Kontrapost

Wie ich gerade überrascht feststelle, hat meine Alma Mater einen ganz nagelneuen Webauftritt. Feine Sache! Auch das Corporate Design findet durchaus Cohus Zustimmung. Beim Virtuellen Rundgang fragt man sich schon ein bisserl, warum man Unmengen Geld in so eine Spielerei stecken muss, aber gut, ich will nicht meckern, jetzt, wo es mit Deutschland wieder aufwärts geht! Immerhin weiß ich jetzt, wo der Salinenhof ist, und finde somit problemlos zum Philosophenfest heute abend.
Das einzige, was mich am Webauftritt wirklich spontan gestört hat: im absoluten Zentrum der Sichtachse der den Besucher empfangenden Seite befindet sich ein nackter Männerarsch, meinetwegen Jünglingshintern, aber irgendwie find ich das…irritierend. Cohu ist wohl entweder zu spießig oder hat zu wenig humanistische Bildung abbekommen…

Modernste Technik im Hause Cohu

Da mein schrottiges Philips Schnurlos-Telefon mich immer wieder im Stich lässt, hatte ich mir bei Ebay für 2,80 einen FeTAp 611 in kieselgrau – eine sogenannte Graue Maus – bestellt. Todesmutig hab ich mich dann gestern abend, mit nichts als meinen Zähnen zum Abisolieren und einem “Waiter’s Friend”-Flaschenöffner zum Zuklemmen der Steckverbindungen bewaffnet, sogar selbst an die Montage eines modernen TAE-Steckers gewagt und, siehe da: funktioniert einwandfrei. Es klingelt! Es gibt ein Freizeichen! Es überträgt Sprache!
Brauche mit der Wählscheibe ca. eine Minute, um eine auswärtige Nummer inkl. Billigvorwahl einzugeben, aber die Maus ist so reizend, dass sie gleich vom Platz des Zweittelefons zu dem des Ersttelefons with benefits erkoren habe. Schluss mit Elektrosmog! Schluss mit dem Abhören meiner DECT-Gespräche (die Leitung anzuzapfen dürfte ungleich komplizierter sein als unverschlüsselten Funk abzufangen). Schluss mit doofen Pieps-pieps-Klingeltönen. Und vor allem: endlich kann ich beim Telefonieren wieder mit so einem schönen (wenn auch etwas siffigen) Schweineschwanzerlkabel spielen, wie damals beim kieselgrauen FeWAp 612 meiner Eltern.

Die Luft ist raus, zum Zweiten

Sagenhaft! Cohu schafft es, in nur einer Woche nicht nur ihren Fahrradreifen zu entlüften, sondern auch, das Luftpolster ihrer Dekaden-alten Reeboks zu plätten. Jetzt ist da ein kleines Loch drin, und immer, wenn ich leicht bergab laufe, gibt der linke Schuh komische Geräusche von sich (in etwa: Furby mit Verdauungsstörungen). Ich würd das Luftpolsterloch ja flicken – jetzt, wo ich dank Tobi weiß, was Vulkanisieren ist – aber die Dinger sind insgesamt hinüber.

Also gehts heut endlich zum Sportscheck. Bei meiner prä-emptiven (das Latinum muss zu was gut sein!) Recherche im Internetz hab ich festgestellt: beim Scheck, jedenfalls beim Internetz-Scheck, gibt’s die Nike free, von denen wir’s hier in den Kommentaren neulich schon mal hatten, für 49,90 statt 100 Euro. Aber wie schade, nur die für Männer! Dabei gings doch gestern erst um Sexismus im Sport, und heute werde ich schon selbst zum bemitleidenswerten Opfer.

[Bei der Bildsuche übrigens auf diese Seite gestoßen. Gratulation zur Wahl des passenden Firmennamens!]

(Bild: Frenkiep, Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Laddettes are not enough

Zu später Stunde noch ein Update, weil es mit Großbritannien nun endgültig bergab geht: im linken Kampfblatt Guardian schlägt eine Kommentatorin doch tatsächlich ernsthaft vor, die sexuelle Apartheit aus dem Sport zu verbannen und gemischte Teams bzw. Wettbewerbe sogar in Sportarten wie Cricket, Rugby und – man höre und staune – sogar Fußball zu erlauben bzw. gar gesetzlich zur Regel zu machen. Cohu ist ratlos und versteht die Aufregung nicht so ganz – für England stehen doch längst Mädels auf dem Platz?

