Von Herzen

Ich für meinen Teil hab ja zum Welttag der Liebenden heute eine amerikanische "Microplane"-High-Tech-Muskatreibe bekommen. Ein wahres Wunderwerk der Technik mit besonders scharfen Zähnchen! Dem einen oder anderen mag das unromantisch erscheinen, aber bedenkt, dass die Muskatnuss ein altbekanntes Aphrodisiakum ist und, wenn das nichts mehr hilft, hat sie (bei höherer Dosis) sogar halluzinogene Effekte. Mit meiner neuen Wunderreibe kann ich nun außerdem endlich mal die in Hamburg erstandenen Tonkabohnen (angeblich ähnlich wie Vanille) ausprobieren.
(Was mir allerdings auch gut gefallen hätte: so eine wunderbare Kette (gesehen bei Marginal Revolution).)

(Bild: Wikimedia Commons)

Asiatischer Snacktipp, die Zweite

Neulich hatte ich ja erst auf den Imbiss Ni Hao in der Amalienstr. aufmerksam gemacht. Gerade werden wir Maxvorstädter aber regelrecht verwöhnt, was die asiatische Küche angeht: in der Barerstraße 56, neben dem "Landmann" Biosupermarkt, hat die japanische (?) "Nudel-Bar" Warmi vor ein paar Tagen ihre Türen geöffnet (leider keine Webseite).
Schon jetzt ist das Lokal mittags wie abends gut besucht – immer ein gutes Zeichen. Hier kann man sich aus Fleisch- bzw vegetarischen Hauptgerichten (heute gab es Champignons, Rind Teryaki, Schweinefleisch, und Huhn Miso) und Beilagen (Reis, Eiernudeln gebraten oder in Suppe, Udon, Ramen) ein köstliche Speise zusammenstellen, die zwischen 5,50 und 7 Euro kostet. Ich war mit meiner Wahl, Udon-Nudeln (die man leider sonst nur sehr selten bekommt, s. Abb.) und Miso-Huhn, heute sehr glücklich, und sogar meine eigentlich eher auf Schnitzel geeichten Begleiter waren voll des Lobes. Das Lokal hat auch abends (bis 22 Uhr) geöffnet, dabei ist die Einrichtung zwar ganz nett, aber wohl eher für einen kurzen Imbiss-Happen als für ein längeres Mahl geeignet. Speisen abholen kann man auch,  und es gibt sogar eine Rabatt-Karte, die verspricht: "Nach 10 Stempeln erhalten Sie eine limitierte VIP-Karte, mit der werden Ihnen alle Hauptgerichte 3 Jahre lang mit 10% Nachlass angeboten."
Cohu lässt sich das natürlich nicht zweimal sagen und wird innerhalb kürzester Zeit zum Warmi-"VIP" werden.

(Bild: Lusheeta / Wikimedia Commons)

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Decline of a Nation: You’re never too thin or too rich, and now you can be both!

Mal wieder eine großartige Idee aus – wie könnte es anders sein – Großbritannien! Dort plant man, übergewichtigen Menschen Geld dafür zu geben, dass sie abnehmen. Diese Methode ist wohl von einer amerikanischen Studie (klar!) inspiriert, in der bewiesen wurde: je mehr Geld den Teilnehmern pro Kilo versprochen wurde, desto mehr nahmen sie ab. Aber auch Wettbewerbe um die stärkste Abnahme sind toll (wobei man sich bei der Beschreibung tendentiell so ein wenig im Pro-Ana-Territorium wähnt):

One was a competition between teams called "Cold Turkey". The team that lost the most weight received a trophy. Fruit baskets were given to the team with the greatest percentage loss each week, and the teams lost an average of 8kg (17lbs) each. (Guardian)

Gut, kritische Geister mögen einwenden, dass es bis heute durch nichts wissenschaftlich belegt ist, dass Abnehmen der Gesundheit förderlich ist. Dünne Menschen und solche mit leichtem Übergewicht sind gesünder – aber das heißt nicht, dass man aus einem dicken Kranken durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten einen dünnen Gesünden machen kann. Für die Gegenteilige Annahme spricht einiges. Und was macht man, wenn die Diätprofis ihre 20 Kilo nach nem Jahr wieder zunehmen (was, statistisch gesehen, bei den meisten passieren wird)? Geld zurückverlangen?
Naja, da die Idee so idiotisch ist, wird sie sicher bald auch ins deutsche Gesundheitssystem Einzug halten. Also, liebe Leser, wir haben jetzt noch ein wenig Zeit, deutlich über einen BMI von 30 zu kommen, damit wir alle ein bisschen was verdienen können, wenn das Mittel der finanziellen Incentives in den "Fit statt Fett"-Plan aufgenommen wird. Ich geh mal eben Donuts holen!

