Anleitung zur Schaffung sozialer Gerechtigkeit

1. Man lege einen gesetzlichen Mindestlohn fest, der bei saftigen 8,44 Euro liegt.
2. Man lehne sich ob der geschaffenen "sozialen Gerechtigkeit" befriedigt zurück.
3. Man beobachte, wie alle Menschen, die aufgrund geringer Qualifikation soviel nicht erwirtschaften können, arbeitslos werden. Unter anderem 22,7 % der Menschen unter 25 Jahre.
4. Voilá!

Mr. Wiefelspütz goes to Berlin

Der Bundestag hat beschlossen, dass Videodaten von Großbahnhöfen ab jetzt nicht mehr nur wie bisher 48 Stunden, sondern einen Monat lang gespeichert werden dürfen. Dabei war der Gesetzgebungsprozess etwas erstaunlich: denn im Gesetz ging es eigentlich um Flugpassagierdaten. Die Videoaufnahmen betreffende Änderung des Gesetzentwurfes wurde spät abends per Fax an die Parlamentarier herumgeschickt, am nächsten Tag wurde ohne weitere Erläuterung oder Hinweis auf die Videosache im Innenausschuss darüber abgestimmt – und im Bundestag wurde das Ding dann um zwei Uhr nachts durchgewunken. Eingefleischten Simpsonsfans dürfte das aus der Folge "Mr.Spritz goes to Washington" bekannt vorkommen, in der Krusty der Clown, natürlich mit Hilfe von Lisa, Simpsonsche Belange mit der gleichen Unauffällig-Dran-Tacker-Methode im Kongress durchsetzt:

"Finally, during a session in Congress, the janitor and Lisa, with Homer’s drunken diversion, place the Air Traffic Bill under a bill giving orphans American flags. When the bill comes up for discussion, the blackmailed congressman immediately consents, and Congressman Beauregard, in a drunken stupor, consents to the bill. The legislation is then passed, and Krusty embellishes the successes of democracy." (Wikipedia)

Den Film "Mr.Smith goes to Washington" aus dem Jahr 1939, der der Simpsonsfolge als Vorbild diente, kann man sich übrigens komplett online ansehen.
Vielleicht noch unterhaltsamer ist allerdings das Interview, das Herr Wiefelspütz anlässlich dieser Sache heute morgen im Deutschlandfunk gab. Hier gibt’s ein MP3 davon, hier den Text. Schwangeren, Menschen mit Herzschrittmachern und Leuten, die sich leicht über Arroganz und sophistisches Winkeladvokatentum aufregen, rate ich vom Anhören ab. Aber zur Beruhigung möchte ich Herrn Wiefelspütz selbst zitieren:

"Dies ist der entwickeltste Rechtsstaat, Frau Kaess, den ich weltweit kenne. Darauf sollten wir stolz sein, dass es so ist, und das soll so auch so bleiben."

Wenn der PC plötzlich “Für Elise” dudelt.

Bei Microsoft "Hilfe und Support" gibt es immer wieder was zu lachen

Decline of a Nation: hear hear

Die Oxford Union – der angeblich berühmteste Debattierclub der Welt, auf jeden Fall einer der selbstbewußtesten – hat mal wieder eine aufsehenerregende Veranstaltung im Programm: sie laden laut BBC den rechtsextremen Nick Griffin und den Holocaustleugner David Irving zu ihrer nächsten Debatte ein. Ob die Thesen dieser Herren eine Diskussion verdienen, sei dahingestellt. Die Gefahr, dass sie nach einem Auftritt bei der Oxford Union ernster genommen werden als zuvor, halte ich jedoch für relativ gering: bei der Oxford Union waren nämlich zwar schon Mutter Teresa und der Dalai Lama zu Gast. Aber auch Diego Maradona, O.J. Simpson, Jenna Jameson und Ron Jeremy sowie:
Kermit der Frosch.

