Nachtverscheucher

"Der Hahn ist dem Çraosha geweiht, dem himmlischen Wächter, der, vom Feuer geweckt, selbst wiederum den Hahn weckt, dieser vertreibt dann durch sein Krähen die Daêvas, die bösen Geister der Finsternis."  (Hehn)

Als vorzügliche Zubereitungsart für ein solches Tier (z.B. auch für Asklepiosopfer oder als Erinnerung an saisontypischen Skeptizismus) empfiehlt Cohu das Orientalische Brathähnchen, wie es hier beschrieben wird. Ich habe es allerdings gleich über Nacht eingesalzen im Kühlschrank gelassen, die Würzpaste noch mit Piment, Zitronenzesten und -Saft (und wesentlich weniger als 1TL Zimt) angerührt, in den Vogel eine mehrfach angepiekste Zitrone gesteckt und ihn zugenäht. Das Fleisch war wie versprochen äußerst zart, die Haut knusprig und von unvergleichlicher Würze! (Ein griechischer oder türkischer, etwas festerer Joghurt passt  zur Abkühlung gut dazu).
Als panreligiöser Ausgleich zu diesem zoroastrischen Mahl gibts heute eine durch und durch katholische Torta Pasqualina (wenn ich auch nicht 33 Teigschichten für die Anzahl der vollendeten Lebensjahre Jesu mache, sondern lediglich zwölf. Auch dafür dürfte sich eine Symbolik  finden lassen, zur Not sogar im Christentum).

(Bildausschnitt: Jean-Léon Gérôme, Hahnenkampf, 1846)

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Angesagt? Abgesagt.

Die Hipsterdichte vor Cohus Haustür nimmt seit den ersten frühlingswarmen Sonnenstrahlen langsam bedrohliche Dimensionen an und übersteigt die Schicki-Rate inzwischen bei weitem. Wobei, laut Wikipedia können das ja gar keine Hipster sein, weil die haben ja angeblich ein Interesse an non-mainstream fashion – haha! Der hiesige Hipster schlurft gerne paar- oder Kleingruppenweise (nie in Herden – soviel Individualismus muss sein) durch die Türkenstraße oder natürlich gerne auch zu den diversen AmAppy-Filialen die hier aus dem Boden schießen wie andernorts Druckertankstellen, also schlurft,
1. weil Coole immer schlurfen
2. Weil man mit solchen Hosen die Beine nicht hochheben kann!
Aber das mit der non-mainstream-fashion ist, wie gesagt, schwierig, der hiesige Hipster ist von Kopf über Hals bis zum langen Mittelteil quasi uniformiert.
Woher diese rätselhaften Mainstream-Hipster (Mipster?) kommen, hat die SZ aber immerhin aufgeklärt:

Und da das Glockenbach in letzter Zeit wenig Neues und Aufregendes zu bieten hat, zieht die Szene eben weiter – in die Maxvorstadt. (Sueddeutsche.de)

Hört, hört: Das Glockenbachviertel ist schuld, durch totales Trendversagen! Glockenbachleser, macht doch mal eine lustige – Moment – Zitat SZ, "angesagte Party" , um Eurem Viertel mal wieder, Zitat SZ, "so richtig einzuheizen". Z.B. eine, Zitat SZ, "Elektro-Fete", evt. in einer, Zitat SZ, "Interims-Location"? Oder verkauft doch, Zitat SZ, "Outlet-Mode angesagter Marken"! Ihr könnt das! Cohu hat genug vom Hipsterbingo.

(Bild: Wikimedia Commons)
 

Propaganda im Kinderzimmer

Dass die heutigen Teenager fast ausschließlich mit Schuleschwänzen, Alkopops und Schwangerschaften (in genau dieser Reihenfolge) beschäftigt sind und auch sont nichts Gutes im Schilde führen, ist ja an sich nichts Neues.

Dass aber jetzt schon zarte, unschuldige Kindergartenkinder mit einer Bilderbuchreihe namens "Frag doch mal…" eiskalt an Killerspiele herangeführt werden sollen… schockierend! Von der Leyen, übernehmen Sie!

