Ein jeder ist seines Liedes Schmied

Geigenspielende Roboter (Cohu berichtete) werden echten menschlichen Fiedelvirtuosen noch nicht so bald Konkurrenz machen, und sei es nur wegen ihres hohen Preises und fehlender Aura bzw., wie der Amerikaner so schön sagt, layability (wobei: manche Jahrhundertgeigerinnen sind mir noch um einiges unheimlicher als die mandeläugige Toyota-Schönheit).
Nun habe ich aber wieder eine technische Neuerung für Menschen ausgegraben, die kein musikalisches Talent, dafür aber Ambitionen haben. "MySong" ist eine Software, die es einem ermöglicht, herzzerreißende Balladen mit Klavierbegleitung zu erschaffen, ohne in die Tasten greifen oder auch nur Noten lesen zu können. Man singt dem Computer einfach was vor, und der bastelt dazu dann eine Begleitung. Extrabonus: auf kleinen Schiebern kann man "Jazz Factor" und "Happy Factor" einstellen, um "schiefere" oder "traurigere" Begleitungen zu erzeugen (siehe Abb. und Video bei 1:40). Die Ergebnisse sind erstaunlich.
Tja, liebe wurstfingrige Teenager, die ihr euch schon jahrelang widerwillig mit Notenlesen und Fingersätzen abplagt, nur um eventuell mal die eine oder andere geneigte Dame ins Bett zu kriegen (man nennt es den Lagerfeuer-Effekt): peinliche Liebesschwüre trällern kann bald jeder, und euer Wettbewerbsvorteil ist futsch. Müsst ihr halt dann doch Tanzen lernen. Ein bisschen Zeit habt ihr allerdings noch mit der Gitarre, dem Feuer, dem Bier, und den Euch anhimmelnden Zahnspangenträgerinnen, denn man kann die Software zur Zeit (noch) nicht herunterladen oder kaufen.

Hallo Nachbar

Nicht nur im Realen beschäftige ich mich mit meiner Nachbarschaft, nein, auch im Virtuellen.
So weckt es natürlich gleich mein Interesse, dass auf "www.çohu.org" eine neue Seite entstanden ist –  anscheinend geht es dort um etwas Ehrenwertes, nämlich, so mich meine beschränkten Kenntnisse des Albanischen nicht täuschen, eine im Kosovo ansässige Organisation "für Demokratie, Anti-Korruption und Menschenwürde." (Letztere heißt, sehr nett: "Dinjitet"). Inhaltsunabhängig hat das Albanische dank der vielen e-Punkte ein reizendes Schriftbild (siehe Abb. und Text) Was es alles gibt!

Meine Stadt, meine Straße, mein Blog

Zwischen Türken- und Amalienstraße herrscht schon immer eine herbe Konkurrenz. Ob es wahr ist oder nicht, es gehört jedenfalls zu den Maxvorstädter Folklore, dass der

"kleine Lausbub Gerhard Polt aus der Amalienstraße »Türkenstraßler festgenommen hat und ihnen das Brennglas vom Opa auf den Zeh gehalten hat, bis er qualmte«."
(Münchner Wochenanzeiger)

Was hat die Türkenstraße schon vorzuweisen: Hans Carossa – innerer Emigrant und auch noch Namenspatron eines humanistischen Gymnasiums, das ich in nicht allzu guter Erinnerung habe – und, gut, immerhin, Georg Elser (dafür aber auch Heydrichs Büro), was sind solche Kleinigkeiten gegen einen Geistesmenschen wie Polt? Fangt mir nicht mit dem Simplicissimus an, der heutige Simpl negiert rückwirkend alles, was Ringelnatz oder Valentin dort vorführten. Es tröstet kaum, dass der berlinblütige Allzu-Real-Romancier Maxim Biller die Amalienstraße als "ein wenig abweisend" in Erinnerung hat – wenn er im gleichen Atemzug unsere gute Türkenstraße als "dörflich" und Maxvorstadt als "Schwabing" bezeichnet, und das auch noch im unsäglichen Intelli-Poser-Blatt Cicero. Und dann seh ich auch noch: die Amalienstraße hat einen eigenen Webauftritt (www.amalienstr.de), während man das hundert Meter weiter nicht hinkriegt. Es sieht also schlecht aus für meine momentane Heimatstraße. Einzige Möglichkeit, die verfeindeten Schwesterstraßen zu versöhnen: Cohu muss in die Annalen der Münchner Stadtgeschichte eingehen. Dann stünde nämlich in meinem post mortem von Verehrern und Jüngern geschriebenen kilometerlangen Wikipedia-Eintrag: "Cohu lebte in München, zunächst in der Amalien-, später in der Türkenstraße. Beide fand sie sehr schön und pries sie stets lauthals als die schönsten Straßen Münchens – nachdem sie sämtliche Kontinente bereist hatte, sogar als die schönsten Straßen der Welt."
Und die Maxvorstädter könnten sich endlich auf die Verachtung anderer Viertel konzentrieren – wie wärs mit Haidhausen?