(Mann, mann, meine Witze leiden halt auch unter den Temperaturen. Ne, in Wirklichkeit: sehr gute und schon lange fällige Idee. Cohu empfiehlt Euch auch in diesem Zusammenhang auch noch das Buch "The Frailty Myth" von C. Dowling, das versucht, mit dem Mythos einer natürlichen körperlichen Unterlegenheit des weiblichen Geschlechts aufzuräumen, die laut Dowling hauptsächlich auf kulturellen Gegebenheiten beruht).

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Ist das nicht volk?

Wieder mal ein Beispiel für die auch schon an anderer Stelle dokumentierte düstere Weltsicht meines Handys, das wortschatzmäßig wohl irgendwo um 1940 rum steckengeblieben ist: ich will schreiben: sublim, T9 schreibt stattdessen (1. Vorschlag!) stalin. Na dann gute Macht!

Coming Soon: Sunfish’n’Chips!

Duscht ne Stunde lang heiß, werft die Klimaanlagen an, fahrt mal eben um den Block zum Kippen holen, lasst den Karren über Nacht laufen, verschrottet (besser noch: verbrennt!) Eure Fahrräder, esst nur noch Äpfel aus Neuseeland und wichtig, viele Fernreisen: der CO2 Ausstoß soll ruhig noch steigen. Klimawandel ist nämlich was Wunderbares.  Aufgrund dieses faszinierenden natürlichen Phänomens und der damit verbundenen Erwärmung der Ozeane gibt es meinen Lieblingsfisch, den Mondfisch (schöne Fotos hier, ausgewachsener unglaublicher Mondfisch hier), jetzt auch in britischen Gewässern, wie der Guardian berichtet. Verwirrenderweise heißt das Tier, dessen Fleisch im übrigen aufgrund seiner zweifelhaften Qualität ("I would not bother to try it again if someone gave it to me") für die englische Küche wie geschaffen ist, im englischsprachigen Raum "Ocean Sunfish" (lat. mola mola – mola= Mühlstein).
Die Mondfische ihrerseits haben die Briten anscheinend schon ins Herz geschlossen, manche vielleicht sogar etwas zu sehr:

"A four-year-old boy was flattened by a sunfish in August last year, off the coast of Little Haven, Pembrokeshire, when it leapt from the sea into his dad’s boat. The boy and his brother managed to roll the creature off and back into the sea." (Guardian)

Aaaaach, der tut nichts, der wollte doch nur spielen!

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Ikskjuhs mie, ei häd a Plättn

Ich bin mir sicher, dass es eine einwandfreie materialkundlich – reduktionistische Erklärung dafür gibt, warum ich bei Radlausflügen immer dann einen Platten bekomme, wenn ich mich grade am geographisch ungünstigsten Punkt befinde. Jedoch weigere ich mich aus Gründen der emotionalen Hygiene, die Möglichkeit des Vorliegens einer solchen weiterhin in Betracht zu ziehen und gehe strikt davon aus, dass hinter dieser Tatsache eine finstere Verschwörung gegen mich steckt. Ich durchschaue Euch, dunkle Mächte, ich durchschaue und verachte Euch!

Hatte mal sowas von einem Schaum gehört, den man in den Reifen füllt und der dann erhärtet und alle zukünftigen Platten verhindert. Oder war das nur für Mountainbikes? Oder gar für Autos? Oder sehr teuer? Kann nicht googeln. Zu müde vom Schieben.

Ozone Prison Blues

Bäh, scheußlich: die Ozonwerte schaun zwar so schlimm nicht aus, aber seit ich gestern Abend eine große Runde durch den Olypark gelaufen bin, fühl ich mich schrecklich: tränende Augen und Halsweh, als hätt ich ne halbe Schachtel  Kim geraucht und dabei in einen Ventilator gestarrt. Könnten auch noch die Ausdünstungen von den Zeugen sein, aber ich tipp eher auf Ozon.
Und wer ist daran schuld? Jaja, der junge Mann, der gestern abend nicht mit mir Eisessen gehen wollte wegen irgendsoeinem Jura-Film im Westpark darf sich ruhig angesprochen fühlen! Jedenfalls: ich plädiere dafür, ein Lied über die Gefahren von Ozon zu schreiben. Vorschläge:
Ozone all around my brain
Oh-zone is on the mountain (für Religionslehrer!)
Too much ozone for one woman (kennt ihr noch Ike & Tina Turner?)
Und mein Favorit, der Jazz Standard:
Ozone gets in your eyes
Da bräuchte man jetzt einen blues drawl, aber seit Cohu die Gauloises und das grüne Auge aufgegeben hat, hört sie sich an wie June Carter auf Valium. Angeblich ist das ja dann meine natürliche Stimme. Super!

