Was man so lesen muss

"Mit der Emanzipation der Form ist die konstitutive Bedürftigkeit des
Lebens in einem gegeben und bildet mit ihr einen unteilbaren Tatbestand. – Die
Freiheit im Verhältnis zur Materie, die im stoffwechselnden Sein der Form sich
tätigt, bedeutet ipso facto zugleich Angewiesenheit auf Materie; und zwar eben
nach dem Maße der Umsatzdynamik der Form, das doch andrerseits gerade der Index
ihrer ontologischen Freiheit ist."
[Hans Jonas, Das Prinzip Leben (1994), S. 181]

Ja, und deshalb freue ich mich auch diesmal wieder wahnsinnig, dass ich einen
kontinentalphilosophischen Text lesen darf!

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Onkel Fritz

Nachdem unser Mann in Casablanca ja letzte Woche seine WG-erfahrene und berühmte Verwandtschaft
so überschwänglich gelobt hat (siehe Kommentare), muss ich jetzt schon mal fragen: Ist das ein Verwandter, der da am Sonntag in meinem Wahlkreis antritt und “unserem Axel” das Direktmandat entreißen will?

Übrigens: einen – nicht nur inhaltlich – äußerst erheiternden Artikel über die Flügelkämpfe innerhalb der München-WASG findet ihr hier. Anscheinend ist Fritz einigen in der “Linken” nämlich nicht links genug, kurz, ein “Sozi”! Ganz im Gegensatz zu Max Brym, der um den Listenplatz mit ihm konkurrierte (der ist nämlich, Zitat, ein “Chaot” und “Putschist”)

“Der Beitrag von Fritz Schmalzbauer war was die rhetorische Begabung betrifft mit Max Brym auf Augenhöhe. Inhaltlich traten jedoch für den Zuhörer deutliche Unterschiede zu tage Schmalzbauer erklärte er sei auch für den „Demokratischen Sozialismus“ man müsse aber vorher im Parlament arbeiten. Als wichtiges Vorbild diene ihm Willy Brandt.

Daraufhin meinte Brym:“ Wenns hier schon um Vorbilder geht, dann halte ich mehr von Rosa Luxemburg“ Auf die Frage was das heißt, meinte Brym: „Rosa hat jede Menge wertvolle Schriften hinterlassen und wurde als Revolutionärin ermordet. Willy Brand hingegen hinterließ nur die Berufsverbote, seine Memoiren und eine Witwe, die ziemlich weit rechts steht.“

An dieser Stelle verlor Schmalzbauer fast die Beherrschung. (…)”

Heavy Petting

Endlich ist es so weit: ich kann in einer wissenschaftlichen Arbeit Peter Singers äußerst erstaunlichen Artikel
zum Thema “Sex mit Tieren” zitieren (genauer gesagt ist es eine Rezension des Buches “Dearest Pet” von Midas Dekker).

Die Behauptungen gewisser Neu-Neujorker, ich würde zu diesem Thema auch promovieren, muss ich aber weit von mir weisen. Besser als Singer kann ichs ja eh nicht sagen…schon der Titel ist unübertrefflich!

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Der Münchner Schorsch

Mein Nachbar, einigen von Euch, die mich schon mal besucht haben, vielleicht als “Blockwart” bekannt (nicht zu verwechseln mit dem Blogwart), hat die Angewohnheit, sich von seinem Balkon aus bzw. im Hof lautstark mit anderen Nachbarn zu unterhalten. Na ja, eigentlich nur mit Nachbarinnen, und zwar den unter-30-jährigen. Unterhalten im Sinne von Monologisieren.
Mich weist er jedes mal, wenn er mich bei den Briefkästen trifft, darauf hin: “Der Postler war schon da! Hast sicher wieder Liebesbriefe kriegt, Madele!”. Meine Nachbarin durfte sich gerade auch wieder einen Sermon anhören über die Gefahren des Rauchens (“I hab zehn Autos g’habt, und in keinem is g’raucht worden, des geht ja ned, in am g’schlossnem Raum”), die Unfähigkeit der Frauen – im Bezug auf die Pflege von Balkonblumen (“I hab ja die Geranien, aus Spanien, haha, naa, und hast Du dein vertrocknets Zeigl jetz weggschmissn? Wo hastes na hintan?”)  und das Kochen (“Wenn ich a Frau hätt, dann tät ich kochen und sie bräucht nur abspülen! Heut gibts wieder ein Bohnengemüse, was ganz was Feins!”). Also, ein echtes Original, wie aus den Münchner Gschichten. Was ich am lustigsten finde: er bezeichnet sich selbst als “Münchner Schorsch” und verwendet wunderbare Idiome wie “Jaa, mit dem Lungenkrebs, da hast dann an Dreck im Schachterl”.
Zudem wird jeder der drolligen Monologe mit einem versöhnlichen Hinweis abgeschlossen: “Naa, du brauchst ned sterben, du bist ja a ganz a Hübsche. Du stirbst noch nicht!” – oder nach einer langen Erzählung über seine Augenoperation: “Aber jetzt siag i wieder, fümfazwanzg Prozent mehr als vorher, jetzt siag i’s wieder alle, die hübschen jungen Madln!”. Reizend!

