backen. Also mir schmeckts…

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Für die Sportler unter meinen Lesern

Immer wenn ich an einem Fitnessstudio vorbeikomme, tun mir die armen Menschen leid, die dort hinter Glas auf tretmühlenartigen Geräten laufen und doch keinen Meter vorankommen. Bewegung an sich ist ja schon unschön – aber dann auch noch statt frischer Luft die Ausdünstungen anderer sich Quälender einatmen und statt Vogelgezwitscher und Hundegebell MTV-Geplärr und Börsenticker? Nein danke… Gottseidank haben nun amerikanische Ingenieure eine elegante Lösung für dieses vertrackte Problem gefunden. Seht selbst:

Only in America

Ann Coulter, ein konservatives bzw. teilweise in Richtung Wahnsinn tendierendes Kommentatorinnen-Phänomen, ist der Meinung, dass Obamas Verbindungen zu fragwürdigen Gestalten von der Presse nicht ausreichend durchleuchtet werden. Sie illustrierte dies anschaulich:

“I feel like we are talking to the Germans after Hitler comes to power, saying, ‘Oh, well, I didn’t know,’ " (YT) (*)

Aber Obama ist nicht der einzige, der bei Coulter sein Fett wegkriegt. Auch der schöne Spruch

"I’m not comparing McCain to Hitler. Hitler had a coherent tax policy." (Huffington Post)

wird ihr zugeschrieben. In der Tat hat Coulter inzwischen einen derart umfänglichen track record an Nazivergleichen, dass es fast unmöglich ist, überhaupt noch den Überblick zu behalten (ein Klassiker übrigens auch das Coulter-Hitler-Quiz, bei dem es zu erraten gilt, welches saftige Zitat von wem stammt). Für uns Europäer und besonders uns Deutsche eine herbe Schlappe: Nazivergleiche, das muss man neidlos anerkennen, sind eines der zahlreichen Felder, in dem die U.S.A. durch Top-Performer wie Coulter einfach unangefochtene Weltspitze sind.

[(*) Danke an meinen NY-Korrespondenten für den Hinweis!]

(Foto: Kyle Cassidy, Wikimedia Commons)

Deutscher Qualitätsjournalismus

Ach ja?

Mal sehen, wie lange der Spiegel seine inzwischen langsam vollkommen absurde “Obama-hat-keine-Chance”-Kampagne noch aufrecht erhält…

Dings ist wenn man trotzdem lacht

Also ich find’s lustig.
Ganz im Gegensatz zu dem hier übrigens, weil man da das dumpfe Gefühl hat, die taz-Redaktion hat schlicht verpennt, dass "Onkel Tom" in den USA eine andere Bedeutung hat als bei uns. Peinlich.
(Und manches ist einfach nur noch blöd.)
Wer sich in der Hinsicht insgesamt mal etwas weiterbilden will, dem empfehle ich diese Liste. "Saupreiß" steht übrigens nicht drin, dafür aber "Ami".
(Den rätselhaften "Oreo Cookie Incident" versteht man nach gründlicher Lektüre der Liste auch gleich viel besser.)


(Bild: Fritz Saalfeld/Wikimedia Commons)

The Oil Price of Crowds

Eine Apologie des “Spekulanten” gab’s bei Cohu schon mal hier. James Surowiecki (“The wisdom of Crowds” und Finanzexperte des New Yorker) ist, wie zu erwarten, der gleichen Meinung wie Paul Krugman.
Aber warum absolviert der Ölpreis denn dann Höhenflüge? Neben der fraglos gestiegenen Nachfrage bei nahezu gleichbleibendem Angebot und Problemen wie einem drohenden Irankrieg weist Surowiecki auf einen interessanten Effekt hin:

“But there’s also something else at work, which the oil guru Daniel Yergin calls a “shortage psychology.” The price of oil—more than that of many other commodities—isn’t based solely on current supply and demand. It’s also based on people’s expectations about future supply and demand, because those expectations determine whether it makes sense for oil producers to sell their oil now or leave it in the ground and sell it later. Currently, the market is assuming that oil will become scarcer, and that global demand will keep rising (…) Now, it could be that these assumptions are all wrong (…) In that case, oil would turn out to have been hugely overpriced. But that won’t be because of sinister speculators; it will be because oil producers and oil users collectively misread the future.” (The New Yorker, Financial Page: Oily Speculations)

Da man anonyme Massen aber wesentlich schlechter beschimpfen und zur Verantwortung ziehen kann als den pösen, pösen Spekulanten, wird sich an der politischen Praxis der Spekulantenbeschimpfung auch weiterhin nichts ändern:

“That’s what makes speculators a perfect target: by going after them, Congress can demonstrate to voters that it understands their pain, and at the same time avoid doing anything that might require real sacrifice from Americans.”