Das Recht zu stehlen

Lolita ist nicht nur ein großartiges Buch, das exemplarisch fast alles zeigt, was gute Literatur kann. Es ist auch eins der Bücher, die jeder zu kennen glaubt, aber fast niemand tatsächlich gelesen hat – wer sich jetzt ertappt fühlt,  empfehle ich dringend, das nachzuholen.(*)

Das Buch hat neben seinem überragenden literarischen Wert außerdem auch den Verdienst, Cohu auf eine (mögliche) Erklärung für die Plagiarismus-Debatte um die Musiker Kreisler und Lehrer (Cohu berichtete) aufmerksam gemacht zu haben. Die Frage war: wie kann es sein, dass Kreisler einige Lieder Lehrers übernahm, und doch behauptet, sich nicht daran erinnern zu können, von Lehrer inspiriert worden zu sein? Lehrer dagegen ist sich anscheinend sicher, dass Kreisler plagiiert hat (auch, wenn er das mit viel Humor nimmt). Wir schätzen beide Künstler und würden auch gerne beiden glauben. Geht das?

Die gleiche Frage stellt sich bei Lolita: wie kann es sein, dass Nabokov eigentlich eine bereits existierende Geschichte zu bearbeiten scheint (nämlich eine Kurzgeschichte des Deutschen Heinz Eschwege, die von einer sehr ähnlichen Begebenheit um ein Mädchen namens – Tusch! – Lolita erzählt) – dass Nabokov sich aber gleichzeitig überhaupt nicht dessen bewusst ist, irgendetwas von Eschwege übernommen zu haben?

Die Psychologie kennt als Erklärung das Phänomen der "Kryptomnesie", der verdeckten Erinnerung. Das ist, im juristischen Jargon gesprochen, der gutgläubige Erwerb von Einfällen: Aneignung von Ideen, wobei man sich nie dessen bewusst ist, sie geklaut zu haben, sondern wirklich davon überzeugt ist, die Einfälle seien die Eigenen gewesen. Einen langen Artikel über dieses Phänomen – mit zahlreichen Beispielen aus den unterschiedlichsten Kunstgattungen – hat Jonathan Lethem 2007 unter dem Titel "The ecstasy of influence" geschrieben. Am Ende bleibt die Frage: Kunst ganz ohne Plagiat – geht das überhaupt? Und wenn es geht: wollen wir das?

Simpsonsfans können sich diesen 13-Seiten-Text aber auch sparen. Alles Wesentliche zum Thema Kunstplagiat wurde nämlich schon 1996 in der Episode "The Day The Violence Died" gesagt, im Gerichtssaal-Monolog eines durch und durch schamlosen Plagiators:

Myers: Okay, maybe my dad did steal Itchy, but so what? Animation is built on plagiarism!
[lawyer slaps his forehead]
If it weren’t for someone plagiarizing the Honeymooners, we wouldn’t have the Flintstones. If someone hadn’t ripped off Sgt. Bilko, they’d be no Top Cat. Huckleberry Hound, Chief Wiggum, Yogi Bear? Hah! Andy Griffith, Edward G. Robinson, Art Carney.
(…)

Your honor, you take away our right to steal ideas, where are they gonna come from? Her? [points at Marge]


Marge: Uh… Hmm… How about… Ghostmutt?
(The Day The Violence Died, SNPP)

 

(*) Und zwar im Original. Wenn ein Russe es hingekriegt hat, das Buch auf Englisch zu schreiben, sollte man soviel Transferleistung auch vom Leser erwarten. Die Fremdsprachlichkeit ist ausnahmsweise sogar wirklich zentral – von Nabokovs Vorliebe für Anagramme und Wortspiele abgesehen ist ja nicht nur der Autor, sondern auch der Erzähler ganz dezidiert kein englischer Muttersprachler. Mindestens drei Ebenen des Buchs gehen also vermutlich mehr oder weniger am Leser vorbei, wenn er zur Übersetzung greift.

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Auwehzwick

Also ich hoffe, dass die EU nicht dahinterkommt, dass Cohu ein böses, böses, energiefressendes dual display verwendet…wo doch jetzt die IT-Branche den Stromverbrauch um 20% senken soll…und wenn die erst der Cohu-IT dahinterkommen, ich möcht gar nicht dran denken! Da sind Strafzahlungen zu erwarten.

