Anleitung zur Schaffung sozialer Gerechtigkeit

1. Man lege einen gesetzlichen Mindestlohn fest, der bei saftigen 8,44 Euro liegt.
2. Man lehne sich ob der geschaffenen "sozialen Gerechtigkeit" befriedigt zurück.
3. Man beobachte, wie alle Menschen, die aufgrund geringer Qualifikation soviel nicht erwirtschaften können, arbeitslos werden. Unter anderem 22,7 % der Menschen unter 25 Jahre.
4. Voilá!

6 Responses to “Anleitung zur Schaffung sozialer Gerechtigkeit”

  1. Horst Schulte Says:

    Und wenn diese Formel volks- bzw. betriebswirtschaftlich noch so richtig ist, wir können es nicht zulassen, dass immer mehr Leute so wenig verdienen, dass sie davon nicht mehr vernünftig leben können. Außerdem zweifle ich an der Richtigkeit schon deshalb, weil insbesondere Branchen betroffen sind, die nicht unmittelbar von Verlagerungsrisiken bedroht sind. Alle Kriterien sind nicht für meine Begriffe nicht mit wirtschaftlicher Vernunft abzuhandeln. Ich finde, dass der Satz "Alles ist sozial, was Arbeit schafft" ebenso falsch wie menschenverachtend ist. Es scheint ein Satz aus dem Lehrbuch der Kapitalisten zu sein… Wir brauchen auch Arbeit für die Menschen, die noch nicht den Qualifikationsgrad erreicht haben oder erreichen können, der in der heutigen Arbeitswelt aus Produktivitätsgesichtspunkten gefragt sind. Und von dieser Arbeit müssen Menschen auch noch leben können. Dass auf Dauer Geld vom Sozialamt "zugeschossen" werden muss kann bestimmt keine Lösung sein. Ein solches Verfahren, wenn es sich denn verfestigen würde, macht Menschen krank. Es geht an die Grundfesten unseres Gerechtigkeitsempfindens. Und noch einmal: An dieser Stelle helfen betriebswirtschaftliche Regeln ganz bestimmt allein nicht weiter.

  2. cohu Says:

    Sie mögen nicht "weiterhelfen", aber sie gelten eben. Die Schwerkraft hört nicht auf zu wirken, nur, weil ich es ungerecht finde, dass mir ständig Sachen runterfallen. Genausowenig werden Wirtschaftsunternehmen plötzlich anfangen, Leute zu unrentablen Konditionen (Lohn=höher, als das was der Arbeitnehmer erwirtschaftet) einzustellen, nur, weil irgendwelche Leute das "gerecht" finden.Ich vermag nicht nachzuvollziehen, ob Lohnsubventionierung Leute krank macht (ich persönlich hätte nix gegen ein paar Euro mehr) – Arbeitslosigkeit macht sie jedenfalls nachgewiesenermaßen krank.Das ganze gilt natürlich nur, wenn man ein System freier Marktwirtschaft anstrebt (wovon ich ausgehe). Dein Favicon scheint allerdings anzudeuten, dass Du da ganz andere Vorstellungen hast 😉

