Baustelle

Da dieses Blog in den nächsten Tagen zu WordPress.com umzieht, kann es vorübergehend zu Anzeigeproblemen kommen. Unter Umständen kann man die Seite auch mal kurzfristig gar nicht aufrufen. Aber keine Angst – es bleibt bei der altbewährten Domain http://www.cohu.de.

Die Adresse des RSS-Feeds wird sich allerdings ändern, die neue Feed-Adresse gebe ich hier an, sobald ich sie weiß.

Erntedank

Endlich: die diesjährige Shortlist des Bad Sex in Fiction Award (Cohu berichtete) ist da! Und wieder habe ich in der, Zitat Literary Review, “reichen Ernte” der weitestgehend unerträglichen Passagen eine entdeckt, die mich meine Amazon-Wunschliste updaten lässt…der geneigte Leser wird glaube ich relativ leicht dahinter kommen, welche ich meine. (Hoffentlich liege ich nicht so daneben wie letztes Jahr, das hier war nämlich wirklich schrecklich.) Und: die Jonathan Littell-Passagen haben mich darin bestärkt, Die Wohlgesinnten auch weiterhin nicht zu lesen.

Bei Flavorwire findet man auch noch eine All-Time-Top-Ten-Liste mit berüchtigten Klassikern des Genres wie Ayn Rand, und auch Juwelen wie diesem hier:

“She moved her hips again and continued to fuck my lights out. I thought of Franklin Delano Roosevelt, who, the story goes, knew the instant he heard the name Adolf Hitler that he had brushed up against the reason he was born.”

Diese, äh, überraschende Hitlerreferenz vom ansonsten (zu Recht?) eher für seine Schauspielkunst bekannten Ethan Hawke könnte man für schlappe 7,95€ übrigens sogar in deutscher Übersetzung genießen, wenn man wollte.

Gibt es eigentlich einen vergleichbaren Preis für deutschsprachige Literatur? (Vermutlich nicht, Sex fällt ja unter “Handlung”, und mit sowas macht man sich hierzulande eher unbeliebt…)

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Tuning

Sieh da: man braucht nur so ne bescheuerte Badekappe in bedrohlichem Schwarz und eine verspiegelte, aerodynamische Schwimmbrille aufzusetzen, und schon machen die Entgegenkommenden einem zwanzig Meter im Voraus die Bahn frei. Sogar die ansonsten besonders ausweichunwilligen a) alten Damen in Senkrechtschwimmposition b) midlifecrisisgeplagten Marathontrainierer.

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November

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Just Say No

Also, dem Vatikan kann man’s aber auch nicht recht machen. Da schreibt eine überzeugte Christin einen phänomenalen, schätzingesken Welterfolgsbestseller mit Spaß, Spannung und was zum Spielen – ganz offensichtlich primär zu dem Zweck, Abstinenzpropaganda für Teenager zu machen, denn:

He and Bella are instantly, overwhelmingly attracted to each other, but he is also wildly hungry for her blood. Resisting that temptation is a constant struggle. Edward’s choice–and the willingness to choose a different way in general–is a major theme in Meyer’s books. "I really think that’s the underlying metaphor of my vampires," she says. "It doesn’t matter where you’re stuck in life or what you think you have to do; you can always choose something else. There’s always a different path." (Time Magazine: Stephenie Meyer: A New J.K. Rowling?)

…und dann warnt, angesichts der Verfilmung dieser ausgewiesenen Anti-Pornographie, der Filmexperte des Vatikan vor "Exzessen" und "Massenhysterie" und "Bildern, die eine totale Leere verbergen". Ihr Katholiken wisst doch auch nicht, was ihr wollt!

(Ich fand den Vampirschmarrn ja übrigens unerträglich und hab ihn, nachdem ich drei viertel des Buches mit einer Mischung aus Abscheu und Langeweile hinter mich gebracht hatte, absichtlich und aus Trotz im Hotelzimmer liegenlassen. Für die "erotics of abstinence" bin ich also wohl genauso wenig empfänglich wie der Vatikan.)
 

