Burn baby burn

Sachma, haben Irre die taz übernommen? Wenn dem tatsächlich so ist: juhu, höchste Zeit, mit der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft aufzuräumen und sie im Arbeitsleben gleichberechtigt zu behandeln. Wenn nicht: könnt ihr bitte wieder normal werden? Bis jetzt war die taz die einzige deutsche Tageszeitung, für die ich mir noch einen Rest an Respekt bewahrt hatte. Und dann sowas.
Erst ein absolut hirnrissiger Artikel über den angeblich nun endlich erbrachten “Beweis” dafür, dass es “Kindern schadet, wenn die Eltern zuhause sind.” Der “Beweis” besteht aus einer Studie, die zeigte, dass ein Drittel der Kinder von Arbeitslosen sich nach eigener Aussage vernachlässigt fühlt, während bei berufstätigen Eltern nur halb so viele Kinder über zu wenig Zuwendung klagen. Daraus leitet die taz mit der inbrünstiger Überzeugung eines Paranoid-Schizophrenen sofort ein Scheitern des “alten Familienmodells” auf ganzer Linie ab. Dass es vielleicht einen Unterschied geben könnte zwischen Eltern, die unfreiwillig zu Hause bleiben und solchen, die das gerne tun – lirumlarum, das schreiben wir nicht. Oder gar – Gott bewahre! – dass Reiche bessere Eltern sind. Nein, gar nicht daran denken. [Am Rande: was die Studie tatsächlich sagt, ist das Gegenteil. Nämlich, dass Kinder von Doppelverdienern fast dreimal mehr (s. Tabelle 2) über Vernachlässigung klagen als solche aus “klassischen” Familien …] Aber blättern wir dezent weiter.
Evt. zu diesem Artikel, der uns unter der vielsagenden Überschrift “Brenn, Hollywood, brenn” (!) zeigt, dass dieser ganze amerikanische Scheißdreck es nicht anders verdient hat, als in Flammen aufzugehen. Es liest sich wie das Manifest eines zwanghaften Zündlers oder Pyromanen, mit so schönen Formulierungen wie:

“Hollywood ist längst eine Metapher geworden für die ortlose Welt zirkulierender Zeichen. Ein Feuer aber kennt keine Metaphern, es schafft Fakten.”

Deshalb machen wir jetzt einen großen Scheiterhaufen(*) und werfen alle deutsche Tageszeitungen drauf. Für die taz gibt’s zumindest von meiner Seite her keine Ausnahme mehr.

(*) Ich wehre mich im übrigen vehement gegen die Vereinnahmung der Praxis der Schriftenverbrennung durch den deutschen Nationalsozialismus. Das gab’s schon vor mehr als 2000 Jahren und es hat eine lange, stillose und barbarische Tradition.

(Bild: Paul Thurmann, Luther verbrennt 1520 in Wittenberg die Bannandrohungsbulle, Wikimedia Commons)

Bored on the Fourth of July

Cohu hat sich – in einem Anfall von überbordendem Amerikanismus (?) – letztes Wochenende gleich zwei überaus amerikanische Romane gekauft, nämlich "Digging to America" von Anne Tyler und "Independence Day" von Richard Ford. Auf Letzteren (hat im Übrigen nichts mit Außerirdischen zu tun) habe ich mich dann gleich gestürzt. Schließlich stößt man nicht oft auf ein Buch, das in der New York Times als "gripping" beschrieben wird, im Guardian als "a masterpiece" und das sowohl den PEN/Faulkner Award als auch den Pulitzer-Preis bekommen hat.
Leider handelt es sich um das definitiv langweiligste Buch, das ich je gelesen habe; abgesehen von "Sachenrecht" von Schwab/Prüttig, Beck 1993. Ok, dass es von einem geschiedenen Immobilienmakler mittleren Alters handelt, der in der ersten Person ein Wochenende im Juli am Ende des letzten Jahrtausends beschreibt und uns nebenbei seine (ziemlich reduzierten) Lebensweisheiten darbietet – da hat man sich denken können, das hier, äh, keine all zu großen Feuerwerke von plot und suspense abgeschossen werden. Aber andererseits: ich bin ja kein Freund von großer Action. Ich mag z.B. Fontane. Und der Zauberberg gehört zu meinen Lieblingsbüchern, und da passiert sieben Jahre lang außer ein paar mal Türenknallen auch nichts. Aber dieser Ford, das ist doch wirklich ein bisserl zu viel der resignierten Untätigkeit. Ich bin auf Seite 130 (von 450), und bis jetzt ist das Einzige, was passiert ist, dass das Kunden-Ehepar des Maklers ein paar Häuser nicht gekauft hat.

