Heer 4U

Nach diesem berüchtigten Werbespot ist zumindest ein für alle Mal geklärt, vor welchem Nachbarstaat wir militärisch keine Angst zu haben brauchen:

Das Schäbigste: Die haben sich diesen “lustigen” Spot nicht mal selbst ausgedacht, sondern schamlos von der Ukraine abgekupfert…hier der exakt gleiche Spot aus dem Jahr 2007, nur mit hübscheren Mädels und in Lustig:

Zum Vergleich – Bundeswehr-Werbung sieht so aus:

Und so läuft das bei ‘ner richtigen Militärmacht – da machen Bierkonzerne Werbung für die Armee (Obacht: dieses Machwerk überzeugt selbst den weichgespültesten Pazifisten vom Angriffskrieg!):

Jazzerbaidschan

Aserbaidschan, hä? Ich hatte (vor pflichtschuldiger Lektüre des Wikipedia-Artikels) nicht mal eine vage Vorstellung von diesem seltsamen Land, aber man lernt nicht aus. Zum Beispiel gibt es in Aserbaidschan sehr schöne Improvisationsmusik – den Mugham -, und irgendwann ist mal einer drauf gekommen, die in Jazz umzusetzen. Ladies and Gentlemen: Vagif Mustafazade (am Piano) beim Jam in Tiflis, 1978, aber ganz frisch auf Youtube.

(Falls jemand zweifelt, ob er sich diesen zweifelhaften Schnauzbartträger wirklich antun soll – B.B. King hat angeblich einmal zu ihm gesagt: “Mr. Mustafazade, they call me the ‘King of the Blues,’ but I sure wish I could play the blues as well as you do.”)

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Kulturen

Oben: British Empire. Unten: Deutsche Kolonien

Der spärlichen Sammlung des Völkerkundemuseums merkt man schon ziemlich deutlich an, dass Deutschland es nie so richtig zur Kolonialmacht gebracht hat. Da haben es andere Länder irgendwie leichter.

Interessanter als viele Ausstellungsstücke wäre übrigens bei allen traditionellen “Völkerkunde”-Museen eine Kritik des ganzen Konzeptes: Warum eigentlich nur fremde Kulturen ausstellen, unter Auslassung unserer eigenen (wir haben keine Kultur, wie sind ja schon zivilisiert)? Warum die Obsession mit dem Primitiven und Ursprünglichen (wäre die zeitgenössische amerikanische Kultur nicht genauso spannend wie die der amerikanischen Ureinwohner: Ritual und Statushierarchie auf dem WalMart-Parkplatz)? Und vor allem: Woher kommt dieses ganze Zeug? Geklaut, abgeluchst, einfach mitgenommen, oder ganz redlich gekauft…die Geschichte wäre jedenfalls bei jedem Stück interessant.

Vom Konzept her hat das Ganze jedenfalls teilweise eine gewisse Ironie: die Ausstellungstexte sind merklich bemüht um politische Korrektheit, bei jedem Yamslöffel (oder was auch immer) wird der kulturelle Tiefgang herausgestellt, ganz klare Sache – diese Kulturen sind der unseren gleichwertig, oder eigentlich überlegen – aber dann stellt man in einem Eck Grabstelen aus Pakistan aus. Eine davon mit der (nebendran fein säuberlich übersetzten) Inschrift, dass dieses Grab und die Blumen darauf niemals jemand stören möge, es sei ein himmlisch-paradiesischer Platz des Friedens in alle Ewigkeit…

(Bilder: Wikimedia Commons)

Jodeldiplom: Die kleine Freude

Auf der Suche nach Jodlern aus aller Welt dürfen wir Mexiko nicht übersehen. Da gibt es nämlich die Huasteca (auch bekannt als Huapango). Neben wildem Gefiedel und Falsetteinlagen hat diese Musikform auch noch einen  seltsamen Rhythmus, die Taktarten wechseln sich nämlich ab (ähnlich wie beim Zwiefachen).

Eine besonders nette Huasteca ist das Lied El Gustito – “Das Freudchen”, hier vorgetragen von den Mariachi Los Camperos aus Los Angeles:

Leider nur Audio, aber die sehen exakt so aus, wie man sie sich vorstellt, und für Geige und Gesang ist natürlich ein Jesús zuständig, nämlich Jesús “Chuy” Guzmán, das ist der gmiatliche Olibaträger in der ersten Reihe. Eine CD kann man bei Smithsonian Folkways downloaden.

