Methodenstreit

Vom Bildblog, dem Musterknaben unter den deutschen Blogs, hätte man es ja am wenigsten erwartet, dass es eine Führer-Referenz einsetzen zu müssen glaubt, um eine Pointe anzuspitzen:

“… Mit der gleichen Methode könnte “Bild” auch beweisen, dass Jenny Elvers noch mit Heiner Lauterbach zusammen ist, Yvonne Wussow mit Klausjürgen Wussow und Adolf Hitler mit Eva Braun. …” (Bildblog, Danke für den Hinweis, Ingo!)

Ich weiß ja nicht. Übrigens ist der Vergleich, abgesehen vom guten Geschmack, auch aus sachlichen Gründen nicht sooo passend, denn soweit ich weiß, waren GröFaZ und Frl. Braun sich, im Gegensatz zu den anderen Beispielen an relationaler Instabilität trotz fotografischer Abbildung,  treu. Ja, wie man so schön sagt, sogar “bis in den Tod”. Im Umkreis der Diktatoren und Massenmörder hätte sich als treulose Tomaten z.B. eher Stalin und Nadeschda Sergejewna Allilujewa (erschoss sich aus Verzweiflung), Mao und He Zizhen (Scheidung) angeboten.

Egal. Dieser Norbert Körzdörfer ist übrigens auch schon früher als Cruise-Experte unangenehm aufgefallen, als er nämlich “exklusiv für Bild” überschwenglich die Drogenentzugsmethoden von Scientology berichtete, Zitat:

“Diese Augen lächeln, wenn sie Tom Cruise sehen: “80 Prozent dieser Menschen schaffen es, die Drogen zu besiegen… ”
Tom schreitet wie ein Cowboy durch diese Gänge der schmerzenden Hoffnung. Seine Körpersprache atmet Demut. Er lauscht. Ernst. Er preßt seine Lippen zusammen. Er nickt. Er ballt die Faust: “Ihr schafft das!” Seine Augen lächeln zurück.”

Hehe. Siehe zur literarischen Erbauung auch Körzdörfers übrige Sektenberichterstattung. Angesichts dieser neobarocken Fülle lassen sich manche nicht nur zu Fast-Hitlervergleichen, sondern sogar dazu hinreißen, ihn als “Springers peinlichsten Autor” zu bezeichnen,“der wie kein anderer auf Bestellung Unmengen pseudosakralen Schleimes absondern kann.” (Martin Petersen)

Was wären wir ohne Springer-Autoren! (Am Rande: es wäre mir ein großes Anliegen, mal diesen Kruhs Tommi zu hören, wie er den Namen “Körzdörfer” ausspricht…)

Posted in Nazivergleich. Comments Off on Methodenstreit

Lass die Knarre daheim, Burschi!

Ich weiß jetzt gar nicht, welches der Ereignisse der letzten Tage dazu geführt hat, dass ich einen Mords-Ohrwurm vom ewig nicht mehr gehörten Johnny-Cash-Song “Don’t Take Your Guns To Town” (Lyrics, MSN Music ) bekommen habe:

(…) I wouldn’t shoot without a cause
I’d gun nobody down
But she cried again as he rode away
“Don’t take your guns to town son
Leave your guns at home, Dick Bill
Don’t take your guns to town”

Ein wunderschönes Lied, das mit einer zünftigen Gitarrenbegleitung die Gefährlichkeit der Feuerwaffen in Erinnerung ruft! Noch was dazugelernt: wusstet ihr, dass Cash den berühmten “Folsom Prison Blues” (Lyrics, MSN Music), in dem es im Übrigen am Rande auch ums Ballern geht,  (laut Wikipedia) in Landsberg am Lech geschrieben hat?