Falls hier nichts mehr gebloggt wird: nehmt das als Beweis dafür, dass man an Langeweile sterben kann.

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Ta-da….ta-da-ta-daaaa!

Vor einiger Zeit begeisterte der Deutschlandfunk seine Hörerschaft (die üblicherweise, wie ich vermute, nur aus mir besteht) mal wieder mit einem seiner feinen Features: es ging um eine Demontage der Tagesschau unter dem  Titel "Die Tagesshow" (dort jetzt auch als MP3 zum Nachhören!).
Cohu – ihrerseits auch nicht der größte Fan dieser Sendung – war ganz begeistert, wurde da doch endlich mal mit dem Mythos aufgeräumt, die Tagesschau sei das tollste, seriöseste und zuverlässigste Medium unserer Tage (wie wir ja vom Münchenblogger wissen, ist das vielmehr die Seite 3 der SZ). Nun gibt’s, wie der Spiegel berichtet, das Ganze auch als Buch. Während Cohu in ihrer Tagesschaukritik üblicherweise bei der Bekleidung der ModeratorInnen ansetzt, bei sprachlichen Feinheiten weitermacht und spätestens bei irgendeiner Meldung über Sozialreformen ob der eingeblendeten Standard-Bilder von Rentnern und Kleinkindern vor Lachen auf dem Boden liegt,  hat der Autor Walter von Rossum einen etwas tiefer gehenden Ansatzpunkt: die Tagesschau dreht und wendet die Fakten so lange, bis sich daraus eine "Geschichte" erzählen lässt. Die These dahinter: alles andere ist langweilig und dem Zuschauer nicht zumutbar. Kritisch hinterfragt oder erklärt wird kaum: stattdessen gibt’s "Stories", "Inszenierungen", die zum einen Ohr rein, zum anderen raus gehen – Widersprüche werden übertüncht. Oder könnt ihr Euch 10 Minuten nach der Tageschau noch an irgendeine der dort runtergeplapperten Meldungen erinnern? Der Spiegel ist kritisch, der findete die ARD immer noch besser als andere, denn:

— selbst wenn Eisbär Knut Paris Hilton eine Brustentzündung wegleckte – es ist sehr wahrscheinlich, dass die "Tagesschau" hier cool bleiben und schweigen würde. (SPON)

(was man, nur am Rande, von Spiegel Online nicht sagen kann). Die größten Idiotien, da hat der Spiegel recht, sind in der Tagesschau nicht Promi-News, sondern die Eigenwerbung. Wenn mindestens einmal wöchentlich ein öffentlich-rechtlicher Groß-Intendant den Kopf ins Bild streckt und erklärt, was die ARD alles leistet, dann wünscht sich sogar Cohu sehnsüchtig eine Meldung über Knut oder Paris…
(Damit keine Verwirrung aufkommt: ich habe immer noch keinen Fernseher, schaue aber ab und zu den Tagesschau-Livestream).

Letzte Worte

Ich weiß nicht, ob meine stoibertreuen Leser brav die taz-Serie "Verehrte Muschi" verfolgt haben, die in den letzten Jahren einige Briefe dokumentierte, die unsersehrvererhterherrministerpräsadent Dr. Edmund Stoiber heim an seine Frau schrieb. Wenn ihr das alles verpasst habt: sehr schade für Euch, aber hier zumindest noch der letzte Brief. An Ausblicken auf die glorreiche Zukunft des Dr. Stoiber mangelt es daran ebensowenig wie an Rückblicken in seine fast noch glorreichere Vergangenheit:

"Verehrte Muschi,

ich schreibe Dir diesen Brief, weil es der letzte ist, den ich Dir als Ministerpräsident des Freistaates Bayern schreibe und Du ihn bekommen sollst, bevor ich jetzt dann heimkomme. Ich habe Großes geleistet für dieses Land…"(weiter geht’s hier.)

