The Greatest Man in America

Wie konnte das nur passieren: Cohu hat den gestrigen Geburtstag ihres größten Vorbildes und Schwarms, des größten Amerikaners aller Zeiten, des größten Nachrichtenmannes auf Gottes weitem Erdenrund verpasst.
Alles Gute nachträglich, Stephen Colbert!
Als Spin-Off der Daily Show mit dem unvergleichlichen Jon Stewart (the most trusted name in fake news) hat sich der Colbert Report inzwischen in Höhen komödiantischer Perfektion geschwungen, die den armen Stewart überfordert zurücklassen – endgültig abgehängt wurde die Daily Show beim winterlichen Writers Strike, denn währen Stewart ohne Schreiber nur hilflos kichernd am Pult saß, entlarvte sich Colbert als regelrechtes Genie – angefangen schon bei seinen legendären, ritualisierten und lautstarken Eingangsmonolog und dann natürlich dem gefürchteten Segment "The Wørd" (der wohl bekannteste der dort vorgestellten Begriffe war "Truthiness"), ansonsten aber natürlich durch seine stringent durchgehaltene katholisch-konservative (Help control the pet population: Teach your dog abstinence.) und unerschrocken nationalistische Persönlichkeit ("Foreign newspapers: if they’ve got nothing to hide, how come they don’t print them in English?"), die Bären hasst, übermütige Engstirnigkeit erfunden hat ("I’m not a fan of facts. You see, the facts can change, but my opinion will never change, no matter what are the facts"), und sich für keinen noch so billigen rhetorischen Winkelzug zu schade ist:

I’m disappointed that my own Catholic Church has decided that capital punishment is wrong. Which is pretty hypocritical if you think about it, because they wouldn’t even have a religion if it wasn’t for capital punishment.

Den Colbert Report (beide t’s werden nicht ausgesprochen!) könnt Ihr Euch zwar nicht im Fernsehen,dafür aber recht bequem auf seiner Seite bei Comedy Central ansehen. Einen guten Eindruck bekommt man auch über die Colbert-Report Wikiquote-Seite. Weiter so! Ach, und dass es mit der Präsidentschaftskandidatur dieses Jahr nicht geklappt hat – macht nichts. Schließlich bist Du schon lange Präsident der Herzen aller wahren Amerikaner!

(Bild: David Shankbone, Wikimedia Commons)

Und der HipHop hat doch recht

Dass der gluteus maximus und vor allem seine ausgiebige Polsterung ein ästhetisch ansprechendes Wunderwerk der Natur ist, geriet über weite Strecken des 20. Jahrhunderts leider in Vergessenheit. Eine Rehabilitation startete Sir Mix-A-Lot zwar schon 1992 mit seinem unvergessenen Song "Baby got Back"  (Wikipedia), aber da ist er, wenn man sich momentane Schönheitsideale ansieht, immer noch der Rufer in der Wüste:

I’m tired of magazines
Sayin’ flat butts are the thing
Take the average black man and ask him that
She gotta pack much back
So, fellas! (Yeah!) Fellas! (Yeah!)
Has your girlfriend got the butt? (Hell yeah!)
Tell ’em to shake it! (Shake it!) Shake it! (Shake it!)
Shake that healthy butt!
Baby got back!

Wie ich da jetzt drauf komme? Wie so oft wurde kulturell tief verankertes Wissen ("Hintern = gut!") von der Naturwissenschaft letztendlich bestätigt. Man hat nämlich herausgefunden, dass subkutanes Fett in genau diesem Bereich vor Diabetes schützen soll. Die Überschrift "Scientists find something good about a big bottom" allerdings erweckt den Eindruck, man wäre auf Wissenschaftler angewiesen, um große Hinterteile gut zu finden – Grundfalsch natürlich. Wie sagt nochmal Sir Mix-A-Lot:

So your girlfriend rolls a Honda,
playin’ workout tapes by Fonda
But Fonda ain’t got a motor in the back of her Honda
My anaconda don’t want none
Unless you’ve got buns, hun!

Das Video gibt es hier. Und es ist, würde ich mal sagen, beim besten Willen nicht SFW.

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O is for Ogdred, killed by his black heart

Meine Schwester hat mich dankenswerterweise auf Edward Gorey aufmerksam gemacht: einen Autor und Illustrator allerersten Ranges. In Deutschland ist er nur den wenigsten bekannt: durch seine im Diogenes Verlag in den 80ern erschienenen Kinderbücher, "Schorschis Schatz" und "Schorschi schrumpft" (letzteres gewann 1977 sogar den Jugendliteraturpreis und wurde daher vermutlich von zahlreichen bildungsbürgerlich beflissenen Eltern gekauft…vielleicht ja auch von Euren?)
Bis jetzt wusste ich aber nicht, dass Gorey auch Bücher für und teilweise sogar ausschließlich für Erwachsene gemacht hat. Unter dem Pseudonym Ogdred Weary etwa schrieb und zeichnete er eine (oberflächlich vollständig jugendfreie) Pornographie-Parodie namens "The Curious Sofa". Gorey ist ausdrücklich nicht jedermanns Geschmack, insbesondere die "Gashlycrumb Tinies", die man hier ansehen kann, und auch "The Loathsome Couple", das von einem Ehepaar handelt, das sich ausgerechnet Kindsmord als Hobby ausgesucht hat. Bezeichnend die Reaktion des Verlags:

Gottlieb rejected the book on the grounds that it wasn’t funny. An astonished Gorey replied, "Well, Bob, it wasn’t supposed to be funny; what a peculiar reaction."