Auf der Suche nach dem Text von El Gustito habe ich eine von Chuys Gesang leicht abweichende, aber besonders nette Version gefunden:

Cantando el gustito estaba
Cuando me quedé dormido
Cuando me quedé dormido
Cantando el gustito estaba
Ay la la la…

Mi mamá me depertaba
Yo me hacía el desentendido
Para ver si me dejaba
Otro ratito contigo
Ay la la la…

Dicen que el hombre casado
A bailes no va a gozar
A bailes no va a gozar
Dicen que el hombre casado
Ay la la la…

Pero se han equivocado
Porque él también sabe amar
Porque él también sabe amar
Nada más que es reservado

Ich kann zwar nicht Spanisch, würde das aber mit Google-Translate-Hilfe so übersetzen:

Ich sang “El Gustito”
als ich einschlief

Meine Mutter weckte mich
Ich tat, als hätte ich sie nicht gehört
damit ich noch ein wenig von Dir träumen konnte

Man sagt, ein verheirateter Mann
hätte beim Tanzen keine Freude

Aber das ist ein Missverständnis
denn er weiß zu lieben
Er ist nur diskret

Bis auf die andere Seite des Golfs von Mexiko ist diese Botschaft allerdings noch nicht vorgedrungen

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Schlechte Laune

Im Hause Cohu ist die Grippe ausgebrochen – natürlich ausgerechnet an dem Wochenende, an dem eine Parisreise geplant war. Grrrrr, oder soll ich sagen, GRUNZ!
Aber gut, mal ehrlich, Paris – wer will da schon hin. Der gebuchte Flug war unter Garantie verspätet, wenn nicht gar gestrichen. Und wenn ich noch einmal Die beschissene Welt der Amélie sehen muss, wird mir übel. Aber am schlimmsten, am allerschlimmsten sind die bescheuerten Chansons!  Niemand belegt das überzeugender als  musical genius and sex symbol Earl Okin:

Da bin ich doch froh, dass ich daheim geblieben bin. Noch was. Die momentan hartnäckig gehypten Maccarons sehen nicht so aus, als würden sie mir schmecken. Könnt Ihr alles behalten!

(Übrigens, lieber ZEIT-Autor, der Sie da über 2-Euro-maccarons schwärmen und reflexhaft klagen, wir Deutschen seien ja leider “nicht keks-sozialisiert” und nicht bereit, für Kekse Geld auszugeben – ich erkläre Ihnen das mal kurz: Wir brauchen deshalb keine Luxux-Firlefanz-Makronen einzukaufen, weil der bzw. die Deutsche eine Fähigkeit besitzt, für die er/sie weltweit beneidet wird: Plätzchen backen. Kommen Sie gerne vorbei und ich erklär Ihnen das bei einem Vanillekipferl, einem Spitzbuben, einer Bärentatze oder in Gottes Namen auch bei einer Makrone. GRUNZ!)

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Ruinös

Pompeji gibt es jetzt auch in Google Street View. Wer das noch nie gemacht hat: einfach das orangene Manschgerl links anklicken und auf eine der Straße ziehen.

(Die wirklich spannenden pompeijanischen Fundstücke sind allerdings versteckt in der Sammlung des Gabinetto Segreto, die mittlerweile in einem Nebenraum des Archäologischen Museums von Neapel untergebracht ist. Ausführlich und lesenswert ist die Geschichte dieser Sammlung hier beschrieben. Den Ausschlag für die Gründung des Geheimkabinetts im 19. Jahrhundert gab angeblich der berüchtigte “Pan mit Ziege”, der allerdings nicht aus Pompeii, sondern aus der Herculaneum-Ruine stammt.)

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Wer hat’s erfunden?

Könnt Ihr Euch an den Hut stecken!

Ok, ich komme in der Regel ohne einen Morgenstern aus. Auch auf Bleistifte kann ich irgendwie verzichten. Wird mir nicht fehlen: die Logarithmentafel. Bernhardiner: überflüssig. Korpuskulare Gravitationstheorie: ebenfalls entbehrlich. Ein Hygrometer ist für den Klavierbesitzer zwar ratsam, aber ich vertraue in Zukunft einfach auf die Befeuchtungskraft meines Aquariums. Dürrenmatt: meh. Verzicht auf optische Linsen wird extrem schwierig, ist aber machbar. Glühlampen sind passé (und wenn ich eh nix mehr sehe, kann es meinetwegen auch dunkel sein). Unterwasser-Hörrohr: wenn mir jemand was zu sagen hat, soll er das ab jetzt eben über Wasser tun. Eurythmie war mir schon immer suspekt, genauso wie BWL und Dungeons & Dragons. Ovomaltine lässt sich mit Müh und Not ersetzen durch eine Caro-Kaba-Mischung. Könnt ihr alles behalten, ihr Religionsfreiheitsverächter!