(Bild: Jacques Callot, Zwerg mit dickem Bauch, via Zeno.org)

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Snack an der Uni

Falls ihr demnächst mal in der Amalienstraße unterwegs seid, einen Snack braucht und keinen Bock auf Atzinger-Leberkas, Deli-Star-Bagel oder Koreanischen Schweinebauch habt, möchte ich Euch den neuen Imbiss NI HAO ans Herz legen. Das Essen ist taufrisch, ganz offensichtlich selbst gekocht (auch z.B. die Wan Tan!), fein gewürzt. Was besonders positiv auffällt: es fehlt die sonst übliche Stärkepamp-Soße, wie wir sie vom 80er-Jahre-Holztäfelungs-Chinesen (oder von anderen preisgünstigen Asia-Imbissen) so kennen. Die Karte wechselt momentan noch täglich, da sich alles noch einspielen muss. Die Betreiber sind äußerst nett, hilfreich und freundlich. Ein Hauptgericht kostet so an die 5 Euro, eine Suppe etwa 1,50. Das Essen ist zum Mitnehmen geeignet, der Laden ist aber auch sehr stilvoll eingerichtet und man kann auf Barhockern sitzen.
Zu guter Letzt: NI HAO heißt, zur Beruhigung des Fernost-Skeptikers, nicht sowas wie "Hier gibts auch Affenfleisch!" sondern vielmehr "Willkommen". Cohu wird das Angebot der Garküche jedenfalls begeistert nutzen und hoffen, dass das Geschäft nicht (wie 80% der Gastrobetriebe in unserer Gegend) nach ein paar Monaten wieder zumacht…

Knut mit Nougat: Knougat

Ich hatte ja gar nicht bedacht, dass meine gestern gebackenen Nougat-Eisbären nicht nur zu Knuts 1. Geburtstag am Mittwoch, sondern auch noch zum heutigen Klima-Aktionstag passen. Naja, nicht ganz, zur Verringerung des CO2-Ausstoßes sollte man vermutlich lieber einen Bodensee-Apfel essen