(Bild: Wikimedia Commons)

Wer arbeitet, darf auch essen

Ach neee, nichts zum Grundeinkommen, das hat die FAZ (in einem seltsam informationsarmen Artikel) ja schon für tot erklärt und sogar die Grünen geben es langsam auf.
Stattdessen geht es um das beliebte Thema "Backen mit Cohu". Dieses Wochenende gabs einen köstlichen Käsekuchen (es war keine Zeit für schönere Fotos):
 
Und dann wurden gerade die zum Wochenanfang gebackenen Kokosmakronen verkostet. Dieses Gebäck entfaltet ja erfahrungsgemäß erst nach einigen Tagen seinen vollen Geschmack. Und ich muss tatsächlich sagen: ganz schön lecker! Hier ist das Rezept, wobei ich zusätzlich zum Zitronensaft noch Zeste dazugegeben habe.
Ich hoffe, dass die stark erhöhte Kalorienzufuhr durch Backwerk durch die doch relativ anstrengende Backerei zumindest ansatzweise wieder ausgewogen wird…ansonsten: siehe Überschrift.

Aus Liebe zum Krimi

Fernsehtipps gibt es bei Cohu (in Ermangelung eines eigenen Fernsehers) ja eher selten. Trotzdem: ein Muss für alle, die so ein Gerät ihr eigen nennen – heute abend um 20:40 gibt’s unter dem Titel "Das Geld anderer Leute" eine neue Folge der Krimi-Reihe "Unter Verdacht" mit Senta Berger, Gerd Anthoff und Rudolf Krause. Ich rate zum Abschalten des Telefons und der Haustürklingel sowie zur Bereitstellung von Speisen und Getränken in Reichweite der Empfangsgeräte, denn es wird sicher wieder sehr spannend.
(Wie die Arte-Seite etwas NSFW ankündigt, bringt der Sender gleich im Anschluß ab 22:10 einen "Themenabend Masturbation". Also, wenn die Oma mitschaut, vielleicht doch rechtzeitig umschalten…)

(Bild: Wikimedia Commons)

Bellezza e morte

Etwas verwirrend fand ich es ja immer, dass eine bestimmte Sorte piemonteser Kekse als "Amaretti Morbidi" bezeichnet wird. Morbides Mandelgebäck? Ist das etwas, was man zur Séance oder zum Goth-Kaffee isst?
Wirklich morbide hingegen ist diese Seite. Falls Ihr ähnlich schlecht italienisch könnt wie ich: es handelt sich tatsächlich um den Pin-Up-Kalender eines Sargherstellers. Der Konnex von halbnackten Schönheiten (?) zu Sepultralbedarf erschließt sich nicht direkt, außer vielleicht bei Miss Mai, die sich zumindest haltungs- und ausdrucksmäßig schon in deutlicher Nähe zum Sensenmann aufhält. Miss September hingegen dürfte sich spätestens bei Drucklegung des Sargschreinerschundheftchens überlegen, wie man möglichst qualvoll den Fotografen um die Ecke bringen kann, der diese Aufnahme von ihr verbrochen hat. Schönheit und Tod haben also zumindest indirekt was miteinander zu tun.

Vorschlag zur Güte

Ok, es scheint wirklich schwierig zu sein, einen Texteditor zu programmieren, der meinen wahnsinnig hohen Ansprüchen genügt: ich will ein über 100-Seitiges, vielfach untergliedertes Dokument erstellen und dann auch noch nachträglich was an den Gliederungsebenen ändern. Word 2003 bekommt in der Gliederungsansicht unerklärliche Zuckungen und ist nicht mehr ansprechbar (Epilepsie?). Word 2007 ist leider, was dieses Problem angeht, auch nicht fehlerfrei.

Vielleicht könnte man in Word ab der nächsten Version zumindest so eine Art "Beruhigungs-Clippy" einbauen, der in Momenten der Nutzerverzweiflung Pop-Ups mit relativierenden Kommentaren einblendet. In etwa sowas:

"Denk daran: Deine große Schwester musste noch auf einem schwarz-grün-Bildschirm mit Word-Versionen arbeiten, die noch nicht nach Jahreszahlen benannt wurden, sondern einstellige Nummern trugen."
"Denk daran: Deine Mutter musste ihre Arbeiten auf der Schreibmaschine tippen."
"Denk daran: Dein Vater konnte nicht mal selbst tippen, der musste seine Diss Deiner Mutter diktieren!"
"Denk daran: Deine Urururgroßeltern konnten vermutlich nicht mal schreiben."
"Denk daran: wäre Einhämmern in eine Steinplatte einfacher?"

