Danke, CSU

Cohu verdankt ihre Gesundheit der Christlich-Sozialen-Union. Die Bayern unter meinen Lesern wird diese Behauptung nicht weiter verwundern. Schließlich hat, wie es das Stofferl von den Gebrüdern Well einmal so schön gesagt hat, “die CSU die Berge erschaffen, die Seen und das schöne Wetter, und das Oktoberfest, und die Lederhosen”, und damit überhaupts alles, was in unseren schönen Heimat dem körperlichen Wohlbefinden zuträglich zu sein vermag!

Heute meine ich das aber in einem ganz anderen Sinn. Ich muss (wie so oft!) etwas ausholen. Die Yale-Ökonomen Dean Karlan und  Ian Ayres haben sich vor Jahren wissenschaftlich mit sogenannten “time-inconsistent preferences” beschäftigt. Dabei handelt es sich, grob gesagt, um das Phänomen, dass im Alltagsverhalten die kurzfristigen Präferenzen offt nicht mit den langfristigen Präferenzen zusammenfallen. Ein paar Beispiele: man spart nicht, obwohl man im Alter gerne eine Rente hätte; man isst Schokolade, obwohl man gerne sein Gewicht halten will;  man liest sinnlose Blogs, obwohl man eigentlich Wichtigeres zu tun hätte; man raucht, obwohl man auf ein Lungenemphysem eigentlich gar nicht so scharf ist… All das anscheinend irrationales Verhalten, das man in klassischen ökonomischen Theorien nicht so gut unterbringen kann. Denn die gehen ja ursprünglich davon aus, dass man exakt dann seine Wohlfahrt maximiert, wenn man zu jedem Zeitpunkt genau das tut, was man zu diesem Zeitpunkt tun will.

Bei der Beschäftigung mit diesem verzwickten Thema kam Karlan auf die Idee der Selbstbindung durch “commitment contracts” – durch das Abschließen eines solchen Vertrags kann man sich sozusagen selbst dazu zwingen, so zu handeln, wie es langfristigen Präferenzen entspricht, und damit langfristig seine Wohlfahrt steigern. (Geduld, wir nähern uns schon der Frage an, was die CSU mit Cohus Gesundheit zu tun hat!)

Um diese nützlichen Selbstbindungsverträge auch der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, regten Karlan und Ayres die Gründung eines Internetportals an. Bei StickK.com kann man nun Verträge zu den verschiedensten Themengebieten mit typischerweise zeitinkonsistenten Präferenzen abschließen (besonders beliebt bei den Amis natürlich: Abnehmen!). Man bestimmt einen Schiedsrichter, der die Einhaltung überwachen muss. Wenn man sich an die Abmachung nicht hält, bucht StickK automatisch einen vorher festgelegten Betrag von der Kreditkarte ab. Das Fiese ist jetzt aber – typischerweise geht dieses Geld an eine “Anti-Charity”:

“An Anti-charity is any organization whose views you strongly oppose, or one which promotes values that are most contrary to your own. (…) The purpose of an Anti-charity is to provide an added incentive for you to achieve your goal. By designating an Anti-charity as your Recipient of Stakes, you’ll certainly work that much harder to ensure that your money never falls into the wrong hands.” (StickK FAQ)

Dementsprechend kann man, je nach eigener (Ab-)neigung, zwischen Pro-Choice oder Anti-Abtreibungs-Organisationen wählen, zwischen der Bush- oder der Clinton-Gedenkbibliothek, und (für die Briten unter den Nutzern) zwischen den Fußball-Fanclubs Arsenal, Chelsea, Liverpool und Manchester.

Das Wirkprinzip leuchtete Cohu sofort ein, und eine lästige time-inconsistent preference hab ich auch, nämlich die, keinen Sport zu machen, bis ich Rückenschmerzen bekomme. Und hier kommt nun die CSU ins Spiel. Sie erhält, oder besser gesagt erhielte, 50 Euro von Cohu, wenn diese einmal nicht zweimal die Woche schwömme.(*) Bis jetzt ist es soweit noch nicht gekommen. Mein Rücken dankt es mir, und ich danke der CSU!(**)

Das eleganteste unter den im Internet auffindbaren Self-Commitment-Werkzeugen scheint mir aber nicht StickK.com, sondern der “SNUZNLUZ”-Wecker zu sein, denn:

“…everytime you hit the snooze button, the SnūzNLūz will donate a specified amount of your real money to a non-profit you hate. The problem of sleeping in is solved.”

(*) Seit Jahren warte ich darauf, endlich mal diese schöne Form verwenden zu können.

(**) Leider sind unter den “Anti-Charities” keine deutschen gelistet, und schon gar keine bayrischen, man kann das aber durch Mithilfe eines Komplizen nachbilden, der sich bereit erklärt, bei Nichteinhaltung des Vertrages einen dementsprechenen Betrag einzufordern. Anbieten würde sich natürlich auch die automatische Überweisung an verhasste Ex-Männer bzw. Frauen…

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