Gorey ist im Jahr 2000 verstorben. Ganz prosaisch an einem Herzinfarkt und nicht etwa durch Ersticken an einem Pfirsich. Behauptet zumindest dieser Salon-Artikel.

(Edward Goreys Autogramm und Pseudonyme: Wikimedia Commons)

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Decline of a Nation: Maestro bleibt daheim

Ja mei, die Briten: sie freuen sich, wenn doch mal einer der ganz großen zu ihnen rüber kommt und ihnen eine Kultur mitbringt, besonders wenn es eine hohe ist. So hätten sie eigentlich das Glück gehabt, dem größten Klaviererer aller Zeiten, am Sokolov Schorsch, lauschen zu dürfen – im Barbican wollte der in Italien wohnende russische Genius am 10. Mai spielen. Nur dann war halt das Blöde, dass man heutzutage ja niemandem mehr trauen darf, schon gar nicht als Engländer einem Russen, und überhaupt könnte da ja ein jeder kommen. Also hat man dem Schorschi gesagt: Schorschi, geh her, bevor hier eingereist wird, schickst Du uns einen Fingerabdruck, einen biometrischen. Den macht dir ein freundlicher Herr in der britischen Botschaft in Rom. Jetzt ist das blöde, dass der Schorschi ein schwieriger Mensch ist, der alles in allem lieber klavierert, als nach Rom zu fahren. Dem ist schon eine CD-Aufnahme zu blöd, und so ein biometrischer Zwergerlaufstand gleich dreimal. Deshalb bleibt der Tastenschorsch dieses Jahr daheim. Und das Barbican sagt sein Konzert ab. Und der kulturliebende Brite weint, was blöd ist, weil: vor dem Russen kann man sich nicht genug in Acht nehmen. Wer weiß, was der Sokolov angestellt hätte, mit seinem Geklimper, seinem radioaktiven.
Cohu übrigens lässt es gar nicht drauf ankommen (wer weiß, was dem Beckstein demnächst einfällt?) und fährt direkt ins Teatro la Fenice, da werden sie ihn ja noch reinlassen. Alle anderen bekommen zumindest das hier, was eine schöne Illustration bzw. Vertonung ist für diese absurde Geschichte.

“Es kann nimmer besser werden” kann nimmer besser werden

Gestern betrat Cohu erstmals das reizende Lokal & Theater Heppel & Ettlich. In diesem sympathischen Gemäuer trat nämlich das Trio Kabarest auf, dessen eines Drittel ich schon seit Jahren die Freude habe, in einer an Verwandtschaft grenzenden Bekanntschaft kennengelernt haben zu dürfen (tschulligung, ich hab heut schon vor 9 Sloterdijk gelesen – das Hirn ist wund). Also, es ging um das Thema "850 Jahre München", genauer gesagt um Lieder über u.a. Bier, Transrapid, Bier, Bieseln, Klimawandel, Weißbier, den Hundemetzger von Giesing und natürlich die Liebe ("Ich bin der Fuchsschwanz – Du bist die Antenne") und Tod (Rock’n’Roll von motorisierten Gehwägelchen). Das "Theater" (das eigentlich eher ein Nebenraum ist) war zu Recht ausverkauft, die Stimmung zu Recht gut, bis auf einen Dialektfaschisten, der schon im ersten Satz die zu hochdeutsche Aussprache von Giesing, pardon: Giasing lautstark bemängelte. Aber das brachte einen schon in die richtige münchnerische Stimmung, um z.B. tiefsinnige Lieder über die wahre Bedeutung des Grants überhaupt aufnehmen zu können. Also rundherum: Cohu-Prädikat. Am 1., 2., und 3. Mai ist das Programm nochmal zu sehen und hören (heute auch, aber schon ausverkauft). Ein Besuch im Heppel in der Kaiserstraße lohnt aber auch unabhängig vom Spielplan. Für Raucher gibt es im "Theater" ab 22:30 einen Club – und für gesundheitsbewußtere Gäste frische Fleischpflanzl.
Übrigens: wer sich einem zwangsironischen Provinzdistanz-Habitus verpflichtet fühlt, wird sich weder bei "Es kann nimmer besser werden" noch im Gastraum des Heppel wohlfühlen. Er oder sie kann aber gottseidank auch einfach zuhaus bleiben und Martenstein lesen oder glotzen. Ist auch lustig.