So gesehen könnte man selbst für Word 2003 Dankbarkeit empfinden.

Konkurrenz an Sterbebetten

Auf einer Demo gegen den Schweizer Verein "Dignitas", der sogenannte "Suizidbegleitung" (also Beihilfe zur Selbsttötung) betreibt, mahnt die Deutsche Hospiz Stiftung auf einem Transparent: "Kein Geschäft mit dem Tod". Ein Gesetz gegen "kommerzielle" Sterbehilfe soll eingeführt werden. Hm, seltsam: denn Dignitas hat überhaupt kein Gewinninteresse – sie bekommen zwar Geld, aber eben zur Deckung ihrer Kosten. Der Verein beschäftigt Ärzte und berät seine Klienten schließlich auch. Nun frage ich mich: muss man selbst (bzw. die Krankenkasse) für einen Aufenthalt im Hospiz und die dort angebotene "Sterbebegleitung" nichts bezahlen? Arbeiten Ärzte und Schwestern dorf für Gotteslohn? Oder betreiben Hospize gar auch ein "Geschäft mit dem Tod"?
Über Beihilfe zum Suizid kann man geteilter Meinung sein. Aber bei den Warnrufen der deutschen Hospizstiftung habe ich manchmal fast schon den Eindruck, dass sie Angst vor Konkurrenz bei der Sterbehilfe haben. Sterbehilfe findet im Hospiz schließlich auch statt – nur eben passiv, d.h., salopp gesagt, durch Schmerzstillen und Abwarten, nicht durch Hinstellen des Giftbechers.
Ziemlich entlarvend finde ich es dann auch, wenn Eugen Brysch von der Hospizstiftung die freiwillige Selbsttötung Schwerkranker in diesem Interview als "einfache Lösung" bezeichnet. Geradezu lächerlich wird es, wenn Brysch und andere der Dignitas Zynismus und Menschenverachtung vorwerfen, weil sie ihre Sterbehilfe mittlerweile auf Parkplätzen betreibt: das liegt schlicht daran, dass der Verein auf Betreiben von Sterbehilfe-Gegnern weder Gewerberäume, Wohnungen noch Hotelzimmer mehr anmieten kann. Gut gemacht, kann ich nur sagen.
Natürlich mangelt es in Deutschland massiv an palliativmedizinischer und psychiatrischer Versorgung, und viele Dignitas-Suizide mögen nur oberflächlich "freiwillig" sein; auch an den Beweggründen des Vereins kann man seine Zweifel haben. Aber das ist für die eigentliche Frage irrelevant: wenn ich schon sterben muss, will ich mir weder von Herrn Brysch, und schon gar nicht (!!!) von Frau Zypries sagen lassen, wie, wann, aus welchen Gründen und mit wessen Hilfe ich das zu tun habe. Und wenn’s auf dem Parkplatz ist.

(Bild: Detail aus einem Portrait von Ambrose Bierce, Wikimedia Commons)

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Nazivergleich mal anders

Das ist ja mal ein erstaunlicher Nazivergleich – ein bekannter Professor der Harvard Law School, Alan Dershowitz, meint in einem ansonsten ganz vernünftigen Zeitungskommentar, der kritisch mit der Wahlkampfstrategie der U.S.-Demokraten umgeht, man könne bzw. solle Folter nicht in allen Fällen von vorneherein ablehnen. Kann man vertreten.
Erstaunlich ist aber dieses von ihm angeführte Argument: die Nazis hätten gefoltert und damit im Kampf gegen die Résistance große Erfolge erzielt, daher sei das Argument, Folter sei eh überflüssig, nicht wirksam. Ne, der schreibt das wirklich:

"There are some who claim that torture is a nonissue because it never works–it only produces false information. This is simply not true, as evidenced by the many decent members of the French Resistance who, under Nazi torture, disclosed the locations of their closest friends and relatives." (Wall Street Journal)

Inhaltlich ist daran natürlich überhauptnichts auszusetzen. Vermutlich hat er recht, Folter funktioniert in bestimmten Fällen.
Wenn ich eine geschmacklose Zeitung herausgäbe, wäre ich trotzdem versucht, zu titeln: Folter – die neue Autobahn?

(Bild: Stephan Jauch/Wikimedia Commons)