Wahlkrampf

Nachdem sich ja heute anscheinend wirklich jeder Grattler zur politischen Lage äußern darf, soll auch mein Händlmaier nicht fehlen. Ich packe als Überschrift einen ächzenden Kalauer aus und los gehts: Mann, mann, mann, so wird das nichts! Was Deutschland fehlt, ist doch zunächst mal ein zünftiger Experte. Hätte die Merkel mal lieber so jemanden wie Paul A. Samuelson gefragt (lesen!). Gegen so ein Genie – sieht man nämlich schon an der Fliege, der Brille und den sicherlich vorhandenen Experten-Hosenträgern – kann doch dieser reaktionäre Professor aus Heidelberg einpacken! Ach so, hat er eh schon. Na ja.
Und wer hat jetzt noch Visionen? Nur noch der Schröder! Wenn der weiter die Drogen nimmt, auf denen er gestern war (hab mir grad nochmal die Elefantenrunde reingezogen), dann fängt der spätestens nächstes Jahr einen Angriffskrieg gegen die U.S.A. an. Aber den größten cringe-Faktor hatte für mich eindeutig dieses minutenlange “Angie, Angie”-Mantra, das in den Unions-Baracken vor einer vollkommen charisma-freien, unbeteiligt wirkenden Frau abgesungen wurde. Was sind das für Menschen? Wenn es in dieser Sekte wenigstens Sex-Orgien gäbe, dann könnt ichs ja noch verstehen, aber so…
Wie auch immer, man soll positiv denken. Erstens: Ich alte Sammlerin bin mir so gut wie sicher, dass diese Woche in der Hitze des Gefechts noch jemandem ein Nazivergleich rausrutscht (bitte melden!). Zweitens: mein Wahlkreis hat zu meiner vollsten Zufriedenheit gewählt, wenn man mal von den peinlichen Max-E-Ausrutschern absieht. Drittens: Es gab einen Anzapfrekord! Wenn das nichts ist…

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Wohnungslos damals und heute

Ist das jetzt spontane Sympathie aufgrund drohender eigener Betroffenheit? Jedenfalls hat Herr B. einen Riesen-Artikel über den Umgang mit Wohnungslosen in der NS-Zeit für die taz verfasst, dessen Lektüre ich euch ob des leider kaum bekannten Themas sehr ans Herz lege.
Zu meiner großen Freude versteckt sich unter “Wohnungslose heute” sogar noch ein kleiner, süßer Nazi-Vergleich, der hiermit in meine Sammlung aufgenommen wird:  “Mit den so genannten “Ein-Euro-Jobs” werde “der NS-Reichsarbeitsdienst in
einem neuen Gewand eingeführt”, meinte Thüringens DGB-Chef Frank Spieth im
Sommer 2004 in Bezug auf das Hartz-Gesetz.”

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Google Blog-Suche

Schon wieder so was langweiliges computriges. Wahnsinn, wie die ihre Betas raushauen…

Falls ihr es noch nicht kennt: Google Blog-Suche.
Die findet schon so manches Blog, egal, in welchen obskuren Ländern der Autor sich gerade versteckt hält (meins allerdings nicht).

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Die Spannung steigt!

In 10, halt, 5 Minuten stellt Bill Gates das neue Betriebssystem Windows Vista vor. Gespannt sitzen alle Geeks der Welt vor dem Keynote-Stream. Also bis auf die Frustrierten, die sich auf Linux und andere extremistische Betriebssysteme
stürzen. Was ich jetzt schon sagen kann: ja, die spielen gerade ernsthaft “Staying Alive”. Ob sich das irgendwie auf die langsam heftige Konkurrenz mitGoogle bezieht? Oder auf die Verwunderung, dass sowas g’lumperts wie Windowsimmer noch am Leben ist? Und ja, es sieht echt genauso aus wie OS X! Und damit ist ja endlich klar, dass ich mir kein IBuch mehr kaufen muss…

Update: toll, Windows Vista hat sogar Widg…äh, ich meine “Gadgets” mit “beautiful animations”, die mich irgendwie…an irgendwas erinnern. Lasse mir übrigens das Wortspiel “Hasta la vista” gleich patentieren.

