Das Lästern der Anderen

Komisch: je unsympathischer der Oscar-Riese mit dem seltsamen Namen von anderen dargestellt bzw. empfunden wird (ist adelig! lacht! ist für das Recht auf Waffenbesitz!), desto sympathischer wird er mir. Vielleicht sollt ich mir den Stasi-Film doch mal anschauen.

Affenmenschen, Menschenaffen

Beim gestrigen Frans deWaal – Vortrag in der Siemensstiftung gab es interessante Einblicke in das Verhalten von nichtmenschlichen und menschlichen Primaten. Zumal über das Amüsement der Gäste angesichts der Tatsache, dass die stumpfsinnigen Schimpansen und Kapuzineraffen praktisch nur kooperieren, wenn man dafür auch Fressen rüberwachsen lässt. "Spontanes" Imitationsverhalten, Spielverhalten, also alles, was in Richtung einer Kultur im weiteren Sinne deuten würde, ist eher selten, bzw. jedenfalls bei weitem nicht so gut erforscht wie Konditionierung, Angeborenes, etc.: ein Resultat des in den letzten Jahrzehnten vorherrschenden Behaviorismus. Ein mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion versehener Menschenaffe wie Cohu durchschaut natürlich sofort, dass auch das Aufkreuzen von Homo-Sapiens-Individuen bei so einem Vortrag in den seltensten Fällen spontan geschieht. Ein nicht unerheblicher Teil der Gäste war nämlich, wenn mich mein hobbyethologisch geschärfter Blick nicht täuschte, wegen des köstlichen Büffets da…
Schade fand ich, dass – angesichts der stetig wachsenden Erkenntnisse über die Kontinuität zwischen Affen und Menschenverhalten und -bewußtseinsvorgängen –  die Frage der moralischen Rechtfertigung für Versuche an Affen (insbesondere medizinische Forschung an Menschenaffen, die in den USA und vielen anderen Ländern noch üblich ist) gar nicht zur Sprache kam. Aber sowas fällt einem natürlich auch immer nach der Diskussion ein. De Waals neues Buch "Primates and Philosophers" kommt jedenfalls auf meinen Wunschzettel.
Zum Thema "merkwürdiges Primatenverhalten": nach dem Vortrag sprach mich eine mir unbekannte Dame an, sie sei Künstlerin, und wolle meine ihrer Ansicht nach besonders schöne Haarspange fotografieren. Dies tat sie dann auch, hinter meinem verwunderten Rücken. Kultur ist nicht nur bei Affen ein seltsames Ding.

(Bild: Catherine Marin/Wikipedia)

…und noch einer.

Also, da ist er jetzt endlich, der lang ersehnte Nazivergleich im "Gebärmaschinen"- Hin-und-Her-Gekeife (das als Debatte oder Streit zu bezeichnen, wäre wohl zu hoch gegriffen):

"Nach der Würdigung Mixas greift der Verfasser des Briefes, der Vorsitzende des "Forums", Hubert Gindert, zu zweifelhaften Vergleichen: "Das Forum [Deutscher Katholiken] weist alle Versuche der Politiker, die den Bischöfen wie in Zeiten Bismarcks einen Maulkorb verpassen wollen mit Entschiedenheit zurück und rügt den Versuch des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck, mit dem unpassenden Vergleich eines "streunenden kastrierten Katers" im "Stil des Stürmers" und "Völkischen Beobachters" Bischof Walter Mixa zu diffamieren. Die SPD wird aufgefordert, sich von der Redeweise ihres Vorsitzenden klar zu distanzieren." (SPON)

Ansonsten, hofft Cohu, droht Kurt Beck die Exkommunikation. Eine interessante Textvorlage für das u.a. darauf abzielende Beten mit dem Forum Deutscher Katholiken findet sich hier. Völkischen Beobachter hatten wir, fällt mir grad ein, neulich schon mal.
(Übrigens kommt es mir in letzter Zeit öfters moralisch fragwürdig vor, zu Spiegel Online zu verlinken, wo mittlerweile unverhohlen Springer-mäßig mit "Kinderschänder" geschlagzeilt wird. Jetzt hätt ich beinah geschrieben "Stürmer"-mäßig. Aber nur beinah.)