Neue Bürgerlichkeit

…ist ja sonst nicht so beliebt im Hause Cohu. Rahmengenähte Schuhe? Bevorzuge Chucks.  Sonntägliches Sitzen auf Kirchenbänken? Macht Hämorrhoiden. Benimmregeln? Kann meinen Mantel selber anziehen. Manufaktum?  Mir wird schon beim Lesen der Katalogtexte leicht übel. Kulturkritik? Lieber Supernanny als Philosophisches Quartett. Oder gar Sekundärtugenden? Leckt mich doch am Arsch!
Aber jenseits von Di Fabio, Schirrmacher und wie diese Hirsche alle heißen, hat die Bürgerlichkeit doch einen gewissen Reiz. Insbesondere in der Küche. Daher widmete Cohu sich eben einem ganz feinen Produkt der bourgeoisen Kultur, nämlich dem Königsberger Klops. Im vorzüglichen jüdischen Restaurant Cohen’s in der Theresienstraße hatte ich das neulich das erste Mal gegessen und heute, in Anlehnung an ein Siebeck‘sches Rezept, nachgekocht. Man nehme – und ich spreche jetzt ausschließlich die jungen Damen an, die hier mitlesen, denn Herren haben in der Küche nichts zu suchen, ideal wäre natürlich Hauspersonal, also, los gehts:
Kalbshack, zur Not tut es auch Schweinehack, mit eingeweichter Semmel, kleingehacken Sardellenfilets, Zitronenzesten, Eigelb, gewürzt mit Muskat, Salz und Pfeffer, vermischen und zu kleinen Bällchen rollen. Dann in Brühe knapp 10min. leicht sieden lassen, da sollte man auch Lorbeerblätter und Wacholderbeeren mitkochen. Klopse rausfischen, die Hälfte der Brühe reduzieren, mit Sahne aufgießen, und mit Zitronensaft sowie ein wenig Honigsenf (ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass bei mir in praktisch jedes Gericht Honigsenf kommt?) abschmecken. Dann massig Kapern sowie die Klopse reinwerfen. Richtig bürgerlich wird es erst – die Gourmets sowie Herr Siebeck hören jetzt bitte weg – wenn man die Soße dann noch mit Mondamin (!) bindet. Der Bürger an sich schätzt rauhe Mengen an dicker weißer Soße, wer unter Euch schon eher in Richtung rechtskonservativ/reaktionär tendiert, macht vielleicht gleich eine richtige Mehlschwitze, aber aufpassen, dass sie nicht zu braun wird. Dazu gibt es glasierte Möhren (finde ich auch hammermäßig bürgerlich!) und dann hatten wir noch lecker türkischen Reis mit diesen schönen arpa sehriye-Nudeln drin.
Äh ja, bei der Beilage ist dann wohl so ein bisserl der linksliberale, individualistische, achtundsechzigerverseuchte Multikulti mit Cohu durchgegangen. Wer es mit der Bürgerlichkeit ernster meint, der sagt sich, das geht gar nicht, dass der Osmane plötzlich mit am Tisch sitzt, da ist Schluss mit Lustig, wir sind ja nicht im Harem, und macht die Klopse also stattdessen mit deutschen Salzkartoffeln, die ein deutscher Bauer im Schweiße seines Angesichts, also ohne Fremdarbeiter, der deutschen Krume entrungen hat, und liest beim Essen vielleicht gleich die neue Enzyklika. Danach noch einen Schnaps auf Paul Nolte – Wohl bekomms!

(Bildausschnitt: Kuchenmaistrey, um 1500, Wikimedia Commons)

Wer arbeitet, darf auch essen

Ach neee, nichts zum Grundeinkommen, das hat die FAZ (in einem seltsam informationsarmen Artikel) ja schon für tot erklärt und sogar die Grünen geben es langsam auf.
Stattdessen geht es um das beliebte Thema "Backen mit Cohu". Dieses Wochenende gabs einen köstlichen Käsekuchen (es war keine Zeit für schönere Fotos):
 
Und dann wurden gerade die zum Wochenanfang gebackenen Kokosmakronen verkostet. Dieses Gebäck entfaltet ja erfahrungsgemäß erst nach einigen Tagen seinen vollen Geschmack. Und ich muss tatsächlich sagen: ganz schön lecker! Hier ist das Rezept, wobei ich zusätzlich zum Zitronensaft noch Zeste dazugegeben habe.
Ich hoffe, dass die stark erhöhte Kalorienzufuhr durch Backwerk durch die doch relativ anstrengende Backerei zumindest ansatzweise wieder ausgewogen wird…ansonsten: siehe Überschrift.

Schmatz.

Bisher beschränken sich meine Backkünste ja auf Dr.Oetker-Brownies und Pizza. Das soll sich ändern! Heute hatte ich endlich die Möglichkeit, mein umfänglichstes Geburtstagsgeschenk, nämlich ein Backset (bestehend aus abgebildeten Utensilien, wohlgemerkt in schnittfest emaillierter "Schwiegertochter-Ausführung" und dem "Großen Teubner Backbuch"), in Ruhe auszuprobieren. Man sehe und staune:

Diverses Backzubehör! Verwendet habe ich heute erstmal nur die Springform.

Das Wunder des Lebens, äh, Kuchens! Vom harmlosen Mürbteigembryo über geheimnisvolle Vorgänge im Inneren des Ofens bis hin zum ausgewachsenen "Apfelkuchen Elsässer Art":

Fertig! Schmeckt übrigens genauso lecker, wie er aussieht (tendenziell eher noch leckerer). Das soll ja hier kein Rezeptblog werden, aber ein dem Teubner-Rezept sehr ähnliches findet sich hier (Unterschied: ich habe keine Vanille reingetan und Puderzucker in den Mürbteig). Das Rezept ist wie heute bewiesen sehr einfach und für Anfänger geeignet.

