Neunauge sei wachsam

Die  schlechten Nachrichten, äh, schlechten Nachrichten überlasse ich heut mal anderen und gebe mal wieder praktische Lebenshilfe – ein schönes Herbstrezept: Gebratene Neunaugen!

Lebendige Neunaugen in ein Säckchen schütten und unter eine Presse legen, damit sie ersticken. Die herausgenommenen Neunaugen mit Salz bestreuen und mit einem Tuch den Schleim abwischen. Auf einer trockenen, erhitzten Bratpfanne ohne Fett die Neunaugen eng beieinander legen und 5-8 Minuten braten, dann wenden und noch 4-5 Minuten braten. Ein gebratenes Neunauge muss beim Biegen brechen, es darf nicht zäh und auch nicht angebrannt sein, sonst schmeckt es bitter. (Will man die Fertigen Neunaugen flacher haben, dann soll man sie mit einem Holzstampfer plattdrücken). (…) (Nina Masilune, Lettische Nationalgerichte, S. 40)

Mal ernsthaft: wenn ein Land mit solchen Nationalgerichten in die EU darf, dürften wir doch mit ein paar Menschenrechtsverletzungen kein Problem haben!

Ich habs Euch ja gesagt…

…dass es noch einen Nazivergleich gibt diese Woche. Und tatsächlich: hier ist er!

“Der Moderator mit dröhnender Stimme: „Die meisten kennen meine politische Einstellung. Meine Vorsitzende ist ja Angela Merkel. Sie ist bei der Wahl gescheitert, weil sie einen entscheidenden Fehler gemacht hat. Sie hat immer nur
von ,ich‘ und nicht von ,wir‘ gesprochen.“

Dann sagt Heck die ungeheuerlichen Sätze: „Es gab im letzten Jahrhundert ja schon einmal einen Menschen, der in der Politik immer nur von ,ich‘ redete. Und das ist fürchterlich geendet.“”

Mein persönlicher Favorit war ja der Mißfelder (lang nichts mehr gehört von ihm). Von seiner Seite zwar kein Nazivergleich, dafür aber ein pfundiger Link, und zwar zur “Imagekampagne Black Is Beautiful”.

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Der Berg ruft!

…und deshalb habe ich mir wunderschöne blaue Wanderschuhe mit etwas befremdlichem Namen gekauft und breche ins
Ötztal auf (Witz über gefriergetrocknete Ösis hier einfügen).Ihr seht, die Zeiten, in denen ich den Schachen mit New-Balance-Turnschuhen besteigen musste, sind vorbei!
Die Wiesn, auf der ich im Winzerer Fähndl schon einen Schweinsbraten und im Schützen-Festzelt ein…äh…mehrere Biere genossen habe, muss zurückbleiben; ein Fotobericht wird folgen.

Happiness…

Jetzt mal wieder zu den Sachthemen. Vielleicht hat der eine oder andere von Euch das Interview mit Richard Layard in der SZ am Wochenende gelesen (Artikel im Netz leider nur kostenpflichtig erhältlich). Layard ist ein renommierter Ökonom an einer Londoner Wirtschaftsschule der LSE, außerdem langjähriger Berater der Blair-Regierung und somit ein Vater des “Dritten Weges” bzw. der “Neuen Linken”, der in der letzten Zeit mit dem jetzt auch ins deutsche übersetzten Buch “Die Glückliche Gesellschaft” Aufsehen erregt hat.
Insbesondere die deutsche Presse jubelt über die Layards Thesen, die angeblich zu einem “radikalen Kurswechsel” der Politik aufrufen, indem er eine “neue große Vision” entwickelt: im Zentrum soll nicht mehr das Wirtschaftswachstum stehen,sondern “der Mensch”, bzw. eben das Glück. Schon der Klappentext lässt schlimmes ahnen:

“Wir sind eine Wohlstandsgesellschaft – eine glückliche Gesellschaft sind wir nicht. Stress, Angst und Unsicherheit bestimmen unser Leben auf der Jagd nach Geld und Erfolg. Schuld ist die einseitige Fixierung auf ökonomisches Wachstum, die Politik und Wirtschaft bestimmt. Mit seinem Blick auf das Glück der Menschen stellt sich Richard Layard radikal quer zu seiner Zunft und zur herrschenden Politik. Er macht konkrete und unbequeme Vorschläge für einen Politikwechsel. Auf der Grundlage umfangreicher empirischer Studien geschrieben, ist sein Buch ein Plädoyer gegen die Herrschaft der Ökonomie über unser Leben, ein dringender Appell zum Handeln und eine neue große politische Vision, deren Kern das Glück der Gesellschaft ist.” (libri.de)

Da schwebt dann dem momentan vielleicht etwas bedröppelten SPD-wählenden Journalisten Layard gleich einem Ritter auf dem weißen Hengst des Wirtschaftsverstandes vor Augen, der herbeigaloppiert, um uns alle vor den bösen
Heuschrecken und Neolibs zu retten. Er will unser Glück, alle anderen wollen nurWachstum!
Diese Begeisterung geht wohl etwas an der eigentlichen Frage vorbei. Das Ziel fast aller politischer Visionäre ist das “Glück der Gesellschaft” (zumindest seit dem Siegeszug des Utilitarismus). Nur glaubt jeder, es auf eine andere Art und Weise am besten erreichen zu können: der eine versucht das eben über möglichst hohes Wirtschaftswachstum, der andere mit Bierdeckeln oder 25% oder Freibier, manche probieren’s mit einem Blitzkrieg, und der nächste – nämlich
Layard – mit dem Hinweis, dass niedrige Steuern und hohes Pro-Kopf-Einkommen nicht alles sind.

