Explosiv

Dank modernster Technik konnte dieser junge Mann schon im Jahre 1950 seine Hose anbehalten! (Bild: Bundesarchiv)

„Die Sicherheitsbehörden interessieren sich doch nicht für primäre Geschlechtsmerkmale von Flugpassagieren, die interessieren sich zurecht dafür, was trägt jemand verborgen am Körper an gefährlichen Gegenständen und das muss technisch ausgereift sein, das ist es noch nicht. Die Privatsphäre des Menschen muss gewahrt werden und ich bin der festen Überzeugung, dass das technisch möglich sein wird (…)“

Warum diese Äußerungen von Herrn Wiefelspütz im Deutschlandfunk so zusammengefasst werden, als sei er ein tapferer Kämpfer gegen den Sicherheitswahn, verstehe ich nicht ganz. Ich höre da was ganz anderes, nämlich, dass er der Meinung ist, man müsse lediglich noch tollere Geräte entwickeln, dann sei das alles kein Problem mehr:

“Die Privatsphäre des Menschen muss gewahrt werden und ich bin der festen Überzeugung, dass das technisch möglich sein wird (…) Das wird erreicht werden müssen, das haben wir heute noch nicht. Wir haben solche Scanner noch nicht und wir brauchen sozusagen eine Weiterentwicklung dieser Technologie und sie muss dann verantwortbar sein.”

Herr Wiefelspütz glaubt also, dass sich Scanner entwickeln lassen, die an und in(*) allen Körperregionen Sprengstoff finden können und gleichzeitig den Sicherheitsbehörden nicht erlauben, die Fluggäste nackt zu sehen oder ihre Privatsphäre sonstwie zu verletzen. Ich glaube, ich weiß auch schon, wie diese Geräte funktionieren werden – man braucht lediglich eine geringe Menge Unobtainium

Ich habe dazu ja einen ganz anderen Ansatz. Installiert die Nacktscanner. Und dann sollten die Sicherheitsbehörden verpflichtet sein, jeden – wirklich jeden! – Fluggast vollständig nackt mindestens drei Minuten lang zu studieren. Inklusive Herrn Wiefelspütz’ Schniedelwutz. Als regelmäßige Besucherin eines öffentlichen Schwimmbades bin ich der festen Überzeugung, dass selbst der schäubleskeste Sicherheitsfanatiker an einem solchen Procedere nach wenigen Tagen jeden Spaß verlieren würde, schließlich zu Besinnung käme und einsähe, dass man sich das ganze Theater auch sparen kann:

“Our current response to terrorism is a form of “magical thinking.” It relies on the idea that we can somehow make ourselves safer by protecting against what the terrorists happened to do last time.”

(Bruce Schneier: Is aviation security mostly for show?)

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Die neuen Feed-Adressen…

sehen so aus:
https://cohu.de/feed/ (Blogfeed)
https://cohu.de/comments/feed/ (Kommentarfeed)

Nun hat Cohu.de auch endlich die lange versprochene Suchfunktion (da drüben auf der rechten Seite). Frohes Suchen! Wer noch auf irgendwelche Anzeigefehler stößt, möge mir bitte in den Kommentaren Bescheid sagen.

Baustelle

Da dieses Blog in den nächsten Tagen zu WordPress.com umzieht, kann es vorübergehend zu Anzeigeproblemen kommen. Unter Umständen kann man die Seite auch mal kurzfristig gar nicht aufrufen. Aber keine Angst – es bleibt bei der altbewährten Domain http://www.cohu.de.

Die Adresse des RSS-Feeds wird sich allerdings ändern, die neue Feed-Adresse gebe ich hier an, sobald ich sie weiß.

Up Yours

Sie war zwar nicht der Grund, weshalb Cohu sich trotz eines mehrwöchigen Tierarztpraktikums lieber für den Erwerb einer vollständig nutzlosen universitären Qualifikation entschied, aber trotzdem: die rektale Palpation gehört definitiv zu den weniger angenehmen Seiten der angewandten Veterinärmedizin. Der Betrachter ist sich hier regelmäßig unsicher, wer von beiden weniger zu beneiden ist: Patient oder Polyethylen-Handschuhträger? Besonders gilt das natürlich für die Übungsphase.

Wie das Leaflet dieses – leicht irreführend betitelten – "Besamungskurses für Rinder" informiert, trainierte man früher, bevor es zur "praktischen Übung am weiblichen Tier" ging, die "Palpation und Insemination am Schlachtorgan", also am Kadaver. Bitte, liebe Leser – damit diese Kuh nicht umsonst gestorben ist, stellen Sie sich das bildlich vor: wie die oberösterreichischen Herren Präsidenten, Doctores und Magistri Viehböck, Schlesinger und Miesenberger sich darum balgen, wer als nächstes das Kuhorgan befummeln darf… 

Zu Übungszwecken waren tote Einzelteile verständlicherweise aber nicht ideal. Hier soll nun, wie Wired berichtet, die sogenannte "Haptic Cow" Abhilfe schaffen,

"…a virtual, touch-feedback device that mimics the feeling of real bovine anatomy, placed inside a fiberglass model of a cow’s rear end."