Update:  IE hat jetzt tabbed browsing. Mann, wie die auf so ne tolle Idee gekommen sind? Kann mich nicht erinnern, sowas jemals zuvor…obwohl…vielleicht doch? Wo war das nochmal…

Update: Wahnsinn, IE erkennt jetzt automatisch RSS-Feeds auf Webseiten! Das bietet jetzt aber wirklich kein anderer Brows… äh.. obwohl…

Update: In Office 12 schaffen sie die Menüs ab. Und alles wird mehr oder weniger übersichtlich. Damit gehören dann wohl auch vertraute Dialoge wie: “Jetzt gehst du zu Einstellungen, und dann zu…” – “Was? Einstellungen? Das steht da nicht? Wie soll ich da hingehen…” verloren. Und wir jungen Leute werden noch weniger Worte mit unseren Eltern wechseln…

Update: Übrigens, wenn Bill Gates eine Inkarnation des Bösen sein soll, dann muss man schon erstaunt sein, welche Formen sich der Sparifankerl geben kann. So eine anal-retentive Körpersprache, so schlechte Witze, so langweiliges Gelaber, so spießige Powerpoint-Folien, kein bisserl Charisma: würde Satan wirklich so auftreten? Oder ist das jetzt die Banalität des Bösen?

Was man so lesen muss

"Mit der Emanzipation der Form ist die konstitutive Bedürftigkeit des
Lebens in einem gegeben und bildet mit ihr einen unteilbaren Tatbestand. – Die
Freiheit im Verhältnis zur Materie, die im stoffwechselnden Sein der Form sich
tätigt, bedeutet ipso facto zugleich Angewiesenheit auf Materie; und zwar eben
nach dem Maße der Umsatzdynamik der Form, das doch andrerseits gerade der Index
ihrer ontologischen Freiheit ist."
[Hans Jonas, Das Prinzip Leben (1994), S. 181]

Ja, und deshalb freue ich mich auch diesmal wieder wahnsinnig, dass ich einen
kontinentalphilosophischen Text lesen darf!

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Onkel Fritz

Nachdem unser Mann in Casablanca ja letzte Woche seine WG-erfahrene und berühmte Verwandtschaft
so überschwänglich gelobt hat (siehe Kommentare), muss ich jetzt schon mal fragen: Ist das ein Verwandter, der da am Sonntag in meinem Wahlkreis antritt und “unserem Axel” das Direktmandat entreißen will?

Übrigens: einen – nicht nur inhaltlich – äußerst erheiternden Artikel über die Flügelkämpfe innerhalb der München-WASG findet ihr hier. Anscheinend ist Fritz einigen in der “Linken” nämlich nicht links genug, kurz, ein “Sozi”! Ganz im Gegensatz zu Max Brym, der um den Listenplatz mit ihm konkurrierte (der ist nämlich, Zitat, ein “Chaot” und “Putschist”)

“Der Beitrag von Fritz Schmalzbauer war was die rhetorische Begabung betrifft mit Max Brym auf Augenhöhe. Inhaltlich traten jedoch für den Zuhörer deutliche Unterschiede zu tage Schmalzbauer erklärte er sei auch für den „Demokratischen Sozialismus“ man müsse aber vorher im Parlament arbeiten. Als wichtiges Vorbild diene ihm Willy Brandt.

Daraufhin meinte Brym:“ Wenns hier schon um Vorbilder geht, dann halte ich mehr von Rosa Luxemburg“ Auf die Frage was das heißt, meinte Brym: „Rosa hat jede Menge wertvolle Schriften hinterlassen und wurde als Revolutionärin ermordet. Willy Brand hingegen hinterließ nur die Berufsverbote, seine Memoiren und eine Witwe, die ziemlich weit rechts steht.“

An dieser Stelle verlor Schmalzbauer fast die Beherrschung. (…)”

Heavy Petting

Endlich ist es so weit: ich kann in einer wissenschaftlichen Arbeit Peter Singers äußerst erstaunlichen Artikel
zum Thema “Sex mit Tieren” zitieren (genauer gesagt ist es eine Rezension des Buches “Dearest Pet” von Midas Dekker).

