Follow Up: Die gestiefelte Cohu

Endlich! Bei Timberland habe ich heute nach langer Suche sehr schöne Chelsea Boots erstanden, die auch noch zünftig reduziert waren und die es wider Erwarten auch in Damen-Ausführung gab!
Stiefel machen Leute, wie man schon vom gestiefelten Kater weiß:
"(…) der Kater trug sein wildes Kaninchen an den Hof, und weil er so schön gestiefelt war, wurde er sogleich vor den König gelassen."
Irgendwann werde ich also, um ähnlich Eindruck schinden zu können, auch mal zum weniger rustikalen Modell vom Schuster greifen, aber vorerst sollen diese Treter genügen. Gemäß der Mär vom Kater bräuchte ich jetzt eigentlich noch
"einen Ranzen, wo etwa ein Kaninchen oder ein Paar Rebhühnchen hineingehn."
(in meinem Fall wären das wohl Thinkpad und Bücher), aber damit warte ich bis zum nächsten Schlussverkauf.

(Bildausschnitt aus: Johann Andreas Christian Löhr: Das Buch der Mährchen, via Zeno.org)

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Reisebericht

Abb.1: Kultureller Widerstand am "Café Erdpyramiden"

Da der bayrische Wald uns tourismustechnisch leider nicht überzeugen konnte (Cohu berichtete), ging unser letztjähriger Jahresendurlaub also doch ins Ausland, zur besser kompatiblen Destination Südtirol, genauergesagt auf den Ritten, einen Berg überhalb von Bozen, und zwar in dieses Gasthaus. Zusätzlich zu etwa 25 aktuellen Reiseführern hatten wir auch noch einen "Merian" aus dem Jahre 1957 dabei, der sich insbesondere hinsichtlich der politischen Situation im schönen Südtirol als sehr instruktiv erwies.
Die Italianisierung, die damals insbesondere im Bozner Raum betrieben und vom Innsbrucker Merian-Autor beklagt wurde, hat wider Erwarten nicht zu einem vollkommenen Verlust deutschtiroler Kultur geführt – siehe Abb. 1. Dies mag auch daran liegen, dass der Italiener (wie etwas unsere Mit-Hotelgäste) bis heute keine Winterreifen aufzieht, was ihn in der Gebirgsregion empfindlich benachteiligt. Die tiefreichende Verwurzelung der Tiroler in der deutschen Kultur sieht man u.a. daran, dass an jedem Kastanienbaum große Schilder angebracht sind, die das Sammeln von Maroni unter strenger Strafandrohung untersagen ("Privatbaum!"), d.h. was dem Starnberger sein BMW ist dem Südtiroler seine Keschte. Säkularisierungstendenzen sind hier allerdings noch nicht so weit vorgedrungen, so gibt es zumindest am Ritten eine Kirchen-, Marterl-, Votivtaferl- und Kreuzweg-Dichte, die die von Handymasten, ach was, die von Handys, in belebten Großstädten weit in den Schatten stellen dürfte. Am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, wurde in der von uns aufgesuchten Wallfahrtskirche "Maria Saal" übrigens laut Aushang für "an AIDS Erkrankte" gebetet, und zwar "besonders für Frauen und Kinder".

Abb. 2: Priapische Pyramide

Immerhin konnten wir aber dank des italienischen Einflusses einen Abend in einer Pizzeria zubringen und erfolgreich dem sonst allgegenwärtigen Nocken-, Knödel- und Gröstl-Terror der Tiroler Stuben (auch hier deutliche Anklänge an das, was Siebeck so gerne als "Plumpsküche" bezeichnet), zu entfliehen. Das Hotelrestaurant der "Bemelmans Post", die früher lange Jahre sogar Sigmund Freud während seiner Sommerfrische beherbergt haben soll und eine wunderschöne Jugendstil-Esshalle ihr eigen nennt, war leider ausgebucht. Klar ist allerdings, was den von dunklen Trieben faszinierten Vater der Analyse nach Klobenstein gelockt hat: es können nur die Rittner Erdpyramiden gewesen sein, zur Illustration s. Abb. 2.