Verfressen

Nach Cohus gestrigem Besuch im Asia-Feinkostladen Van Hoi steht das Wochenende kulinarisch im Zeichen von, äh, Ost-Asien. Gestern gabs Sushi, ganz fein mit Limetten-Chili-Thunfischcreme und welche mit California-Füllung (eigentlich Gurken-Avocado-Surimi). Das Surimi hab ich durch Krabben ersetzt, da mir diese Staberl nicht ganz koscher vorkamen (dabei ist, buchstäblich gesprochen, genau das Gegenteil der Fall!).
Allerdings hab ich aus Versehen koreanisches statt japanisches Nori erwischt (YangBan Seasoned Seaweed), wohl weil mich die Werbeaufschrift "Grown on underwater rocks!" sowie die überschwängliche Jodwarnung so beeindruckt haben: nicht mehr als ein Blatt soll man am Tag davon essen, äh, hätte man davon essen sollen. Zu spät. Aber mit meiner Jod-Überdosis bin ich jetzt zumindest ein paar Tage vor einem Unfall im Isar II geschützt! GAU, du kannst kommen. Und überhaupt: das koreanische Algenzeugs fand ich viel besser als das gewohnte japanische, weil es richtig dünn, fast durchsichtig, und schön würzig war. Heute gabs dann japanische Udon-Nudeln (Sanuki, sehr dicke, weiche, Weizennudeln) in einer feinen Hühnersuppe.

Van Hoi am Hohenzollernplatz (oder auch in der Augustenstr.) ist übrigens sehr zu empfehlen – richtig groß, sauber, mit riesigem Tiefkühlsortiment und begehbarem Kühlraum (da gibts auch die frischen Udon-Nudeln) und auch sonstigem Asiazubehör wie Kocher, Geschirr, etc. Allein das Betrachten von getrockneten Tintenfischen, Shrimps-Glibber in Gläsern und Lychee-Schleim-Dessert in kleinen Plastiktütchen ist, wenn auch nicht notwendigerweise appetitanregend, so doch eine kulturelle Erfahrung, die baldigst in Angriff zu nehmen Euch Cohu empfiehlt.
P.S.: Wasabi-Erbsen nicht vergessen! Die sind inzwischen ja so in, dass sich, so vermutet Cohu, die gesamte Vanity-Fair Redaktion tagelang nur von ihnen und Bionade ernährt.

Hello Kitty

Ein ausgeprägter Antiamerikanismus hat sich bei Cohu – trotz ihres insgesamt boshaften und missbilligenden Charakters – nie einnisten können. Aber manchmal fragt man sich schon: unter katzenhaltenden US-Bürgern ist es durchaus verbreitet, die pelzigen Mitbewohner zu “declawen”, d.h. ihnen in einer chirurgischen Prozedur die Krallen entfernen zu lassen. Warum das so toll ist, erklärt diese Seite.
In den USA ist es viel üblicher als bei uns, Katzen nie vor die Tür zu schicken – bei Kindern bis zur Volljährigkeit und Haustieren ist der Amerikaner grundsätzlich der Meinung, dass es unverantwortbar ist, sie nur einige Minuten aus den Augen zu lassen, da die Welt voller böser Menschen und Terroristen ist (vgl. dazu auch die Seite “I saw your nanny“). Die derart bemutterten Katzen werden verständlicherweise etwas seltsam und müssen sich am Sofa abreagieren, daher das “Declawing”. Als tierfreundliche Alternative wird das Produkt “Softclaws for Cats” beworben: künstliche, stumpfe Plastikkrallen, die der Katze angeklebt werden. Auch noch in allen möglichen bunten Farben – wo man doch weiß, wie gerne Katzen ausgelacht und verspottet werden, und wie sehr es sie erfreut, Fremdkörper an den Pfoten zu haben! (Schon mal ne Katze über Tesafilm laufen sehen?)
Gerne möchte ich einen der “tierlieben” Katzenhalter dabei beobachten, wie er diese Dinger an seinen jungen “Samtpfötchen” (!) anbringt – hoffentlich eine letzte Gelegenheit für das Tier, die Schärfe der noch nicht verklebten Krallen am Besitzer zu testen. Und wenn das alles nicht zur notwendigen “behavior modification” führt, gibts ja noch Prozac.

Husch! Husch!

Jetzt aber schnell heim!!!
Der Computerausschalttag ist zwar erst in nem Monat. Aber: schon heute ist Work Your Proper Hours Day! Ach so, nur in England. Weil, wir haben nicht die erforderliche "Long Hours Culture". Na, dann dürfen die Bürodrohnen unter Euch noch ein wenig nutzlos herumsurfen…

Posted in Decline of a Nation. Comments Off on Husch! Husch!

Schöner Treten

Dringendes Update für unsere Suche nach Teppichen, die dem Kleinbürgertum trotzen: Hitler-Teppich.
Hm, dann aber doch lieber PVC.

