L’enfer, c’est les autres

Da hatte ich mir ja nach einer Spiegel-Meldung große Sorgen gemacht: angeblich sei es für eine wirkliche, auch kirchenamtliche Trennung von der katholischen Kirche nicht ausreichend, vor staatlichen Stellen den Kirchenaustritt zu erklären. Um die ersehnte Exkommunikation zu erreichen, müsse man auch noch den zuständigen Pfarrer um Entlassung anflehen!
Cohu hatte jetzt schon befürchtet, dass sich nach ihrem Tode herausstellen könnte, dass sie insgeheim trotzdem noch katholisch war, und dann: statt im Jenseits mal endlich meine Ruhe zu haben, käme das ganze Programm mit Fegefeuer, Hölle bzw. Himmel (haha), inklusive Auferstehung im Fleische am Jüngsten Tag. Blöd gelaufen!
Gottseidank hat Kalle Lehmann das jetzt aber gegenüber der KNA nochmal klargestellt:

"Wer vor der staatlichen Behörde seinen Kirchenaustritt erklärt, vollzieht damit in aller Öffentlichkeit und mit amtlicher Beurkundung den Abfall von der katholischen Kirche. Er erfüllt damit den kirchenrechtlichen Tatbestand des Schismas."

Allerdings meint Lehmann, im Bezug auf die Bedeutung der Exkommunikation, auch:

"Hier kommt es heute oft zu Missverständnissen. Mit der Exkommunikation wird nicht die Zugehörigkeit zur Kirche beendet. Insofern wird das Wort "Kirchenaustritt" oft falsch aufgefasst. Die betreffende Person ist und bleibt auf Grund der Taufe Glied der Kirche, verliert aber – solange die Exkommunikation nicht aufgehoben ist – die Rechte, die mit der vollen kirchlichen Communio verbunden sind."

Es gibt also – nach Ansicht der Katholiken selbst –  anscheinend gar keine Möglichkeit, aus diesem Verein (in den man ja üblicherweise nicht freiwillig und selbsttätig eingetreten ist) wieder rauszukommen. Hm, also dieses krampfhafte Festhalten an ehemaligen Mitgliedern kenn ich sonst eigentlich nur von der GEZ (die mir auch drei Jahre nach dem Verkauf meines Fernsehers immer noch tapfer Formulare zuschickt, in denen ich meinen – angeblich vorhandenen – neuen Fernseher anmelden soll). Oder aus anderen weltanschaulich wirren Bereichen. Normale Organisationen sind doch heilfroh darüber, Schismatiker und Problemfälle loszuwerden.

I told you so

Ts, Möpse sind doch schon lange voll im Trend, wie Cohu bereits vor 505 Tagen feststellte. Aber erst jetzt kommt  Spiegel Online drauf, inklusive feuilletonistisch-soziologischer Analyse. Gabs hier natürlich auch schon. Cohu: immer am Puls der Zeit!

Kein Ton, Nirgends

Einfallsreiche amerikanische Teenager installieren, wenn man der New York Times Glauben schenken will, momentan einen Klingelton auf ihren Mobiltelefonen, der derart hohe Frequenzen aufweist, dass ältere Leute (insbes. Lehrer und sonstige Aufsichtspersonen) ihn nicht hören können. Hundepfeifen-Prinzip, sozusagen. Anhören kann man den Klingelton , wenn man (noch) geeignete Hörnerven hat, hier. Musste Cohu natürlich gleich ausprobieren, aber: nichts hab ich gehört! Keine noch so leises Zirpen! Was ist das jetzt, plötzliche Alterung? Werd ich schon zum Gammelfleisch?

Aber dann die Erkenntnis. Bei meinem Quicktime geht der Sound nicht, kein Ton, nirgends. Von wegen, Fehler sitzt immer vor der Maschine. Sowas! Weiß jemand, wie ich mein Quicktime 7 für Windows dazu kriege, mir wieder einen Ton auszuspucken (Neuinstallation, Audioeinstellungen etc. alles ausprobiert)? Ich bin ratlos.
UPDATE: Jetzt geht der Sound. Da hatte mir wohl der Total Recorder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Von dem Klingelton krieg ich übrigens eine noch scheußlichere Gänsehaut als von meinem seltsamen Nachbarn.

Nachbarschaftshilfe

Irgendjemand hat eben meine Wäsche aus der Gemeinschaftswaschraum-Maschine genommen und – inklusive Putzlumpen, Socken etc. – fein säuberlich in meinen Wäschekorb zusammengelegt (das für sich grenzt in einem anonymen Großsstadtwohnhaus meiner Meinung nach schon an Stalking, aber wir wollen mal nicht so sein).
Aber jetzt der Added Bonus: die Wäsche ist noch naß. Also bin ich jetzt überempfindlich oder ist das einfach total gruslig? Waschzwang kennt man ja noch, aber Zusammenlegzwang? Rettet mich vor dem irren Zusammenleger, bevor er mich zu einem ordentlichen Quadrat faltet!