Abb. 3: Runkelstein

Wintersport war mangels Schnee (selbst auf über 1500m) nicht drin, daher ging es schließlich noch ins Tal nach Bozen zum "Schloss Runkelstein" (s. Abb. 3). Die Burganlage ist für allem für ihre tatsächlich sehr beeindruckenden Profanfresken bekannt und nennt sich nach einer Restaurierung und neuem "Branding" Anfang dieses Jahrtausends auch "Die Bilderburg". Etwas im Widerspruch zu dieser Marketingstrategie steht, dass man keine Fotos oder sonstigen Filmaufnahmen der Fresken machen darf (hier immerhin eine sehr dürftige Galerie auf der Seite der Stadtgemeinde Bozen, die keinen guten Eindruck von den Fresken vermittelt). Also bleibt dem werten Leser alles in allem gar nichts anderes mehr übrig, als selber mal hinzufahren. Meinen 57er Merian kann ich Euch gerne leihen.

Cohu wünscht Frohes Fest.

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Zustellervermerk

Zum Teil eins dieser Serie siehe hier. Unserem neuen Post-Briefzusteller gönne ich nicht nur 9,80 die Stunde. Nein, der hat sich definitiv sogar noch ein Weihnachts-Trinkgeld dazuverdient. Weil er jedes Paket brav in den vierten Stock trägt, ohne zu Murren (statt einfach nur den Benachrichtigungszettel in den Briefkasten zu werfen wie andere Nasen). Und weil bei ihm Briefe auch dann ankommen, wenn statt einer Hausnummer "hinter dem Dönerladen" draufsteht.
(Mit anderen Zustellern erlebe ich immer noch seltsame Dinge. Vom Hermes-Menschen wurde ich neulich nicht nur geduzt, sondern sogar explizit mit dem Vornamen angesprochen. Nein, so jung sehe ich eigentlich nicht aus. Fehlt nur noch, dass er fragt: "Na, ist deine Mama auch zuhause?". Und der Bursche war höchstens 20. Keine Manieren mehr, die jungen Leute!)

(Bildausschnitt: Carl Spitzweg, Der Briefbote im Rosenthal/Wikimedia Commons)

Inzwischen…

…ist der Advent auch bis zu Cohu durchgedrungen. Dankenswerterweise wurde mir ein überhaus hübscher und sogar selbstgemachter Kranz überlassen! Damit gehöre ich zwar nicht zur kranzlosen Advent-Avantgarde (vgl. Helga), aber dafür habe ich mit Efeu, Lorbeer und Tannengrün jetzt Symbole für Ewiges Leben, immerwährende Treue und Heiterkeit, Geselligkeit und Freundschaft sowie ein Ruhmeszeichen auf dem Wohnzimmertisch, und sogar einen Schutz gegen Dämonen und Geister. Was will man mehr!

Die Geschichte vom Knecht Rupert oder: Santa’s Little Yelper

Also ich weiß ja nicht, warum es hier so religiös zugeht zur Zeit. Ist es das Alter? Ist es der nahende, in Bayern zynisch als "staade Zeit" bezeichnete Adventshorror? Gerade stieß ich bei youtube auf einen Clip, der mir eine zumindest im Rückblick nette Geschichte in Erinnerung rief.

Vor langer Zeit besuchte Cohu den katholischen Religionsunterricht (!) an einem niederbayrischen Gymnasium, beim berufenem Pädagogen und Oliba-Träger Rupert P. Vor Weihnachten, vermutlich durch die auch damals schon ständig durch die Fußgängerzonen schallenden Schnulz-und-Sulz-Lieder erweicht und an das Gebot der Nächstenliebe erinnert (Moment, Landshut hatte aber damals noch gar keine Fußgängerzone? Egal…), jedenfalls, in einem unerwarteten Anfall von Nettigkeit meinte Herr P., vor Weihnachten würde eine unserer Stunden zur sündhaften Unterhaltung zweckentfremdet, und wir dürften uns dann (im gemütlich verdunkelten Medienraum bei Punsch und Plätzchen) einen Film unserer Wahl anschauen. Es war klar, dass die üblicherweise von der Jugend bevorzugten Filme (Sex, Drugs, Rock’n’Roll) hierfür nicht in Frage kamen, also: irgendwas mit Religion musste es schon zu tun haben. Aber lustig sollte es auch sein! In Frage kam unter diesen komplizierten Umständen selbstverständlich nur: "The Life of Brian".
Rupert war geschockt. Sogar ein englischsprachiges Betrachten des Filmes wurde von uns vorgeschlagen, der Bildung zuliebe – P.’s Zweitfach war schließlich Englisch. Trotzdem: der blasphemische Streifen, den ich glaub ich damals noch gar nicht gesehen hatte, wurde uns nicht gegönnt. Stattdessen kam dann irgendein Sekten-Warnvideo in den Recorder, wo u.a. junge Damen über ihre Vergewaltigung (!) durch indische Gurus berichteten: soviel zur Verheißung der Vorweihnachtszeit.
Aber es hat alles nichts genützt, missionierungstechnisch gesehen. Im Gegenteil. Cohu wechselte aus reinem Trotz in den Ethikunterricht, und schreibt heute lustigerweise über einen (übrigens überaus unchristlichen) Moralphilosophen, über den sie damals ein Referat halten musste. Indirekt habe ich somit dem gestrengen Rupert P. mein Diss-Thema zu verdanken – oder hatte hier gar ER seine Finger im Spiel? Egal, dieser Rowan-Atkinson-Auftritt wäre jedenfalls was für damals gewesen…

(Bild: Wikimedia Commons)

Schmatz.