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Cohu’s Bücher

Die Verlage fürchten sie, die Autoren zittern, die Feuilletonisten erwarten sie sehnsüchtig, und Trauben von Journalisten von FAZ bis 3Sat stehen mit gezückten Mikros unten vor der Tür: es ist mal wieder Zeit für Cohu’s Abrechnung mit den Urlaubsbüchern 2007.

Johnathan Safran Foer: Everything is Illuminated (2002)
Selten ein Buch gelesen, bei dem durch Besprechungen geweckte Erwartung und tatsächliches Lesevergnügen so weit auseinanderklafften. Der “Borat”-Stil des Ukrainischen Reiseführers ist reizend (und war auch sicher viel Arbeit), aber ansonsten kann ich damit einfach nichts anfangen. Kann auch ein Zeichen dafür sein, dass ich eiskalt bin und kein Herz habe, denn nach diversen Kritiken bringt die Lektüre dieses Wunderkind-Werks selbst den härtesten Knochen zu wahren Tränenströmen. Cohu hat höchstens mal gekichert. Bin ich ein Psychopath?

Ian McEwan: Black Dogs (1992)
Nochmal Nazis, zumindest am Rande. Den “Zementgarten” fand ich ja wirklich super. Der kann nämlich schon ganz erstaunlich gut schreiben, der Herr McEwan, auch hier. Ganz schön unheimlich. Aber viel mehr ist, find ich, an dem Buch nicht dran. (Was das mit den schwarzen Hunden auf sich hat, kann sich ein verderbtes Ding wie Cohu schon bei ihrer ersten Erwähnung denken…).Für eine Kurzgeschichte hätt’s gereicht, aber nicht für einen Roman.

Zadie Smith: On Beauty (2005)
Nochmal ein Wunderkind. Und es geht um einen Familienroman, das liegt Eurer Rezensentin. Es ist auch richtig “readable”, so zum Runterlesen am Strand: super. Allerdings hat man nach ca. ner halben Stunde auch schon wieder vergessen, worum es ging, und die Charaktere wecken (vielleicht bis auf Levi) kein besonderes Interesse, da sie sich eh nicht entwickeln oder ändern. Naja, aber das kann man schon empfehlen.

Orhan Pamuk: Schnee (OA 2002)
Um Gottes willen, war das langweilig. Da begebe ich mich mit der Einführung eines das Türkentum verunglimpfenden Werkes in die Türkei in Lebensgefahr, und dann sowas. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, jemals ein Buch mit einem so lätscherten, unsympathischen und weinerlichen Protagonisten gelesen zu haben. Als es (für ihn) schlecht ausgeht, atmet man regelrecht auf. Dabei ist “Schnee” laut Cohu’s Schwester noch das spannendste Buch von Pamuk…naja, jetzt nehmen wir einfach mal an, dass es an der Übersetzung liegt. Denn sonst hätte der ja wohl kaum den Nobelpreis bekommen, mit so einem gaaaanz langweiligen, literarischen Zeug, oder? Hab ich Recht?

Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau (2002)
Angeblich der Roman über das moderne Ägypten. Wenn dem so ist, möge die ägyptische Literatur noch etwas an sich arbeiten. Das ist aber trotzdem ein ganz solides, mitreissendes Buch, das viel von einer Seifenoper (also, wohl am ehesten von der Lindenstraße) hat und einem tatsächlich die ägyptische Gesellschaft etwas näher bringt. Durchaus empfehlenswert!