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No-Go-Area

Herr Bauer kritisiert die Entscheidung eines SPIEGEL Online-Mitarbeiters, zu WM-Zeiten in gewagtem binationalen Outfit durch den Olypark zu spazieren (hier der Erfahrungsbericht). So ganz, glaube ich, stimme ich mit seinem Fazit nicht überein.
Abgesehen davon, dass es zumindest mir nicht klar gewesen wäre, dass das Tragen eines Deutschlandtrikots in Verbindung mit einer polnischen Flagge ein eindeutig provokantes Verhalten darstellt (zumal bei einem Spiel, bei dem weder Polen noch Deutschland mitspielen!) –  wenn man hier schon mit “gesundem Menschenverstand” und “klugen Entscheidungen” argumentiert: wie wäre es denn damit, den thüringischen oder sonstigen Fußballdeppen ganz systematisch ihren Alkoholnachschub zu kappen und sich ihr unmögliches Verhalten nicht gefallen zu lassen?
Auch Eure Cohu, die im Olypark üblicherweise in national-neutraler Laufkleidung unterwegs und definitv nicht auf’s Maul gefallen ist, traut sich im Rahmen der WM-Spiele übrigens nicht in die Nähe des Olympiaparks, die Sprüche, die sie von den “Freunden” und ihren Gästen sonstwo in der Stadt gehört hat, reichen ihr nämlich. Die waren beim besten Willen nicht mehr als Komplimente auszulegen, dabei ist die Cohu ja blond und blauäugig. Muß man das jetzt in Kauf nehmen? Dass man in bestimmte Bereiche der Stadt, wenn man “klug” und “vernünftig” ist, halt während der WM nicht gehen kann, wenn man allein als Frau, als Schwarze(r) oder mit binationalen Trikotvorlieben unterwegs ist? Genausowenig, wie man sich auf der Wiesn nicht mit einem Tisch voller Metzger anlegen sollte? Weiß ja nicht.
Für mich alte Fußballhasserin bestätigt das alles natürlich das Vorurteil, dass (Herren-)Fußball das Beste im modernen Menschen bzw. Mann zum Vorschein bringt: Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Alkoholismus. Da lob ich mir doch das Hobby Vogelbeobachtung. Oder habt ihr schon mal nen pöbelnden, besoffenen Birdwatcher gesehen, der nach dem Hitlergruß erstmal hinter nen Busch kotzt? Na, eben.

Zeh’nfreunde sollt ihr sein.

Fivefingers: eine amerikanische, ich korrigiere, eine italienische Firma stellt diese Schuhe her, mit denen sich die Vorteile des Barfuß-Gehens mit denen des Schuhetragens verbinden lassen (zumindest, wenn man nicht an Hexa- oder Heptadaktylie leidet). Eigentlich kommen die aus dem Wassersportbereich, lassen sich aber auch für andere Aktivitäten, z.B. fürs Wandern oder Laufen, verwenden. Will haben!
Ich hole aus: ich bin begeisterte Barfußgeherin und versuchte als Kind hartnäckig, alle sechs Wochen der Sommerferien ohne Fußbekleidung auszukommen. Bestärkt wurde ich in dieser Vorliebe durch – wie könnte es anders sein – ein Kindheitstrauma: Mama (oder war es Oma, oder Lieblingskindermädchen Cora, jedenfalls eine Respektsperson) ermahnte mich immer, Schuhe anzuziehen, wenn ich im Garten spielen wollte, aufgrund der dort vorhandenen Bienen- und Wespendichte. So ein Schmarrn aber auch! Ich wehrte mich nach Kräften, hatte aber gegen die faschistoiden Erpressungsmethoden (“Sonst gibt es kein Eis!”) der Erwachsenen kaum eine Chance. Als ich jedoch einmal wie so oft widerwillig in die Chucks schlüpfte, wartete darin bereits – oh Heimtücke! – eine Wespe auf meinen Fuß, mit gewetztem Stachel. Ab jetzt wurden Schuhe natürlich gemieden und ich erstaunlicherweise nie wieder in den Fuß gestochen. Barfuß gehe ich immer noch sehr gerne, wenn auch inzwischen eher aus medizinischen Gründen.
Jetzt aber das Problem: wenn man das Alter von 12 Jahren überschritten hat, scheint sich das Laufen ohne Schuhe zu einer Aussage zu entwickeln. Es gibt – ernsthaft! – erwachsene Menschen, die das Barfußgehen als Hobby oder gar als quasi-politisches Statement begreifen. Mit solchen Irren will Cohu, wertkonservativ wie sie ist, natürlich nix zu tun haben. Naturverbundenheit, so ein Schmarrn! Außerdem kriegt man echt verdammt dreckige Füße mit der Zeit, und es ist erstaunlich, wo sich überall Glasscherben finden… Also, wo krieg ich jetzt diese Fivefingers her?