…is a high tax rate

Und das geht so: Glück, sagt Layard, hat nichts mit dem absoluten, sondern mit dem relativen Einkommen zu tun. Das heißt: in einer Gesellschaft, in der alle anderen von 1000 Dollar im Monat leben, werde ich mit 1500 glücklich sein; in einer Gesellschaft, in der alle anderen 5000 Dollar verdienen, machen mich meine 1500 nicht sehr froh. Das bedeutet, dass eine Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens in einer Gesellschaft für manche sogar negative Effekte haben kann (die altbekannte “Soziale Schere”). Zweitens passen sich Leute an ein erhöhtes Einkommen an: ihre Vorstellung davon, was ein “angemessenes” Einkommen ist, verändert sich nach oben, je nachdem, wie viel sie verdienen. Das kann -weil Menschen ihre sich stetig erhöhenden Erwartungen nicht antizipieren – in Wohlstandsgesellschaften zu einem “Rat Race” führen: ein Nullsummenspiel, bei dem alle für mehr Einkommen rackern und rackern (und dabei andere Glücksfaktoren wie fressen, saufen, f Familie, Freizeit etc.
vernachlässigen), ohne tatsächlich eine Steigerung eines individuellen Glücks zu erreichen. Damit bleibt dann auch – trotz gestiegenem Pro-Kopf-Einkommen – das Glück der Gesellschaft auf der Strecke.
So  erklärt Layard, warum (angeblich) in den Wohlstandsgesellschaften das Glück in den letzten 50 Jahren nicht gestiegen ist, obwohl das Pro-Kopf-Einkommen in die Höhe schnellte.  Und damit erklärt sich auch, warum hohe Steuern glücklich machen: einerseitskönnen sie für Umverteilung und damit für eine Vermeidung der “Sozialen Schere” sorgen, andererseits nehmen sie den Leuten die (fehlgeleitete) Motivation, mehr zu arbeiten, als gut für sie ist, und verhindern so das “Rat Race”.
Tim Worstall, Erfinder des Economic Idiot Award, bemerkt dazu boshaft:

“…his central thesis seems to be that marginal tax rates should be 60%. This is based on the ideas that, one, you are too dim to understand work/life balance so we should tax you 30% if you work too much and two, that if you go ahead anyway and make more others will get jealous, so we should tax you another 30%. About the only positive thing I can say about this at present is that it is nice to have it proven that the Third Way really is based upon stupidity and envy. ” (link)

Ja, und natürlich gibt es auch schon Libertarians, die auf den “Happiness”-Zug aufspringen, den Layard ins Rollen gebracht hat, und behaupten, ökonomische Selbstbestimmung mache Leute noch glücklicher als hohe Steuern, und außerdem sei es gar nicht die Aufgabe des Staates, Glück herzustellen, sondern nur, die Ausgangsbedingungen für die Verfolgung des eigenen Glücks herzustellen:

“Research tells us that optimism works. People who think that they are in control of their lives go on to be more successful than others, whereas those who indulge in victimisation and think that someone else is to blame for their problems are most often proven right in their pessimism. Creating the paternalist institutions that Layard and others propose would be a way of depriving us of freedom, and the sense of control, and therefore probably also of happiness.” (Johan
Norberg, The Scientist’s Pursuit of Happiness
)

So. Wie schon mein (und übrigens auch Layards) großes Vorbild Jeremy Bentham sagte: “Happiness is a very pretty thing to feel, but very dry to talk about.”
Und deshalb solls das für heute erstmal gewesen sein von der Glücks-Debatte.

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Face it

Amerikanische Wissenschaftler planen, die weltweit erste Gesichtstransplantation durchzuführen. Vielleicht ist das auch eine Lösung für das deutsche Wahldebakel: Merkel könnte bei einer Neuwahl als Schröder kandidieren. Oder andersrum!