Friedrich Glauser: Matto regiert (OA 1936)
Ein Krimi, der in einer schweizerischen Irrenanstalt spielt (in der wohl der Autor selbst so manche Zeit verbracht hat). Cohu ist ja ansonsten keine Krimi-Liebhaberin, aber für Glauser mache ich eine Ausnahme, weil das ja schließlich auch (einer der ersten) “literarischen” Krimiautoren ist. Besonders interessant fand ich die Anmerkungen und den Editorischen Bericht (Ausgabe des Limmat Verlags Zürich, 1995)

Herman Melville: Bartleby (1853, in: Billy Budd and Other Stories, Penguin 1986)
Die surreale Geschichte des Schreibers Bartleby muss jeder gelesen haben. Hier kann man das sogar im Internet. Los, auf geht’s! Und ich will jetzt nicht hören “I would prefer not to.”

Henry David Thoreau: “Walden, or, Life in the Woods”(OA 1854), and: “Civil Disobedience” (Signet Classic, 1960)
Aha, jetzt kommen wir zu den guten Büchern. Walden muss nämlich auch jeder gelesen haben. Böse Zungen behaupten, das wär stinklangweilig, weil Thoreau sich seitenlang über die Tiefe seines Tümpels und das Leben von Eichhörnchen auslässt. Lirum, larum! Das Buch wird gelesen, meinetwegen auch da. Zumindest die Economy. Was für ein erfrischender Liberaler, ganz ohne Produktionswahn und Konsumfetischismus! Sonst will ich hier nämlich keinen, auch nur den leisesten, Globalisierungs- oder Kapitalismuskritischen Ton hören. Wer den Thoreau nicht kennt, braucht da gar nicht mitreden. Schluss, aus, Nikolaus!

Marisha Pessl: Special Topics in Calamity Physics (2006)
Wir haben einen Gewinner! Vom etwas Schnulzroman-artigen Cover bitte nicht abschrecken lassen, weiß nicht, was die sich da gedacht haben: es ist ein Thriller. Der ist fast so gut wie “The Little Friend” (Donna Tartt), nur noch etwas lustiger. Hat auch was von Eugenides. Aber Obacht. Das Ding hat 668 Seiten. Wer es aufschlägt, sollte darauf gefasst sein, bis zum Ende der Geschichte nicht mehr ansprechbar und nur eingeschränkt zur Arbeit, Sozialkontakten oder anderen Freizeitbeschäftigungen fähig zu sein. Eine ganz nette Internetseite hat das Buch übrigens auch. Ein großer Spaß!
[Beweis dafür, dass es keinen Gott gibt: die Autorin ist 27 und sieht so aus. Der SPON-Rezensent schäumt ob dieser Ungerechtigkeit vor offensichtlichem Neid derart über (“Steril wie ein Satz OP-Handschuhe”), dass er einem regelrecht leid tut…ach, Herr Henning, sie werden mit ihrer Schreibe sicher auch noch berühmt. Und schön. Und jung. Im nächsten Leben.]

Tapfere Résistance

Rahmstorf: sieht harmlos aus, aber oh weh!

Hihi, also diese Debatte dieser Zwergerlaufstand einer Gruppe von Klimaskeptikern, darunter auch der immer wieder durch gesteigerte Hirnrissigkeit auffallende "Zukunftsforscher" Matthias Horx ("Megatrend Gesundheit" – "Luxus ist elitär") entlockt mir doch das eine oder andere Kichern. Da erbost man sich tatsächlich über den Klimaforscher Rahmstorf vom PIK, nicht nur, weil er ein wenig Klimahysterie verbreitet, sondern auch weil er eine "schwarze Liste" von Journalisten führt, mit denen er nicht zusammenarbeitet, laut Skeptikervorwurf lediglich deshalb, weil sie "ihren Beruf ernst nehmen" und "eigenständig recherchieren"…Und man wirft ihm dann nicht nur vor, einen "heiligen Krieg", einen "Dschihad" zu führen, sondern man verwendet auch die elegante und dezente Formulierung, Rahmsdorf arbeite in der Klimadebatte auf einen Endsieg  hin.
Huihuihui! Endlich mal wieder ein Nazivergleich. Sogar den Popper zitieren sie (hey krass jetzt, richtig recherchiert, oder? So mit Buch gelesen, These verstanden, Argument gecheckt?), und sie verwenden ganz viele distanzierende "Anführungszeichen", und erfinden das Wort Apokalyptizismus, da müssen sie ja recht haben, die selbstständig recherchierenden Journalisten, Retter des kleinen Mannes.
[Niggemeier hat, wie ich sehe, auch was dazu geschrieben]

