Barrierefrei

Am Mensa-Haupteingang hängt ein Schild: "Das Mitbringen von Hunden ist verboten". Direkt darunter: "Gilt nicht für Blindenführhunde!". Da wird aber nach der gewissenhaften Lektüre der Schilder wohl schon so mancher Blinde aufgeatmet haben, dass er seinen Hund jetzt doch nicht draußen anbinden muss…oder ist die Führhundausbildung inzwischen schon derart toll, dass die Viecher selbst lesen können?
(Außerdem haben die Blindenführpferde vergessen, und natürlich Hilfsaffen.)

(Bild: Pharaoh Hound, Wikimedia Commons/Flickr)

Decline of a Nation: Wie die Hörnchen

In Großbritannien tobt seit Jahren ein Kampf des Guten gegen das Böse, eine verfolgte, dezimierte Minderheit wird von eingewanderten Fremdlingen immer mehr in die Enge getrieben – Cohu berichtete. Jetzt mal wieder ein Update aus den Squirrel Wars: zunächstmal ist man auf die Idee gekommen, die Verbreitung der grauen, ursprünglich nordamerikanischen Hörnchen durch Eichhörnchen-Verhütungsmittel zu stoppen. Mir kam direkt das Bild eines britischen Naturschützers in den Sinn (evt. verkörpert von Rowan Atkinson), wie er, mit einem winzigkleinen Kondom in der Hand, verzweifelt versucht, einen der grauen Gesellen in die Geheimnisse der Kontrazeption einzuweihen; die Realität ist, wie so oft, weniger spektakulär. Das Ganze soll per Injektion eines mehrere Jahre  wirksamen Mittels, oder über das Futter funktionieren. Amüsant aber trotzdem der erste Satz des Artikels:

"Like U.S. GIs during World War II, they’re "oversexed and over here."" (msnbc)

Innovativ wie die Briten sind, ist Medikation aber natürlich nicht das einzige Geschütz, das sie gegen die sexbesessene amerikanische Plage auffahren. Eine der wirksamsten Waffen gegen ausländischen Invasionen ist in Großbritannien ja schon seit eh und je die landestypische Küche – so auch in diesem Fall. Man geht nämlich dazu über, die Viecher schlicht als Vorspeise zu servieren, als "squirrel wraps". Werde ich mich bei zukünftigen Besuchen doch lieber an Porridge und Baked Beans halten…
Wer aber weniger empfindlich ist, findet hier gleich ein paar Dutzend Eichhörnchen-Rezepte, unter anderem "Redneck Squirrel Fry" sowie (vielleicht für Gäste?) ein falsches Hühnerfrikassee namens "Chicken Surprise". Guten Appetit!

(Bildausschnitt: James Stewart, Wellcome Library)

Decline of a Nation: Wieder ein Toter durch Englisches Essen!

Um einen in einem Bergwerksstollen Verschollenen zu befreien, gräbt ein 15-Köpfiges Team in Wales seit Mittwoch mit Baggern, Schaufeln und Händen einen Hügel auf; Flutlicht und Generator wurden aufgestellt. Ein ferngesteuerter Roboter mit Kamera ist unterwegs.
Und jetzt kommt das britische an der Nachricht: beim Verschollenen handelt es sich um einen blinden, tauben, 18 Jahre (!) alten Terrier-Mischling namens Sprogget (nicht zu verwechseln mit Sprocket, dem Fraggles-Hund, s.Abb.)

Lobenswerte, tätige Tierliebe. Aber ein Detail im Artikel lässt aufhorchen:

"They could hear the dog whimpering around three to four metres underground, and before they left for the night they dropped chocolate bars and crisps down the fissure to try to sustain Sprogget through his second night underground.

But on Friday morning there was no sound of the dog." (BBC News)

Hm. Ich hätte jetzt gedacht, solch überzeugte Hundefreunde wüssten, dass Schokolade für Hunde giftig und eine Packung salzige Chips nicht der geeignetste Snack für ein Lebewesen ist, das vermutlich seit Tagen keinen Zugang zu Wasser hatte. Aber dem Briten, der sogar seine Kinder fast ausschließlich mit Schokoriegeln und Walker’s Crisps ernährt, ist sowas vermutlich nicht zu vermitteln…

Gute Nacht, Sprogget! Wenigstens kamst Du so auf Deine alten Tage noch in die BBC News.

Fashion Victims

Laut Johnsson/Barthel "Die Vögel Europas" wechseln Alpenschneehühner  (Lagopus mutus) viermal im Jahr ihr Federkleid. Wir Menschen hingegen kennen nur die Herbst/Winter und die Frühjahr/Sommer-Kollektion. Da haben uns diese modebewußten Tierchen was voraus!
Übrigens: diese reizenden Puschel-Hosen, geeignet insbesondere für die Übergangszeit, scheinen mir wesentlich kleidsamer zu sein als Metallic-Leggins in Kombination mit Ballerinas, oder Bleistift-Jeans mit Ankle-Boots. Ich sag ja nur!

