Cohus Reisen, Teil 1

Von wegen downsizing! Cohu war diesen Sommer ja gleich zweimal im Urlaub. Zuerstmal im reizenden Tirol. Geographischer Höhepunkt und metaphorischer Tiefpunkt: Besuch des Gletscherindustrieparks über Sölden. Ein Gletscher an sich ist schon ziemlich hässlich. Jaja, ich weiß schon, so ein Naturschauspiel muss man ja eigentlich toll finden, aber mal ehrlich:

Das sieht doch nicht gesund aus. Ekzem aus Eis quasi! Der Tiroler, geschmackssicher wie immer, begegnet dem natürlich entsprechend: neben zahlreichen Großbaustellen wird dort oben nämlich jährlich ein Riesenspektakel aufgeführt. Ringsgwandl-Fans denken bitte jetzt an die Stelle mit "mindestens 200 Opern-Elefanten", weil so in die Richtung geht das nämlich, Mega-Event, und es handelt (Elefanten gespielt von Pistenraupen!) von Hannibals Alpenüberquerung. Yes baby: 

Eine durchschaubare Strategie, liebe Tiroler! Diesen ganzen Event-Schmarrn und die sonstigen Söldener Hässlichkeiten – inklusive zweier Tabledance-Bars namens Rodelhütte und haha, Hasenhütte – gibt es natürlich nur aus einem Grund. Nämlich, um unliebsame Gäste (hier nennt man die noch Fremde) aus dem ansonsten reizenden Tal fernzuhalten. Es funktioniert: alles vollständig hipsterfrei. Sonne und Bergluft in rauen Mengen, ohne nennenswerte Mengen von Konkurrenzreisenden. Eine derart wildromantische und zugleich liebliche Landschaft, dass sich sämtliche Cohu-Gemälde auf Anhieb als kitschiger Touristennepp verkaufen ließen (Achtung: aufstrebende Aquarellkünstler bitte nur in Industrieruinen malen lernen!). Also, Ötztaler, es braucht schon mehr als das Geschwür Sölden, um die schönheitsliebende Cohu aus Eurem Tal fernzuhalten…

5 Responses to “Cohus Reisen, Teil 1”

  1. T.M. Says:

    Also erstens, Fräulein, so ein Gletscher ist nur aus der Nähe hässlich und vor allem unten. Oben sieht es anders aus, schauen Sie mal hier.Zwotens, man kann sich das nicht vorstellen, so eine Alpenüberquerung mit Elefanten, auch wenn die damals kleiner gewesen sein sollen, im Winter wohlgemerkt. Die meisten sind zweifellos jämmerlich verreckt.Drittens, Österreicher …

  2. cohu Says:

    Mit frischem Schnee drüber sieht alles gut aus(das ist überhaupt das Motto von Sölden, scheint mir…)Hatte Hannibal nicht sogar afrikanische Elefanten dabei, die man nicht mal zähmen kann?

  3. T.M. Says:

    Meines Wissens war es eine deutlich kleinere, nordafrikanische Rasse, die heute ausgestorben [1] ist. Auf Wikipedia spricht man von Waldelefanten, diese leben (heute!) im südlichen Westafrika und sind ungefähr dreiviertelgross. Alle Bilder die man heute dazu findet, sind jedoch reine Phantasie. Ich dachte früher auch, man könne afrikanische Elefanten nicht zähmen. Stimmt aber nicht. Man kann drauf reiten, hab ich schon gesehen. Wahrscheinlich ist es in Afrika einfach unüblich.[1] Zu Zeiten der Römer sah ja vieles noch ganz anders aus. In der Türkei gab es eine Löwenpopulation.

  4. cohu Says:

    Ach so. Meine Kenntnisse zu Hannibal stammen sämtlich aus diesem Buch

  5. T.M. Says:

    Ah, hab’s denn da bei Ihnen im bösen Teil der Welt kein "Der Geschichtslehrer erzählt"?


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