(Bild: Stefan Rahmstorf, PIK)

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Ein offener Brief (und Bemerkungen über besonders aufschlussreiche Anagramme)

Liebe SZ,
dass Du von mir abschreibst, bin ich ja schon gewohnt. Aber jetzt: muss es wirklich sein, dass Dein Feuilletonist Ijoma Mangold mein Thema klaut und eine halbe Seite lang über typisch deutsche Redewendungen labert? Zufällig sechs Wochen nach meinem Hinweis auf dieses interessante Gebiet? Ha!
Und, liebe SZ, ich hätte ja gern auf den Artikel verlinkt, damit die Leser vergleichen können, wer zum Thema Phrasen den sprichwörtlichen Nagel besser auf den Kopf trifft. (Als Indiz für die Überlegenheit meines Textes erlaube ich mir, darauf zu verweisen, dass Herr Spinat oder wie er heißt den letzten Absatz einleitet mit "Resümierend lässt sich sagen:…" ). Aber direkt vergleichen können meine Leser nicht, liebe SZ, weil Deine Artikel nicht im Internet stehen, außer für "E-Paper-Abonnenten". Neben Herrn Prantls Kommentaren ein Hauptgrund, warum ich Dein Abo gekündigt habe.
Resümierend lässt sich sagen: Mangold hat Unrecht, wenn er annimmt, das Schimpfwort "Aso" sei verschwunden. Wenn er behauptet "Statt dessen ist  heute mit bewegter oder belegter Stimme vom Hartz IV-Empfänger die Rede", dann können wir uns gut vorstellen, dass dies innerhalb der SZ-Redaktion tatsächlich der Fall ist (Prantl wacht!), der Autor aber momentan zu wenig Erfahrungen außerhalb dieser Redaktion sammelt. Aso!

Nochmal zu einem anderen, aber immer noch durchaus sprachlichen, Thema: der Name des Autors – übrigens ein echter, kein Künstlername – hat mich schon immer fasziniert. Der Vollständigkeit halber hier noch einige Anagramme, die sich daraus bilden lassen:

NAJA, LOG IM DOM
DA LAG JIM MONO
OLGA, JA, IM MOND
MAG MAL JOD ION
LIGA AN DJ MONO
GNOM-AAL IM JOD
und:
JODL AMIGO MAN

Zu der Tätigkeit in der Journalistenausbildung passt übrigens bei Mangolds Kollegen Prantl sehr gut: BAER LEHRT PRINT. Und dass Du selbst, liebe Süddeutsche, bei einiger Buchstabenverschiebung aufforderst: DU GUTE, SEI CSU-HETZEND, kann doch kein Zufall sein?
Wer an Anagrammen aus seinem eigenen Namen (bei mir ergibt sich da z.B. der schöne Räuber-Imperativ TASCHEN HER – TON ZU!)  interessiert ist, finde diese entweder mit Hirnschmalz und gespitzem Bleistift, oder aber hier heraus.

(Bild: Wikipedia)

Blümchen-Gaming

Wer weiblich ist oder aus anderen Gründen (?) in letzter Zeit mal das Damen-WC eines größeren Lokals betreten hat, hat vielleicht die an den Türen der Damentoiletten angeschlagenen Werbeplakate für ein neues Magazin bemerkt. Für die Blasenstarken oder Männer unter meinen Lesern: es handelt sich um ein Gaming-Magazin speziell für Frauen. In der Leseprobe finden sich etwa unter der Überschrift “Vamos a la playa” sog. “sexy Notebooks für den Trip ins Freie,” und – man hatte es befürchtet – “mädchengerechter” Gaming-content, so etwa ein Test einer Dressur-Reitsimulation (Isabell Werth Reitsport), “H&M Fashion-Accessoires” für die Sims sowie süße kleine Flashgames mit Häschen. Naja, so weit, so überflüssig.  Nun bin ich aber doch erstaunt über den Namen “Play Vanilla”. Sollte es sich bei den Herren/Damen Zeitschriftenmachern noch nicht rumgesprochen haben, dass “vanilla” in der großen, verdorbenen und von “special interests” durchseuchten Welt des Internetz größtenteils sehr eindeutig konnotiert (und auch noch überwiegend abschätzig gemeint) ist? Naja, eigentlich auch wieder beruhigend für die Leserinnen. Artikel über Rollenspiele aber dann bitte zukünftig unterlassen!!!

