Yes! We Have Bananas

Zur Feier der Deutschen Einheit ist traditionell der Verzehr einer berüchtigten Frucht angesagt:  Musa paradisiaca sapientum. Und ein ganz verwestlichtes Rezept brauchen wir, nehmen wir also eins aus dem Herzen des Kapitalismus: Banana Bread, das verwirrenderweise kein Brot ist, sondern eher ein Kuchen. Dafür vermischen wir 200g weißes und 75g Vollkornmehl mit 2 TL Backpulver und 1/2 TL Natron sowie einer Prise Salz, dazu kommen ca. 100 g weißer, 40g Vollrohr- und 10g Vanillezucker. Dann werden in einem Topf 100 g Butter und 75g Peanut Butter in etwa 80ml Milch geschmolzen. Etwas abkühlen lassen, 2 Eier dazu  und verrühren. Und jetzt das Wichtigste:  3-4 dekadent-überreife Bananen!

Diese krummen Symbole des Freien Marktes – und jetzt werden sich auch die Altkommunisten unter meinen Lesern freuen! – aggressiv mit der Gabel zermatschen. Wer sich nach noch nicht mal 20 Jahren mit Bananen noch nicht so richtig auskennt, dem sei gesagt: auf jeden Fall schälen! Schließlich ganz am Schluss, wenn der Ofen schon vorgeheizt und die Kastenform vorbereitet ist, die flüssigen Zutaten mit einem Holzlöffel unter die trockenen rühren (nicht zu lange, Klümpchen sind ok), die Bananen dazu, wenn man will auch noch ne Hand voll Walnüsse, und alles bei 180° C etwa eine Stunde backen:

Das Brot eignet sich, da es nicht zu süß ist, gut fürs Frühstück. Und zum Backen brauchts natürlich einen Soundtrack:

Dieses Lied gabs unter dem Titel “Ausgerechnet Bananen” übrigens auch als deutschen Schlager – adaptiert wurde es von Fritz Löhner-Beda. Bei Lektüre seines Lebenslaufes vergeht einem die Lust auf Einheitsfeiern allerdings gründlich. Eine neuere Adaption dürfte leider wesentlich bekannter sein: der idiotische 5-Minuten-Terrine-Werbesong…

The Power of the Yodel, die Fünfte

Ich sags Euch, für dieses Thema brauch ich jetzt langsam eine eigene Kategorie (hallo, IT?) – also jedenfalls, ein wunderbarer Jodelsong, der auch textlich wunderbar zum eben verstrichenen Wahlkampf passt (Red Klartext, Mädel). Außerdem ist zumindest dieses Video davon – genau wie die neue Regierung – sowas von Retro.

Der Aaron Neville singt wirklich so, also in echt. Laut Wikipedia ist das sein persönlicher “Vibrato-Gesangsstil … der durch Gene Autrys Jodeln beeinflusst ist”. Für meine unprofessionellen Ohren hört sich das ja fast schon nach Melodyne an (bekannter ist das unter dem Namen “Cher-Effekt”, aua). Egal, mit dem Neville steht jedenfalls fest: Jodeln kann man man nicht nur in den Bergen, sondern auch in New Orleans.

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The Power of The Yodel

Der nächste Beleg für Cohu’s These zur Coolheit des Jodelns (Cohu berichtete): Wylie Gustafson. Dieser geborene Montanese (Montaner? Montanianer? Egal) in vierter Generation ist Jodler von Herzen, und in dieser Eigenschaft sogar Autor des Buchs How to Yodel: Lessons to Tickle Your Tonsils and Funnybone. In den ersten Sekunden dieses Videos über ihn wird dem geneigten Leser, so er denn seine Lautsprecher eingeschaltet hat, auch klar werden, warum Herr Gustafson – mit seiner zwar beeindruckenden, aber doch sicher nicht weltklassemäßigen musikalischen Begabung – auch weit über die Grenzen seines derzeitigen Wohnorts Dusty, Washington bekannt ist:

Der Yahoo!-Jodler ist sein einziger großer Hit – aber was für einer! 1996 bekam er laut NYT für seinen eleganten Falsettruf 590 Dollar vom Startup Yahoo. Zwei Jahre später fiel ihm auf, dass Yahoo inzwischen nicht mehr so klein war – und sogar einen Werbespot, mitsamt Marken-Jodler, beim SuperBowl untergebracht hatte (der begehrteste Werbeplatz der Welt, behaupten manche, auf jeden Fall eine Riesensache!). Gustafson bat, etwas erstaunt, um nachträgliche kommerzielle Beteiligung und bekam von Yahoo ein Angebot über sage und schreibe nochmal 590 Dollar – was ihn nicht gerade milde stimmte (Naja: Don’t mess with Cowboys). Er verklagte die Firma wegen Urheberrechtsverletzung auf 5 Millionen Dollar und erhielt ein Vergleichsangebot unbekannter Höhe, das ihn aber jedenfalls zufrieden stimmte.