Libum iste non frangit ieiunium

Gut zu wissen:

"(…) bereits im 16. Jahrhundert wurde Nonnen und Mönchen Schokolade als Fastenspeise erlaubt. Und das sogar von höchster Stelle – vom Papst persönlich. 1569 hatten die Bischöfe von Mexiko eigens einen Abgeordneten zu Papst Pius V. in den Vatikan gesandt, damit dieser entschied, ob das Getränk mit dem Namen Xocoatl (Schokoladenwasser) in der Fastenzeit getrunken werden dürfe. "Der Papst kostete widerwillig, verzog das Gesicht und sagte: Potus iste non frangit jejunium – Schokolade bricht das Fasten nicht" (www.kirchensite.de)

Dann kann ja selbst ich als römisch-katholisch Getaufte dies köstliche Fastengericht zu mir nehmen, ohne das Risiko einzugehen, später mal nicht in den Himmel zu kommen (man weiß ja nie!).

(Bild: Wikimedia Commons)

Prozentuwahl

So, jetzt gibt’s ihn also doch noch rechtzeitig vor der Wahl, den München-Wahlomat, leider nicht vollautomatisch – man braucht Zettel und Stift oder gutes Gedächtnis -, aber trotzdem, sie enttäuscht uns nicht, unsere guten alte AZ. Und wer hat ihn gefunden? Natürlich die immer rundum informierte Helga!
(Den Teststimmzettel auf Muenchen.de kann ich aufgrund der schlechten Softwareumsetzung, die bei mir zu Browsercrashs führt, nicht empfehlen…)
Jetzt ist es ja blöd, wenn man so ein Ergebnis bekommt wie vier Mal d, vier mal a, zwei mal c. Da weiß man ja am Schluss noch weniger, was man wählen soll…Soll man dann, bei Stadtrat und BA, seine diversen Stimmen (80 für den Stadtrat, 25 für den BA 3) prozentual aufteilen – kann ich schon mal gar nicht ausrechnen -, oder sich für eine Partei entscheiden? Und: weiß der durchschnittliche Bürger eigentlich, wofür BA und Stadtrat so zuständig sind? Ich weiß das ehrlichgesagt im Detail nicht, obwohl ich sogar schon Bürgerversammlungen besucht habe (und somit praktisch als  Hardcore-Kommunalpolitikjunkie gelten muss).
Ich selbst hab ja, ich geb es zu, kommunalpolitisch gesehen eigentlich nur eine Position: Pro Mülleimer. Ja, wenn es um ungeleerte, überfüllte und vernachlässigte Abfallkörbe geht, werd ich zur Fundamentalistin. Aber diesen Punkt hab ich noch in keinem Wahlprogramm gefunden. Anscheinend teilt keiner meine private Obsession. Ts, dann suhlt Euch doch weiter im Schmutz, ihr garstigen Mitbürger. Kreuz der Demokratie!

Wie das Private Politisch wird

Blogrolls sind ja so ne Sache. Erstaunlich finde ich immer wieder, dass man, wenn man sich nicht auf ein Thema festlegt, automatisch in die Blog-Kategorie "persönlich/privat" fällt. Dabei habe ich den Eindruck, im Vergleich mit anderen besonders wenig über Persönliches und schon gar nicht über Privates zu schreiben…siehe auch das Zahlenverhältnis in den Kategorien. Ich würde grundsätzlich sagen, dass man mich oder meine Persönlichkeit durch Lektüre meines Blogs überhaupt nicht kennenlernt. Evt. eher im Gegenteil.

