I feel your pain.

Auf die 68er einschlagen, das ist ja momentan ziemlich en vogue. Waren ja auch abstoßend, diese langhaarigen palästinensertuchsiffenden Zwangsbefreier, immer dagegen und dabei auch noch ungewaschen. In der Rückschau: das war nix! Und dann auch noch Karriere machen…
Die Genitalien der Gesellschaft beteiligen sich am 68er-Bashing deshalb momentan genauso eifrig wie ihr Neocortex (Gratulation übrigens: bester Buchtitel ever!)
Wer es, wie Cohu, nicht erlebt hat, kann dazu natürlich wenig sagen. Ich bin heute allerdings auf ein Tondokument gestoßen, das mir eindrücklich zu verdeutlichen scheint, wogegen die Damen und Herren 68er damals rebelliert haben. Das war nämlich nicht unbedingt die unverarbeitete Nazivergangenheit, der Muff von tausend Jahren, der Imperialismus oder der Kapitalismus, das waren eher so – Kleinigkeiten. Dass diese heute nur noch auf isolierten Inseln existieren und uns Gänsehaut verursachen, zumindest das haben wir den Revoluzzern von damals zu verdanken, wenn Sie uns schon sonst, Zitat Diekmann "um unsere Zukunft gebracht" oder zumindest das Hochschulsystem hoffnungslos in die Scheiße geritten haben. Je öfter ich dieses Dokument anhöre, desto stärker fühle ich in mir den Wunsch aufsteigen, Sit-Ins zu veranstalten, meine BHs zu verbrennen, bewusstseinserweiternde Drogen zu nehmen, das System zu stürzen, eine K-Gruppe zu gründen, Ho-ho-ho-Chi-Minh und USA-SA-SS zu skandieren und – ultima ratio – sogar meine Klotür auszuhängen.
Wer das nachfühlen will, den bitte ich, zur Vorbereitung den einleitenden Text zu lesen, und sich dann die "Visionen für den Traumjob der Zukunft" unserer jungkonservativen Freunde anzuhören. Klick!

(Bildausschnitt: Ehepaar am Frühstückstisch, 1954 – Fotografie Wolff und Tritschler; aus der Ausstellung "Die 68er", Mai-August 2008, Historisches Museum, Frankfurt am Main)

4 Responses to “I feel your pain.”

  1. mandelbrot Says:

    und was genau soll daran jetzt so unerwartet oder schockierend sein? das ist halt typisch für die aufstrebende mittelschicht, die sich versklaven und das unmögliche schaffen will und dabei nicht merkt, wie sie sich verkauft, nicht mehr. so what?

  2. Horst Schulte Says:

    Na also, geht doch 🙂

  3. cohu Says:

    "…so what?"Wenn ich Kommentare liebe, dann solche. Punkt 8 rückt in greifbare Nähe…Oder warst Du das etwa schon, Dr.Sno*?

  4. locutus Says:

    verzeiht meine insensibilität, ehrwürdige hoheit, aber ich sehe darin wirklich nichts als den natürlichen lauf der dinge. war es so schon nicht immer? zumindest seit einigen jahrhunderten? eine aufstrebende mittelschicht? (nur dass es jetzt eben mehr englische wörter dafür gibt, die dem ganzen auf deutsch einen hauch von ultimativer idiotie geben)wer ein mittelmäßiges leben will, soll es haben.


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