Castor Fiber (vulgo: Biber)

Dass sich der Biber in Bayern, obwohl er hier hundert Jahre lang ausgerottet war, inzwischen wieder heimisch fühlt, ist ja bekannt, schließlich durfte Cohu schon vor einem guten Jahrzehnt mit kleidsamen Wathosen idyllische niederbayrische Sümpfe und Auen aufsuchen, um sich von dieser Tatsache zu überzeugen. Gesehen hab ich nie einen, aber das machte nichts; man denke an die UFO-Jäger, die wissen auch: die Wahrheit ist irgendwo da draußen!, und das genügt. Saisonal gesehen möchte ich speziell nochmal die Jesusfans unter meinen Lesern darauf hinweisen, dass der Biber als Fastenspeise geeignet ist, also auch was für ganz Bibertreue, äh, Bibeltreue. Aber Obacht, die Nagetiere sind streng geschützt, höchstens in der Tradition dieser Herrschaften kann man sich einen saftigen Biberschweif braten.
Jetzt aber zu den Lokalnachrichten: vom Biber im Englischen Garten hatte die SZ schon berichtet. Wir fanden heute selbst eindeutige Spuren am Tivolikraftwerk:

Aber nicht nur das. Der IT gelang es, sogar ein Foto von diesem kleinen braunen Racker zu schießen, wie er einen besonders dicken Baumstamm durchnagt. Aber seht selbst...

My english makes me nobody after, et mon francois est meilleur de plus, aber sicher doch!

Wenn Frau Limbach, die Präsidentin des Goethe-Instituts, sich jetzt in einem DLF-Interview dafür einsetzt, dass jeder Deutsche nicht nur die "Kulturtechnik Basic English", sondern auch noch eine zweite Fremdsprache ("Adoptivsprache") beherrschen soll, und das dann noch "so intensiv (…) wie die Muttersprache, wo man sich also auch mit der Kultur des Landes, seiner Geschichte vertraut macht", und dann noch die "Einsicht" vorbringt, "dass Einsprachigkeit Einfältigkeit fördert", dann frag ich mich ernsthaft, ob sie eigentlich weiß, dass der Rest Deutschlands anders aussieht als  das Innere ihres Instituts.
Angeblich verstehen lediglich gut 30 % der Deutschen die Englische Sprache so, dass sie einer Nachrichtensendung im Fernsehen oder einem Zeitungsartikel in Englisch "zumindest ungefähr" folgen können. Und: 6-11% der Deutschen sind funktionale Analphabeten – in ihrer Muttersprache, wohlgemerkt. Vielleicht sollte man sich, statt wenig hilfreiche Vorschläge wie den der  dritten "Adoptivsprache" zu machen, lieber mal der Mehrheit der deutschen Zweisprachigen annehmen. Das sind nämlich keine Akademiker, die ihre paper in english publishen und daneben jetzt noch  Isländisch lernen dürfen inklusive Lektüre von Snorri Sturluson sondern Einwanderer und deren Kinder. Cohu also ausnahmsweise mal vollständig auf der Seite der Sozis, ihr könnts Euch im Kalender anstreichen.
(Warum Türkischunterricht allerdings auf deutsch erfolgen soll, ist mir nicht ganz klar. Mir hallt aus dem gymnasialen Sprachunterricht immer noch das "In English, please!" und das Ideal der Immersion nach. Aber vielleicht darf man den, Zitat Limbach, "einfältigen" Deutschen auch nicht überfordern).

(Bild aus: Heur et malheur, E. d’Erwin, illustrated by H. Castelli, Paris 1877, via Old Book Illustrations)

Gefährliche Wörter

Es gibt Wörter, bei denen sollte man vorsichtshalber doch nochmal nachgoogeln, bevor man sie in einem Text verwendet. Wobei der Effekt so auch ganz lustig ist. <Hier bitte Witz über Arschlöcher einfügen.>
Gesehen im Nachtagenten-Interview Roman Libbertz.

Von Herzen

Ich für meinen Teil hab ja zum Welttag der Liebenden heute eine amerikanische "Microplane"-High-Tech-Muskatreibe bekommen. Ein wahres Wunderwerk der Technik mit besonders scharfen Zähnchen! Dem einen oder anderen mag das unromantisch erscheinen, aber bedenkt, dass die Muskatnuss ein altbekanntes Aphrodisiakum ist und, wenn das nichts mehr hilft, hat sie (bei höherer Dosis) sogar halluzinogene Effekte. Mit meiner neuen Wunderreibe kann ich nun außerdem endlich mal die in Hamburg erstandenen Tonkabohnen (angeblich ähnlich wie Vanille) ausprobieren.
(Was mir allerdings auch gut gefallen hätte: so eine wunderbare Kette (gesehen bei Marginal Revolution).)

(Bild: Wikimedia Commons)

Wieder was gelernt

…vom Tobi, passend zum Valentinstag: als Stalagnat bezeichnet man Stalagmiten/Stalaktiten-Paare, die sich zu einer durchgehenden Tropfsteinsäule vereinigt haben.

…von der alten Pinakothek: Parmigianino ist kein Kosename für Hartkäse, sondern "einer der herausragenden Meister der italienischen Hochrenaissance." (siehe auch Wikipedia).