Jetzt  (praktisch zur Ablenkung) noch ein Vorschlag für die EU: wie wäre es, wenn alle EU-Dokumente die supertolle Toner- und damit energiesparende "Ecofont"-Schriftart verwenden ("spart 20% Toner durch Aussparen von Druckbereichen")? Ach, was red ich: warum stellen wir nicht gleich ganz Europa auf diese Schriftart der Zukunft um? (Funktioniert übrigens auch auf dem Bildschirm, durch Pixelsparen!) 

Why We Fight

“Aufgabe der ISAF ist die Unterstützung der gewählten Regierung Afghanistans zur Herstellung und Aufrechterhaltung eines sicheren Umfeldes in Afghanistan. In erster Linie soll so der Wiederaufbau Afghanistans, die Etablierung demokratischer Strukturen und die Durchsetzungsfähigkeit der frei gewählten Zentralregierung vorangetrieben werden.” (Wikipedia: ISAF)

Diese gewählte Regierung Afghanistans versucht mittlerweile, ein Gesetz zu verabschieden, wonach:

– das Sorgerecht für Kinder grundsätzlich nur Vätern oder Großvätern zugesprochen werden kann
– es keine Vergewaltigung in der Ehe mehr gibt, da Frauen zu Sex verpflichtet sind
– Frauen das Haus nur mit Erlaubnis ihres Mannes oder Vaters verlassen dürfen

Eine afghanische Parlamentarierin bezeichnet das Gesetz als “schlimmer als die Taliban”. Das alles steht im Guardian. Die deutschen Medien scheinen sich nicht so sehr dafür zu interessieren – obwohl über eine geplante Aufstockung des deutschen Kontingents und die damit zusammenhängenden diplomatischen Verwicklungen überall in epischer Breite berichtet wird.

Ich habe zum Afghanistan-Krieg keine wirklich gefestigte Meinung, weiß auch insgesamt nicht, was ich von der deutschen Beteiligung halten soll. Bin da einfach unentschieden. Aber, ernst gemeinte Frage: Warum wird es nicht als massives Problem wahrgenommen, dass Deutschland eine Regierung militärisch unterstützt, die eine große Gruppe der Bevölkerung offiziell entrechten will? Warum diskutiert diese Frage niemand?

(P.S.: Eigentlich wollte ich das mit dem Video einer traditionellen afghanischen Sängerin illustrieren. Leider ist sowas – von wenigen im Exil lebenden Ausnahmen abgesehen – schwer aufzutreiben: Frauen, die öffentlich musizieren, bekommen noch immer Todesdrohungen. Die Taliban versuchten ja bekanntlich, alle nichtreligiöse Musik zu unterbinden, und Musikerinnen waren ihnen natürlich ein besonderer Dorn im Auge. Ein hochinteressanter Film über ein Projekt zur Rettung traditioneller afghanischer Musik findet sich hier. Auch, wenn ihre “Freiheit” mittlerweile mehr als sieben Jahre andauert, dürfen wir der im Film gezeigten Musikerin beim Singen nicht zusehen: ihr Gesicht ist gepixelt. Das im Film vorgestellte Afghan Music Project kann man durch den Kauf von Musik unterstützen.)

What’s Love Got To Do With It

Das Buch "Schwester Helga – Du maximierst mein Glück: Der Arztroman zur Mikroökonomie" versucht angeblich, die Welten von Romantik und Mikroökonomie durch Humor zu vereinen. Einen Trailer (ne, echt) und eine Website gibts von dem Buch auch schon. Also mal ernsthaft: ist mein Humorzentrum irgendwie blockiert oder wirkt das einfach wahnsinnig… unwitzig? In der FTD erklärt der Autor seine Motivation:

"Bei meinem VWL-Studium habe ich mich wie viele Kommilitonen an der Mikroökonomie gerieben", sagt Hönscheid. "Das ist ja ein grundlegendes Fach, doch es wird leider sehr dröge präsentiert: sehr mathematisch, sehr abstrakt – und völlig unerotisch." (FTD.de)

