Rustici pauperrimi

Gibt es eigentlich was Tolleres als Flechten?

Rein rhetorische Frage, liebe Leser – Flechten sind natürlich unübertroffen.(*) Im nächsten Leben werde ich Lichenologin!

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Payback

Tolstoi beim Schach (Wikimedia Commons)

In Zeiten des Maulens älterer Herren über den technischen Fortschritt ist es doch mal ganz erfrischend zu lesen, was für eine positive Einstellung zum Beispiel Garry Kasparow zu Computern hat. Nochmal zur Erinnerung: das ist der Typ, der 1997 als erster amtierender Schachweltmeister gegen einen Computer (den berühmten “Deep Blue), verlor. Er hätte also allen Grund, zu klagen – wie es bei Schirrmacher so schön heißt: “Mein Kopf kommt nicht mehr mit”.

Aber stattdessen macht der Kasparow genau das Gegenteil:

“With the introduction of super-powerful software it became possible for a youngster to have a top- level opponent at home instead of needing a professional trainer from an early age. Countries with little by way of chess tradition and few available coaches can now produce prodigies. (…)

“What if instead of human versus machine we played as partners? My brainchild saw the light of day in a match in 1998 in León, Spain, and we called it “Advanced Chess.” Each player had a PC at hand running the chess software of his choice during the game. The idea was to create the highest level of chess ever played, a synthesis of the best of man and machine…”

via The Chess Master and the Computer – The New York Review of Books.

Vielleicht sollte es Schirrmacher ja mal mit Schach probieren. Das hält geistig jung. Gibt’s sicher auch als iPhone-App.

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Google-Safari, Luxusmodus

Oh, die seligen Stunden, die Cohu schon mit Google Earth, Google Maps und Google Streetview verbracht hat! Atlanten blättern war mal: heute spaziert man durch die Straßen fremdester Länder, fliegt über Himalaya-Gletscher und sieht sogar mal eine Elefantenherde durch die Savanne laufen, wenn man Glück hat:

Cohus neuester Google-Zeitvertreib liegt im Immobiliensektor. Wenn man auf einem Google-Maps-Kartenausschnitt, der in den USA liegt, unter “Suchoptionen” “Immobilien” auswählt, findet man dort interessante Dinge (Achtung: das geht nur unter maps.google.com, nicht auf der .de-Domain). Der Amerika-Kenner scrollt natürlich sofort Richtung Kennebunkport, und entdeckt dort solche Schmuckstücke wie:

(Mehr Bilder vom Anwesen findet man beim Klick auf “mehr Info” in der Sprechblase).

Dabei würde ich ja fast noch eher zur Privatinsel “Gooseberry Island” tendieren, denn “This one-of-a-kind treasure with over 1.4 lush acres will invoke the romantic adventurer in all of us”:

Zu kalt da oben? Dann ist vielleicht ein Abstecher nach Key Largo angesagt – für nicht mal 4 Mille bekommt man schon das hier:

Wenn man noch Vierzehn Millionen Dollar drauflegt – ich meine, wenn wir schon dabei sind, Häuser zu kaufen, sollten wir keinen falschen Geiz walten lassen! – bekommt man auch auf den Keys eine eigene Insel (bzw. 4!). Und da gilt dann auch: “Plenty of dock space for all of your yachts.” – Gottseidank! – Denn, mal ehrlich – dieses ewige Parkplatzsuchen mit der Dritt- oder Viertyacht macht doch wirklich keinen Spaß…

Le superflu, chose très nécessaire

Cohu auf der Suche nach der nutzlosesten Maschine der Welt!

Versuch 1: Der “Nothing Grinder” (Nichts-Mahlwerk):

(Bild: Wikimedia Commons)

Trotz des vielversprechenden Namens: ganz unnütz ist das Ding wohl doch nicht. Man kann damit nämlich eine Ellipse konstruieren – siehe “Proclus-Ellipsograph”. Viel zu nützlich!

Versuch 2:  “A Tool to Deceive and Slaughter” – trotz des dramatischen Namens tut dieser Rechner nichts anderes, als sich selbst auf eBay zu verkaufen:

“Artist has created a work of art titled “A Tool to Deceive and Slaughter (2009)” (“the Artwork”) which consists of a black box that places itself for sale on the auction website “eBay” (the “Auction Venue”) every seven (7) days. The Artwork consists of the combination of the black box or cube, the electronics contained therein, and the concept that such a physical object “sells itself” every week.” (ebay)

Also wirklich ziemlich nutzlos! Die Freude ist aber von kurzer Dauer: Wenn man das Ding gekauft hat, muss man damit rechnen, dass es sich innerhalb einer Woche wieder selbst weiterverkauft.