…vom Kaufhof am Stachus, der das Wort auf seine Abfalleimer druckt: "Wertstoffgemisch" ist ein schöner Euphemismus für Müll.

(Bildausschnitt: Parmigianino, Madonna mit dem langen Hals, Wikimedia Commons)

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Nazivergleich: Denunzierlich

Irgendwie hat man schon geahnt, dass die neue Ehe des Herrn Nicolas Paul Stéphane Sárközy de Nagybócsa der Weltöffentlichkeit einiges an Unterhaltung  bieten wird. Mit der Ahnung lag man richtig, wie ein mir eben von hamburger Informanten zugesandter SZ-Artikel zeigt: die frischgebackene Präsidentengattin hat, ohne viel Zeit zu verschwenden, im Bezug auf die lästermäulige Internetz-Berichterstattung über ihre Hochzeit gleich mal einen saublöden Nazivergleich gelandet:

"Wenn es diese Art von Websites während des Krieges gegeben hätte, was wäre dann mit den Denunziationen von Juden gewesen?" (sueddeutsche.de)

Besonders schön finde ich persönlich aber die Entschuldigungsgründe der Frau Sarkozy:

"Aus ihren Erklärungen spricht mitunter Überforderung mit dem Alltag an der Seite eines Politikers. Für die Künstlerin sei die Politik ein Geschäft, das "primitiven Trieben" folge, während die Kunst sehr viel subtiler, feiner – und zivilisierter – sei."

Einen guten Einblick in Subtilität und überragende Zivilisiertheit der Künstlerin bekommt der geneigte Leser hier (NSFW).

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Schilderung

München ist ja bekanntermaßen die Hauptstadt des Expressionismus. Ein besonders eindrucksvolles (bzw.: ausdrucksvolles) Beispiel dieser Stilrichtung sah ich gestern – brutal komplementärfarben, Geworfensein in die Welt, Wasser als Unbewusstes, ein stilisierter aufgerissener Mund als Bildeinrahmung beschwört die kollektive Oralfixierung herauf: beeinflusst von der Art Primitif bis hin zur piktogrammatischen Abstraktion, verworrene Dynamik. Bild einer Epoche oder purer Psychologismus? Hoffnung oder Tod? Die Spannung bleibt bestehen.


Urban Art am Oberföhringer Isarwehr, Emaille auf Blech, unbekannter Künstler.

(*) Das erinnert mich dran, dass ich mal auf XING von einem Künstler gebeten wurde, seine Ausstellungskataloge zu betexten. Mit meiner Ablehnung habe ich der Welt viel erspart.)

Rainald Grebe: Bernd/Stiftung Warentest

Karten für nächste Woche gibts hier.

 

Cohu’s Freitagabend-Fernsehtipp

Eine neue Serie von F.X. Bogner (Irgendwie und Sowieso, Zur Freiheit, Café Meineid und zuletzt München 7) geht heute im BR an den Start, und zwar um 21:35: Der Kaiser von Schexing. Der Hauptdarsteller Dieter Fischer ist vielleicht dem einen oder der anderen LeserIn noch vom Südostbayerischen Städtetheater ein Begriff.
Cohu ist gespannt (kann das ganze aber vermutlich erst später anschauen, da bekanntlich kein Fernseher im Haus, also bitte keine Spoiler!).

Asiatischer Snacktipp, die Zweite

Neulich hatte ich ja erst auf den Imbiss Ni Hao in der Amalienstr. aufmerksam gemacht. Gerade werden wir Maxvorstädter aber regelrecht verwöhnt, was die asiatische Küche angeht: in der Barerstraße 56, neben dem "Landmann" Biosupermarkt, hat die japanische (?) "Nudel-Bar" Warmi vor ein paar Tagen ihre Türen geöffnet (leider keine Webseite).
Schon jetzt ist das Lokal mittags wie abends gut besucht – immer ein gutes Zeichen. Hier kann man sich aus Fleisch- bzw vegetarischen Hauptgerichten (heute gab es Champignons, Rind Teryaki, Schweinefleisch, und Huhn Miso) und Beilagen (Reis, Eiernudeln gebraten oder in Suppe, Udon, Ramen) ein köstliche Speise zusammenstellen, die zwischen 5,50 und 7 Euro kostet. Ich war mit meiner Wahl, Udon-Nudeln (die man leider sonst nur sehr selten bekommt, s. Abb.) und Miso-Huhn, heute sehr glücklich, und sogar meine eigentlich eher auf Schnitzel geeichten Begleiter waren voll des Lobes. Das Lokal hat auch abends (bis 22 Uhr) geöffnet, dabei ist die Einrichtung zwar ganz nett, aber wohl eher für einen kurzen Imbiss-Happen als für ein längeres Mahl geeignet. Speisen abholen kann man auch,  und es gibt sogar eine Rabatt-Karte, die verspricht: "Nach 10 Stempeln erhalten Sie eine limitierte VIP-Karte, mit der werden Ihnen alle Hauptgerichte 3 Jahre lang mit 10% Nachlass angeboten."
Cohu lässt sich das natürlich nicht zweimal sagen und wird innerhalb kürzester Zeit zum Warmi-"VIP" werden.

(Bild: Lusheeta / Wikimedia Commons)

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