Lass mal, bevor ich mir eine schlechte Parodie auf eine schlechte Parodie von Mikroökonomie in Form einer schlechten Arztromanparodie reinziehe, lese ich ja noch lieber "The Mathematics of Marriage: Dynamic Nonlinear Models" von James D. Murray. Dieser genialische Brausekopf hat in seinem langen Wissenschaftlerleben laut Wikipedia unter anderem die Biomechanik von Schleudersitzmechanismen, Narbenbildung, Tumore, das Entstehen von Fingerabdrücken und die Territorien von Wölfen untersucht. Und es dann in Angriff genommen, die Ehe als mathematisches Modell nachzubilden. Scheint jedenfalls, was das Wesen dieser Institution angeht, schon mal in die richtige Richtung zu gehen:

"Unter dynamischen nichtlinearen Systemen versteht man solche, die auch Speicherelemente besitzen. (…) Die Systemantwort hängt somit auch von der Vorgeschichte, also von der Stärke der vorangehenden Erregung ab." (Wikipedia)

 

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Der kleine Unterschied

Wenn jemand Abitur macht, irgendwas studiert und danach dann einer bezahlten Arbeit nachkommt, ist das der ganz normale, nicht weiter bemerkenswerte Lebenslauf der Mittel- und Oberschicht. Jedenfalls, wenn der Jemand ein Mann ist.

Wenn eine Frau das Gleiche tut, ist sie nämlich gleich ein "attraktives Superweib über 35 mit Diplom und Verantwortung, Audi quattro und Ansprüchen." Jedenfalls für das SZ-Magazin…das sich in diesem Artikel, wenn ich ihn richtig verstehe, eigentlich bitterlich über die Ungerechtigkeit von Genderstereotypen beklagt, aber dann selbst auch nicht ohne solche auskommt.

Alte Neue Medien

Höchst erfrischende Perspektiven auf aktuelle Diskussionen bietet diese Seite, auf der Quellen aus dem 19. Jahrhundert zusammengetragen sind. Alle Texte handeln von den Gefahren, die neue Medien mit sich bringen – insbesondere für die Jugend. Das damalige "neue Medium" war der Roman.

Die Herangehensweise an das Problem, der "wissenschaftliche" Anspruch, die Generationenunterschiede sind die gleichen wie heute. Die meisten Textpassagen könnte man leicht verändert in aktuellen Zeitungen lesen. Man muss eigentlich nur "Bücher" durch "Computer/Internet" austauschen:

"The great profusion of children’s books protracts the imbecility of childhood. They arrest the understanding, instead of advancing it. They give forwardness without strength. They hinder the mind from making vigorous shoots, teach it to stoop when it should soar, and contract when it should expand."  (On Novel Reading, 1820)

Zum Vergleich der heutige "Experte" Gerald Hüther:

"Betroffene müssten nur einen Computer sehen, schon hätten sie das Bedürfnis, sich davor zu setzen. Mit jeder Stunde aber, die Kinder vor dem Computer verbrächten, fehle ihnen eine Stunde, um ihr Gehirn für die Anforderungen im wirklichen Leben weiterzuentwickeln, warnte der Hirnforscher." (sueddeutsche.de)

Das Konzept der "Romansucht" war die damalige Entsprechung der heutigen "Internetsucht" – man verglich das zwanghafte Verschlingen von fiktionalem Lesestoff direkt mit Alkohol. Und die "Süchtigen" waren gar arme Gesellen (vielleicht, weil es noch keine Tiefkühlpizza gab?). So heißt es in einem Bericht aus einem tristem Lesesüchtigen-Haushalt:

"I am rooming, (…) with a couple of young men who are confirmed novel readers. Their nights are spent chiefly in poring over ‘the last Romance,’ and their studies are neglected in the strange reverie in which they are continually lost. Speak to them of a matter of History, and they stare vacantly, entirely ignorant of the principal events that have transpired in the world since its doings began to be recorded." ("Novel Reading" in The Western Gem, 1853)

Heute ist es die "Onlinesucht", die Leben zerstört – und sie scheint ein echtes Problem zu sein. Experten behaupten, "dass die Online-Kommunikationssucht sehr häufig bei Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts und jeden Bildungsstandes" auftritt: "Onlinesüchtige verändern sich merklich, indem sie sich nach und nach immer mehr vom realen Leben zurückziehen." (www.onlinesucht.de).

