Ein jeder ist seines Liedes Schmied

Geigenspielende Roboter (Cohu berichtete) werden echten menschlichen Fiedelvirtuosen noch nicht so bald Konkurrenz machen, und sei es nur wegen ihres hohen Preises und fehlender Aura bzw., wie der Amerikaner so schön sagt, layability (wobei: manche Jahrhundertgeigerinnen sind mir noch um einiges unheimlicher als die mandeläugige Toyota-Schönheit).
Nun habe ich aber wieder eine technische Neuerung für Menschen ausgegraben, die kein musikalisches Talent, dafür aber Ambitionen haben. "MySong" ist eine Software, die es einem ermöglicht, herzzerreißende Balladen mit Klavierbegleitung zu erschaffen, ohne in die Tasten greifen oder auch nur Noten lesen zu können. Man singt dem Computer einfach was vor, und der bastelt dazu dann eine Begleitung. Extrabonus: auf kleinen Schiebern kann man "Jazz Factor" und "Happy Factor" einstellen, um "schiefere" oder "traurigere" Begleitungen zu erzeugen (siehe Abb. und Video bei 1:40). Die Ergebnisse sind erstaunlich.
Tja, liebe wurstfingrige Teenager, die ihr euch schon jahrelang widerwillig mit Notenlesen und Fingersätzen abplagt, nur um eventuell mal die eine oder andere geneigte Dame ins Bett zu kriegen (man nennt es den Lagerfeuer-Effekt): peinliche Liebesschwüre trällern kann bald jeder, und euer Wettbewerbsvorteil ist futsch. Müsst ihr halt dann doch Tanzen lernen. Ein bisschen Zeit habt ihr allerdings noch mit der Gitarre, dem Feuer, dem Bier, und den Euch anhimmelnden Zahnspangenträgerinnen, denn man kann die Software zur Zeit (noch) nicht herunterladen oder kaufen.

2 Responses to “Ein jeder ist seines Liedes Schmied”

  1. Klavierkröte Says:

    Ich muss sagen, dass ich das Interview mit Julia Fischer eigentlich sehr interessant und gar nicht unheimlich fand. Billig hingegen dann wieder, dass die FAZ gleich noch eine Fotostrecke hinterherbastelt – grad dass das Tittenbild von Vanessa Mae zur Vervollständigung der Akte nicht auch noch mit reingenommen wurde. Was nützt es einem da als Geigerin, wenn man sich ausdrücken kann, wenn das interviewende Gegenüber offensichtlich gar nichts kapiert hat?

  2. cohu Says:

    Stimmt, im Interview kam sie nicht unheimlich rüber, das hab ich nur verlinkt weil es aktuell war (der Fragensteller war allerdings unheimlich, und zwar unheimlich blöd: schon bei der ersten Frage hätte ich dem eine gelangt). Ich habe die Dame nur etwas gruselig in Erinnerung, weil ich mal einen Fernsehbericht über sie gesehen hatte, der sie beim Unterrichten zeigte. Da hatte sie irgendwie die Ausstrahlung eines Cyborgs (über ihre musikalischen Qualitäten kann ich in meinem allumfassenden Klassikbanausentum gar nix sagen).


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