Bagger umschwirr’n sie / wie Motten das Licht

Rätselhafte Mächte sind am Werk. Egal, wo Cohu ist, immer gibt es dort eine Großbaustelle nach der anderen. In der Winzererstraße war das jahrelang das neue FH-Gebäude. Als ich näher an die Uni zog, wurde gerade die Fernwärme erneuert und die Straße schätzungsweise 5 mal auf- und wieder zugemacht (die abgeschaltete Heizung mussten nur die Vormieter ertragen). Dann kamen (als kleines Zwischenspiel) die V-DSL-Leitungen. Jetzt mal wieder zwei Monate Verlegung von Gasleitungen. Als Bonus wird auch noch das Nebenhaus grundsaniert, inkl. Abschlagen des Putzes. Daneben: die Sammlung Brandhorst, die aber immerhin schon fast fertig ist und somit nur noch optisch unangenehm.
Die Baustellenhäufung muss an mir liegen. Kann man das nicht zu Geld machen? Ich wette: würde ich z.B. nach Kassel oder Bielefeld ziehen, würde wenige Wochen später eine U-Bahn dort gebaut (zentraler Knotenpunkt: vor meiner Haustür!). Lebte ich in Hof oder Zwiesel, würde diesen Städtchen prompt eine Olympiade zugesprochen – das Haupt-Stadion würde dabei zweifellos vor meiner Tür entstehen. Strukturschwache Regionen würden durch meine magische Kraft des Baustellenanziehens zu hochaktiven Drehscheiben, strotzend vor Infrastruktur! Entsprechende Angebote von verzweifelten Kommunen nehme ich gerne per e-mail entgegen.

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Abwärtstrend endlich gestoppt?

Jaja, hier kommt immer nur so negatives Zeug. Aber dieser Boris Johnson. Ich sag’s Euch. Der wurde grad zum Bürgermeister von London gewählt und hat das Zeug dazu, London, ach, was sag ich, Großbritannien aus der Krise zu holen, in die Labour-Nasen wie Ken Livingston und Gordon Brown meine Lieblingsinsel reingeritten haben. Boris ist – das schließe ich schon nach kurzer Lektüre des Abschnitts “Controversies” in seiner Wikipedia-Biographie – nicht nur ein echter Brite, sondern vor allem ein rechter Hundling:

“Upon graduating from Oxford with a 2:1 he lasted a week as a management consultant (“Try as I might, I could not look at an overhead projection of a growth profit matrix, and stay conscious”), before becoming a trainee reporter for The Times. Within a year he was sacked for falsifying a quotation from his godfather, Colin Lucas, later vice-chancellor of Oxford University”

“Boris Johnson has been investigated by the police for the ‘theft’, in 2003, of a cigar case belonging to Tariq Aziz, an associate of Saddam Hussein”

“Johnson’s journalism and public speaking is much given to overblown metaphor, and a 2006 column likening Tory leadership disputes to “Papua New Guinea-style orgies of cannibalism and chief-killing” was criticised in Papua New Guinea”

“In April 2007 Johnson was called upon to resign by the MPs for the city of Portsmouth after claiming in a column for GQ that the city was “one of the most depressed towns in Southern England, a place that is arguably too full of drugs, obesity, underachievement and Labour MPs””

Ein Mann so recht nach Cohus Geschmack (siehe auch Abbildung – zum Schmachten, oder?!). Was, ihr habt immer noch Zweifel? Ihr findet Boris immer noch nicht den tollsten toff seit Stephen Fry? Dann seht Euch mal diesen Einsatz beim Charity-Freundschaftspiel gegen eine deutsche Mannschaft an:

Noch Fragen?

(Bild: adamprocter 2006 – Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: What’s the blandest thing on the menu?

Wenn dem Briten nach Binge Drinking ist – und das ist, glaubt man den Umfragen, oft der Fall – dann überfällt ihn, wie jeden, der stark dem Alkohol zuspricht, nach einigen Stunden ausgeprägten Hunger. Während bei uns dann eine Leberkassemmel, eine Currywurst oder Schlimmeres daran glauben muss, zieht es den Briten zum Curry House, wo er die anwesenden Asians mit seinem gewinnenden Charakter bezirzt und seinen Magen mit einem (übrigens nur in Großbritannien anzutreffenden…) "indischen" Tikka Masala gnädig stimmt. Dieses Schauspiel (man muss es gesehen haben!) stellten die Comedians von "Goodness Gracious Me" in den 90er Jahren in ihrem berühmten Sketch "Going out for an English" nach – nur eben mit vertauschten Rollen.