Ein schöner Tag

…ist heute nicht nur wegen dieser aufmunternden Nachricht: ich glaube, es ist jetzt schon ziemlich klar, wer den Wettbewerb um die beste antisemitische Karikatur gewinnen wird: Bücher über "jewish self-hatred" füllen einige Regalmeter!
…und zweitens wegen Jon Stewarts Bericht über Cheneys Wachteljagd (Video).

Posted in Ha-ha!. Comments Off on Ein schöner Tag

Decline of a Nation: Harmagedon

Eine englische Schule hat die Verteilung sogenannter “Hot Cross Buns” verboten, das sind Rosinensemmeln mit einem Kreuzmuster oben drauf (ähnlich wie bei manchen Kaiser- oder Brezensemmeln). Begründung: die Buns könnten aufgrund der religiösen Symbolik Schüler beleidigen! Manch ein übersäkularisierter Libertin wird vielleicht der Appetit an seinen Zuckerbrötchen vergehen, wenn er dabei aus Gründen der Symbolik an den grausamen Foltertod eines Unschuldigen denken muss. Aber das Anrecht auf Beleidigung durch religiöse Symbole haben sich natürlich die Kollektivneurotiker dieser Welt gesichert.
Diesmal geht es zur Abwechlung mal nicht um die Religion of PeaceTM ,sondern um die Zeugen Jehovahs. Die stören sich an dem Kreuz, weil sie es für ein Heidnisches Symbol halten:

Albert Berwick, a minister with the Ipswich Cavendish Congregation of Jehovah’s Witnesses, agreed with the schools’ new bun policy.
“I can understand why the school has done this and I support the decision. Hot cross buns are a pagan symbol of fertility no different to bunnies, eggs and Easter,” Berwick is quoted as saying. “The Bible states we should not worship things of a pagan origin.”  (WND)

Hm ja, mit perversem Zeug wie Osterhasen und Hefegebäck wird das natürlich nix mit dem Paradies auf Erden. Nichts gegen die Zeugen, auch bei mir häufen sich ja die Untergangsberichte,  obschon sie sich bei mir lediglich auf eine europanahe Insel beziehen und nicht auf die ganze Welt!

Zur Abwechslung: war gestern in der Munich Readery und kann den Laden insbesondere allen Romanverschlingern oder SciFi-Freunden empfehlen. Wobei ich dank zahlreicher anderer Rubriken dort auch endlich ein preiswertes englisches Exemplar von Animal Liberation erstanden habe (bei Amazon unter Outdoors &Nature eingeordnet – äh, ja…), ein Buch der mir noch etwas obskur erscheinenden Ayn Rand, und auf den Rat meiner IT hin  “What to listen for in music” (“Why to listen to music” gabs leider nicht…). Und: trotz meiner Androhung in der Readery, dieses Buch sofort mitzunehmen, gab es keine Valentinsüberraschung für mich! Soviel für heute zum Thema Weltuntergang.

Posted in Decline of a Nation. Comments Off on Decline of a Nation: Harmagedon

Decline of a Nation: National Hot Sex

Kann ein Volk tiefer sinken? Die Briten werden jetzt von ihrem staatlichen Gesundheitsdienst NHS dazu aufgefordert, mehr Sex zu haben; Dazu soll die Briten erwartungsgemäß nicht die Attraktivität ihrer Partner motivieren, sondern vielmehr die gesundheitsfördernde Wirkung von “regular romps “(fast so gut wie “serial snogging”) bzw. “Sexercise”.

“Also, orgasms can actually make you glow with health. The increased production of the hormones will make your hair shine and your skin smooth. And if you’re worried about wrinkles – orgasms even help prevent frown lines from deepening.” (NHS)

Ob Sex auch schiefe, gelbe Zähne begradigt, steht leider nicht in dem Artikel. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass auch diese Kampagne Erfolg haben wird, denn nichts ist den Briten wichtiger als die Gesundheit!

Decline of a Nation (contaminated)

Passend zum baldigen Valentinstag: britische Teenager bringen sich durch Knutschen in Todesgefahr!