Ein jeder ist seines Liedes Schmied

Geigenspielende Roboter (Cohu berichtete) werden echten menschlichen Fiedelvirtuosen noch nicht so bald Konkurrenz machen, und sei es nur wegen ihres hohen Preises und fehlender Aura bzw., wie der Amerikaner so schön sagt, layability (wobei: manche Jahrhundertgeigerinnen sind mir noch um einiges unheimlicher als die mandeläugige Toyota-Schönheit).
Nun habe ich aber wieder eine technische Neuerung für Menschen ausgegraben, die kein musikalisches Talent, dafür aber Ambitionen haben. "MySong" ist eine Software, die es einem ermöglicht, herzzerreißende Balladen mit Klavierbegleitung zu erschaffen, ohne in die Tasten greifen oder auch nur Noten lesen zu können. Man singt dem Computer einfach was vor, und der bastelt dazu dann eine Begleitung. Extrabonus: auf kleinen Schiebern kann man "Jazz Factor" und "Happy Factor" einstellen, um "schiefere" oder "traurigere" Begleitungen zu erzeugen (siehe Abb. und Video bei 1:40). Die Ergebnisse sind erstaunlich.
Tja, liebe wurstfingrige Teenager, die ihr euch schon jahrelang widerwillig mit Notenlesen und Fingersätzen abplagt, nur um eventuell mal die eine oder andere geneigte Dame ins Bett zu kriegen (man nennt es den Lagerfeuer-Effekt): peinliche Liebesschwüre trällern kann bald jeder, und euer Wettbewerbsvorteil ist futsch. Müsst ihr halt dann doch Tanzen lernen. Ein bisschen Zeit habt ihr allerdings noch mit der Gitarre, dem Feuer, dem Bier, und den Euch anhimmelnden Zahnspangenträgerinnen, denn man kann die Software zur Zeit (noch) nicht herunterladen oder kaufen.

East meets West meets South

Ich bin ja kein sooo großer Obama-Fan, aber hier hab ich zwei äußerst sehenswerte Videos ausgegraben. Nein, natürlich nicht das da, bin ja nicht von gestern, ausserdem kann ich doch diese Johansson nicht ausstehen. Nein, viel besser!
(Jetzt noch mal, wo wir schon dabei sind, eine Bitte an die deutschen Medien: der Ausdruck "Farbiger", vom amerikanischen "Colored (person)" ist seit etwa zwanzig, dreißig Jahren nicht mehr angemessen. Die Wikipedia nennt die Bezeichnung "colored" "archaic and potentially derogatory." Im alltäglichen Umgang finden die meisten Amerikaner "colored" ungefähr so wie "Negro", also: Scheiße. Ja, es ist OK, Obama "schwarz" zu nennen, auch, wenn seine Haut nur so leicht bräunlich ist – verdammt verwirrend. Im Extremfall könnte man sogar in der Berichterstattung das Rasseattribut auch einfach mal weglassen – auch wenn es noch so schwer fällt. Zur Vertiefung nochmal in Gedichtform.)
Jetzt aber zu den Videos.

Á propos Fidel

Wenn man wie Cohu beim Lernen eines Instruments ganz am Anfang steht, muss man sich verinnerlichen: der Weg zum Teufelsgeiger besteht aus kleinen Schritten. Heute hab ich zum ersten Mal gemerkt, dass die Geige verstimmt war, als ich anfing, zu spielen. Es hörte sich einfach noch schiefer an als sonst. Und allein, dass man diesen Unterschied schon hört, ist doch ein riesen Fortschritt.

Noch ein paar Monate üben und ich mach das da unten mit links. Die Geige mein ich, den Tanz muss natürlich die IT einüben!

Wieder was gelernt

…vom Tobi, passend zum Valentinstag: als Stalagnat bezeichnet man Stalagmiten/Stalaktiten-Paare, die sich zu einer durchgehenden Tropfsteinsäule vereinigt haben.

…von der alten Pinakothek: Parmigianino ist kein Kosename für Hartkäse, sondern "einer der herausragenden Meister der italienischen Hochrenaissance." (siehe auch Wikipedia).

…vom Kaufhof am Stachus, der das Wort auf seine Abfalleimer druckt: "Wertstoffgemisch" ist ein schöner Euphemismus für Müll.

(Bildausschnitt: Parmigianino, Madonna mit dem langen Hals, Wikimedia Commons)

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Schilderung

München ist ja bekanntermaßen die Hauptstadt des Expressionismus. Ein besonders eindrucksvolles (bzw.: ausdrucksvolles) Beispiel dieser Stilrichtung sah ich gestern – brutal komplementärfarben, Geworfensein in die Welt, Wasser als Unbewusstes, ein stilisierter aufgerissener Mund als Bildeinrahmung beschwört die kollektive Oralfixierung herauf: beeinflusst von der Art Primitif bis hin zur piktogrammatischen Abstraktion, verworrene Dynamik. Bild einer Epoche oder purer Psychologismus? Hoffnung oder Tod? Die Spannung bleibt bestehen.


Urban Art am Oberföhringer Isarwehr, Emaille auf Blech, unbekannter Künstler.

(*) Das erinnert mich dran, dass ich mal auf XING von einem Künstler gebeten wurde, seine Ausstellungskataloge zu betexten. Mit meiner Ablehnung habe ich der Welt viel erspart.)