(Bild: Wikimedia Commons)

 

Ich lachs mich tot

Wozu man so eine Nasenklammer braucht, war mir bis heute ein Rätsel. Unter Wasser vermeide ich es beim Schwimmen einfach kategorisch, einzuatmen, wozu dann also die Nase zuzwicken? Sehe außerdem mit der Schwimmbrille eh schon bescheuert genug aus. Meine modisch an die 80er angelehnte leucht-pinke Nasenklammer wurde demnach jahrelang nicht benutzt!
Jetzt aber die Umwidmung: die Klammer hat schon was mit Unterwasser-Leben zu tun, aber nur sehr indirekt. Sie ist in Wirklichkeit dafür gedacht, Menschen wie mir zu dienen, die mit einer Person zusammenleben, die der Meinung ist, dass Lachs-Rührei ein akzeptables Sonntagsfrühstück sei.  Ich bin aufgrund meines Hobbies viele Arten von Gestank gewöhnt (Hefegärung, Cyanobakterien, Moder, Pilze, Krill, auftauende Insektenlarven und eigentlich auch tote Fische) – aber der verrottende Salmo salar, den die IT so gerne isst, gibt mir ein Gefühl, das sonst wohl nur Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel kennen. Lange Zeit versuchte ich, dem bestialischen Gestank vom Nebenteller durch Fächern (mit Zeitschriften oder Servietten) oder aufgerissenen Fenstern Herr zu werden. Schluss damit! Ab jetzt gehört die Lachsrührei-Nasenklammer genauso fest zu Cohu’s Küchenrepertoire wie der Zwiebelhack-Schnorchel, der für die Zubereitung von Zwiebelkuchen unabdingbar ist. Ein Lob der modernen Technik!

(Bild: Wikimedia Commons)

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Vögel in Adrasan

Hier mal eine kurze Liste der interessanteren Vögel, die Cohu im Türkei-Urlaub nahe Antalya aufgespürt hat. Jaja, ich weiß, für meinen durchschnittlichen Blogleser nicht besonders interessant, aber vielleicht für den einen oder anderen Birdwatcher, der über Google nach Adrasan sucht. Wohlgemerkt hatte ich nicht mal ein Fernglas dabei, aber diese bunten und exotischen Viecher kriege ich auch grade noch so bestimmt. Voilá:

– Bienenfresser (Merops apiaster, siehe Abb.), ein größerer Trupp lebt in den Hügeln und durchquert mehrmals am Tag das Tal.
– Wespenbussard (Pernis apivoris), kein Wunder, bei den ca 4cm langen Riesenwespen, die überall rumfliegen. Über dem Berg auf der Südseite der Bucht gesichtet. Es gab noch andere Raubvögel, aber ohne Fernglas: keine Chance.
– Eisvogel (Alcedo atthis). Wie nicht anders zu erwarten: am Fluss, der wohl nicht so dreckig ist, wie er stellenweise aussieht.
– Haubenlerche (Galerida cristata), überall am Strand
– Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus). Die Gute (denn es war anscheinend ein Weibchen) konnten wir aus ein paar Meter Entfernung bei der Mottenjagd an einer Straßenlaterne vor dem Hotel beobachten. Gehört habe ich sie seltsamerweise nie, vielleicht war sie nur auf dem Durchzug?
– Gelbsteißbülbül (Pycnonotus xanthopygos). So, den gibts (in Europa) tatsächlich nur an der türkischen Südküste und es handelt sich daher auch um eine neue Spezies auf Cohu’s ellenlanger Artenliste! Gesichtet in den Obstgärten am Fluss.

(Bild: Marek Szczepanek/Wikimedia Commons)

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Gemütliches Hobby

Von wegen, Vogelbeobachter müssen vor Sonnenaufgang aufstehen, an mückenverseuchte Stauseen fahren und riesige Ferngläser schleppen: man kann sich auch einfach in die Küche setzen, Kaffee trinken, ein Honigbrot essen, und warten, was vorbeikommt. Zumindest, wenn man in einem so morschen Haus wohnt wie Cohu.

Ist er nicht reizend, der dendrocopos major?

(Als nächstes bitte ich darum, mir eine Großtrappe vorbeizuschicken. Die wollt ich immer schon mal sehen, aber deshalb extra nach Brandenburg fahren?)

Wie ein Grab

In der Schellingstraße versucht eine Frau verzweifelt, durch Zerren an der Leine ihr kleines Yorkshireterrier-Hündchen davon abzuhalten, vor der Buchhandlung Frank an die Karton-Aufsteller zu bieseln. Da der Hund widerborstig bleibt, hebt sie ihn kurzerhand hoch, hält ihn vor ihr Gesicht und ruft: "Burli, kannst Du mir amal sagen, was des soll? Was denkst Du Dir denn dabei!"
Auch ich hatte auf eine erschöpfende Antwort gehofft. Aber Burli schweigt.