“Intimate kissing has been shown to be a risk factor for the carriage of meningococci in university students and it is likely that intimate kissing with multiple partners increases the risk of transmission.”
They recommended that public health campaigns warn teenagers about the snogging risk. But because this was “unlikely to have a major impact” on their behaviour, development of more vaccines remained the most effective way to combat meningococcal infections.” (Guardian)

Und ich kann nur immer wieder sagen: ein Volk, das Ausdrücke wie serial snogging erfindet, bringt schon alleine dadurch unschätzbare kulturelle Werte in die Europäische Union ein und muss auch an das “alte Europa” gebunden werden!

Posted in Decline of a Nation. Comments Off on Decline of a Nation (contaminated)

Aus dem Selbsthilferegal

Kennt jemand das Buch “Getting Things Done” von David Allen? Ich bräuchte mal irgendwas, um das zu überwinden, was in der englischen Sprache so schön “Procrastination” heißt (gibts dafür ein deutsches Wort, das Sinn macht?). Wobei die bei mir noch relativ mild ausgeprägt ist, glaube ich.
GTD hat ja inzwischen einige begeisterte Anhänger, unter anderem sollen – berichtet ein Informant (Name ist der Red. bekannt) – “alle bei Microsoft damit arbeiten”, was ja vielleicht als gutes Zeichen zu werten ist. Vielleicht.

Andererseits habe ich immer ein wenig Zweifel bei solchen Selbsthilfeschinken. Allen Carrs angeblich so tolles “Endlich Nichtraucher” hat bei mir lediglich dazu geführt, dass ich drei Jahre munter weitergeraucht hab aus bloßem Trotz, weil der ganze Trick dieses Buchs darauf beruht, dem Leser einzureden bzw. zu suggerieren, dass Rauchen überhaupt keine Vorteile hat. So ein Schmarrn. Es ist natürlich falsch, zu Rauchen, vom rationalen Standpunkt aus (weil die Nachteile überwiegen), aber deshalb sind Raucher noch lang keine Vollidioten, die etwas tun, was “keine Vorteile” hat. Nikotin hat natürlich eine Wirkung, die äußerst angenehm sein kann. Ich kam mir da nur verarscht vor. Und dazu noch dieser ganz spezielle Stil der Self-Help-Amerikaner, der durch die deutsche Übersetzung nicht gerade angenehmer wird…

Also, und jetzt zurück zu meiner “To do”-Liste!

Posted in Gedrucktes. Comments Off on Aus dem Selbsthilferegal

Kneipenkrise

In Uninähe haben ja in letzter Zeit diverse alte Kneipen und Restaurants geschlossen bzw. bis zur Unkenntlichkeit renoviert (ich sag nur Café Schneller: autsch!). Ich finde das allerdings nicht ganz so schlimm bzw. bedenklich wie manch  anderer. Jaja, das La Bohème war schon nett. Aber: das Essen war schlicht ungenießbar. Und ich bin nicht besonders anspruchsvoll. Die Engelsburg? Ja, toll, dass man so ein richtiges Wirtshaus, mit Grattlern und allem Drum und Dran, in der Nachbarschaft hat, aber – mal ehrlich – ich sitz ungern neben Hardcore-Alkoholikern, die Rothändle ohne Filter rauchen und einen dazu passenden rasselnden Husten haben, auch, wenn sie ein großartiges Münchnerisch reden und Mutterwitz haben und Karteln und drollige Sachen wie Eier im Glas und saures Lüngerl essen. Sorry. Es gibt schon Gründe, warum Lokale schließen. Wenns nach mir ginge, dürften auch noch ein paar andere Lokale schließen bzw. neue Pächter bekommen, so z.B. der Simpl (eigentlich meine Lieblingskneipe!), wo man inzwischen zu zweit keinen Dreiertisch mehr besetzen darf und mit ungenießbaren Sachen zu überteuerten Preisen abgespeist wird (bester Kommentar zu Nudeln, die offensichtlich viel zu lange in der Mikro und steinhart waren: "Das servieren wir aber immer so!").
Was diese ganzen neuen Lokale angeht: klar, das Riviera schaut schrecklich aus, genauso wie dieses g’schleckte neue Bistro Adalbert Ecke Ludwig. Geht gar nicht. Cream und Café Schneller sind die abschreckenden Beispiele der Amalienstraße. Aber irgendwann wird auch mal ein schönes Lokal aufmachen an der Uni, und vielleicht auch mal ein neuer Kiosk, an dem man Leberkassemmeln kaufen kann bis tief in die Nacht. Vertrauen wir auch diesmal wieder auf den freien Markt!
(Mir fällt jetzt nur ein Beispiel ein, das wirklich Mut macht in Uni-Nähe: Henkelmann in der Amalien, ein großartiger Imbiss, Ihr werdet einmal dort essen und nie wieder wo anders! Wie bei meiner verstorbenen böhmischen Großmutter!)
Und wenn es schon so lokalpatriotisch à la "Mein Viertel" zugehen muss: das Viertel heißt Maxvorstadt. Bitte.

