Decline of a Nation: Dogstitution

Kann man diese Augen leihen?
(Bild: Wikimedia Commons)

In London wird im Oktober eine (amerikanische) Firma eine Filiale eröffnen, die den schönen Namen "Flexpetz" trägt. Es geht aber da nicht um den Verkauf von besonders flexiblen Tieren – man denke an sich windende Schlangen, Würmer und Schnecken, gelenkige Äffchen oder Gummibären – nein, vielmehr kann man bei der Flexpetz-Agentur stundenweise Hunde ausleihen.
(Cohu-Vertraute werden wissen, dass es sich dabei um ein Geschäftsmodell handelt, mit dem sich Cohu selbst schon lange selbstständig machen wollte. Das ganze scheiterte daran, dass mir das Risiko zu hoch war. Die Kunden hätten früher oder später davon Wind bekommen, dass aus den altersbedingt nicht mehr für den Service geeigneten Hunden köstliche koreanische Suppe gekocht und kuschelige Luxus-Handtaschen genäht werden, und dann wäre ich dagestanden, mit 300 süßen Welpen!).
Abgesehen davon, dass mich das Geschäftsmodell irgendwie an diese Geschichte im Stern erinnert ("Tagsüber Golden Retriever oder Pudel – abends Begleiter bis in den Park") ist das doch eine sehr löbliche Idee: so werden vielleicht einige Hunde davor bewahrt, in Haushalten zu landen, wo man sich eigentlich nicht ordentlich um sie kümmern kann, weil es nicht genug Zeit oder Platz gibt. Auch vermute ich, dass die Hunde darunter nicht leiden (wenn man charakterlich geeignete aussucht und sie nicht zu oft vermietet).
Aber der Guardian wäre nicht der Guardian, wenn er  es nicht hinbekäme, diesen neuen Service als Indiz für den nahenden Untergang zu deuten. 2382 Worte (ich habe nachgezählt) verwendet Stuart Jeffries darauf, uns – unter Zuhilfenahme eines Soziologen, eines Journalisten, eines Psychologen bis hin zu Freud und sogar eines Ökonomen – zu erklären, dass – o tempora, o mores! – keiner mehr Verantwortung übernehmen will, nicht mal für Hunde, und dass daran (wie könnte es anders sein) der Kapitalismus schuld ist…

Flexpetz is surely symptomatic of a new age in which commitment is on the wane and there is a great deal of money to be made from services that offer traditional pleasures without the pain of ownership. It’s one in which the commitment to owning and maintaining consumer durables (cars, handbags and – if it isn’t too ludicrous to put the next two under such a heading – pets and partners) seems just too much of a bother. (Guardian)

Dass es eventuell more of a bother ist, einen Hund von dieser sauteuren Agentur auszuleihen, als sich einfach einen Welpen zu kaufen und ihn auszusetzen, sobald er einem zu blöd wird, darauf  ist er allerdings nicht gekommen.  Würde aber auch nicht zur These passen…

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