Vorbereitungen für den Sommer

1. Gestern E-Garten-Saison eröffnet mit einem phänomenalen Thunfischsandwichpicknick an meinem neuen Lieblingsplatz, wo man sogar an einem Sonntag wie gestern ganz in Ruhe und idyllisch im Gras liegen und sich einen Sonnenbrand holen kann, ohne von halbnackten VolleyballidiotInnen genervt oder von rasiermesserscharfen Frisbees getroffen zu werden. Und dann beim Pavillion gesehen: es gibt wieder "Nogger Choc", das legendäre Nogger Choc! Trotz hartnäckiger Rassismusvorwürfe ist es wieder da, das Traumeis, mit altbewährtem Namen. Konnte es leider nicht probieren, da ich schon ein Cornetto gekauft hatte. Hat’s schon jemand versucht?

2. Herr Bajwa aus Berlin hat mir wunderschöne Hausschuhe geschickt – besser gesagt indische Khussa. Trotz meiner abendländischen Breitfüßigkeit passen mir die Dinger und komme mir vor wie Hebbels Odaliske. Vollständig über den Rassismus-Verdacht erhaben ist übrigens auch dieses Gedicht nicht: Nun weist er stumm den Mohren fort / Dem wild das Auge glüht vor Lust – Fürstin Gloria steht in Hebbelscher Tradition! Und dann, es musste ja so kommen – , plötzlich dringt ein jäher Schrei/Von außen ihr ins bange Ohr/Sie ruft verstört, was das denn sei? Und er versetzt: es starb der Mohr! – ein Spruch, der die Odaliske vermutlich vollständig aus den Socken gehauen hätte, hätte sie nicht so toll sitzende Lederpantoletten getragen. Abgesehen von solchen kulturhistorischen Überlegungen sind die orientalischen Schuhe sehr hitzetauglich. Der Sommer kann also kommen.

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Milch für den Menschenpark

Die Firma Parmalat (eine Molkerei, die nördlich der Alpen wie viele italienische Institutionen hauptsächlich durch Skandale bekannt geworden ist), wirft, wie ich gerade im Supermarkt sah, trotz Insolvenz ein sehr erstaunliches Produkt auf den deutschen Markt: eine aus hocherhitzter Milch gewonnene Flüssigkeit mit "1,6 Prozent Fett mit Eisen und Vitaminen", die angeblich "das Wachstum fördert". Das ganze wird vermarktet unter dem Namen "Juniorix."
Cohu staunt nicht nur angesichts der Tatsache, dass sich sowas "Milch" nennen darf, während meine gute "Alpro" sich "Sojadrink" schimpfen muss (EU-Regel: nur Tiersekrete dürfen Milch heißen!). Nein, mich hat zudem das Branding des Parmalat-Wachstumsförderers irgendwie ganz stark an Niederbayrische Nutztierställe und Baywa erinnert. Und in der Tat: es gibt ein gleichnamiges Produkt, ebenfalls für Wachstumsförderung, allerdings bei Pferdefohlen.
Ach, Italien. Bleibe bitte bei: Mozzarella, Brunello, Olivenöl…äh: Parmaschinken.

(Bild: Wikimedia Commons)

Crack in der Türkenstraße

Natürlich nur metaphorisch, liebe Eltern, nur bildhaft gesprochen: der Laden namens Laden, den ich wegen seines doofen Namens neulich mal verspottet hatte, verkauft Kuchen, für die man ein neues Wort erfinden müsste, Extremambrosiawundergigantenphänomen oder Mjammjamaaaaahohhhhh oder so. Das gilt zumindest für den Orangenkuchen, Zitronenkuchen, Schoko-Kirsch und Schokoladenkuchen, die wir bis jetzt probiert haben. Der Preis von 2,50 pro rock Stück passt so ein bisschen zur Eingangsmetapher, ist aber mehr als angemessen. Wer hätte das gedacht: die Konditorei Schneller, besser bekannt als "Oma-Café," kann da tatsächlich nicht mithalten. Das ist wie Ringsgwandl gegen Elvis (ohne jetzt die Ringsgwandlfans aufhetzen zu wollen, aber: der Laden-Kuchen ist wirklich Rock’n’Roll). Als Zusatzbonus wird das Gebäck von zwei sympathischen jungen Burschen verkauft und der Laden ist eigentlich ganz schön (wenn auch mir persönlich einen Tick zu stylish) eingerichtet. Ein Dealer mit Cohu-Prädikat! Und mal ehrlich: wer achtet bei seinem Dealer schon auf den Namen.

