Sarcletti war gestern

Unser Nachbar ist beliebt. So beliebt, dass man bei Temperaturen über 25 Grad vor lauter Begeisterten die Straßenseite wechseln muss. So beliebt, dass die Schlange vor seinem Laden an einen “Konsum” nach der lange ersehnten Bananenlieferung erinnert und die paar Hansel vor der grade eröffneten Sammlung Brandhorst gegenüber bei Weitem in den Schatten stellt: nachfragetechnisch gesehen müsste der Freistaat Bayern eigentlich Herrn Ballabeni eine architektonisch anspruchsvolle Gelateria für seine Eiskunst spendieren, statt noch ein paar dutzend Twomblys in teuren Xylophonbauten aufzuhängen.

Cohu hat aber für die Volksmassen einen Alternativvorschlag: immer schön am Türkenstraßen-Adria vorbei (das zwar sehr familär und hübsch ist, aber grottiges, wässriges Eis macht) ins Eiscafé Venezia am Kurfürstenplatz. Schon der Name weist darauf hin: hier gibts vermutlich kein Schoko-Ingwer, Milch-Minze, Basilikumeis. Auch: keine Mädels in Leggings und Burschen mit Hipsterschal, aber dafür so herrlich unprätentiöse Sorten wie Snickers und Nutella (oder einfach Schokolade). Für die Gesundheitsbewussten auch laktosefreies Eis und zahlreiche Sorbets. Und das für 80 Cent und standardmäßig in einer nicht nur essbaren, sondern auch köstlichen Knusperwaffel (Aufpreis für Schoko-Rand).

Alternativalternative: Wer sich beim vollkommen un-trendigen Anblick der Venezia dann doch nicht überwinden kann, dort ein Eis zu kaufen, geht einfach noch hundert Meter weiter: rechtsrum in die Hohenzollernstraße. Da gibt’s jetzt nämlich auch eine Ballabeni-Eisdiele. Bis jetzt ohne Schlange.

(Grafik der beliebtesten Eissorten: Wikimedia Commons. Man beachte den enorm hohen Anteil an “andere”: Eis ist ein Long-Tail-Produkt!)

Offen und ehrlich

Marxisten haben wie alle religiöse Fundamentalisten nicht ganz zu Unrecht den Ruf, unbelehrbar zu sein. Dass jetzt aber ein antikapitalistischer Arbeitskreis des LMU-Fachschaftskonvents so ehrlich zu eben dieser Eigenschaft steht, erfreut: die lesen einmal die Woche "Das Kapital" und sind "gegen Argumente"!

[Den für die Domain engagierten Texter hätten sie aber auch gleich noch für Veranstaltungstitel beschäftigen sollen. Mit "Die Krise der „Realwirtschaft“ – bringt die Kritik der kapitalistischen Produktionsweise zur Anschauung" kann ich weder syntaktisch noch semantisch was anfangen…]

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Angesagt? Abgesagt.

Die Hipsterdichte vor Cohus Haustür nimmt seit den ersten frühlingswarmen Sonnenstrahlen langsam bedrohliche Dimensionen an und übersteigt die Schicki-Rate inzwischen bei weitem. Wobei, laut Wikipedia können das ja gar keine Hipster sein, weil die haben ja angeblich ein Interesse an non-mainstream fashion – haha! Der hiesige Hipster schlurft gerne paar- oder Kleingruppenweise (nie in Herden – soviel Individualismus muss sein) durch die Türkenstraße oder natürlich gerne auch zu den diversen AmAppy-Filialen die hier aus dem Boden schießen wie andernorts Druckertankstellen, also schlurft,
1. weil Coole immer schlurfen
2. Weil man mit solchen Hosen die Beine nicht hochheben kann!
Aber das mit der non-mainstream-fashion ist, wie gesagt, schwierig, der hiesige Hipster ist von Kopf über Hals bis zum langen Mittelteil quasi uniformiert.
Woher diese rätselhaften Mainstream-Hipster (Mipster?) kommen, hat die SZ aber immerhin aufgeklärt:

Und da das Glockenbach in letzter Zeit wenig Neues und Aufregendes zu bieten hat, zieht die Szene eben weiter – in die Maxvorstadt. (Sueddeutsche.de)

Hört, hört: Das Glockenbachviertel ist schuld, durch totales Trendversagen! Glockenbachleser, macht doch mal eine lustige – Moment – Zitat SZ, "angesagte Party" , um Eurem Viertel mal wieder, Zitat SZ, "so richtig einzuheizen". Z.B. eine, Zitat SZ, "Elektro-Fete", evt. in einer, Zitat SZ, "Interims-Location"? Oder verkauft doch, Zitat SZ, "Outlet-Mode angesagter Marken"! Ihr könnt das! Cohu hat genug vom Hipsterbingo.

(Bild: Wikimedia Commons)
 

Mei, diese Hitze…

Nicht verzagen: morgen macht die Ballabeni auf.

Für Hildegard

Irgendwann zwischen heute und morgen feiert sie ihren sechzehn-einviertelten Geburtstag. Wobei Hildegard darauf besteht, dass sie ihn eben nicht feiert, sondern wirklich nur alle vier Jahre, aber die Blumenpracht auf der sagenumwobenen Theke kann heute mindestens mit der eines Haiderbegräbnisses mithalten, dem Cousin ist nach Wodka, und Hildegard verkauft am ersten Frühlingstag des Jahres wie immer besonders große Kuchenstücke – Doppelstücke eigentlich. Deshalb, Hildegard gewidmet, ein frühlingshaftes Doppelstück:

Und für die bedauernswerten Gestalten, die jetzt immer noch nicht wissen, wer die Jubilarin eigentlich ist: Nachhilfe.