"Goodness Gracious Me" widmete sich allerdings auch den indisch- bzw. pakistanischstämmigen Briten selbst. Wer sich (gerade nach dem 11. September) schon immer mal gefragt hat, was es eigentlich mit diesen turbantragenden Menschen, den Sikhs, auf sich hat, dessen Neugier wird in diesem Sketch befriedigt. Manche Dinge haben eben eine ganz einfache Erklärung…

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Decline of a Nation: Analyze That

Seit Jahren dokumentiert Cohu akribisch den Untergang Großbritanniens. So schlimm kann es aber eigentlich gar nicht stehen um die Insel: die Suizidrate nimmt seit Anfang der 90er kräftig ab (und ist gerade mal etwas mehr als halb so hoch wie die unsrige!). Im Kampf gegen diese menschlichste aller Todesarten schreckt die britische Regierung auch vor seltsam anmutenden Methoden der Vorbeugung nicht zurück: seit einiger Zeit wird jedem NHS-Pflegling, der sich mit Depressionen plagt, noch vor der medikamentösen Behandlung eine computerbasierte kognitive Verhaltenstherapie nahegelegt, und zwar mit dem Programm Beating the Blues. Ein Schwesterprogramm namens FearFighterTM dient der Bekämpfung von Angststörungen – ein ängstlicher Slate-Schreiber ("England is crazy, and so am I") hat das Programm ausprobiert und war – Surprise, surprise! – nicht so wirklich begeistert. Aber: Computerisierte Therapien wie diese sollen der britischen Regierung helfen, 136 Millionen Pfund im Jahr einzusparen. Noch mehr Geld soll sich, nach Cohu-Recherchen, einsparen lassen, wenn man auch die Patienten durch Computersimulationen ersetzt – Großbritannien denkt bereits darüber nach.
Wer mit Computer-Verhaltenstherapie  unzufrieden bzw. kein NHS-Kunde ist,  kann sich immerhin an der altbekannten Internetzanalytikerin ELIZA abreagieren. Allerdings mit zweifelhaften, leicht passiv-aggressiven Ergebnissen, was die Suizidprävention angeht: siehe Abb.

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Stoppt den Schlankheitswahn.

Na, auch schon mal das Macbook Air geifernd in der Vitrine bewundert, lieber Mac-Freund? Nimm das.

O is for Ogdred, killed by his black heart

Meine Schwester hat mich dankenswerterweise auf Edward Gorey aufmerksam gemacht: einen Autor und Illustrator allerersten Ranges. In Deutschland ist er nur den wenigsten bekannt: durch seine im Diogenes Verlag in den 80ern erschienenen Kinderbücher, "Schorschis Schatz" und "Schorschi schrumpft" (letzteres gewann 1977 sogar den Jugendliteraturpreis und wurde daher vermutlich von zahlreichen bildungsbürgerlich beflissenen Eltern gekauft…vielleicht ja auch von Euren?)
Bis jetzt wusste ich aber nicht, dass Gorey auch Bücher für und teilweise sogar ausschließlich für Erwachsene gemacht hat. Unter dem Pseudonym Ogdred Weary etwa schrieb und zeichnete er eine (oberflächlich vollständig jugendfreie) Pornographie-Parodie namens "The Curious Sofa". Gorey ist ausdrücklich nicht jedermanns Geschmack, insbesondere die "Gashlycrumb Tinies", die man hier ansehen kann, und auch "The Loathsome Couple", das von einem Ehepaar handelt, das sich ausgerechnet Kindsmord als Hobby ausgesucht hat. Bezeichnend die Reaktion des Verlags:

Gottlieb rejected the book on the grounds that it wasn’t funny. An astonished Gorey replied, "Well, Bob, it wasn’t supposed to be funny; what a peculiar reaction."

Gorey ist im Jahr 2000 verstorben. Ganz prosaisch an einem Herzinfarkt und nicht etwa durch Ersticken an einem Pfirsich. Behauptet zumindest dieser Salon-Artikel.

(Edward Goreys Autogramm und Pseudonyme: Wikimedia Commons)

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Bloß nicht verpassen…

…heute ist Welt-Tapir-Tag. Mein Lieblings-Tapir ist der Schabrackentapir (er ist auch in Hellabrunn zu bewundern, auf der Rückseite des Nashorn-Hauses).
Junge Tapire haben zur Tarnung Streifen, genau wie Wildschwein-Nachwuchs. Nebenstehend: ein Flachland-Tapir-Frischling.
(Bild: Wikimedia Commons)

Vorbereitungen für den Sommer

1. Gestern E-Garten-Saison eröffnet mit einem phänomenalen Thunfischsandwichpicknick an meinem neuen Lieblingsplatz, wo man sogar an einem Sonntag wie gestern ganz in Ruhe und idyllisch im Gras liegen und sich einen Sonnenbrand holen kann, ohne von halbnackten VolleyballidiotInnen genervt oder von rasiermesserscharfen Frisbees getroffen zu werden. Und dann beim Pavillion gesehen: es gibt wieder "Nogger Choc", das legendäre Nogger Choc! Trotz hartnäckiger Rassismusvorwürfe ist es wieder da, das Traumeis, mit altbewährtem Namen. Konnte es leider nicht probieren, da ich schon ein Cornetto gekauft hatte. Hat’s schon jemand versucht?