Voll im Trend: gemischte Arten, reine Rasse

Das freut mich, als alte Szenekennerin und Trendscoutesse: Nachdem G.W.Bush in seiner State of the Union Address seiner Abneigung gegen die Herstellung von “Animal-Human Hybrids” Ausdruck verliehen hat, hat u.a. BoingBoing das Thema aufgegriffen. Diese Seite bietet sogar kleidsame T-Shirts zum Thema an.
Was Bush mit “Hybrids” gemeint hat, sind eigentlich Chimären. Erhoffter Begleiteffekt: Artikel zu meinem Thema werden in den nächsten Wochen und Monaten wie Pilze aus dem Boden schießen (so z.B. erste Erwähnungen hier und hier). Und wenn ich ganz viel Glück habe, wird der Titel meiner Arbeit irgendwann nicht mehr die Reaktion “Was? Sowas gibts doch gar nicht!” hervorrufen (ts, hat denn niemand die Weltraum-Doku Spaceballs gesehen? Möter, halb Mensch, halb Köter? Natürlich gibt’s das!)
Ein Rätsel ist mir jedoch, angesichts Bushs eigener phänotypischer Disposition, warum gerade er sich so gegen Mischwesen aus Mensch und Tier ausspricht…

P.S.: Nazivergleiche sind natürlich auch grade schwer in Mode (Danke, Ingo!)…na, kaum verwunderlich, dass die verschraubtesten und elaboriertesten Exemplare dieser Gattung aus dem Iran kommen, immerhin hat das Land eine Tradition als eine der ältesten Hochkulturen der Welt. Und auch eine ganz interessante und vielleicht nicht jedem bekannte Verbindung zur deutschen Ideengeschichte.

Wie mir Weitgereiste berichten, wird man in Persien als Deutscher tatsächlich vom einfachen und gastfreundlichen Volk willkommengeheißen als Vertreter der gleichen – natürlich “überlegenen” – Rasse (was sicher schon so manchen politisch korrekten studienreisenden Studienrat in arge Gewissensnöte gebracht haben dürfte). Dass die durchgeknallte Regierungsriege mit der Theorie des zionistischen Deutschland viele Anhänger im Volk hat, hoffe ich daher bezweifeln zu dürfen…

Immer gleich gut…

….war das nicht der Werbeslogan für Landshuter Wittmann-Bier? Egal, es trifft jedenfalls auch auf Spike Jonze zu, der immer wieder genau meinen Geschmack trifft, auch bei Miller Auditions (trotz erforderlicher Altersangabe sfw). Gebt Euch den Otter!

Posted in L'art pour l'art. Comments Off on Immer gleich gut…