Decline of a Nation: Dogstitution

Kann man diese Augen leihen?
(Bild: Wikimedia Commons)

In London wird im Oktober eine (amerikanische) Firma eine Filiale eröffnen, die den schönen Namen "Flexpetz" trägt. Es geht aber da nicht um den Verkauf von besonders flexiblen Tieren – man denke an sich windende Schlangen, Würmer und Schnecken, gelenkige Äffchen oder Gummibären – nein, vielmehr kann man bei der Flexpetz-Agentur stundenweise Hunde ausleihen.
(Cohu-Vertraute werden wissen, dass es sich dabei um ein Geschäftsmodell handelt, mit dem sich Cohu selbst schon lange selbstständig machen wollte. Das ganze scheiterte daran, dass mir das Risiko zu hoch war. Die Kunden hätten früher oder später davon Wind bekommen, dass aus den altersbedingt nicht mehr für den Service geeigneten Hunden köstliche koreanische Suppe gekocht und kuschelige Luxus-Handtaschen genäht werden, und dann wäre ich dagestanden, mit 300 süßen Welpen!).
Abgesehen davon, dass mich das Geschäftsmodell irgendwie an diese Geschichte im Stern erinnert ("Tagsüber Golden Retriever oder Pudel – abends Begleiter bis in den Park") ist das doch eine sehr löbliche Idee: so werden vielleicht einige Hunde davor bewahrt, in Haushalten zu landen, wo man sich eigentlich nicht ordentlich um sie kümmern kann, weil es nicht genug Zeit oder Platz gibt. Auch vermute ich, dass die Hunde darunter nicht leiden (wenn man charakterlich geeignete aussucht und sie nicht zu oft vermietet).
Aber der Guardian wäre nicht der Guardian, wenn er  es nicht hinbekäme, diesen neuen Service als Indiz für den nahenden Untergang zu deuten. 2382 Worte (ich habe nachgezählt) verwendet Stuart Jeffries darauf, uns – unter Zuhilfenahme eines Soziologen, eines Journalisten, eines Psychologen bis hin zu Freud und sogar eines Ökonomen – zu erklären, dass – o tempora, o mores! – keiner mehr Verantwortung übernehmen will, nicht mal für Hunde, und dass daran (wie könnte es anders sein) der Kapitalismus schuld ist…

Flexpetz is surely symptomatic of a new age in which commitment is on the wane and there is a great deal of money to be made from services that offer traditional pleasures without the pain of ownership. It’s one in which the commitment to owning and maintaining consumer durables (cars, handbags and – if it isn’t too ludicrous to put the next two under such a heading – pets and partners) seems just too much of a bother. (Guardian)

Dass es eventuell more of a bother ist, einen Hund von dieser sauteuren Agentur auszuleihen, als sich einfach einen Welpen zu kaufen und ihn auszusetzen, sobald er einem zu blöd wird, darauf  ist er allerdings nicht gekommen.  Würde aber auch nicht zur These passen…

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Auf vielfachen Wunsch:

Nun endlich mal ein Dodo auf Cohu’s Blog. Und zwar auf einer Bierdose der Marke "Bourbon", die ein geheimer Informant von der Insel Réunion mitgebracht hat.

Anscheinend handelt es sich dabei um das "Nationalbier" der Réunionesen, wie man hier nachlesen kann (wenn man Französisch kann. Ich glaube zumindest, dass irgendsowas in die Richtung dort steht). Besser bekannt ist das Gebräu schlicht unter dem Namen "La Dodo." Nicht zu erkennen ist leider ein am unteren Rand der Dose abgedrucktes (durchgestrichenes) Piktogramm, das eine sichtlich schwangere, durstig eine Dose leerende Dame darstellt. Man kann hoffen, dass niemand dieses Bild in dem Sinne interpretiert, dass "La Dodo" als wirkungsvolles aber schmackhaftes Kontrazeptivum anzuwenden ist.
Der Raphus cucullatus scheint mir übrigens besonders geeignet dazu, für Bier zu werben (besser als etwa ein Auerhahn oder gar ein Löwe): versetzt dieses Getränk doch ab der zweiten, dritten Dose die meisten Menschen in einen Geisteszustand, der dem eines Dodos nicht unähnlich sein dürfte ("Hui, da sind Menschen! Haha, die sind aber nett. Heute sind überhaupt alle Leute so nett. Ich plaudere mal mit ihnen. Hihi, lustige Keulen haben die dabei….").
Verschweigen sollte die Brauerei allerdings, dass die Dronte gerade aufgrund dieses etwas naiven Charakters schon 1681 ausgerottet wurde.