 Romane wurden aber nicht nur aufgrund ihrer Suchtwirkung als bedrohlich empfunden – sie lösten sogar Gewalttaten aus! Etwa Suizide:

"A late "Recorder," notices the death of a young lady of 17, in Ohio, and observes–"this was a case of cool, premeditated suicide, occasioned by extreme sensibility, and romantic ideas, created by novel reading. She imagined herself ridiculed and slighted by a young gentleman, who had engaged her affections: she frequently improperly suspected her friends of coolness, and was unhappy because she had no relation. She was heiress to a considerable property, and had been well educated."" (On Novel Reading, 1820)

Heute kennt man den "Internet-Selbstmord" . Er ist traditionell definiert als praktisch jeder Selbstmord, der von einem Menschen verübt wird, der zuvor online mit anderen Menschen kommuniziert hat. Durch das neue Medium Roman wurden aber nicht nur Selbstmorde ausgelöst – nein, auch Jon Wilkes’ Booth’s Mord an Abraham Lincoln führte ein entsetzter Kommentator ganz auf den Konsum von blutrünstigen Groschenromanen zurück:

(…) reading the bloody tales of the weekly story papers, or the flashy, ten cent, yellow-covered literature sold in almost every book store. He will soon learn how to be a hero of the approved romantic type. But, young friend, if you have any regard for your character, your future standing in society, the credit of your families, your own peace and the welfare of your souls, let such reading alone! Why should you suffer yourself to trace hour after hour the foul workings of human revenge, jealousy, malice and corruption, because some writer has woven them into intoxicating fiction? (…) Rather never read a printed line. Such material stimulates only the bad in your nature. (…) Victims of this intellectual and moral debasement are seen dawdling through society in every city and town, communicating poison to all who touch them.("Booth and Bad Literature", in: Youth’s Companion, 1865)

Werden wir den Tag noch erleben, an dem mit Steuermitteln geförderte Stiftungen versuchen werden, unseren verkommenen Kindern und Enkeln das Internetsurfen und Online-Gamen, die Kommunikation in Foren und in sozialen Netzwerken, und – Gott steh uns bei – sogar das Bloggen näherzubringen? Die Gattin des Bundespräsidenten als Schirmherrin einer "Stiftung Internet"? Vermutlich.
Aber die Jugend wird dann – so war es schon immer – ihre Zeit lieber mit anderen Dingen verbringen. Lustigeren Dingen. Holodeck vielleicht.

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Die Statistik der Dummen

Es gibt zwei Dinge, die die deutsche Presse über alles liebt:
1. "Neueste Ergebnisse amerikanischer Top-Wissenschaftler" und
2. "Beweise dafür, dass Amis total doof sind"

Wenn man beides in einem haben kann, ist es praktisch unmöglich, zu widerstehen. So ging es wohl auch sueddeutsche.de, wo man behauptet: "Eine Studie zeigt, dass die Bewohner konservativer US-Staaten häufiger Internet-Pornos anschauen als die demokratischen – die roten Staaten sind die Rotlicht-Staaten."

Aha, soso. Den leidgeprüften Leser dieser Publikation wird es nicht überraschen, dass genau das aus Herrn Edelmans Studie natürlich nicht hervorgeht. Vielmehr zeigt sie lediglich, dass Menschen aus red states eher dazu neigen, für Pornos zu bezahlen (ausschlaggebend waren nämlich Kreditkartendaten).

Das wiederum könnte schlicht daran liegen, dass die roten Bundesstaaten einen höheren Altersdurchschnitt haben, und dass ältere Herrschaften nicht wief genug sind, an kostenloses Amüsiermaterial zu kommen. Zum Beispiel. Aber "Alte Leute können nicht googeln" wäre halt bei weitem keine so gute Schlagzeile wie "Der Porno der Prüden". 

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