…and I should know

“Die Gehirnwissenschaft ist intellektuell extrem anspruchsvoll. Dagegen ist das, was wir hier tun, simpel.”

So der Post-Chef und ehemalige Neurobiologe Frank Appel zur FAZ.  Ich glaube, das ist der perfekte Anlass, um noch einmal diesen grandiosen Sketch in Erinnerung zu rufen:

Auf nüchternen Magen

Sicher kein Porridge.

Treffend bezeichnet die Journalistin Louise France den sogenannten Porridge (englisch für Haferschleim) als:

“vile, stomach-churning runny snot of elderly slugs”

…also den abstoßenden Rotz von Rentnernacktschnecken, bleibt aber trotzdem bei ihrer Story: Die eklige Grütze, traditionell von armen Schotten mit den Zutaten Wasser, Haferflocken und Salz zubereitet, wird gerade von den britischen und Welt-Eliten als gesundheitsfördern und schmackhaft (!) wiederentdeckt. Madonna, Nelson Mandela, Nigella Lawson, Nicole Kidman, Bill Gates, und zu allem Überfluss auch noch der Ober-Tory David Cameron, sollen angeblich schon Porridge-Fans sein. (Why porridge is the new power breakfast, The Observer).

Da fragt man sich doch ernsthaft: habt ihr keine Alternativen zu diesem ekligen Zeug? Anscheinend nicht. Denn selbst Cohus Lieblingsbrite ist frühstücksmäßig offensichtlich vollständig unterbelichtet:

“Johnson only eats a small piece of brown toast for breakfast or leftovers from the night before, according to his press officer. Today it was cold roast potatoes from yesterday’s Sunday lunch.” (guardian.co.uk)

Uähgh! Cohu hatte schon lange so eine düstere etymologische Ahnung, und jetzt ist sie bestätigt: das Englische breakfast kommt tatsächlich von “schnell brechen”.

(Bild: Gebetbuch der Markgräfin von Brandenburg, 1520, via Wikimedia Commons)

26,9 Unzen

…und da ist der Adventskalender noch gar nicht eingerechnet!

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Ruinös

Pompeji gibt es jetzt auch in Google Street View. Wer das noch nie gemacht hat: einfach das orangene Manschgerl links anklicken und auf eine der Straße ziehen.

(Die wirklich spannenden pompeijanischen Fundstücke sind allerdings versteckt in der Sammlung des Gabinetto Segreto, die mittlerweile in einem Nebenraum des Archäologischen Museums von Neapel untergebracht ist. Ausführlich und lesenswert ist die Geschichte dieser Sammlung hier beschrieben. Den Ausschlag für die Gründung des Geheimkabinetts im 19. Jahrhundert gab angeblich der berüchtigte “Pan mit Ziege”, der allerdings nicht aus Pompeii, sondern aus der Herculaneum-Ruine stammt.)

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Wer hat’s erfunden?

Könnt Ihr Euch an den Hut stecken!

Ok, ich komme in der Regel ohne einen Morgenstern aus. Auch auf Bleistifte kann ich irgendwie verzichten. Wird mir nicht fehlen: die Logarithmentafel. Bernhardiner: überflüssig. Korpuskulare Gravitationstheorie: ebenfalls entbehrlich. Ein Hygrometer ist für den Klavierbesitzer zwar ratsam, aber ich vertraue in Zukunft einfach auf die Befeuchtungskraft meines Aquariums. Dürrenmatt: meh. Verzicht auf optische Linsen wird extrem schwierig, ist aber machbar. Glühlampen sind passé (und wenn ich eh nix mehr sehe, kann es meinetwegen auch dunkel sein). Unterwasser-Hörrohr: wenn mir jemand was zu sagen hat, soll er das ab jetzt eben über Wasser tun. Eurythmie war mir schon immer suspekt, genauso wie BWL und Dungeons & Dragons. Ovomaltine lässt sich mit Müh und Not ersetzen durch eine Caro-Kaba-Mischung. Könnt ihr alles behalten, ihr Religionsfreiheitsverächter!

