Tausend Jahre Lesezeit

Der Vorschlag kann ja auch nur von SPON kommen: wenn sich so langsam die E-Reader durchsetzen, so bemerkt das renommierte Qualitätsblatt, sei es Zeit für neue literarische Formate. Kurzgeschichten, Erzählungen und sonstiges Kleinzeug seien ideal für das Kindle:

"Dabei könnte die Kurzgeschichte als 99-Cent-Download ganz neue Fans finden. Hier könnte man Texte verkaufen, die es nie in eine Buchhandlung schaffen würden. Und wenn doch, dann nur gut getarnt in einem Sammelband: Erzählungen, literarische Reportagen, Glossen, Essays, Kurzgeschichten." (SPON)

Der 280-Seiten-Standard-Roman sei schließlich lediglich ein Produkt marktwirtschaftlicher Zwänge und nicht notwendigerweise das Non-plus-ultra der Literatur. In diesem Punkt gebe ich dem SPON-Autor recht, aber er zieht natürlich, vom zeilenbezahlten Kurztexteralltag verblendet, die vollkommen falschen Schlüsse aus seiner Beobachtung.

Marktwirtschaftliche Zwänge haben es bis jetzt verhindert, dass wirkliche Romane veröffentlicht werden – damit meine ich 800 Seiten aufwärts. Wenn aber das Kindle die Kosten für lange Texte abschafft, brechen goldene Zeiten an für Leser und Autoren. Warum musste Melville seinen Moby-Dick auf popelige 536 Seiten beschränken? Eine zeitlose Geschichte erfordert mehr Raum, die Cetology ist kurz gefasst und wichtige Details fehlen. Warum ist Donna Tartts großartiger "Little Friend" schon nach 555 Seiten vorbei? Köstliche Spannung, aber doch etwas übereilt. Und warum kann man sich in einen genialen Wolfe wie "A Man In Full" nur viel zu kurze 742 Seiten lang vergraben? Bei so wenig Raum ist es nicht verwunderlich, dass der Weißgewandete einen etwas überstürzten Schluss an dieses Meisterwerk hängen musste. Schreib’s nochmal, Tom! 1000, 2000, 3000 oder 10.000 Seiten – wenn das Kindle sich durchsetzt, werden die literarischen Genies der Zukunft keine Grenzen mehr kennen.

Man sollten dann allerdings darüber nachdenken, dem Gerät einen Netzanschluss zu verpassen. Schließlich wollen wir nicht schon nach einer knappen Woche Lesen von einer blinkenden Batterieanzeige gestört werden.

(Das Bild zeigt Bücher aus der Bibliothek des Merton College, Oxford. Tom Murphy VII, Wikipedia)

Panopticon

Jahrzehntelang gänzlich unbeobachtet am Schreibtisch schmoren und sich in der viel zu kurzen Mittagspause dann auch noch von den Kollegen Tesa und Traube-Nuss aus der Schublade klauen lassen? Eine wahre Horrorvorstellung, wie schon Jeremy Bentham wusste!

Hier kann man sich zur Abhilfe eine schöne Überwachungskamera aus Papier basteln. Derart sicherheitstechnisch ausgerüstet kommt man sich 1. wesentlich wichtiger vor und 2. schützt den Arbeitsplatz vor diebischen Elstern. Ein voller Erfolg!

(Bild: Deutsches Institut für Normung/Wikimedia Commons)