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Wahlkrampf

Nachdem sich ja heute anscheinend wirklich jeder Grattler zur politischen Lage äußern darf, soll auch mein Händlmaier nicht fehlen. Ich packe als Überschrift einen ächzenden Kalauer aus und los gehts: Mann, mann, mann, so wird das nichts! Was Deutschland fehlt, ist doch zunächst mal ein zünftiger Experte. Hätte die Merkel mal lieber so jemanden wie Paul A. Samuelson gefragt (lesen!). Gegen so ein Genie – sieht man nämlich schon an der Fliege, der Brille und den sicherlich vorhandenen Experten-Hosenträgern – kann doch dieser reaktionäre Professor aus Heidelberg einpacken! Ach so, hat er eh schon. Na ja.
Und wer hat jetzt noch Visionen? Nur noch der Schröder! Wenn der weiter die Drogen nimmt, auf denen er gestern war (hab mir grad nochmal die Elefantenrunde reingezogen), dann fängt der spätestens nächstes Jahr einen Angriffskrieg gegen die U.S.A. an. Aber den größten cringe-Faktor hatte für mich eindeutig dieses minutenlange “Angie, Angie”-Mantra, das in den Unions-Baracken vor einer vollkommen charisma-freien, unbeteiligt wirkenden Frau abgesungen wurde. Was sind das für Menschen? Wenn es in dieser Sekte wenigstens Sex-Orgien gäbe, dann könnt ichs ja noch verstehen, aber so…
Wie auch immer, man soll positiv denken. Erstens: Ich alte Sammlerin bin mir so gut wie sicher, dass diese Woche in der Hitze des Gefechts noch jemandem ein Nazivergleich rausrutscht (bitte melden!). Zweitens: mein Wahlkreis hat zu meiner vollsten Zufriedenheit gewählt, wenn man mal von den peinlichen Max-E-Ausrutschern absieht. Drittens: Es gab einen Anzapfrekord! Wenn das nichts ist…

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Wohnungslos damals und heute

Ist das jetzt spontane Sympathie aufgrund drohender eigener Betroffenheit? Jedenfalls hat Herr B. einen Riesen-Artikel über den Umgang mit Wohnungslosen in der NS-Zeit für die taz verfasst, dessen Lektüre ich euch ob des leider kaum bekannten Themas sehr ans Herz lege.
Zu meiner großen Freude versteckt sich unter “Wohnungslose heute” sogar noch ein kleiner, süßer Nazi-Vergleich, der hiermit in meine Sammlung aufgenommen wird:  “Mit den so genannten “Ein-Euro-Jobs” werde “der NS-Reichsarbeitsdienst in
einem neuen Gewand eingeführt”, meinte Thüringens DGB-Chef Frank Spieth im
Sommer 2004 in Bezug auf das Hartz-Gesetz.”

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Google Blog-Suche

Schon wieder so was langweiliges computriges. Wahnsinn, wie die ihre Betas raushauen…

Falls ihr es noch nicht kennt: Google Blog-Suche.
Die findet schon so manches Blog, egal, in welchen obskuren Ländern der Autor sich gerade versteckt hält (meins allerdings nicht).

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Die Spannung steigt!

In 10, halt, 5 Minuten stellt Bill Gates das neue Betriebssystem Windows Vista vor. Gespannt sitzen alle Geeks der Welt vor dem Keynote-Stream. Also bis auf die Frustrierten, die sich auf Linux und andere extremistische Betriebssysteme
stürzen. Was ich jetzt schon sagen kann: ja, die spielen gerade ernsthaft “Staying Alive”. Ob sich das irgendwie auf die langsam heftige Konkurrenz mitGoogle bezieht? Oder auf die Verwunderung, dass sowas g’lumperts wie Windowsimmer noch am Leben ist? Und ja, es sieht echt genauso aus wie OS X! Und damit ist ja endlich klar, dass ich mir kein IBuch mehr kaufen muss…

Update: toll, Windows Vista hat sogar Widg…äh, ich meine “Gadgets” mit “beautiful animations”, die mich irgendwie…an irgendwas erinnern. Lasse mir übrigens das Wortspiel “Hasta la vista” gleich patentieren.

Update:  IE hat jetzt tabbed browsing. Mann, wie die auf so ne tolle Idee gekommen sind? Kann mich nicht erinnern, sowas jemals zuvor…obwohl…vielleicht doch? Wo war das nochmal…

Update: Wahnsinn, IE erkennt jetzt automatisch RSS-Feeds auf Webseiten! Das bietet jetzt aber wirklich kein anderer Brows… äh.. obwohl…

Update: In Office 12 schaffen sie die Menüs ab. Und alles wird mehr oder weniger übersichtlich. Damit gehören dann wohl auch vertraute Dialoge wie: “Jetzt gehst du zu Einstellungen, und dann zu…” – “Was? Einstellungen? Das steht da nicht? Wie soll ich da hingehen…” verloren. Und wir jungen Leute werden noch weniger Worte mit unseren Eltern wechseln…

Update: Übrigens, wenn Bill Gates eine Inkarnation des Bösen sein soll, dann muss man schon erstaunt sein, welche Formen sich der Sparifankerl geben kann. So eine anal-retentive Körpersprache, so schlechte Witze, so langweiliges Gelaber, so spießige Powerpoint-Folien, kein bisserl Charisma: würde Satan wirklich so auftreten? Oder ist das jetzt die Banalität des Bösen?