Bisher beschränken sich meine Backkünste ja auf Dr.Oetker-Brownies und Pizza. Das soll sich ändern! Heute hatte ich endlich die Möglichkeit, mein umfänglichstes Geburtstagsgeschenk, nämlich ein Backset (bestehend aus abgebildeten Utensilien, wohlgemerkt in schnittfest emaillierter "Schwiegertochter-Ausführung" und dem "Großen Teubner Backbuch"), in Ruhe auszuprobieren. Man sehe und staune:

Diverses Backzubehör! Verwendet habe ich heute erstmal nur die Springform.

Das Wunder des Lebens, äh, Kuchens! Vom harmlosen Mürbteigembryo über geheimnisvolle Vorgänge im Inneren des Ofens bis hin zum ausgewachsenen "Apfelkuchen Elsässer Art":

Fertig! Schmeckt übrigens genauso lecker, wie er aussieht (tendenziell eher noch leckerer). Das soll ja hier kein Rezeptblog werden, aber ein dem Teubner-Rezept sehr ähnliches findet sich hier (Unterschied: ich habe keine Vanille reingetan und Puderzucker in den Mürbteig). Das Rezept ist wie heute bewiesen sehr einfach und für Anfänger geeignet.

Süchtig

Gestern am Altglascontainer. Meine Tüte enthält praktisch nur Apfelmus-Gläser. Viele Apfelmusgläser. Am Container ein Aufkleber: "Suchtprobleme? Wir helfen unter 0180…."
Ich mache mir Sorgen. Am Wochenende hab ich schon wieder eins dieser Gläser gekauft…
Bin ich Apfelholiker?

(Bild: Wikimedia Commons)

I think, therefore I Scan.

Im Hause Cohu gibt es eine neue technische Errungenschaft, und zwar ein Epson V10 Bildeinlesegerät, neudeutsch Scanner. Hier ein kurzer Bild-Hochlade-Test. Klicken auf das Bild sollte im Idealfall zu einer größeren Version führen. Ich präsentiere: Grigory Sokolov in einem Linolschnitt von Cohu höchstselbst! Das Bild ist eine freundliche Leihgabe der Sammlung “IT”.

Decline of a Nation: On The Induction of Squirm

Cohu war die letzten Tage durch wichtige Termine schöner (Tierpark) und weniger schöner Natur (Beerdigung) abgelenkt, aber sorgt Euch nicht, meine Berichterstattung über wichtige Vorgänge in der Welt wird nicht abreißen. Schauen wir (wie so oft) nach Großbritannien. Und da muss ich sagen: die britischen Skandale sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Hier könnten sich die Briten mal eine Scheibe von den U.S.-Amerikanern abschneiden. Scrollen wir ans Ende dieser Liste und erinnern wir uns, mit verträumtem Blick, an die herrlichen Sex Scandals der Republikaner. Die ICQ-Nachrichten, die ein gewisser Mark Foley an junge Burschen schickte, können wir hier nachlesen (nicht jugendfrei, aber harmlos). Hier bekommen wir Einblicke in die Vorlieben des Robert Allen (nicht jugendfrei, aber kulturtechnisch interessant, denn wer hätte gedacht, dass männliche Prostituierte für das Entgegennehmen einer sexuellen Gefälligkeit Geld bekommen!). Aber das schönste Beispiel, nämlich den in der Today Show ein übles Missverständnis aufklärenden Larry Craig, finden wir hier (so ziemlich jugendfrei). "Sie kennen das – Klopapier am Schuh?" – lediglich der englische Sprachraum kennt für dieses Gespräch das passende Wort: squirm-inducing.
Aber zurück nach Großbritannien. Was für Skandale haben die denn aktuell zu bieten? Ihr Innenminister hat beim Autofahren mit dem Handy telefoniert. Ein bisschen mehr Anstrengung, bitte. Weil, mit so einem Schmarrn bleibt man keine Weltmacht.

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