Also, da muss man sich eindeutig anders positionieren. Ich hab mir da schon mal nen Plan überlegt, um als "politisch" oder "ernsthaft" wahrgenommen zu werden. Wenn wir schon beim selbstreferentiellen Bloggeschwafel sind, muss das natürlich in eine astreine Zehnerliste gegossen werden. Also hier: 10 Tipps, wie man ein ernsthaftes Blog schreibt.

(1) Kochrezepte und Berichte über Handarbeits-Hobbies weglassen (Verlinkungen auf "Mein Oldtimer-Club", "Meine Hardware" oder "Mein Fußballverein" dagegen würden vermutlich nicht weiter auffallen, aber halt bitte kein so Mädchenzeug!)

(2) Keine Kätzchen. Kätzchen gehen nicht. Und sowas geht schon mal gar nicht. Tiere allgemein nur im politischen Kontext, also; Kampfhunde, Heuschrecken, Problembären. Auch das bitte nur an Casual Fridays.

(3) Keine allzu ironischen Artikel schreiben, das wird immer falsch verstanden. Sarkasmus ist dagegen empfehlenswert.

(4) Unverzichtbar auch: eindeutige Stellungnahmen. Unentschiedenheit oder implizite Andeutungen sind was für Erstsemester und Mädchen. Besser: Strategie-Ratschläge für Volksparteien oder gar Gesellschaftsgruppen, ein Bild der Zukunft unseres Landes zeichnen, außenpolitisch klare Positionierung. Visionen!!! Dann auch: ernsthafte Besorgnis um die Zukunft. Katastrophenprognosen. Verbitterung. Und natürlich: Wahlempfehlungen. Auch zu Wahlen im Ausland. Dein Leser braucht Führung.

(5)  Dazu: braucht man natürlich ne Hammer-Tagline. Sowas wie "Zukunft ist möglich" oder "Vision der Freiheit". "Sterbende Demokratie". "Schöne Neue Welt" . Oder "1984" – warum nicht. Hier gerne dick auftragen. (Was nicht geht, z.B: "Mehr Wichskabinen für Deutschland" oder "Geschichten aus crazy Cybermausi’s verrücktem Leben")

(6) Das richtige Logo. Mein blöder Frauen-Kopf muss natürlich weg (junge Frauen sind ja per definitionem privat), da brauch ich stattdessen ein – eindeutiges! – politisches Symbol. Justitia, äh, oder so ne Art RAF-Logo, statt Kalaschnikow ein Federkiel. Milton Friedman im Ché-Guevara-Stil. Sowas.

(7) Political Correctness. Man muss sich in der Frage eindeutig einem Lager zuordnen lassen. Entweder total dagegen oder absolute UnterstützerIn der entrechteten MinoritätInnen.

(8) Trolle. Man braucht Trolle und Flamewars. Dann zu einer willkürlichen Kommentarlöschpolitik übergehen ("Zensur").

(9) In diesem Zusammenhang: mehr Diskussionen über Antisemitismus. Henryk M. Broder muss da spätestens im 2. Absatz erwähnt oder zitiert werden. (siehe auch –> Flamewar).

(10) Schließlich: klare Blog-Gegner bzw. besser -Feinde, um über ungerechtfertigte Kommentarlöschungen auf anderen Blogs berichten zu können (siehe auch –> Zensur). Hierzu muss man u.U. selbst als Troll tätig werden, was einen Großteil der Zeit und psychischen Ressourcen in Anspruch nehmen kann.

Oh oh, ich sehe schon, ganz schön aufwendig. Eventuell bleib ich da doch lieber bei meiner zurückhaltenden Blogstrategie und -Tagline, die sich folgendermaßen erklärt:

"During the Civil War, newspapers on occasion published dispatches from the field under a cautionary note that read "Important, If True." (Peter Sandman)

"(…) the vast reaches of the Internet operate back in that land of “important if true.”
It’s like a big op-ed page with no editors and quasi-information that moves at the speed of light. At worst, it’s really terrible.
"(NYT editorial page editor Gail Collins, .pdf)

Wobei die letzten zwei Sätze doch auch schöne "Taglines" abgäben.

I feel your pain.