Aber eine Erfindung der Schweiz gibt es leider, ohne die Cohu keinen Winter und vor allem keine Erkältung übersteht: Ricola Schweizer Kräuterzucker! Also doch kein Boykott…

(Bild: Dirk Beyer, Wikimedia Commons)

Cohus Reisen, Teil 1

Von wegen downsizing! Cohu war diesen Sommer ja gleich zweimal im Urlaub. Zuerstmal im reizenden Tirol. Geographischer Höhepunkt und metaphorischer Tiefpunkt: Besuch des Gletscherindustrieparks über Sölden. Ein Gletscher an sich ist schon ziemlich hässlich. Jaja, ich weiß schon, so ein Naturschauspiel muss man ja eigentlich toll finden, aber mal ehrlich:

Das sieht doch nicht gesund aus. Ekzem aus Eis quasi! Der Tiroler, geschmackssicher wie immer, begegnet dem natürlich entsprechend: neben zahlreichen Großbaustellen wird dort oben nämlich jährlich ein Riesenspektakel aufgeführt. Ringsgwandl-Fans denken bitte jetzt an die Stelle mit "mindestens 200 Opern-Elefanten", weil so in die Richtung geht das nämlich, Mega-Event, und es handelt (Elefanten gespielt von Pistenraupen!) von Hannibals Alpenüberquerung. Yes baby: 

Eine durchschaubare Strategie, liebe Tiroler! Diesen ganzen Event-Schmarrn und die sonstigen Söldener Hässlichkeiten – inklusive zweier Tabledance-Bars namens Rodelhütte und haha, Hasenhütte – gibt es natürlich nur aus einem Grund. Nämlich, um unliebsame Gäste (hier nennt man die noch Fremde) aus dem ansonsten reizenden Tal fernzuhalten. Es funktioniert: alles vollständig hipsterfrei. Sonne und Bergluft in rauen Mengen, ohne nennenswerte Mengen von Konkurrenzreisenden. Eine derart wildromantische und zugleich liebliche Landschaft, dass sich sämtliche Cohu-Gemälde auf Anhieb als kitschiger Touristennepp verkaufen ließen (Achtung: aufstrebende Aquarellkünstler bitte nur in Industrieruinen malen lernen!). Also, Ötztaler, es braucht schon mehr als das Geschwür Sölden, um die schönheitsliebende Cohu aus Eurem Tal fernzuhalten…

Modellbau mal anders

Noch scheint die Sonne, aber wie ich das Wetter dieses Jahr kenne, wird es spätestens in ein paar Stunden gießen wie aus Eimern. Zeit also für einen kleinen Basteltipp: geniale Papierautomaten. Hört sich ziemlich langweilig an, jaja…Aber: 

Für schlappe 10 Pfund (11 Euro) gehört Euch dieses Kunststück. Also, zusammenbauen muss man es dann noch, aber das dürfte ja ein Leichtes sein…

Mega-Enttäuschung

“Wer auf einen “Brennpunkt” nach der “Tagesschau” gewartet hatte, wurde enttäuscht. Eigentlich unverständlich. Denn was, wenn nicht dieses Mega-Ereignis, hätte einen “Brennpunkt” gerechtfertigt? (Abendzeitung)

Berechtigte Frage – ich schätze, bei den Nachrichtenagenturen ließen sich an die 150 Meldungen finden, die einen Brennpunkt eher gerechtfertigt hätten. Andererseits: aus alter Brennpunkt-Tradition heraus muss man doch eigentlich immer einen Brennpunkt machen, wenn der Zeiger bis zum Anschlag auf “Alles, was wir wissen, kam grade schon in den Nachrichten” steht, nach dem Muster

Moderator: “Wir schalten jetzt zu unseren Korrespondenten nach X, der uns vor Ort LIVE vom Geschehnis Y berichten wird – Herr Z, können Sie uns hören…???”
(Knacksen und Rausche, Korrespondent Z, idealerweise abgerissen/mit einer beigen Korrespondentenweste bekleidet/unrasiert irgendwo rumstehend, mit der Technik und dem Schlaf kämpfend. Einige Minuten vergehen, bis die Leitung steht…]
Korrespondent Z: “JA – HALLO! – ALSO AUCH HIER IN XYZ BERICHTEN ALLE MEDIEN ÜBER DAS GESCHEHNIS Y – BIS JETZT KÖNNEN WIR NOCH NICHT MEHR SAGEN ALS… ”
(Leitung bricht zusammen, Korrespondent spricht noch einige Minuten ohne Ton, zurück im Brennpunkt-Studio…)
Moderator: “Danke, in der anderen Leitung haben wir jetzt den Experten A, der seit Jahrzehnten mit ebendiesem Thema befasst ist – Herr A, ist es eventuell möglich, dass Ereignis Y sich so und so zugetragen hat????”
(Brüchige Telefonstimme, dazu ein Archivfoto von einem älteren Herrn)
Experte A (genervt): “Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es vollkommen spekulativ, irgendetwas darüber zu sagen, wie sich Ereignis Y zugetragen hat.”
“Wir halten Sie auf dem Laufenden, liebe Zuschauer. Mehr aktuelle Meldungen zum Geschehnis Y gibt es im Brennpunkt um 21:15. Im Anschluss folgt die Serie “Die Landärztin”.”

Das wäre ja wohl mindestens drin gewesen, oder?