[Die Plagiarismusdebatte zwischen Kreiser und Lehrer ist eine leidige Nickligkeit. Die Nachwelt wird sie vielleicht zugunsten des Letzteren entscheiden. Träfe der Verdacht tatsächlich zu, müsste man aber konzedieren: eins der vielen Plagiate, das sich letztlich gelohnt hat, denn die Wiener Version ist die bessere. Wirklich unnachahmlich sind eben nur Persönlichkeiten. Wie Hildegard.]

Eisbeine

BRRR! Wer bei diesem Anblick schon friert, sollte jetzt besser wegschauen:

(Die Fotos stammen übrigens vom Familienzuwachs und sind bei Klick vollständig und großformatig zu bewundern).

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Darum liebe ich den Suckfüll

… weil ich keinen anderen Eisen- und Haushaltswarenhändler kenne, der Zitate von Ruskin in seine Schaufenster hängt.

[Man verzeihe die schlechte Bildqualität. Ein neuer elektronischer Helfer wird bald im Hause Cohu eintreffen, dann wird das Bildmaterial wieder gestochen scharf – bis dahin muss das Fotohandy der IT herhalten…]

Laufen, Gehen, Sitzen

Der Erste:

Der Zweite:

Der Dritte:

Der geht schon seit dreizehn Jahren, so dass er sich eine gründliche Sonntags-Wäsche verdient hat:

Ich gebe außerdem zu, den Text auf dieser Parkbank prima facie falsch gelesen zu haben:

Selbst mit i ist es aber noch verdächtig. Siehe dazu hier.

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Rot, Rotweiß, und ein Jubiläum

Bei der Rückunft* musste Cohu ja doch bemerken, dass sich einiges geändert hat in Bayern:

Erstens: Die SPD hat – endlich einmal  seit Jahrzehnten – ihr Wahlziel erreicht, sagt zumindest der geborene Leader, der dieser Truppe voransteht, dieser Machtmensch, dem die natürliche Autorität, der mitreissende Winner-Instinkt, das widerstandslose Führen der Massen aus jeder Pore tropft! Das alles auch mit Hilfe von Cohu, die auch diesmal wieder alles für die Sozialdemokratie getan hat (außer sie zu wählen natürlich, aber darauf ist die Bayern-SPD ja dank des Vollblutstrategen an ihrer Spitze auch nicht mehr angewiesen).
Zweitens: Der FCB braucht die Unterstützung seiner Fans ausnahmsweise mal. Cohus Vorschlag: sofortiger Trainerwechsel. Ich weiß, viel zu früh, werden die Experten sagen, aber überlegt mal: mit einem Franz Maget an der Spitze des FCB könnte man die momentanen Ergebnisse als vollen Erfolg verkaufen. Oder aber mit Erwin Huber – für diesen tapferen Gesellen wäre der Tabellenspurt anderer Vereine ein klarer Sieg für den FCB. Man sehe sich nur den VfB Stuttgart an – momentan 3. Tabellenplatz, wenn die so weiter machen, ist das eindeutig ein Sieg für alle Clubs mit rot-weißen Vereinsfarben. Und damit auch ein eindeutiger Sieg für uns!

Aber nun Drittens und Wichtigstens: Cohu’s Blog ist am 2. Oktober sage und schreibe 5  (FÜNF) Jahre alt geworden und gehört damit nicht mehr zu den jungen Hüpfern, sondern sozusagen zum Urgestein des Internetzes. Angesichts dieses epochalen Ereignisses plant Cohu in wenigen Tagen eine aufsehenerregende, markerschütternde, alles in den Schatten stellende, sechswöchige Jubiläums-Sonder-Aktion unter dem Motto "Zurück zu den Wurzeln." Keine Angst, liebe Hausfrauencontent-Feinde unter meinen Lesern: es wird kein Rezeptwettbewerb zu Steckrüben und Pastinaken. Obwohl das auch eine exzellente Idee wäre.

(*Unfug natürlich, weil: wir hatten, obwohl wir in einer Gegend waren, in der es keine einzige Postkarte zu kaufen gab, Satellitenfernsehen und konnten bei Porchetta und Panna Cotta das Weltgeschehen weiterhin gut mitverfolgen! Näheres folgt bald.)

Mit vollem Durchblick ins Abseits

Seppi, Seppi, schon wieder die falsche Entscheidung. Schon vor mehr als einem Jahr lobten begeisterte Cohu-Leser Dich als "neuer Kandidat für "Brillenträger des Jahres" (siehe Kommentare). Naja, zugegeben, die meisten Äußerungen waren auch damals schon eher belustigt bis abschätzig, aber zumindest die Brille wurde Dir hoch angerechnet… denn wir sind hier ja ein Haufen bekennender Brillenfetischisten, vor allem was Retro-Hornbrillen angeht (näh, die da meine ich nicht, sondern natürlich die da!). Und was machst Du???

"Die OP dauerte 15 Minuten", schreibt die AZ.