Decline of a Nation: CCTV gone wrong

Noch im November letzten Jahres beklagte Cohu sich darüber, dass die Briten Sexskandalmäßig mit den USA aber wirklich gar nicht mithalten konnten. Und nun das. Nicht nur ging Herr Mosley angeblich in seinen Perversionen äußerst kreativ zu Werke – er tat dies, trotz ausgeprägter Sonderwünsche, auch noch wesentlich kosteneffizienter als etwa Eliot Spitzer. Und, dank der flächendeckenden Kameraüberwachung der Insel, auch noch mit Videobeweis. Good Old Britannia hat’s eben doch noch drauf!

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Holterdipolter

Dieser Nazivergleich – und das dazu passende holprige Dementi – darf in Cohu’s Sammlung nicht fehlen: Kawumm!

"Ein Holocaust" drohe den Palästinensern im Gazastreifen, wenn sie den Raketenbeschuss fortsetzten, sagte [der israelische Verteidigungs-Vize] Vilnai. Arie Mekel, Sprecher des Außenministeriums, eilte umgehend zu Hilfe. Vilnai habe den Terminus "im Sinne von Desaster oder Katastrophe verstanden", versuchte er zu relativieren. Keinesfalls habe er tatsächlich einen Holocaust gemeint." (taz.de)

Auch hier gilt wieder die alte Weisheit: wenn man sagt, was man meint, wird man besser verstanden.

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I feel your pain.

Auf die 68er einschlagen, das ist ja momentan ziemlich en vogue. Waren ja auch abstoßend, diese langhaarigen palästinensertuchsiffenden Zwangsbefreier, immer dagegen und dabei auch noch ungewaschen. In der Rückschau: das war nix! Und dann auch noch Karriere machen…
Die Genitalien der Gesellschaft beteiligen sich am 68er-Bashing deshalb momentan genauso eifrig wie ihr Neocortex (Gratulation übrigens: bester Buchtitel ever!)
Wer es, wie Cohu, nicht erlebt hat, kann dazu natürlich wenig sagen. Ich bin heute allerdings auf ein Tondokument gestoßen, das mir eindrücklich zu verdeutlichen scheint, wogegen die Damen und Herren 68er damals rebelliert haben. Das war nämlich nicht unbedingt die unverarbeitete Nazivergangenheit, der Muff von tausend Jahren, der Imperialismus oder der Kapitalismus, das waren eher so – Kleinigkeiten. Dass diese heute nur noch auf isolierten Inseln existieren und uns Gänsehaut verursachen, zumindest das haben wir den Revoluzzern von damals zu verdanken, wenn Sie uns schon sonst, Zitat Diekmann "um unsere Zukunft gebracht" oder zumindest das Hochschulsystem hoffnungslos in die Scheiße geritten haben. Je öfter ich dieses Dokument anhöre, desto stärker fühle ich in mir den Wunsch aufsteigen, Sit-Ins zu veranstalten, meine BHs zu verbrennen, bewusstseinserweiternde Drogen zu nehmen, das System zu stürzen, eine K-Gruppe zu gründen, Ho-ho-ho-Chi-Minh und USA-SA-SS zu skandieren und – ultima ratio – sogar meine Klotür auszuhängen.
Wer das nachfühlen will, den bitte ich, zur Vorbereitung den einleitenden Text zu lesen, und sich dann die "Visionen für den Traumjob der Zukunft" unserer jungkonservativen Freunde anzuhören. Klick!

(Bildausschnitt: Ehepaar am Frühstückstisch, 1954 – Fotografie Wolff und Tritschler; aus der Ausstellung "Die 68er", Mai-August 2008, Historisches Museum, Frankfurt am Main)

Nazivergleich: Denunzierlich

Irgendwie hat man schon geahnt, dass die neue Ehe des Herrn Nicolas Paul Stéphane Sárközy de Nagybócsa der Weltöffentlichkeit einiges an Unterhaltung  bieten wird. Mit der Ahnung lag man richtig, wie ein mir eben von hamburger Informanten zugesandter SZ-Artikel zeigt: die frischgebackene Präsidentengattin hat, ohne viel Zeit zu verschwenden, im Bezug auf die lästermäulige Internetz-Berichterstattung über ihre Hochzeit gleich mal einen saublöden Nazivergleich gelandet:

"Wenn es diese Art von Websites während des Krieges gegeben hätte, was wäre dann mit den Denunziationen von Juden gewesen?" (sueddeutsche.de)

Besonders schön finde ich persönlich aber die Entschuldigungsgründe der Frau Sarkozy:

"Aus ihren Erklärungen spricht mitunter Überforderung mit dem Alltag an der Seite eines Politikers. Für die Künstlerin sei die Politik ein Geschäft, das "primitiven Trieben" folge, während die Kunst sehr viel subtiler, feiner – und zivilisierter – sei."

Einen guten Einblick in Subtilität und überragende Zivilisiertheit der Künstlerin bekommt der geneigte Leser hier (NSFW).

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Nazivergleich: Die Träger des Mercedessterns

Nazivergleich in der Klimadebatte: wie wir wissen, nichts neues. Hier noch ein bitteres Exemplar: "Glos wirft EU Vernichtungskrieg gegen deutsche Autobauer vor"
(Sehr berechtigte stilistische Anmerkung dazu hier).

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GRÖKLAZ

Der größte Klimaschützer aller Zeiten, Al "Ich habe das Internetz erfunden" Gore, hat in Bali:
"…die schleppende Reaktion der Welt auf den Klimawandel mit der Haltung der Westmächte im Umgang mit Adolf Hitler verglichen." Die FNP zitiert ihn außerdem hiermit: "auch während der Nazi-Zeit hätten zu viele Leute zu lange geschwiegen. Als Juden verfolgt wurden, hätten sie sich gesagt, das betrifft mich nicht, und ähnlich sei es mit weiteren Minderheiten gegangen. Schließlich seien diese Leute jedoch selbst abgeholt worden."
Bei Herrn Gore hatte man ja schon etwas länger das Gefühl, dass es ihm, um mal eine passende Metapher aus dem Energiebereich zu bemühen, bald die Sicherung raushaut. Cohu wünschte, sie könnte Euch den exakten Moment bei Youtube präsentieren. Leider findet sich dort nur ein zehnminütiges "Summary" seiner (aufgrund des hohen Heißluftanteils deutlich klimaschädigenden) Rede, der Nazivergleich wurde offensichtlich einfach rausgeschnitten.

(Bild: Breuwi/Wikimedia Commons)

Nazivergleich mal anders

Das ist ja mal ein erstaunlicher Nazivergleich – ein bekannter Professor der Harvard Law School, Alan Dershowitz, meint in einem ansonsten ganz vernünftigen Zeitungskommentar, der kritisch mit der Wahlkampfstrategie der U.S.-Demokraten umgeht, man könne bzw. solle Folter nicht in allen Fällen von vorneherein ablehnen. Kann man vertreten.
Erstaunlich ist aber dieses von ihm angeführte Argument: die Nazis hätten gefoltert und damit im Kampf gegen die Résistance große Erfolge erzielt, daher sei das Argument, Folter sei eh überflüssig, nicht wirksam. Ne, der schreibt das wirklich:

"There are some who claim that torture is a nonissue because it never works–it only produces false information. This is simply not true, as evidenced by the many decent members of the French Resistance who, under Nazi torture, disclosed the locations of their closest friends and relatives." (Wall Street Journal)

Inhaltlich ist daran natürlich überhauptnichts auszusetzen. Vermutlich hat er recht, Folter funktioniert in bestimmten Fällen.
Wenn ich eine geschmacklose Zeitung herausgäbe, wäre ich trotzdem versucht, zu titeln: Folter – die neue Autobahn?

(Bild: Stephan Jauch/Wikimedia Commons)

Tribute to Flash Master R.