Höchst verdächtig!

"Wie mach ich meine linke Zelle größer?"

Heutzutage macht man sich ja mit den kleinsten Handlungen, also geradezu nebenbei, höchst verdächtig. Verlinken auf Rezepte zum Bombenbau ist riskant, genauso wie das Verwenden von Begriffen wie Gentrification. "Wie mach ich meine linke Zelle größer"unschuldige Frage eines html-Neulings oder Terror-Anfangsverdacht?
Aber auch außerhalb des Internetzes – im unpassend benannten "Real Life" – begibt man sich schnell ich Gefahr. Ein schmackhaftes Beispiel: Falafel. Bei diesem schönen Rezept, das nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan ist, muss man die Kichererbsen nicht mal kochen und braucht auch keine Friteuse. Cohu hat sich gestern fast ein bisschen daran überfressen. Aber wie gesagt: No risk, no fun. Man kann da beim Einkauf leicht einen gefährlichen Verdacht auf sich lenken. So versuchte etwa das FBI zeitweise, durch das Verfolgen von Falafel-Verkaufszahlen den Einstrom iranischer Terroristen nach San Francisco nachzuvollziehen.
Wer hätte das gedacht: die scheinbar so harmlosen Kichererbsenbällchen sind ein typische Speise der Achse des Bösen, und die rundlichen Hülsenfrüchte somit garantiert schon längst auf der Verdachts-Liste der Verfassungsschützer. Dazu noch ein eiskaltes Rappi Bier auf das Wohl von Kim Jong-Il, eine schmackhafte Reispfanne namens "Moros y cristianos",  und vielleicht eine schöne Romeo y Julieta nach dem Essen, und danach könnt ihr gleich anfangen, für die Untersuchungshaft Zahnbürste und Schlafanzug zusammenzupacken. Weitere Rezeptanregungen findet ihr hier.

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Bügelbrüder

Schöpferische Zerstörung charakterisiert, wie jeder wirtschaftswissenschaftliche Bildung Vorschützende und damit auch Cohu weiß, den Kapitalismus. In diesem Sinne freut es mich besonders, dass die unsägliche Schnitzelbude in der Schellingstraße (Cohu berichtete) nach nur ein paar Monaten schon wieder pleite gegangen ist und somit Ressourcen für bessere Unternehmungen frei wurden. Nun versucht sein Glück ein neuer Bagel-Laden (übrigens auch wieder ein Franchise-Betrieb) namens "Bagel Brothers."
Ich selbst bin ja eine große Freundin der amerikanischen Lochlauge,  frage mich allerdings, ob das lange gutgeht. Die Lage ist nicht so toll, zumal sich in nicht all zu weiter Entfernung zwei "Deli Stars" und ein unabhängiger Bagelshop befinden. (Nach Cohus ökonomischem Halbwissen muss das allerdings nicht von Nachteil sein, Konkurrenz belebt das Geschäft! Wir kennen das Prinzip von stets in Gruppen auf Partnerfang gehenden Teenagern).
Wer sich die aufwendig gestaltete und vor allem überschwänglich betextete Seite des Unternehmens ansieht, bekommt zumindest den Eindruck, dass ein ausgeprägter Geschäftssinn hinter dieser Firma steckt. Die Gründer waren Unternehmensberater, was man doch noch etwas heraushört:

Bagelsandwiches, Gourmetcoffee und ihre damit verbundene Philosophie sind Teil einer aktuellen, urbanen Lebensart: Individuell und persönlich, schnell, aber nicht lieblos, qualitätsbewusst, aber nicht verschwenderisch. (Bagel Brothers)

Man sieht schon: die kochen nicht nur mit Natronlauge, sondern mit einem astreinen mission statement. Übrigens: eine Stelle als "Bagel-Maker (m/w) Vollzeit" ist da auch noch zu vergeben. Voraussetzung: "Enthusiastisch freuen Sie sich selbst zu früher Stunde auf "Ihre" Teiglinge". Huiui! Naja, wenigstens haben sie nicht geschrieben "Stehen Sie auf Löcher? Fangen Sie bei uns an!"
Losgehen soll es mit den Bagels anscheinend Ende November. Cohu hält Euch auch weiter auf dem Laufenden.

(Bild: Wikimedia Commons)