Kinoun akineton

Simulationsobjekt
Articulatio composita

Der moderne Mensch steht, wie es so vielfach von besorgten Mitmenschen beklagt wird, unter dem Beschuss eines enormen, immer weiter um sich greifenden Konsumterrors. Während sich der Homo Sapiens in der Vergangenheit mit Kinkerlitzchen wie Säbelzahntigern und natürlichen Geburten die Zeit vertrieb, ist er heute ein Gehetzter, ein Getriebener der eigenen Affluenz. Und während er also, letztlich ahnungs- und willenlos, durch das Jammertal des Wohlstands wankt, tappt er in manchen Konsumfalle, vor die ihn nicht einmal die menschliche Eigenart der Vernunft bewahren kann.
Zur Veranschaulichung der Gefahr: Schon im 18. Jahrhundert erfand Monsieur Perrelet handliche Zeitmesser, die sich, durch die kleinen Alltagsbewegungen des Handgelenks getrieben, immer wieder selbst aufladen – Triumph menschlicher Ratio! Wer eine solche Uhr hat – so denkt man, wenn man den Mechanismus des Konsumterrors noch nicht kennt – wer eine solche Uhr besitzt, dessen Bedürfnisse müssen restlos befriedigt sein. Nie wieder den Kopf in Richtung Sternenhimmel drehen, an winzigen Rädern wuzeln, Batterien kaufen oder gar auf den Sonnenaufgang warten. Die Zeitfrage ist ein- für alle mal geklärt, der Kopf des Uhrträgers nun frei für Wichtigeres (z.B. Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit o.ä.).
Doch weit gefehlt. Konsumterroristen sind ja keine RAF, die gleich den Schwanz einzieht, nur weil sie mal ein paar Jahre lang ein bisserl überflüssig wirkt – neinnein. Im Jahre 2009 bietet also die Firma Pro-Idee ein Gerät feil, das "die Bewegung Ihres Handgelenks simuliert" und so "Ihre wertvollen Chronometer automatisch in Gang hält" (automatisch-automatisch, möchte man hinzufügen!). Der "präzise Uhrenbeweger für bis zu 3 Automatikuhren gleichzeitig (Mit Innenbeleuchtung)" ist nicht nur "Kein Vergleich zu einfachen Uhren­bewegern", nein, er kostet auch nur schlappe 269 €!
Feinden der Entfremdung, der Entsagung von den Wurzeln, der Vertreibung aus dem Paradies der Mutter Erde muss dies ein tief eingebohrter Dorn im Auge sein. Lebten wir noch in einer organischen Beziehung zu unserer Umwelt, ohne freien Markt, Fortschrittswahnwitz und anonyme, unpersönliche Internetversender, bliebe uns die Bürde dieses geschmacklosen Produktes erspart. Und wir könnten in unbedarfter Fröhlichkeit (mit der einen oder anderen Keule oder angespitzten Stöcken bewaffnet) schwächere Mitmenschen versklaven und ihnen unsere Uhren an die Arme zu schnallen, statt mit derart holprigen Simulationsgeräten vorlieb nehmen zu müssen. Auf sowas fällt eine anspruchsvolle Automatikuhr doch nicht rein, da hilft aller Klavierlack nix!

(Bild: Gray’s Anatomy/Wikimedia Commons)

Spültrieb

Dieser Monat steht immer noch im Zeichen der Energieeffizienz. Und so ist im Hause Cohu inzwischen ein großartiger Siemens-Geschirrspüler tätig, der die Cohu-Eigene Handspülmethode ("Kochend heißes Wasser 3 Stunden laufen lassen und ab und zu mal nen Teller drunter halten") um Längen schlägt. Der Wasser- und Stromverbrauch liegt bei diesen potzblitzgescheiten autoprogrammversehenen Wunderwerken deutscher (?) Ingenieurskunst inzwischen im einstelligen H2O-Molekül bzw. Elektronenbereich. Eigentlich hätte man uns das Ding staatlich subventionieren müssen. Der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben: Cohu ist hin und weg von der Genialität der heutigen Spültechnik, von Rackmatic über VarioSpeed und Dosierassistenten bis zur Perpetuum-Mobile-Verdächtigen Zeolith-Trocknung. Wenn Siemens Autos bauen würde, könnten die schon längst nicht nur selbst einparken, sondern auch einen Parkplatz finden. Und dabei Benzin produzieren statt verbrauchen. (Selbst ich würde allerdings nicht so weit gehen, meinen Desktophintergrund mit einem Spülmaschinen-Wallpaper zu verzieren…).

Leider wurde aller Effizienzgewinn dadurch zunichte gemacht, dass Cohu die im jetzt zum Spülgebiet deklarierten Unterschrank befindlichen Viktualien umlagern musste, was den Bau eines IKEA-Küchenschranks erforderlich machte. Sagen wir nur soviel: er ist noch nicht ganz fertig.

(Bild: Bundesarchiv/Wikimedia Commons)

Für die Sportler unter meinen Lesern

Immer wenn ich an einem Fitnessstudio vorbeikomme, tun mir die armen Menschen leid, die dort hinter Glas auf tretmühlenartigen Geräten laufen und doch keinen Meter vorankommen. Bewegung an sich ist ja schon unschön – aber dann auch noch statt frischer Luft die Ausdünstungen anderer sich Quälender einatmen und statt Vogelgezwitscher und Hundegebell MTV-Geplärr und Börsenticker? Nein danke… Gottseidank haben nun amerikanische Ingenieure eine elegante Lösung für dieses vertrackte Problem gefunden. Seht selbst:

Pling

Ein kleiner Tipp noch an alle Trambahnfreunde: einen vorzüglichen Handyklingel- oder SMS-Ton kann man sich auf dieser Seite holen. Ich mag ja am liebsten die sog. “Entwerterglocke”, auch bekannt als “PLING”.