Wen das alles nicht beeindruckt und wer immer noch daran zweifelt, dass Jodler rocken, der kann Herrn Gustafson ja mal beim Kühehüten zusehen – ohne Zügel, wohlgemerkt.

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Jodeln rockt, zum Dritten

Teil 1, Teil 2, und hier Teil 3 – Hank Williams’ Lovesick Blues, der von manchen für den besten Country-Song aller Zeiten gehalten wird:

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Männer damals und heute

Während Cohus Aufenthalt in der Sommerfrische empfehle ich zum Zeitvertreib die exzellente Seite stagmags.com (via Metafilter). In diesem Archiv finden sich Scans von amerikanischen Herrenmagazinen der 50er und 60er. Ein Genuss nicht nur für Freunde des Pin-Up, sondern auch aus kulturgeschichtlicher Perspektive sehr sehenswert: während heutige Männermagazine hauptsächlich asketisch/athletische Anleitungen für den Aufbau von Bauchmuskulatur und Karriere bieten, gabe es damals noch Richtige Männer, Echte Männer, Berichte aus der Natur, über politischen Extremismus, Ethnologisches, ferne Länder und Zoologie, ja, sogar Kleintiere und Kleinsttiere!

Zum Kontrast – was bietet die aktuelle GQ? Männerleggins und iPod-Krawatten. Ja servus!

Californiliquidation

Ein sueddeutsche.de-Kommentar versucht heute, das kalifornische Finanzdebakel zu analysieren. Hm, also, wenn ich den Kommentar, nach einiger Überlegung und wiederholtem Lesen, richtig verstehe, dann… hmmmm….hat auch der sz-Kommentator eigentlich keine Ahnung, warum es so gekommen ist, findet Schwarzenegger aber irgendwie diffus doof, weil der mal im Kino war.

Wen die Frage trotzdem noch interessiert, der kann ihr bei reason nachgehen: unterhaltsamer, polemischer, argumenthaltiger und passenderweise in Videoform, präsentiert vom einzig wahren Lederjackenlibertarian Dr. Nick Gillespie.

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Kreativer Gegenschlag

In einer Kultur, in der freie Meinungsäußerung nach Art des First Amendment verstanden wird, kann man Nazis nicht mit plumpen strafrechtlichen Mitteln begegnen: man braucht etwas mehr Kreativität. Als daher eine Neonazigruppe in der amerikanischen Stadt Springfield die Patenschaft für einen Highway übernahm, konnte man sich dagegen nicht direkt wehren, denn, so berichten die Buffalo News:

"…membership in the Adopt-A-Highway program can’t be denied because of a group’s political beliefs."

Stattdessen überlegte man, was die Nazis wohl besonders ärgern würde:

"Lawmakers responded with an amendment to a large transportation bill that would rename that section of road after Abraham Joshua Heschel, a rabbi who narrowly escaped the Nazis in World War II and later marched with the Rev. Martin Luther King Jr."

Insgesamt ein wirklich kreativer Gedanke. Die Bedenken der Tochter des Rabbis, der Name ihres Vaters würde dadurch instrumentalisiert und in den Schmutz gezogen (und der Highway von trotzigen Nazis vernachlässigt), kann man allerdings auch nicht ganz von der Hand weisen…

(Um welche Organisation es sich bei den wohltätig müllsammelnden Nazis genau handelt, ist in Deutschland nur nach umständlicher Überwindung eines Google-Suchergebnisfilters via Chilling Effects herauszufinden. Vielleicht sollte man hier auch ein paar warnende Stoppschilder aufhängen, damit nicht unbescholtene Zufallsnutzer durch Stolpern über Nazipropaganda flugs selbst zu Nazis werden…)

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Soso, ahja,

…1938 konnte man also ein Lied über Marijuana singen, es dabei mit einem Kontrabass treiben – und das Ganze kam dann sogar noch ins Kino:

(Wer sich davon nicht schon beim ersten Hören einen Ohrwurm eingefangen hat, sollte jetzt mal zur Sicherheit seinen Puls kontrollieren.)