Extra Cerasum Nulla Salus – Kein Heil außerhalb der Kirsche

…das denkt sich zumindest Cohu. Habe in der Brigitte (haha, ja, lacht nur, Cohu liest Frauenzeitschriften, ha ha ha!), also jedenfalls in der Brigitte ein sehr schönes Rezept für eine Kirschen-Mohn-Tarte gefunden und würde das gerne mal ausprobieren. Zusätzliche Motivation: ihr kennt das, es gibt “Wegschmeißer” und “Aufheber”, und ich gehöre zur letzteren Gruppe. Habe in meiner Besteckschublade noch einen uralten Kirschenentsteiner namens “KERNEX”, siehe Abb., von meiner Oma liegen (den schon meine Oma nie verwendet hat, soweit ich mich erinnere).
Hehe, ich weiß nicht mehr, wer es war, aber irgendeinTyp  hat mir vor Jahren mal die Geschichte abgenommen, das sei eine Ferkelkastrierzange, wo ich doch mal beim Tierarzt mitgearbeitet hab…diese Stadtkinder!
Also, die Kirschentkerner-Kastrier-Zange muss dringend verwendet werden. Daher brauch ich gute Sauerkirschen. Habe bereits gesucht, aber nix richtiges gefunden, muss ich dafür evt. auf den Viktualienmarkt? Weiß jemand, wo’s feine, schön große (!) Kirschen gibt? Außer “Isemarkt”, da komm ich jetzt schlecht hin.

Freiheit oder Tod

Bei den schon von Herrn Flix bemerkten brav gekleideten Grüppchen, die momentan in München herumlaufen, handelt es sich nicht etwa um evangelische Christen, wie ich noch mutmaßte, sondern um (Zitat Flix) “andere Verrückte”, nämlich die Zeugen Jehovas. Diese begehen seit drei Tagen im Oly-Stadium einen “Sonderkongress” – die ganze Ackermannstraße steht voller Busse, und deren Inhalt singt und betet im etwa zu 75% gefüllten Stadium. Ich sage absichtlich nicht “feiert”, denn bei dem Thema sind die Zeugen ja etwas empfindlich (fand es ja früher immer ganz toll, dass die ihren Geburtstag nicht feiern – ist mir nämlich auch immer eher unangenehm – aber Nachteil: die Geburtstage von anderen Leuten werden ja dann auch nicht begangen. Nichts für Cohu!).
Etwas seltsam finde ich, dass Münchens offizielles Stadtportal den Kongress mit keinem Wort erwähnt, angeblich werden immerhin 45.000 Besucher erwartet.
Das – auf lilanen Ansteckern zur Schau getragene – Motto ist: “Befreiung greifbar nahe.” Da denkt man sich als unbedarft Vorbeilaufende, Befreiung, das weckt schöne Assoziationen, sowas wie: 8. Mai ’45, Sklavenbefreiung, Mandela, Befreiung Bayerns von der CSU, Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht, die sexuelle Befreiung, aber hauptsächlich die Befreiung von meinem mordsmäßigen Seitenstechen beim Mini-Bergerl-zum-Olystadium-Hochhecheln. Aber bei überzeugt Religiösen ist so ein pragmatischer Ansatz natürlich verfehlt, in echt freuen die adrett Gekleideten sich nämlich auf die “Befreiung durch Gottes Königreich”, bei der es zunächst mal eher unschön wird (insbesondere für die Nicht-Erwählten):

“Die Zeugen Jehovas glauben an eine bald stattfindende Apokalypse, das sogenannte Harmageddon. Die einzigen Überlebenden dieser Endschlacht werden die Zeugen Jehovas sein. Nach dem Gott nun die Herrschaft übernommen hat, entsteht eine Zwei-Klassengesellschaft unter den Überlebenden. 144000 geistgesalbte Wesen werden mit Christus in seinem himmlischen Königreich als Könige regieren, der Rest der Zeugen muss sich mit einem Leben auf der neuen Erde begnügen.” (link)

Na, das ist aber nicht mehr so sympathisch. Cohus Tipp: Obacht bei jeder Verkündung eines “Tausendjährigen Reichs” !

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