Den großen Künstler Georg Ringsgwandl möchte Euch Cohu, nach einem Besuch in seinem LMU-Audimax-Konzert gestern, ausdrücklich empfehlen. Sogar Nazivergleichartiges hat er parat, mit seinem schönen Lied "Gartennazi". Bemerkenswert schon allein aufgrund dieser Zeilen:

Selbst der Hund hat nichts zu lachen,
der Nazi ist sein Peiniger,
jeden Freitag spritzt er ihn ab
mit dem Hochdruckreiniger.

Neben solchen Blödeleien widmet R. sich dankenswerterweise aber auch der Hochkultur, so wird z.B. eine Oper präsentiert ("900 Mitwirkende, davon allein 200 Opernelefanten"), begleitet auf einem Waldorf-inkompatiblen "Plastik-Keyboard", mit dem der Nachbarsbub nicht spielen durfte, und das deshalb der Ringsgwandl bekam, denn  "der ist eh schon so vergiftet".
Den Neid meiner fünf Begleiter beschwor der reizende Manfred "Mane" Mildenberger am Schlagzeug herauf, während sicher fast jede der Damen (und vermutlich auch einige der Herren) im Publikum angesichts des spielfreudigen Landburschen nur noch schwach seufzen konnen: Mei, liab! (Für die echten Kerle war dann ja, sozusagen als Role Model, auch noch Nick Woodland da – wenn schon nicht der beste Bluesgitarrist der Welt, dann doch zumindest definitv der coolste Macker der Kurfürstenstraße!).
Wenige der Ringsgwandl-Werke sind im Internetz zu finden, hier aber zumindest mal eines aus wilderen, lang vergangenen Zeiten. Na, wer errät das Lied?

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USA, SA, SS

Zum Thema Hitler-Bush-Vergleiche erklärt uns die gefürchtete amerikanische Kulturkritikerin Naomi Wolf ("The Beauty Myth") in einem SZ-Interview, dass es entscheidend auf den Äußernden ankommt:

Sie sind Deutscher. Ich würde mich sehr aufregen, wenn Sie als Deutscher daherkämen und mir erzählen würden, dass es in Amerika wie im Dritten Reich zugeht. Ich kann das sehr wohl. Und ich bin als Jüdin mit einer Familiengeschichte im Europa des Dritten Reiches sogar dazu verpflichtet. (SZ)

Ein interessanter Aspekt. Wobei ich bis jetzt eigentlich nicht den Eindruck hatte, dass Holocaustüberlebende und deren Kinder in besonderer Weise zum Nazivergleich neigen. Also, eigentlich eher im Gegenteil. Aber Frau Wolf ist eine Ausnahme.
Lustig ist im übrigen auch folgende Argumentationsfigur:

SZ: Kann man Bush wirklich mit Hitler vergleichen?
Wolf: Da müssen wir gleich mal differenzieren. Ich vergleiche Bush nicht mit Hitler. Ich ziehe nur Parallelen. (SZ)

Ich kenne mich in Frau Wolfs Gedanken nicht besonders gut aus, aber irgendwie kann ich jetzt die Kritik von Camille Paglia etwas besser nachvollziehen:

"[Wolf] is a woman who graduated from Yale magna cum laude, is a Rhodes scholar, and cannot write a coherent paragraph. (…)  But if you read Lacan, this is the result. Your brain turns to pudding! She has a case to make. She cannot make it. She’s full of paranoid fantasies about the world. Her education was completely removed from reality." (C. Paglia, Crisis in the American Universities)

Wo wir schon bei Nazivergleichen sind, möchte ich übrigens auch noch auf dieses Gespräch zwischen Peter Gauweiler (CSU) und Kerstin Müller (Die Grünen) verweisen, insbesondere auf diesen Abschnitt, dem ich meine stimmungsvolle Überschrift entnommen habe (Danke, KSC). Diesem vorbildlichen CSU-Friedenskämpfer sollen Teile der bayrischen Bevölkerung übrigens schon vor Jahrzehnten den bösartigen, nazivergleichenden Kosenamen "Gauleiter" verpasst haben.

Nä nä nä nä näääää nääää!

Wenn es auf der politischen Bühne mal wieder Aussage gegen Aussage steht, muss das Blogvolk entscheiden:

Danke für den Link, Thersites.