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Bayern – Brooklyn und zurück

Erstaunlich, was an Cohu so alles vorbeigeht. So z.B. dieser chassidische Reggae-Musiker, der anscheinend schon seit Jahren ein Star ist, und den ich gerade erst bei Youtube entdeckt habe. Aber das schöne am Internetz ist ja, dass man da gleich einen informativen Artikel über diesen charismatischen Herrn bekommt von einem Journalisten aus Brooklyn. Und wie der Zufall es will, ist selbiger Journalist der Sohn meines ehemaligen Musiklehrers, den ich trotz beschränkter Musikalität (meiner-, nicht seinerseits) in recht guter Erinnerung habe, also den Vater jetzt, mit dem Sohn hatte ich nicht so viel zu tun. Grad blätter ich durch unser altes Musikbuch Lied&Song, das irgendwie noch bei mir rumfliegt, ja, hm, der schöne Baywatext zur Bayernhymne war da zwar auch nicht drin, dafür aber die UdSSR-Hymne – immerhin. Und jetzt: Musikerziehung über zwei Generationen hinweg, sozusagen! Und natürlich macht der Brooklyn Hias dann auch noch mit Cohus Bruder Musik, bittschön hier bewundern. Das Internetz ist eben auch nur ein Dorf.

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The Greatest Man in America

Wie konnte das nur passieren: Cohu hat den gestrigen Geburtstag ihres größten Vorbildes und Schwarms, des größten Amerikaners aller Zeiten, des größten Nachrichtenmannes auf Gottes weitem Erdenrund verpasst.
Alles Gute nachträglich, Stephen Colbert!
Als Spin-Off der Daily Show mit dem unvergleichlichen Jon Stewart (the most trusted name in fake news) hat sich der Colbert Report inzwischen in Höhen komödiantischer Perfektion geschwungen, die den armen Stewart überfordert zurücklassen – endgültig abgehängt wurde die Daily Show beim winterlichen Writers Strike, denn währen Stewart ohne Schreiber nur hilflos kichernd am Pult saß, entlarvte sich Colbert als regelrechtes Genie – angefangen schon bei seinen legendären, ritualisierten und lautstarken Eingangsmonolog und dann natürlich dem gefürchteten Segment "The Wørd" (der wohl bekannteste der dort vorgestellten Begriffe war "Truthiness"), ansonsten aber natürlich durch seine stringent durchgehaltene katholisch-konservative (Help control the pet population: Teach your dog abstinence.) und unerschrocken nationalistische Persönlichkeit ("Foreign newspapers: if they’ve got nothing to hide, how come they don’t print them in English?"), die Bären hasst, übermütige Engstirnigkeit erfunden hat ("I’m not a fan of facts. You see, the facts can change, but my opinion will never change, no matter what are the facts"), und sich für keinen noch so billigen rhetorischen Winkelzug zu schade ist:

I’m disappointed that my own Catholic Church has decided that capital punishment is wrong. Which is pretty hypocritical if you think about it, because they wouldn’t even have a religion if it wasn’t for capital punishment.

Den Colbert Report (beide t’s werden nicht ausgesprochen!) könnt Ihr Euch zwar nicht im Fernsehen,dafür aber recht bequem auf seiner Seite bei Comedy Central ansehen. Einen guten Eindruck bekommt man auch über die Colbert-Report Wikiquote-Seite. Weiter so! Ach, und dass es mit der Präsidentschaftskandidatur dieses Jahr nicht geklappt hat – macht nichts. Schließlich bist Du schon lange Präsident der Herzen aller wahren Amerikaner!

(Bild: David Shankbone, Wikimedia Commons)

East meets West meets South

Ich bin ja kein sooo großer Obama-Fan, aber hier hab ich zwei äußerst sehenswerte Videos ausgegraben. Nein, natürlich nicht das da, bin ja nicht von gestern, ausserdem kann ich doch diese Johansson nicht ausstehen. Nein, viel besser!
(Jetzt noch mal, wo wir schon dabei sind, eine Bitte an die deutschen Medien: der Ausdruck "Farbiger", vom amerikanischen "Colored (person)" ist seit etwa zwanzig, dreißig Jahren nicht mehr angemessen. Die Wikipedia nennt die Bezeichnung "colored" "archaic and potentially derogatory." Im alltäglichen Umgang finden die meisten Amerikaner "colored" ungefähr so wie "Negro", also: Scheiße. Ja, es ist OK, Obama "schwarz" zu nennen, auch, wenn seine Haut nur so leicht bräunlich ist – verdammt verwirrend. Im Extremfall könnte man sogar in der Berichterstattung das Rasseattribut auch einfach mal weglassen – auch wenn es noch so schwer fällt. Zur Vertiefung nochmal in Gedichtform.)
Jetzt aber zu den Videos.