Scotland the Brave

Ich will den Mut des schottischen Taxifahrers, der sich mit einem der Glasgower Terroristen anlegte, keinesfalls in Abrede stellen. Aber davon mal abgesehen – das ist ja wohl die geilste Schlagzeile ever:

Da kann "Schwabing: Baggerfahrer verfolgt Dönermann" nicht mal ansatzweise mithalten…

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All work and no play…

Die NYT berichtet, dass jetzt auch einige amerikanische Unternehmen auf die Idee kommen, dass das übliche Bürodrohnen-(bzw. Batteriehuhn-)dasein mit 40-80 Stunden die Woche, die man per Stechuhrdrohung – wie das schon heißt, Stechuhr! – am Arbeitsplatz festgehalten wird, weder artgerecht ist noch zu besonders guten Ergebnissen führt, jedenfalls in dem Bereich der Erwerbsarbeit, den “knowledge workers” besetzen. Einige superduperschlaue Leute haben nämlich festgestellt, dass in Wirklichkeit nur 8-24 Stunden dieser “Arbeits-“Zeit produktiv genutzt werden (und tatsächlich “Output” hervorbringen, wie man das heute so schön modern sagt). Und dass lange “Arbeits-“Zeiten die Effizienz sogar vermindern.
Ich kann meine Freude darüber nicht verhehlen, denn die Behauptung mancher (Promotions-)Kollegen, sie “arbeiteten” jeden Tag etwa 8 Stunden in der Stabi an ihrer Diss, kam mir doch immer etwas zweifelhaft vor (übrigens vermute ich, dass die Produktivitätsquote pro Stunde in der Stabi, seit es dort Internetz gibt, um mindestens 30% gefallen ist. Aber zum Ausgleich hat die Stabi ja jetzt auch bis 12 Uhr Nachts auf, wie ich heute erfahren habe.)
Da fast nichts Spaß macht ohne ein schönes Akronym, haben sich die Amerikaner ein solches einfallen lassen, nämlich ROWE, will sagen Results Only Work Environment. Die Glücklichen, die statt im corporate kindergarden (inklusive Privat-Internetverbot und Handysperre, damit auch in Kreativitätspausen brav dumm in die Luft gestarrt wird!) in einem solch himmlischen Arrangement arbeiten dürfen, können heimgehen, wenn sie fertig sind, und wenn nichts zu tun ist, brauchen sie gar nicht zu kommen oder können erstmal ausschlafen. Arbeiten muss man trotzdem, aber ohne die Stechuhr im Nacken. Angeblich stieg nach der Einführung dieses Systems sowohl die Arbeitszufriedenheit als auch der Output sprunghaft an. Auch in anderen Bereichen macht man ja die Erfahrung, dass Menschen sich wie Erwachsene benehmen, sobald man sie nicht mehr wie Kleinkinder behandelt.
Im Rahmen der Verbesserung ihres eigenen ROWE-Environments hat sich Cohu gleich mal das schöne Buch “Write Your Dissertation in 15 Minutes a Day” bestellt. Der Titel schießt vielleicht etwas über’s Ziel hinaus, die Idee jedoch, lieber wenige Stunden die Woche – dafür mit Freude und sehr effizient – an der Diss zu sitzen, als bis um 12 Uhr nachts in der Stabi, weil – klassischer Fehler – “ich heut noch gar nichts geschrieben habe!”, scheint mir eine Gute zu sein.
Langer Artikel, Zeitverschwendung? Um es mit der NY Times zu sagen: perhaps it’s well spent. Und besser als Solitär ist Blogartikellesen allemal. Vorsicht, der Chef kommt!