Eigentor

Sportlich wie Eure Cohu ist, hat sie sich zum WM-Eröffnungsspiel das funkelnde neue MP3-Player-Radio umgehängt und ist – um der Passivität des Fußballhörens aktiv mit einem kleinen Läufchen zu begegnen – gleich mal Richtung Nymphenburg losge-Lahmt. Übliches Revier Olypark ja verseucht von der Plebs!
Aber jetzt heißer Tipp von mir: wenn man bei Google Earth eine geeignete Laufroute abmisst, immer darauf achten, dass Kilometer eingestellt sind und nicht Meilen. Weil sonst geht es Euch wie mir heute. Bis in die zweite Halbzeit hinein war ich unterwegs und hab mich schon gewundert, ob das Fußballspielkommentatorengeplapper mich vielleicht geschwindigkeitsmäßig doch eher runterzieht, denn für 5 Kilometer wären selbst für mich bessere Nordic-Walkerin 80 Minuten eine…äh…erstaunliche Zeit! Und jetzt: aua, aua. Ist das etwa eine Wadenverhärtung?

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Technisches

Ich hab jetzt nicht nur ein neues, saisonal passendes Favicon (was diejenigen unter Euch, die einen Favicon-tauglichen Browser verwenden und zusätzlich täglich brav ihren Cache löschen, sicher schon gemerkt haben!), sondern auch einen comment feed. Juhuuuu! Siehe links unter Interna. Aller Dank gebührt, wie so oft, der IT, die wohl gerade versucht, für die WM “vorzuarbeiten”. Nichts da, Freundterl!

Bärenjagd

Man hat sich ja daran gewöhnt, dass unsere Kinder bei jedem PISA-Test von den Schratzen der Finnen und Finninnen überholt werden, ob jetzt aufgrund eines überlegenen Schulsystems, oder aufgrund ihrer Trinkfestigkeit, das sei dahingestellt, und auch in anderen Bereichen liegt Finnland ganz weit vorne. Aber dass jetzt der Schnappauf sogar für die Hatz auf den Bären finnische Köter einfliegen will – sogenannte Karelische Bärenhunde, das geht doch wohl zu weit. Tut es denn nicht ein ordentlicher Rauhhaardackel? Braucht ein bayrischer Jäger jetzt bereits die Unterstützung ausländischer Spezialtrupps?

Und natürlich klar, wer jetzt an den schlechten Manieren des Bären schuld ist: seine Mutter, wie uns, ganz im Weltbild der Staatsregierung bleibend, der Ministeriumssprecher mit dem schönen Namen Roland Eichhorn auch noch mitteilt. Da sieht man es wieder. Mama Bär, mit der Selbstverwirklichung beschäftigt, treibt sich bis spät in die Nacht in irgendwelchen Alpenmetropolen herum, vermutlich auf der Suche nach einer Disko, tagsüber trinkt sie literweise Pepsi light und feilt sich die Krallen bzw. an ihrer Karriere, gibt ihr Geld für nutzlosen Tand aus, dem kleinen Bären dieser alleinerziehenden Emanze wird nie ein richtiges Mittagessen vorgesetzt, wenn er von der Schule heimkommt, stattdessen nur Tiefkühlpizza oder, noch schlimmer, Minuteria, keine Werte, nix  Schulgebet, nix Kruzifix, immer nur des Ähmtivie, und da gerät er halt auf die falsche Bahn, erst müssen ein paar Tauben dran glauben, dann Hühner und nun sind es schließlich Schafe. Dr. Edmund Stoiber würde vielleicht, wenn ich seine Redenschreiberin wäre, sagen: "So ein Bär braucht keine Kita, so ein Bär braucht keine Ganztagsschule, so ein Bär braucht eine Mutter!"

Auf Reisen

Bei dieser Meldung auf B5 aktuell stellen sich einige Fragen:

1. Hat man es mit der Rechtschreibreform jetzt endgültig geschafft, selbst dem rechtschaffenen BR-Reporter das letzte Sprachgefühl aus dem stoibergläubigen Körper zu pressen? Schön jedoch die Erinnerung and den vorletzten Italienurlaub: dort gab es in einem Restaurant mit tapfer übersetzter deutscher Karte unter anderem: "Reise mit Tintenfisch". Wo die wohl hingeht?

2. Der Bär hat heute nacht, genau wie in der Nacht zuvor, 3 Schafe gerissen. Appetit wie ein, äh…wie ein Bär! Aber jeder Konsument von Hollywoodfilmen weiß doch spätestens seit letztem Jahr, wie man in den Bergen Schafe vor Bären schützen könnte. Schwule Cowboys sind das Mittel der Wahl! Blöd nur, dass es in Garmisch-Partenkirchen wohl keinen einzigen schwulen Cowboy mehr gibt, die sind schon vor Jahren ins Glockenbachviertel (unglaublicher Artikel übrigens!) oder nach Berlin gezogen. Das hat man jetzt von der ländlichen Homophobie.

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