2. Herr Bajwa aus Berlin hat mir wunderschöne Hausschuhe geschickt – besser gesagt indische Khussa. Trotz meiner abendländischen Breitfüßigkeit passen mir die Dinger und komme mir vor wie Hebbels Odaliske. Vollständig über den Rassismus-Verdacht erhaben ist übrigens auch dieses Gedicht nicht: Nun weist er stumm den Mohren fort / Dem wild das Auge glüht vor Lust – Fürstin Gloria steht in Hebbelscher Tradition! Und dann, es musste ja so kommen – , plötzlich dringt ein jäher Schrei/Von außen ihr ins bange Ohr/Sie ruft verstört, was das denn sei? Und er versetzt: es starb der Mohr! – ein Spruch, der die Odaliske vermutlich vollständig aus den Socken gehauen hätte, hätte sie nicht so toll sitzende Lederpantoletten getragen. Abgesehen von solchen kulturhistorischen Überlegungen sind die orientalischen Schuhe sehr hitzetauglich. Der Sommer kann also kommen.

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Decline of a Nation: Maestro bleibt daheim

Ja mei, die Briten: sie freuen sich, wenn doch mal einer der ganz großen zu ihnen rüber kommt und ihnen eine Kultur mitbringt, besonders wenn es eine hohe ist. So hätten sie eigentlich das Glück gehabt, dem größten Klaviererer aller Zeiten, am Sokolov Schorsch, lauschen zu dürfen – im Barbican wollte der in Italien wohnende russische Genius am 10. Mai spielen. Nur dann war halt das Blöde, dass man heutzutage ja niemandem mehr trauen darf, schon gar nicht als Engländer einem Russen, und überhaupt könnte da ja ein jeder kommen. Also hat man dem Schorschi gesagt: Schorschi, geh her, bevor hier eingereist wird, schickst Du uns einen Fingerabdruck, einen biometrischen. Den macht dir ein freundlicher Herr in der britischen Botschaft in Rom. Jetzt ist das blöde, dass der Schorschi ein schwieriger Mensch ist, der alles in allem lieber klavierert, als nach Rom zu fahren. Dem ist schon eine CD-Aufnahme zu blöd, und so ein biometrischer Zwergerlaufstand gleich dreimal. Deshalb bleibt der Tastenschorsch dieses Jahr daheim. Und das Barbican sagt sein Konzert ab. Und der kulturliebende Brite weint, was blöd ist, weil: vor dem Russen kann man sich nicht genug in Acht nehmen. Wer weiß, was der Sokolov angestellt hätte, mit seinem Geklimper, seinem radioaktiven.
Cohu übrigens lässt es gar nicht drauf ankommen (wer weiß, was dem Beckstein demnächst einfällt?) und fährt direkt ins Teatro la Fenice, da werden sie ihn ja noch reinlassen. Alle anderen bekommen zumindest das hier, was eine schöne Illustration bzw. Vertonung ist für diese absurde Geschichte.

“Es kann nimmer besser werden” kann nimmer besser werden

Gestern betrat Cohu erstmals das reizende Lokal & Theater Heppel & Ettlich. In diesem sympathischen Gemäuer trat nämlich das Trio Kabarest auf, dessen eines Drittel ich schon seit Jahren die Freude habe, in einer an Verwandtschaft grenzenden Bekanntschaft kennengelernt haben zu dürfen (tschulligung, ich hab heut schon vor 9 Sloterdijk gelesen – das Hirn ist wund). Also, es ging um das Thema "850 Jahre München", genauer gesagt um Lieder über u.a. Bier, Transrapid, Bier, Bieseln, Klimawandel, Weißbier, den Hundemetzger von Giesing und natürlich die Liebe ("Ich bin der Fuchsschwanz – Du bist die Antenne") und Tod (Rock’n’Roll von motorisierten Gehwägelchen). Das "Theater" (das eigentlich eher ein Nebenraum ist) war zu Recht ausverkauft, die Stimmung zu Recht gut, bis auf einen Dialektfaschisten, der schon im ersten Satz die zu hochdeutsche Aussprache von Giesing, pardon: Giasing lautstark bemängelte. Aber das brachte einen schon in die richtige münchnerische Stimmung, um z.B. tiefsinnige Lieder über die wahre Bedeutung des Grants überhaupt aufnehmen zu können. Also rundherum: Cohu-Prädikat. Am 1., 2., und 3. Mai ist das Programm nochmal zu sehen und hören (heute auch, aber schon ausverkauft). Ein Besuch im Heppel in der Kaiserstraße lohnt aber auch unabhängig vom Spielplan. Für Raucher gibt es im "Theater" ab 22:30 einen Club – und für gesundheitsbewußtere Gäste frische Fleischpflanzl.
Übrigens: wer sich einem zwangsironischen Provinzdistanz-Habitus verpflichtet fühlt, wird sich weder bei "Es kann nimmer besser werden" noch im Gastraum des Heppel wohlfühlen. Er oder sie kann aber gottseidank auch einfach zuhaus bleiben und Martenstein lesen oder glotzen. Ist auch lustig.