Vor allem unter Tierschutzaspekten ist das eine gute Entwicklung, denn:

"If a fledgling vet gets too rough and exceeds the number of Newtons considered safe by experienced vets, virtual Bessie will belt out a cautionary “Moo-oo!”"

An mehreren Veterinärausbildungsstätten im Vereinigten Königreich wird der von Sarah Baillie entwickelte  bovine rektale Palpations-Simulator bereits erfolgreich verwendet. Das Modell soll nun auch zur Übung der Erkennung von Koliken am Pferd (der "Equine Colic Simulator" sieht so aus) und der Untersuchung besonders sensibler pelziger PatientInnen eingesetzt werden: Tiermedizin kann doch richtig putzig sein…

(Bild: Bundesarchiv)

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…et dona ferentes

Für den Voll-Nörpel ist ein UKW-Radio nicht genug, und es reicht auch kein Weltempfänger, nein, es muss eine Squeezebox sein. Das dachte sich jedenfalls ein großzügiger Beschenker Eurer Cohu, weshalb sie jetzt mit ihrem Küchenradio nicht nur sämtliche im Internet verfügbaren Radiostreams und Podcasts, sondern sogar den aktuellen Facebook-Newsfeed abrufen kann. Während sie rezeptgetreuen Brotteig in ihre neue, sauerteigfeste Backform oder kunstvoll verzierte Leckereien in ihre neuen Bento-Boxen füllt (in etwa so), wobei sie mit ihrem neuen Schnapp wie durch ein Wunder nicht nur telefonisch, sondern auch per Push-Email erreichbar bleibt. Auch die Nachbarn freuen sich, denn dank eines (so gut wie) neuen Midi-Keyboards bleiben sie von den spätabendlichen Schmerzensschreien des echten Klaviers verschont. Von dem ganzen Stress kann Cohu sich dann erholen, indem sie ein paar Stunden mit Boris Johnson auf dem Sofa verbringt (er stellt sich übrigens gar nicht so blöd an, jedenfalls wesentlich geschickter als seine Schwester).

Wunder der Technik

Mit der Cohu-spezifischen Schwäche für Ingenieurswissenschaften und technischen Erfindergeist dürfte der aufmerksamen Leser mittlerweile hinlänglich vertraut sein. Aber bei der folgenden Hammer-Meldung müsste ja eigentlich selbst der vergeisteswissenschaftlichste, linksbedaumteste Abstraktionsfetischist vor Begeisterung seinen tractatus oder, um mal den guten LW zu schonen, seinen Stapel aus zu Unrecht gemordeten Bäumen fallen lassen:

Wissenschaftler der TU München haben einen Klettverschluss aus Stahl entwickelt!

"Temperaturen über 800 °C oder aggressive Lösungsmittel sind kein Problem für "Metaklett" – und das bei einer Haltekraft von bis zu 35 Tonnen pro Quadratmeter bei Zug parallel zur Klettfläche. Senkrecht zur Klettfläche hält sie immer noch einer Zugkraft von sieben Tonnen pro Quadratmeter stand. Dennoch kann sie jedermann rasch und ohne jegliches Werkzeug lösen und wiederverschließen, wie einen Klettverschluss am Kinderschuh." (TUM-Pressemitteilung)

"Metaklett" hat auch eine eigene Website, und einen Stahl-Innovationspreis gewonnen (auf der Seite gibt es auch ein Filmchen mit Vorführung der verschiedenen Produktversionen: wmv). Wahnsinn.

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Im Reaktor

Auch wenn die Forschungsfragen in der Physik sich manchmal fast so universal anhören wie bei uns Philosophen ("Where did our Universe come from? What is it made of, what are the fundamental forces and structures?") – ist der Besuch des Forschungsreaktors in Garching letzlich doch um ein ganzes Stück interessanter als eine Ontologievorlesung. Hmpf, hab ich jetzt vielleicht doch das Falsche studiert?

Die Forschungsneutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz war zwar nicht in Betrieb, aber die ganze Anlage, inklusive dem unter Denkmalschutz stehenden legendären Atom-Ei (seit 2000 in Rente) lässt auch ohne Neutronenströme das Nörpelherz höher schlagen und reißt selbst die nuklearphysikalisch Unwissende zur Begeisterung hin. Wenn das Oxford University Museum den Titel "Cathedral to Science" verdient hat (Cohu berichtete), dann war ich heute wohl in der entsprechenden Megachurch to Science.

Prof. Dr. Peter Fierlinger war übrigens einer der (sehr netten) Führer durch die Anlage. Am aus geisteswissenschaftliche Perspektive geradezu schockierenden Kontrast zwischen Titel und Person merkt  man ganz deutlich: Atom hält jung!

(Bild: Quarkstruktur des Neutrons. Arpad Horvath, Wikipedia)

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