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Alle Macht den Keksen!

Herr B. sucht ein Zuhause

Liebe
Leser,
aus dem fernen Bremen wendet sich heute an mich  als “Kennerin der Münchner
Szene” (Zitat!) ein ehemaliger Kommilitone, der “ab dem 1. Oktober, dem 15.
Oktober oder dem 1. November” ein Zimmer sucht. Lest selbst:

“Idealerweise stelle ich mir Folgendes vor:
Wir, zwei Schönheitsköniginnen (Miss-Bayern 2004 und Miss-Oktoberfest 2005),
24 und 25 Jahre, suchen einen netten, unkomplizierten und nichtrauchenden
Mitbewohner (25+). Intellektueller bevorzugt! Miete: 100 Euro warm, Nähe
Marienplatz Universität.
Also, wenn Sie ein solches oder ähnliches (bei allen Kriterien bin ich zu
Kompromissen bereit) Angebot finden sollten oder kennen sollten, wäre ich
Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich darauf aufmerksam machen könnten.
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Ihr alter Kommilitone, …”

Für alle von Euch, die vielleicht einen Nach-, Mit-, Unter- oder (für die
Immobilienhaie unter Euch) Mieter suchen, möchte ich betonen: Der Applikant,
nennen wir ihn Herrn B., ist ausdrücklich cohu-prämiert! Er ist – ganz abgesehen
von seinen höflichen, äußerst zuvorkommenden Umgangsformen – WG-erfahren
(Studentenwohnheim, College), unkompliziert, hilfsbereit und zudem ein künftiger
Kollege von mir, da er ebenfalls an der LMU promovieren wird.
Ich möchte jeden, der ein Angebot oder eine Idee für Herrn B’s Unterbringung
hat, bitten, mir unter cohu”at”gmx.de, Kennwort “Herr B.”, zu schreiben, ich
werde dann alles weiterleiten.

Gattinnen

Wer zu Wahlkampf-Zeiten von deutschen Staatsmann-Gattinnen genervt ist, sollte mal in die USA schauen: auch hier weiß eine Gattin mal wieder ganz gut Bescheid.

(Beruhigend übrigens, dass die Stoiber-Töchter immerhin manchmal auf schreiendes Rouge und Femme-Fatale-Lippenstift verzichten, wo sie doch dem Papa “immer ungeschminkt” die Wahrheit sagen!)

Einen neuen Soundtrack…

…bekommt gerade die Heßstraße, die übrigens entgegen anderslautender Gerüchte nicht nach “dem” Heß benannt ist, sondern nach einem anscheinend politisch unauffälligen Landschaftsmaler.

Gerade laufen grölende Sozis Richtung Reithalle, gen Münte. Obwohl, vielleicht sind’s gar keine richtigen Sozis, denn sie kennen
(genau wie ich!) offensichtlich nur die ersten zwei Zeilen der Internationale, oder aber sie behalten den Rest des Liedes beharrlich für sich. Fürs Käferzelt reicht das allemal, aber auf einer Parteiversammlung?
Also, ich geh eh nicht zum Münte, weil erstens kommt Frl. Jung zu Besuch, und zweitens gibts heut einen Franz, der mir wesentlich lieber ist…

Mehr Autos! Mehr Internet! Mehr TV!

Ja, es ist müßig, sich über religiöse Fundamentalisten lustig zu machen. Trotzdem.

Gerade kam ein PBC-Spot im Radio (nein, es geht jetzt nicht um primäre biliäre Leberzirrhose), mit dem die Bibeltreuen vermutlich unbeabsichtigt erreichen, was die Merkel nur teilweise geschafft hat: eine Steigerung der “Kinderfeindlichkeit” und radikale Senkung der Geburtenrate unter Null! Hier auch das passende Video, das alles noch schlimmer macht…

Ernsthaft, diese Kindlein sehen kränklich aus und haben Stimmen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Liegt das vielleicht daran, dass sie ständig fasten müssen, um den Weltfrieden zu sichern? Gehen ich recht in der Annahme, dass zumindest eine dieser Quäkstimmen von einem/einer Erwachsenen gesprochen werden, was alles noch wesentlich grusliger macht? Und ist das wirklich Comic Sans?

Was man so lesen muss…

Getreu meinem

neuen Motto
:

"I remember that as a child I used to visit the home of my sister, who
had a parrot that I always thought was kind of stupid. Whenever I would
enter my sister's home, the parrot would start "Here comes the jerk! Here
comes the jerk." I think he was coached by my nephew; nevertheless, I
believed strongly that all birds in general, and parrots in particular, had
no intelligence or language skills and were particularly deficient in
recognizing super-intelligent human beings! But they did speak a human
language!"

[Chakrabarty (2003) "Crossing Species Boundaries and Making
Human-Nonhuman Hybrids: Moral and Legal Ramifications" American Journal
of Bioethics
, 3(3)]

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