  3. Horst Schulte Says:

    Die Schwerkraft ist ein Naturgesetz. Das Thema, über das wir diskutieren, ist eines, dessen Bedingungen von Menschen geschaffen wurde. Viele wollen das nicht verstehen, weil ihnen ein anderes System als das Kapitalistische nicht funktionsfähig erscheint und weil es sich in der Geschichte scheinbar nicht bewährt hat. Es funktioniert so, wie du schreibst. Die Unternehmen diktieren die Gehälter und Löhne, die sie vertretbar finden, von mir aus auch die, die sie zahlen können. Der Schönheitsfehler hierin ist aber, dass sich die Gewinne vieler Unternehmen und gleichzeitig die Einkommen ihres Top-Managements in den letzten Jahren unanständig nach oben entwickelt haben – um es vorsichtig auszudrücken. So funktioniert ungezügelter Kapitalismus. Und das ist nur eine der Begleiterscheinungen. Ein "Ausgleich" wird überhaupt nicht angestrebt. Die Dinge sind eben so wie sie sind. Die Frage ist nun, ob man das einfach akzeptiert (vielleicht unter der Prämisse, dass man daran glauben mag, selbst an diesem System persönlich partizipieren zu können) oder ob man es gesellschaftlich für nicht vertretbar hält. Ich gehöre zu denen, die ein relativ gutes Einkommen haben. Ich kann zufrieden sein und bin das auch. Arbeitslosigkeit macht krank. Da stimme ich dir zu. Wenn man aber für Arbeit nicht adäquat bezahlt wird und deshalb trotzdem zum Sozialamt laufen muss, bekommt das dem Selbstwertgefühl auch nicht gut. Vielleicht kannst du diese Behauptung nachvollziehen. Ich kenne jedenfalls persönliche Leute, die sich in dieser Situation befinden und sie beschreiben ihre Lage entsprechend. Für mich ist die soziale Marktwirtschaft zu favorisieren, nicht die freie. Mein Favicon hat mit meiner politischen Gesinnung wenig zu tun. Aber jetzt, so du’s sagst 😉

  4. cohu Says:

    "Scheinbar nicht bewährt hat" ist eine schöne Formulierung für das Scheitern sämtlicher planwirtschaftlicher Systeme :-)Den Sozialismus müssen nur mal die richtigen Leute ausprobieren, oder? Dann klappt dat schon.Soviel Optimismus bringe ich leider nicht auf. Ich halte Systeme nicht für funktionsfähig, die davon ausgehen, dass Menschliches Verhalten *nicht* ganz überwiegend von Eigennutz geprägt ist. In diesem Zusammenhang halte ich die Analogie zu einem Naturgesetz für angebracht, aber klar, das kann man anders sehen.Was die Umverteilungsfrage/Teilhabe angeht: kann man alles diskutieren, etwa stringentere Unternehmensbesteuerung, Erhöhung des Spitzen- und Erbschaftssteuersatzes, durchlässigere Bildungssysteme etc. pp. Finde nur einen hohen Mindestlohn einfach keine gute Methode, um das zu bewerkstelligen – weil das Unternehmen dann halt niemanden einstellt und die Leute auf der Straße stehen. Das war mein Hauptpunkt oben.

  5. Horst Schulte Says:

    Eine gute Methode ist der Mindestlohn nicht. Da stimme ich zu. Deine Vorschläge finde ich richtig und da muss man zudem auch ansetzen. Den Kombilohn, den Sinn (IFO) so gern eingeführt hätte, haben wir im Prinzip ja schon. Zunächst war ich dafür. Nun halte ich das allerdings inzwischen nicht mehr für richtig. Aus den schon genannten Gründen. Auf Dauer würde die Alimentierung nicht kleiner Teile der Arbeitnehmer die Probleme bestimmt vergrößern. Insbesondere werden es wohl die durchlässigeren Bildungssysteme sein, die wir unbedingt brauchen. Wir dürfen nicht die Leute (vor allem die jungen) abschreiben, weil sie aufgrund ihrer Herkunft absehbar zu denen zu zählen sind, die keine auskömmlichen Jobs finden werden. So scheinen sich die Dinge aber zu entwickeln, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Übrigens habe ich mein Favicon ausgewechselt. Das ist selbst gebastelt 😉

  6. cohu Says:

    Angebracht wäre wohl auch eine Lohnnebenkostensenkung bei den Geringverdienern! Schon das allein würde ja viele aus dem Unter-Existenzminimums-Bereich rausholen…krass, dass man z.B. bei einem Mini-Bruttoverdienst von 630 Euro nur noch 510 rauskriegt…wer subventioniert da eigentlich wen, frage ich mich???Personalisiertes Favicon find ich super 🙂


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