Auf die 68er einschlagen, das ist ja momentan ziemlich en vogue. Waren ja auch abstoßend, diese langhaarigen palästinensertuchsiffenden Zwangsbefreier, immer dagegen und dabei auch noch ungewaschen. In der Rückschau: das war nix! Und dann auch noch Karriere machen…
Die Genitalien der Gesellschaft beteiligen sich am 68er-Bashing deshalb momentan genauso eifrig wie ihr Neocortex (Gratulation übrigens: bester Buchtitel ever!)
Wer es, wie Cohu, nicht erlebt hat, kann dazu natürlich wenig sagen. Ich bin heute allerdings auf ein Tondokument gestoßen, das mir eindrücklich zu verdeutlichen scheint, wogegen die Damen und Herren 68er damals rebelliert haben. Das war nämlich nicht unbedingt die unverarbeitete Nazivergangenheit, der Muff von tausend Jahren, der Imperialismus oder der Kapitalismus, das waren eher so – Kleinigkeiten. Dass diese heute nur noch auf isolierten Inseln existieren und uns Gänsehaut verursachen, zumindest das haben wir den Revoluzzern von damals zu verdanken, wenn Sie uns schon sonst, Zitat Diekmann "um unsere Zukunft gebracht" oder zumindest das Hochschulsystem hoffnungslos in die Scheiße geritten haben. Je öfter ich dieses Dokument anhöre, desto stärker fühle ich in mir den Wunsch aufsteigen, Sit-Ins zu veranstalten, meine BHs zu verbrennen, bewusstseinserweiternde Drogen zu nehmen, das System zu stürzen, eine K-Gruppe zu gründen, Ho-ho-ho-Chi-Minh und USA-SA-SS zu skandieren und – ultima ratio – sogar meine Klotür auszuhängen.
Wer das nachfühlen will, den bitte ich, zur Vorbereitung den einleitenden Text zu lesen, und sich dann die "Visionen für den Traumjob der Zukunft" unserer jungkonservativen Freunde anzuhören. Klick!

(Bildausschnitt: Ehepaar am Frühstückstisch, 1954 – Fotografie Wolff und Tritschler; aus der Ausstellung "Die 68er", Mai-August 2008, Historisches Museum, Frankfurt am Main)

Decline of a Nation: Bewerben Sie sich noch heute.

Dass der Arbeitsmarkt in Großbritannien ziemlich entspannt ist, ist ja allgemein bekannt. Aber diese Tätigkeitsbezeichnung ist dann doch erstaunlich.

East meets West meets South

Ich bin ja kein sooo großer Obama-Fan, aber hier hab ich zwei äußerst sehenswerte Videos ausgegraben. Nein, natürlich nicht das da, bin ja nicht von gestern, ausserdem kann ich doch diese Johansson nicht ausstehen. Nein, viel besser!
(Jetzt noch mal, wo wir schon dabei sind, eine Bitte an die deutschen Medien: der Ausdruck "Farbiger", vom amerikanischen "Colored (person)" ist seit etwa zwanzig, dreißig Jahren nicht mehr angemessen. Die Wikipedia nennt die Bezeichnung "colored" "archaic and potentially derogatory." Im alltäglichen Umgang finden die meisten Amerikaner "colored" ungefähr so wie "Negro", also: Scheiße. Ja, es ist OK, Obama "schwarz" zu nennen, auch, wenn seine Haut nur so leicht bräunlich ist – verdammt verwirrend. Im Extremfall könnte man sogar in der Berichterstattung das Rasseattribut auch einfach mal weglassen – auch wenn es noch so schwer fällt. Zur Vertiefung nochmal in Gedichtform.)
Jetzt aber zu den Videos.

Á propos Fidel

Wenn man wie Cohu beim Lernen eines Instruments ganz am Anfang steht, muss man sich verinnerlichen: der Weg zum Teufelsgeiger besteht aus kleinen Schritten. Heute hab ich zum ersten Mal gemerkt, dass die Geige verstimmt war, als ich anfing, zu spielen. Es hörte sich einfach noch schiefer an als sonst. Und allein, dass man diesen Unterschied schon hört, ist doch ein riesen Fortschritt.

Noch ein paar Monate üben und ich mach das da unten mit links. Die Geige mein ich, den Tanz muss natürlich die IT einüben!