Diagnose

Influenza var. salus socolatus: Seltene Erkältungskrankeit, durch einen Erreger aus der Familie Orthomyxoviridae hervorgerufen (Influenza S/München/999/2008).
Symptomatik: Sternutatio convulsiva, Hypersomnie, Pruritus oculi.
Empirie: Die Erreger sterben in Kontakt mit bestimmten Enzymen der Pflanze Theobroma cacao sofort ab.
Behandlung: Die zuverlässigste Wirkstoffkombination ist im Präparat “Cresta” der Firma Lindt & Sprüngli enthalten. Ein erwachsener Patient nehme 3x täglich 3 Eier, und zwar jeweils vor, zwischen und nach den Mahlzeiten. Nebenwirkungen: Karies. Langzeitfolgen: Bei Einnahme über längere Zeit kann sich eine psychische Abhängigkeit vom Präparat “Cresta” einstellen. Abusus ist durch eine strikte Verordnungspraxis entgegenzuwirken (BtM-Rezept in dreifacher Ausführung!).

Zarte Putten in kräftiger Sauce

Als wäre der karfreitägliche Osterzopf nicht lästerlich genug, waren wir jetzt auch noch in einem Restaurant voller unchristlicher Götterfiguren, in dem “Puttencurry” serviert wurde. Prost Mahlzeit!

(Putte aus: Paris Bordone, Venus und Mars mit Amor, Wikimedia Commons)

Münzenwerfen ist überholt

Dank IT haben wir lediglich eine halbe Stunde dafür gebraucht, um uns auf ein Restaurant zu einigen.

Heiden sind klar im Vorteil…

…weil sie ihren Osterzopf schon am Karfreitag bekommen.

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Resteküche für Fortgeschrittene

Spätzle Bolognese. Fusion Cuisine, baby. Die waren richtig lecker.

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Stream of consciousfress

Andernorts wird gerätselt, warum es bei manchen Leuten vor Ostern so stressig zugeht. Ich kann dazu nur sagen:

…IchbrauchdochnochdringendHÜHNERLEBER
undSALBEISALBEISALBEI!!!OHNEINkeineHefemehr
daheim
dieAuberginenMARINIEREN
woistdennnureinPETERSILjetzistauch
nochderKNOBLAUCHaus

WASmeinenSiemit
ESGIBTKEINErohenBRATWÜRSCHTL???
WeisseEIERjawasesgibtnur
BRAUNE?
undSCHNELLnochein550erMehlund
zursicherheitOSTERSCHINKEN
HACKFLEISCH
woisderZettel????UMGOTTESWILLEN
beinahSCHWEINESCHMALZvergessen…

Wer verfressen ist, gerät halt in leichte Panik wenn BEREITS IN 6 STUNDEN UND 37 MINUTEN die Geschäfte schließen. Vergleichbar mit der letzten Runde im Verzweiflungssäuferlokal.

Der Bruckner ist im Übrigen jeden Cent wert und sehr zu empfehlen. Etwas Geduld muss man allerdings mitbringen, nicht nur vor Ostern: der Laden ist eigentlich immer voll. Achtung: macht Mittagspause.

Libum iste non frangit ieiunium

Gut zu wissen:

"(…) bereits im 16. Jahrhundert wurde Nonnen und Mönchen Schokolade als Fastenspeise erlaubt. Und das sogar von höchster Stelle – vom Papst persönlich. 1569 hatten die Bischöfe von Mexiko eigens einen Abgeordneten zu Papst Pius V. in den Vatikan gesandt, damit dieser entschied, ob das Getränk mit dem Namen Xocoatl (Schokoladenwasser) in der Fastenzeit getrunken werden dürfe. "Der Papst kostete widerwillig, verzog das Gesicht und sagte: Potus iste non frangit jejunium – Schokolade bricht das Fasten nicht" (www.kirchensite.de)

Dann kann ja selbst ich als römisch-katholisch Getaufte dies köstliche Fastengericht zu mir nehmen, ohne das Risiko einzugehen, später mal nicht in den Himmel zu kommen (man weiß ja nie!).

(Bild: Wikimedia Commons)