Versuch 3: Der veritable Gipfel der Nutzlosigkeit. Seht selbst:


Die wohltemperierte Cohu

Merke: mit kaltem Wasser kann man problemlos Duschen. Sogar mit rotem Wasser geht das ganz gut. Wenn es aber plötzlich nur noch heißes Wasser gibt und kein kaltes, dann wird’s schwierig…

To die for

Alle regen sich auf über die Wahlentscheidung der Massachusettianer (Massachussettser?) – mit ihrer Stimme für Scott Brown haben sie nämlich die so lange herbeigesehnte Healthcare-Reform wenn nicht verhindert, dann doch zumindest erheblich erschwert. Wenn man NPR glauben darf, lag das hauptsächlich daran, dass es in Massachusetts auf State-Ebene schon eine Gesundheitsversicherungspflicht gibt – und die fanden die Bürger blöd. Sie wollen frei entscheiden, ob sie sich versichern oder nicht. In Abwandlung Patrick Henrys will man sich zwischen Freiheit und Tod nicht entscheiden müssen, solange man auch beides haben kann.

Das mag dem Durchschnittsdeutschen (und sogar manchen Amis) reichlich bescheuert vorkommen. Aber mal ehrlich: wer hätte bei America’s Sexiest Man 1982 nicht sein Kreuzerl gemacht? Wer solche Kerle hat, braucht keine Krankenkasse!

Et tu, Martenstein

“Ich werde meine Verteidigung vor Gericht auf Godwin aufbauen. Ich werde sagen, dass ich eben ein Kind meiner Zeit bin, und werde nachweisen, dass Angela Merkel und Peer Steinbrück, vor allem aber Air Berlin viel weniger mit den Nazis zu tun haben als diese fanatischen Radfahrer mit ihrem bedingungslosen Glauben an die historische Überlegenheit ihrer Sache. Meinen Vergleich, werde ich sagen, bedaure ich zutiefst, aber nur aus künstlerischen Gründen, weil er unoriginell ist.”

via Martenstein: Über Nazi-Vergleiche | Gesellschaft | ZEIT ONLINE.

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Kabarest: In Bestform

“Der Seniorenteller dreht sich schon am Horizont. Die Haare werden lichter, die Weine schwerer, im Autoradio läuft plötzlich Bayern 1, und man hat es nicht mal bemerkt. Aber manchmal, wenn der Föhn am Fenster reißt, dann glüht wieder die Lava unter der Asche. Die Männer können noch schmelzen und die Frauen noch schwärmen. Wer nicht auf Feng Shui schwört, spielt jetzt noch einmal den Drachentöter auf dem Mountainbike. Denn zwischen fünfzig und sechzig wird es noch einmal richtig heiß und kalt – die „fliegende Hitze“ hat Mann und Frau voll erfasst.”

via Heppel & Ettlich im Drugstore | Feilitzschstraße 12 | München-Schwabing – *Premiere* Kabarest: In Bestform.

Das Kabarest-Trio (Cohu berichtete) hat ein neues Programm – diesmal geht es um’s Älterwerden. Wie gewohnt amüsant und charmant, wie Cohu, die natürlich der Premiere am Dienstag beiwohnte, bestätigen kann. Älter werden wir schließlich alle…hoffentlich bleiben wir dabei so gut gelaunt!

Zusätzlicher Bonus: das Heppel&Ettlich ist umgezogen ins Drugstore in der Feilitzstraße, ein Etablissement, das ich vorher noch nie betreten hatte. Zu Unrecht, wie sich herausstellt: es hat einen enormen, eigentlich (im besten Sinne!) vollständig unmünchnerischen Charme. Die siffigen Siebziger (oder gar Sechziger?) sind hier noch lebendig, und man sieht förmlich vor sich, wie in ein paar Jahren, wenn das Lokal “wiederentdeckt” und gründlich gentrifiziert wird, hier die JegginsträgerInnen und sonstigen Pete Dohertys der Stadt ihre Wodkas bestellen werden (weiß jetzt aktuell nicht, was die trinken, aber Wodka scheint mir plausibel). Lustigerweise äußerte ich diesen Gedanken schon am Dienstag, und zwei Tage später erklärt uns doch tatsächlich unsere weltgewandte Lieblings-SZ-enejournalistin (Stichwort: “In SoHo oder im Meatpacking District in Manhattan fing es einst genauso an…”)  in einem vielbeachteten Artikel:

“Denn dort, wo sich derzeit im Umkreis der Münchner Freiheit Dönerbuden, Boazn und Kleinkunstbühnen aneinanderreihen, dort, wo es derzeit etwas trostlos und schmuddelig aussieht, genau dort ist Platz für die Bohème des neuen Jahrzehnts.” (Requiem für das Glockenbachviertel)

Und ich hab da schon ein kleines Mineralwasser getrunken diese Woche! Cohu am Puls der Zeit!