So, jetzt aber auf nach dahin!

Ist er nicht süß?

Aber leider nicht meiner.

Ruhig schlafen

Cohu hat ja, was das Horrorszenario "Datenverlust" angeht, lange mit Selbstgebranntem gearbeitet, nicht in alkoholischer, sondern CD-Form natürlich (wobei erstere bei Schlafstörungen ja auch helfen soll). Aber mal ehrlich: jeden Tag macht man das dann doch nicht, was in arbeitsintensiven Zeiten sehr riskant sein kann. Nun habe ich, nach einigen Versuchen mit anderen Lösungen, auf Carbonite umgestellt. Einmal installiert schickt das Programm unablässig alle veränderten Daten auf den firmeneigenen Server, und zwar verschlüsselt und (soweit ich weiß…) ohne Volumenbegrenzung. Es ist kinderleicht einzurichten und arbeitet vollkommen unauffällig im Hintergrund, was man ja von vielen anderen Schrottprogrammen leider nicht sagen kann…

Cohus Bonus-Tipp: der Fremdprachenbegabte spart sich ca. 17 Euro, wenn er statt dem deutschen das englische Programm auf der US-Seite von Carbonite kauft, da kostet es nämlich fuffzich Dollar statt fuffzich Euro pro Jahr. Skeptiker können es übrigens auch erstmal 15 Tage umsonst testen.

(Bildausschnitt: Gustave Courbet, Die Hängematte, Wikimedia Commons)

Birdwatch reloaded

Beim Titel fällts mir ein, hat eigentlich jemand den Film “Matrix” gut gefunden? Habe ihn erwartungsvoll am Freitag angesehen und fand ihn (bis auf die Szene wo er aus dem Tank hüpft!) ganz ganz grauenhaft schlecht. Vielleicht eher was für kleine (und große) Buben? Finden die Damen bzw. die an Herren interessierten Leser diesen Typen wirklich gutaussehend? Mir ist ja z.B. Dr. House deutlich lieber, kann aber auch an meiner hypochondrischen Veranlagung liegen.

Aber es ging ja um was ganz anderes. Cohu war in ihrer Jugend, wie evt. schon mal erwähnt, eine große Vogelbeobachterin. Der Sonntagmorgen wurde trotz meiner niederbayerischen Jugendheimat nicht etwa dem Kirchenbesuch, sondern bei jedem Wind und Wetter der stillen Andacht vor der Vogelfreistätte Mittlere Isarstauseen gewidmet. Leider zog ich ja irgendwann in die Großstadt, und ohne Auto kommt man zu den meisten Vogelbeobachtungsgebieten einfach sehr schwer. Dann ging auch noch mein billiges, aber gutes “Carena”-Fernglas kaputt, und Cohu war auf freiäugige Beobachtung angewiesen, besonders schlecht, wenn man von Haus aus ein sog. Siebendioptrienblindfisch (Maloculus Septicus) ist. Mehr als ein paar isarbasierte Eisvögel oder Wasseramseln und gelegentliche Hausbesuche waren also nicht drin. Aber nun!

Meine Eltern haben mir dankenswerterweise dieses (antike?) Agfa-8x30er-Glas überlassen. Es ist ein wenig milchig, aber dafür hat es einen robusten Retro-Charme und ist sehr leicht. Nun steht einem baldigen Besuch am Ismaninger Speichersee oder im Murnauer Moos nichts mehr im Wege! In meinem Jonsson sind nämlich noch verdächtig viele nicht abgehakte Einträge…

Ein bisschen schwach ist 8×30 ja schon. Und es ist auch tatsächlich so, wie der Herr Dr. passend bemerkt, dass eigentlich überall der gewinnt, der den Größten hat – so auch beim Birdwatching. Deshalb habe ich – für den Fall der Fälle –  noch zünftige Ausrüstungsalternativen!

Wachtelkönige und Waldschnepfen, zieht euch warm an. Ihr werdet Euch bald vorkommen wie im falschen Film.

Und noch ein klimafreundliches Gefährt…

…für die Gartenfreunde unter meinen Lesern – das Mowercycle! Ich für meinen Teil würde es zu gerne mal ausprobieren, und kann mir vorstellen, dass in Familien mit Kindern in Alter von 12-22 damit die Frage “Wer muss den Rasen mähen?” dauerhaft umgewandelt werden könnte in “Wer darf den Rasen mähen?”. Zumindest, wenn das Ding tatsächlich funktioniert.

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