Aber, liebe Leser, Hörer und vor allem Zuseher – es kommt noch wilder, und zwar hier:

Alles mit den wunderbaren The Cats And The Fiddle (und im zweiten Video den jodelnden Dandridge Sisters).

Der erste Film entstammt übrigens dem Genre der sich ausschließlich an ein schwarzes Publikum richtenden “race movies”. Der zweite war, meinem Gefühl nach, wohl eher was für Weiße…

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Altersfrage

Im ersten Fall dieser Art hat sich ein amerikanischer Manga-Sammler schuldig bekannt, für den Aufbau einer umfangreichen Manga-Sammlung fiktive Kinderpornographie aus Japan importiert und im Besitz genommen zu haben. Nach einem 2003 verabschiedeten Gesetz wird auch fiktive Kinderpornographie verfolgt: der Angeklagte hat also mit bis zu 15 Jahren Gefängnis zu rechnen. (Wired-Artikel dazu). In Deutschland ist sowas auch strafbar ("kinderpornographischen Schriften … die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergeben").

[Sollte ich wegen Recherche dieser Rechtsfrage, die notwendigerweise die Suche nach zweifelhaften Stichwörtern via Google erfordert, von den Schergen der Zensursula in U-Haft genommen werde, bitte ich meine Leser, mir baldigst einen Kuchen mit eingebackener Feile zuzuschicken. Zur Not auch  Kuchen ohne Feile, solange es nur ein Schokoladenkuchen ist.]

Aber ernsthafte Frage: wie stellt man eigentlich die Volljährigkeit fiktiver Figuren fest? Reicht es, wenn z.B. in einem pornographischen Mangacomic die (fiktiven) vorpubertär erscheinenden Figuren im ersten Bildchen ihren (fiktiven) Ausweis hochhalten, in dem ihr (fiktives) Geburtsalter im einem Jahr vor 1991 liegt? Und wie verfährt man hinsichtlich der Altersfeststellung ausgedachter Personen eigentlich bei so kuriosen Fällen wie Peter Pan oder gar diesem hier:

"Well," gasped Mr. Button, "which is mine?"

"There!" said the nurse.

Mr. Button’s eyes followed her pointing finger, and this is what he saw. Wrapped in a voluminous white blanket, and partly crammed into one of the cribs, there sat an old man apparently about seventy years of age. His sparse hair was almost white, and from his chin dripped a long smoke-coloured beard, which waved absurdly back and forth, fanned by the breeze coming in at the window. He looked up at Mr. Button with dim, faded eyes in which lurked a puzzled question.

"Am I mad?" thundered Mr. Button, his terror resolving into rage. "Is this some ghastly hospital joke?

"It doesn’t seem like a joke to us," replied the nurse severely. "And I don’t know whether you’re mad or not–but that is most certainly your child."

The cool perspiration redoubled on Mr. Button’s forehead. He closed his eyes, and then, opening them, looked again. There was no mistake–he was gazing at a man of threescore and ten–a baby of threescore and ten, a baby whose feet hung over the sides of the crib in which it was reposing.

The old man looked placidly from one to the other for a moment, and then suddenly spoke in a cracked and ancient voice. "Are you my father?" he demanded.

Mr. Button and the nurse started violently.

"Because if you are," went on the old man querulously, "I wish you’d get me out of this place–or, at least, get them to put a comfortable rocker in here," 

(The Curious Case Of Benjamin Button. F. Scott Fitzgerald)

Die Juristen können sich glücklich schätzen, dass Herr Fitzgerald nicht auf Pornographie spezialisiert war…

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Florida

Ein Klick auf das Bild führt den interessierten Leser zu einem Florida-Bilderalbum (links oben auf der Picasa-Seite ist dann auch gleich der Link zur Slideshow, inklusive Cohu-Kommentare). Hereinspaziert! Bestaunen Sie auf sage und schreibe fünfundneunzig Fotos die wildeste Wildnis und die zivilisierteste Zivilisation. Alligatoren! Der Sinn des Lebens! Katzen! Sexshops! Seekühe! Es ist für Jeden was dabei (ok: viele Vögel. Aber nicht nur.)