Boys Don’t Make Passes / At Girls Who Wear Glasses

Beim Googeln nach dem Suchwort “Gebildete Frauen” bekommt man auf der ersten Ergebnisseite folgendes:

– “…Laut Sozialwissenschaftlerin Christiane Dienel gibt es für gut gebildete Frauen zu wenig interessante Männer. Grund sei der hohe Anspruch…”
– “Partnerwahl: Akademiker und die Bildungsfalle”
– “Die Studienergebnisse zeigen nun, dass hoch
gebildete Frauen zu 60 Prozent Partner mit ähnlicher Bildung bevorzugen, «obwohl das nicht nötig …”
– “Gebildete Frauen haben häufiger Orgasmus-Probleme – Bild.de”
– “Wollen Männer echt intelligente Frauen [Archiv] – GamePro Forum”
– “Schlechte Chancen für gebildete Frauen« DiePresse.com – Die Einkommensschere geht mit steigendem Bildungsniveau auseinander. Ein Drittel der Lohnunterschiede sei “nicht objektiv erklärbar”, sagt eine AK-Expertin.”
-“Statistik: Gebildete Frauen bekommen weniger Kinder – heute.de … Mikrozensus 2008: Immer mehr Frauen bleiben kinderlos. Frauen in Deutschland bekommen immer weniger …”
– “Orgasmus News | Gebildete Frauen haben häufiger Orgasmus-Probleme … Das Frauen-Onlineportal beQueen hat anhand einer Umfrage herausgefunden, dass Frauen mit einem hohen Bildungsgrad häufig Orgasmus-Probleme …”
-“Diakonie: Ein Stift für gebildete Frauen — Evangelischer …
Das Görlitzer Luisenstift ist nicht nur ein Altenpflegeheim mit langer Tradition. …”-”
– “Gebildete Frauen in Hamburg häufig kinderlos – Nachrichten …14. Aug. 2009 … In Hamburg ist der Anteil von kinderlosen Frauen unter allen Bundesländern am höchsten. 71 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen in der …”

Bis auf einen neutralen Eintrag stellen alle Suchergebnisse einen hohen Bildungsgrad bei Frauen als negativ dar. Um überhaupt mal einen einzigen positiven Beitrag zum Thema zu finden (“Gebildete Frauen-Frauen bilden: Ein Stadtrundgang durch Freiburg”), muss man bis auf Seite 3 der Suchergebnisse blättern. Beim Suchwort “Akademikerinnen” ist das Ergebnis ähnlich eindeutig.

Übrigens ist der Volkssport Akademikerinnenbashing beileibe nicht auf Männer aus dem Bild-Zeitungsmilieu beschränkt. Besonders gerne wird er auch betrieben von älteren Akademikerinnen, z. B. von einer “ganzheitlichen Ärztin”, die in der taz über ihre jüngeren Geschlechtsgenossinnen klagt:

“Viele Frauen haben das Vertrauen in den eigenen Körper verloren.” Es sind vor allem gebildete Mittelschichtsfrauen und Akademikerinnen, die es nervös macht, wenn sie nicht genau wissen, was passiert. Heute bereiten sich Frauen akribisch auf eine Entbindung vor und sind dann oft erstaunt, wenn mit ihrem Körper etwas passiert, das sie nicht mehr im Griff haben.” (taz.de)

Diese unentspannten Ziegen! Schlau daherreden können sie vielleicht, aber wir wissen doch alle: auf dem Schlachtfeld der Östrogenkriegerinnen – der Mutterschaft – versagen sie total!

Sollte ich jemals Kinder gebären (selbstverständich mit Dreifach-Epidural und Kaiserschnitt zum Wunschtermin), würde ich denen eigentlich gerne vermitteln, dass Bildung ein Lebensziel ist, auf das jeder, egal ob Mädchen oder Junge, uneingeschränkt stolz sein darf. Aber vermutlich sind meine Ovarien vom vielen Studieren ja schon derart eingetrocknet und meine sexuelle Attraktivität durch meinen Doktortitel derart verringert – von chronischer Anorgasmie und hoffnungslos überhöhten Ansprüchen an meine Sexualpartner mal ganz zu schweigen! -, dass es soweit nie kommen wird…

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The First Cut is The Deepest

Im Gegensatz zu ihren deutschen Entsprechungen nehmen die britischen Tories (die ich, abgesehen von meiner einzigen Schwäche, nicht gerade sympathisch finde) wenigstens kein Blatt vor den Mund – als Wahlversprechen gibt der Schatten-Finanzminister George Osborne nämlich nicht primär liebevolle Steuersenkungen, sondern eiskalte Einsparungen:

“Programmes that represent poor value for money, excessive spending on things like advertising and consultants, spending on tax credits for people earning over £50,000, and spending on child trust funds for better off families will all have to be cut during the financial year.” (BBC News)

Gibt es in Deutschland eigentlich irgendjemanden, der es sich trauen würde, vor einer Wahl von Einsparungen zu reden? Und zwar als konkrete Maßnahme direkt nach der Wahl, nicht als was, was man vielleicht unter Umständen auch mal irgendwann machen müsste? Und der die dann sogar noch wirklich als “cuts” (also: Einschnitte) bezeichnet und nicht von – würg! – “Haushaltskonsolidierung” oder “Schuldenbremse” schwafelt?

(Zusatzfrage: warum hab ich diese Linda Ronstadt eigentlich bis jetzt vollkommen verpasst? Den neulich hier besprochenen Mexikanerjodler hat die im Übrigen auch mal gesungen!)

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