Aber eine Erfindung der Schweiz gibt es leider, ohne die Cohu keinen Winter und vor allem keine Erkältung übersteht: Ricola Schweizer Kräuterzucker! Also doch kein Boykott…

(Bild: Dirk Beyer, Wikimedia Commons)

Sexy Sendling

Das Viertel mit so pittoresken urbanen Schmuckstücken wie dem Luise-Kiesselbach-Platz (momentan besonders sehenswert!) ist nämlich in den “Top-Ten-Wohnvierteln der Trendsetter” auf Platz eins. Dahinter dann:

2. Au-Haidhausen; 3.Ludwigvorstadt-Isarvorstadt; 4. Altstadt-Lehel; 5. Schwanthalerhöhe; 6.Neuhausen-Nymphenburg; 7. Schwabing-West; 8. Schwabing-Freimann; 9. Untergiesing-Harlaching.

Und, auf Platz 10 – jetzt kommts-: Berg am Laim. Das lockt nämlich Künstler, Kreative und Gutverdiener”. Es wundert mich gar nicht, dass die Maxvorstadt in dem Trendsetter-Ranking überhaupt nicht vorkommt. Schließlich schlurfe ich hier Tag für Tag missmutig durch die Gegend. So eine Cohu kann ein Viertel ganz schön runterziehen!

Danke, CSU

Cohu verdankt ihre Gesundheit der Christlich-Sozialen-Union. Die Bayern unter meinen Lesern wird diese Behauptung nicht weiter verwundern. Schließlich hat, wie es das Stofferl von den Gebrüdern Well einmal so schön gesagt hat, “die CSU die Berge erschaffen, die Seen und das schöne Wetter, und das Oktoberfest, und die Lederhosen”, und damit überhaupts alles, was in unseren schönen Heimat dem körperlichen Wohlbefinden zuträglich zu sein vermag!

Heute meine ich das aber in einem ganz anderen Sinn. Ich muss (wie so oft!) etwas ausholen. Die Yale-Ökonomen Dean Karlan und  Ian Ayres haben sich vor Jahren wissenschaftlich mit sogenannten “time-inconsistent preferences” beschäftigt. Dabei handelt es sich, grob gesagt, um das Phänomen, dass im Alltagsverhalten die kurzfristigen Präferenzen offt nicht mit den langfristigen Präferenzen zusammenfallen. Ein paar Beispiele: man spart nicht, obwohl man im Alter gerne eine Rente hätte; man isst Schokolade, obwohl man gerne sein Gewicht halten will;  man liest sinnlose Blogs, obwohl man eigentlich Wichtigeres zu tun hätte; man raucht, obwohl man auf ein Lungenemphysem eigentlich gar nicht so scharf ist… All das anscheinend irrationales Verhalten, das man in klassischen ökonomischen Theorien nicht so gut unterbringen kann. Denn die gehen ja ursprünglich davon aus, dass man exakt dann seine Wohlfahrt maximiert, wenn man zu jedem Zeitpunkt genau das tut, was man zu diesem Zeitpunkt tun will.

Bei der Beschäftigung mit diesem verzwickten Thema kam Karlan auf die Idee der Selbstbindung durch “commitment contracts” – durch das Abschließen eines solchen Vertrags kann man sich sozusagen selbst dazu zwingen, so zu handeln, wie es langfristigen Präferenzen entspricht, und damit langfristig seine Wohlfahrt steigern. (Geduld, wir nähern uns schon der Frage an, was die CSU mit Cohus Gesundheit zu tun hat!)

Um diese nützlichen Selbstbindungsverträge auch der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, regten Karlan und Ayres die Gründung eines Internetportals an. Bei StickK.com kann man nun Verträge zu den verschiedensten Themengebieten mit typischerweise zeitinkonsistenten Präferenzen abschließen (besonders beliebt bei den Amis natürlich: Abnehmen!). Man bestimmt einen Schiedsrichter, der die Einhaltung überwachen muss. Wenn man sich an die Abmachung nicht hält, bucht StickK automatisch einen vorher festgelegten Betrag von der Kreditkarte ab. Das Fiese ist jetzt aber – typischerweise geht dieses Geld an eine “Anti-Charity”:

“An Anti-charity is any organization whose views you strongly oppose, or one which promotes values that are most contrary to your own. (…) The purpose of an Anti-charity is to provide an added incentive for you to achieve your goal. By designating an Anti-charity as your Recipient of Stakes, you’ll certainly work that much harder to ensure that your money never falls into the wrong hands.” (StickK FAQ)

Dementsprechend kann man, je nach eigener (Ab-)neigung, zwischen Pro-Choice oder Anti-Abtreibungs-Organisationen wählen, zwischen der Bush- oder der Clinton-Gedenkbibliothek, und (für die Briten unter den Nutzern) zwischen den Fußball-Fanclubs Arsenal, Chelsea, Liverpool und Manchester.

Das Wirkprinzip leuchtete Cohu sofort ein, und eine lästige time-inconsistent preference hab ich auch, nämlich die, keinen Sport zu machen, bis ich Rückenschmerzen bekomme. Und hier kommt nun die CSU ins Spiel. Sie erhält, oder besser gesagt erhielte, 50 Euro von Cohu, wenn diese einmal nicht zweimal die Woche schwömme.(*) Bis jetzt ist es soweit noch nicht gekommen. Mein Rücken dankt es mir, und ich danke der CSU!(**)

Das eleganteste unter den im Internet auffindbaren Self-Commitment-Werkzeugen scheint mir aber nicht StickK.com, sondern der “SNUZNLUZ”-Wecker zu sein, denn:

“…everytime you hit the snooze button, the SnūzNLūz will donate a specified amount of your real money to a non-profit you hate. The problem of sleeping in is solved.”

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Die neuen Feed-Adressen…

sehen so aus:
https://cohu.de/feed/ (Blogfeed)
https://cohu.de/comments/feed/ (Kommentarfeed)

Nun hat Cohu.de auch endlich die lange versprochene Suchfunktion (da drüben auf der rechten Seite). Frohes Suchen! Wer noch auf irgendwelche Anzeigefehler stößt, möge mir bitte in den Kommentaren Bescheid sagen.

Baustelle

Da dieses Blog in den nächsten Tagen zu WordPress.com umzieht, kann es vorübergehend zu Anzeigeproblemen kommen. Unter Umständen kann man die Seite auch mal kurzfristig gar nicht aufrufen. Aber keine Angst – es bleibt bei der altbewährten Domain http://www.cohu.de.

Die Adresse des RSS-Feeds wird sich allerdings ändern, die neue Feed-Adresse gebe ich hier an, sobald ich sie weiß.

Erntedank

Endlich: die diesjährige Shortlist des Bad Sex in Fiction Award (Cohu berichtete) ist da! Und wieder habe ich in der, Zitat Literary Review, “reichen Ernte” der weitestgehend unerträglichen Passagen eine entdeckt, die mich meine Amazon-Wunschliste updaten lässt…der geneigte Leser wird glaube ich relativ leicht dahinter kommen, welche ich meine. (Hoffentlich liege ich nicht so daneben wie letztes Jahr, das hier war nämlich wirklich schrecklich.) Und: die Jonathan Littell-Passagen haben mich darin bestärkt, Die Wohlgesinnten auch weiterhin nicht zu lesen.

Bei Flavorwire findet man auch noch eine All-Time-Top-Ten-Liste mit berüchtigten Klassikern des Genres wie Ayn Rand, und auch Juwelen wie diesem hier:

“She moved her hips again and continued to fuck my lights out. I thought of Franklin Delano Roosevelt, who, the story goes, knew the instant he heard the name Adolf Hitler that he had brushed up against the reason he was born.”

Diese, äh, überraschende Hitlerreferenz vom ansonsten (zu Recht?) eher für seine Schauspielkunst bekannten Ethan Hawke könnte man für schlappe 7,95€ übrigens sogar in deutscher Übersetzung genießen, wenn man wollte.

Gibt es eigentlich einen vergleichbaren Preis für deutschsprachige Literatur? (Vermutlich nicht, Sex fällt ja unter “Handlung”, und mit sowas macht man sich hierzulande eher unbeliebt…)

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