Import/Export

…das ist gerade Cohus Gewerbe. Allerdings geht’s nicht um Köstlichkeiten aus aller Herren Länder, sondern um das stupide Übertragen von Literaturreferenzen von hier, hier, hier in mein Endnote, unterbrochen von zahlreichen , frustrierenden Zwischenstopps auf Endnotes wahnsinnig übersichtlicher Import-Filter Seite (das Importieren von Umlauten ist mir immer noch nicht gelungen…). Das alles ist fast so nervenaufreibend wie HTML-Tabellen (kriege da regelmäßig Schreikrämpfe!), aber wenigstens tröstet mich die Vorstellung, dass ich mich dank VPN-Client zum Datenbankwühlen nicht in die Bibliotheken selbst quälen muss (zu Cohus Bib-Erfahrungen siehe hier). Insgesamt also doch eine positive Bilanz der Fortschritte in der EDV!
Wer nicht so zufrieden mit den Putern ist, kann sich ja schon mal langsam auf den 24. März vorbereiten:

Be a part of one of the biggest global experiments ever to take place on the internet. The idea behind the experiment is to find out how many people can go without a computer for one whole day, and what will happen if we all participate!
Shutdown your computer on this day and find out! Can you survive for 24 hours without your computer? (Shutdown Day)

Ich halte es da, angelehnt an Loriots Diktum über den Mops, mit der Devise: ein Leben ohne Computer ist möglich, aber sinnlos. Wenn das Wetter so schön bleibt, könnte es allerdings am Wochendende zumindest zu kurzen Standby-Zeiten kommen…

…und gleich noch ein amerikanisches Schmankerl!

In meiner Eigenschaft als Nazivergleichsammlerin hab ich ja schon einiges erleben dürfen – siehe extensive Nazivergleichsammlung. Aber das ist doch ein besonderes Exemplar. Via Ingo, via Lawblog, via FTD –  Kolumnistin Ellen Goodman schreibt  im Boston Globe:

I would like to say we’re at a point where global warming is impossible to deny. Let’s just say that global warming deniers are now on a par with Holocaust deniers, though one denies the past and the other denies the present and future. (Boston Globe: No Change in Political Climate)

Hmmm. Und Glühbirnenverwender sind dann vermutlich Nazis? Ich hab nur laut gedacht!

Posted in Fröhliche Wissenschaft, Nazivergleich, Politisches, U.-S.-A.! U.-S.-A.!. Comments Off on …und gleich noch ein amerikanisches Schmankerl!

Italo-Amerikanisches Schmankerl

Nachdem nun schon die New York Times über Tomatensoße mit Fleischklopsen berichtet, will ich Euch meine Forschungsergebnisse zu diesem Thema nicht vorenthalten. Der Amerikaner an sich kennt als typisch italienisches Gericht nicht – wie der Deutsche an sich – Spaghetti Bolognese, sondern vielmehr "Italian Meatballs" mit Tomatensauce und Spaghetti. Das ist so wenig "italienisch" wie unsere Bolognese – der Amateur Gourmet meint: "spaghetti and meatballs is not an authentic Italian dish but an American Italian concession to America’s love for meat."
Das ganze Konzept (praktisch Mini-Fleischpflanzl mit Tomatensoße auf Nudeln!) hört sich doch sehr lecker an, also hat Cohu es gestern mal ausprobiert: mit einem Rezept, das vermutlich mit den Sizilianischen Polpette ebensowenig zu tun hat wie mit dem NYT-Rezept, aber sehr lecker war. Hier kommt’s:

Rigatoni mit Gemüsesugo und Rucolaklopsen

250g gemischtes Hackfleisch, 1 Ei, Semmelbrösel und etwas Mehl gut vermischen.
Mit einer Handvoll Rucola (!) kurz mit dem Stabmixer durchmixen.
Mit Pulbiber (türkische Paprikaflocken), Origano, Schwarzem Pfeffer und Salz würzen.
Mit nassen Händen kleine Fleischklopse formen und in Olivenöl ausbraten, bis sie fest sind.

Dazu dann 1 klein geschnittene Zwiebel, eine Handvoll Champignons und reichlich Gemüsewürfel (z.B. Gelberüben, Paprika, sicher ginge auch Fenchel, Stangensellerie) geben sowie eine Hand voll Speckwürfel (Bacon). Alles gut anrösten, bis Speck ausgelassen ist und Gemüse braun angeht.
Mit Rotwein ablöschen und dann Tomatenpürée dazugeben.
Während die Nudeln kochen, Sauce leise zugedeckt köcheln lassen. Mit wenig Sahne, Paprika, Pfeffer, Salz und Basilikum abschmecken.
Über Pasta (z.B. Rigatoni) mit frischem Parmesan servieren.

Schmeckt übrigens auch aufgewärmt ziemlich lecker (dürfte insgesamt für 3-4 Personen reichen).