Eine Packstation ist mitnichten eine Sonder-Haltestelle für sozial Schwache. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Einrichtung der DHL (der Logistik-Marke der “Deutsche Post World Net”), einen “Immer-Offen-Paketschalter“, d.h. einen Automaten, an den man sich Pakete schicken lassen und dann – nach komfortabler SMS-Benachrichtigung – jederzeit abholen kann. Super Idee, jedenfalls dann, wenn man zu den üblichen Zustellzeiten oft nicht zuhause ist und sich lästige Abholfahrten und Wartereien ersparen will. In der Theorie. In der Praxis sah es bei meinen Versuchen mehrheitlich so aus, dass “meine” Packstation (Adelheidstraße) voll war und man doch zur Filiale musste, um die Sendung abzuholen. Mit einem oder mehreren Tagen Verspätung natürlich, denn der Weg von der Adelheid- in die Filiale in der Agnesstraße (ca. 500m) will auch erst zurückgelegt sein…
Heute war das auch wieder so. Nachdem die transusige Postbeamtin mir, nach erstaunlich langem Stöbern im Lager, mein Amazonpackerl ausgehändigt hatte, ging der Querulantenwahn mit mir durch:
“Kann es eigentlich sein, dass diese Packstation immer voll ist?” – die Postsuse sah mich mit groooßen, traurigen Hundeaugen an, ließ die Arme hilflos hängen und zuckte mit den Schultern: “Weißnich?”
Cohu gibt so leicht nicht auf: “Ich hab das jetzt schon mehrmals versucht. Jedesmal ist die Station voll. An wen kann ich mich denn da wenden?” – “Jaaaa, also den Zusteller…” (Hoffnung flammte bei Cohu auf!) “…also an den Zusteller brauchen Sie sich da nicht wenden, der kann da auch nichts machen! Also, ichweißauchnicht!”
Nach dieser anfänglichen Enttäuschung versuchte ich es jetzt mit der in Frauenzeitschriften oft angepriesenen “Empathie”-Methode, indem ich eine gefühlsmäßige Verbingung zur Suse aufbaute: “Ich weiß ja auch, dass Sie nichts dafür können. Aber wem kann ich denn mitteilen, dass dieses Zustellsystem hier nicht funktioniert?”- hilfesuchend blickte ich der Suse in die Augen, immerhin sah man jetzt sowas wie denktypische Bewegungen in ihrem Gesicht, und tatsächlich, da kam ein ganzer Redeschwall: “Ja also da kann man gar nix machen, glaub ich, weil, wissen Sie, des verwenden ja MEHRERE Leute, diese Packstation, da weiß man ja vorher nicht, wann es voll ist…”
Vorsichtig tastete ich mich vorwärts…immer ein Schritt nach dem anderen: “Hm, wenn die Station nun immer voll ist, ist das doch vielleicht ein Zeichen dafür, dass man noch eine aufstellen sollte…” Aber nun wurde die Suse knallhart: “Also, da glaub ich nicht, dass sie Erfolg haben, weil, noch so eine Station, des wäre ja auch ein finanzieller Aufwand, des glaube ich nicht, dass des geht!”
Ich überlegte an dieser Stelle kurz, ob ich die Suse darauf hinweisen sollte, dass die Packstation im Gegenzug eine enorme Einsparung an den Personalkosten bewirken würde und dass dann vielleicht auch ihr Arbeitsplatz…. aber ich sah aus humanitären Erwägungen davon ab.
Als ich mit einem freundlichen Gruß auf den Lippen die Filiale verließ, rief mir die Postsuse noch nach “Also ich vermerke das jetzt mal, aber ob das weitergegeben wird, das kann ich Ihnen nicht sagen!” – Ein schönes Schlusswort, wie ich finde.