Die Behauptungen gewisser Neu-Neujorker, ich würde zu diesem Thema auch promovieren, muss ich aber weit von mir weisen. Besser als Singer kann ichs ja eh nicht sagen…schon der Titel ist unübertrefflich!

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Der Münchner Schorsch

Mein Nachbar, einigen von Euch, die mich schon mal besucht haben, vielleicht als “Blockwart” bekannt (nicht zu verwechseln mit dem Blogwart), hat die Angewohnheit, sich von seinem Balkon aus bzw. im Hof lautstark mit anderen Nachbarn zu unterhalten. Na ja, eigentlich nur mit Nachbarinnen, und zwar den unter-30-jährigen. Unterhalten im Sinne von Monologisieren.
Mich weist er jedes mal, wenn er mich bei den Briefkästen trifft, darauf hin: “Der Postler war schon da! Hast sicher wieder Liebesbriefe kriegt, Madele!”. Meine Nachbarin durfte sich gerade auch wieder einen Sermon anhören über die Gefahren des Rauchens (“I hab zehn Autos g’habt, und in keinem is g’raucht worden, des geht ja ned, in am g’schlossnem Raum”), die Unfähigkeit der Frauen – im Bezug auf die Pflege von Balkonblumen (“I hab ja die Geranien, aus Spanien, haha, naa, und hast Du dein vertrocknets Zeigl jetz weggschmissn? Wo hastes na hintan?”)  und das Kochen (“Wenn ich a Frau hätt, dann tät ich kochen und sie bräucht nur abspülen! Heut gibts wieder ein Bohnengemüse, was ganz was Feins!”). Also, ein echtes Original, wie aus den Münchner Gschichten. Was ich am lustigsten finde: er bezeichnet sich selbst als “Münchner Schorsch” und verwendet wunderbare Idiome wie “Jaa, mit dem Lungenkrebs, da hast dann an Dreck im Schachterl”.
Zudem wird jeder der drolligen Monologe mit einem versöhnlichen Hinweis abgeschlossen: “Naa, du brauchst ned sterben, du bist ja a ganz a Hübsche. Du stirbst noch nicht!” – oder nach einer langen Erzählung über seine Augenoperation: “Aber jetzt siag i wieder, fümfazwanzg Prozent mehr als vorher, jetzt siag i’s wieder alle, die hübschen jungen Madln!”. Reizend!

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Alle Macht den Keksen!

Herr B. sucht ein Zuhause

Liebe
Leser,
aus dem fernen Bremen wendet sich heute an mich  als “Kennerin der Münchner
Szene” (Zitat!) ein ehemaliger Kommilitone, der “ab dem 1. Oktober, dem 15.
Oktober oder dem 1. November” ein Zimmer sucht. Lest selbst:

“Idealerweise stelle ich mir Folgendes vor:
Wir, zwei Schönheitsköniginnen (Miss-Bayern 2004 und Miss-Oktoberfest 2005),
24 und 25 Jahre, suchen einen netten, unkomplizierten und nichtrauchenden
Mitbewohner (25+). Intellektueller bevorzugt! Miete: 100 Euro warm, Nähe
Marienplatz Universität.
Also, wenn Sie ein solches oder ähnliches (bei allen Kriterien bin ich zu
Kompromissen bereit) Angebot finden sollten oder kennen sollten, wäre ich
Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich darauf aufmerksam machen könnten.
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Ihr alter Kommilitone, …”

Für alle von Euch, die vielleicht einen Nach-, Mit-, Unter- oder (für die
Immobilienhaie unter Euch) Mieter suchen, möchte ich betonen: Der Applikant,
nennen wir ihn Herrn B., ist ausdrücklich cohu-prämiert! Er ist – ganz abgesehen
von seinen höflichen, äußerst zuvorkommenden Umgangsformen – WG-erfahren
(Studentenwohnheim, College), unkompliziert, hilfsbereit und zudem ein künftiger
Kollege von mir, da er ebenfalls an der LMU promovieren wird.
Ich möchte jeden, der ein Angebot oder eine Idee für Herrn B’s Unterbringung
hat, bitten, mir unter cohu”at”gmx.de, Kennwort “Herr B.”, zu schreiben, ich
werde dann alles weiterleiten.