Nachtrag: Was Amerika schon immer über uns wissen wollte…

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Auf gut Glück

Mit dieser altbekannten Googlefunktion kann man viel Spaß haben – manchmal liegt Autocomplete aber ziemlich richtig:

Und:

Pioniergeist

Beflügelt von den Erfolgen der Joghurt-Piraterie wagt sich Cohu momentan an den Heiligen Gral der Brotbäcker: den Sauerteig. Das erstaunliche am Sauerteig ist zunächst einmal, dass er sozusagen aus dem Nichts entsteht. Man nimmt Mehl, Wasser, lässt das alles eine Zeitlang stehen, und voilá: es erwacht zum Leben. Quasi Spontanzeugung, wie bei Aristoteles oder in der Torah (der moderne Spielverderber wird darauf hinweisen, dass die Hefen und Bakterien schon im Mehl schlummern und durch Zugabe von Wasser quasi nur aufgeweckt werden – Pssst!). Jedenfalls ein Traum für jeden, der Unabhängigkeit vom militärisch-industriellen Komplex anstrebt. Er oder sie sei aber gewarnt: das ist eine langwierige Angelegenheit, die man nicht zwischen Tür und Angel bzw. Pflasterstein und Molotowcocktail erledigen kann (historisch gesehen auch nicht nach überstürzter Abreise). Mein Sauerteig jedenfalls säuert jetzt schon seit fast zwei Wochen vor sich hin, und ist bei Weitem noch nicht bereit zum Backen.

Wenn einige meiner Leser jetzt in die altbekannte Klage über "Hausfrauencontent" einstimmen, kann ich nur sagen: mitnichten, meine Herren! Sauerteig ist genau wie Angeln und Kleintierjagd in der Moderne zur Männersache geworden. Das fing nicht erst mit Erfindung des Internets mit seinen männerdominierten Spezialistenforen an (auch hier übrigens steht Piraterie hoch im Kurs!), sondern schon viel, viel früher. Einer der bekanntesten Sauerteige etwa ist "Carl". Er wird seit dem Jahr 1847 von einer amerikanischen Familie geführt und war sogar auf dem Oregon Trail dabei – also bei der allerersten Siedlerwelle gen Westen. Angeregt von einem mittlerweile verstorbenen Familienmitglied kann man sich diese Kultur noch heute kostenlos überall auf der Welt zuschicken lassen. Sauerteig ist – und damit ist seine Maskulinität ja fast schon besiegelt – seit diesen Pionierzeiten auch eine Sache der Cowboys:

"Here follows several very fine recipes for sourdough pancakes or flapjacks, take your pick ’cause they’re all real good. These cakes are especially delicious when cooked out-of-doors over an open campfire when you’re fishing, hunting, out gold prospecting or mining." (Sourdough cooking recipes on cowboyshowcase.com)

Da es in der Prärie keine Hefe zu kaufen gab, hatte jedes Cowboycamp eine liebevoll gehegte Sauerteigkultur. Altgedienten Kräften verliehen die Eroberer des Nordamerikanischen Kontinents die Ehrenbezeichnung "Sourdough", was erklärt, warum es heute noch so viele Countrysänger mit Sauerteig im Namen gibt (den texanischen Sourdough Cowboy, Dale "Sourdough" Myres, Sourdough Slim, Dusty Sourdough). Jaha, werden nun einige sagen, die Cowboys, die kamen mir schon länger verdächtig vor…

Aber: selbst in der verbrieft männlichsten Gegend der Erde, einem Land, in dem man Wolfsjagd aus dem Flugzeug betreibt und schon die Kleinsten die süßen Rentiere noch aus nächster Nähe kennenlernen – selbst in Alaska also gehört Sauerteig zu den must haves traditioneller Küche. Die abgebrühtesten Jack-London-Charaktere, die Herren im Goldgeschäft nämlich, hatten sauerteigmäßig wirklich überhaupt keine Berührungsängste:

"The sourdough starter is delicate and must be kept warm to remain active. The miners usually carried it in a leather pouch on their belt, next to their bodies, on the long journey to the gold fields. In California, the starter was stored through the night near the embers of the fire or balanced on the rafters of the miners’ cabin. In the cold northern reaches of Alaska, the miners kept the starter in their beds at night so it would not freeze." (Sourdough baking, Anya Fernald)

Hm. Ich hoffe, dass hierzulande auch der Platz über dem Heizkörper ausreicht…

(Bild: "The Cow Boy", 1888, Library of Congress via Wikimedia Commons)

Was aber noch fehlt…

…bei den Forderungen der LMU-Besetzer: die vegane Mensa und die lang überfällige Aufhebung der sexistischen Geschlechtersegregation im Toilettenbereich.

(Auf einem großen Schild wurde übrigens die Presse dazu aufgefordert, mit den Protestierern Rücksprache zu halten, bevor man einfach anarchisch losfotografiert und -filmt: The revolution will not be televised.)

Decline of a Nation: Oh Deer

Großbritannien ist bekannt für seine ausgefallenen Hobbies. Neben diversen anoraks wie dem Zug-, Flugzeug-, Bus-, Schiff-, Sturm- und dem Vogelspotter (vulgo Twitcher) gibt es auch deer-spotter. Die sind fasziniert vom Naturschauspiel geschlechtsreifer Cervi elaphi zur Paarungszeit:

"Testosterone-charged stags with thickened manes make a fearsome sight as, muscles rippling, flanks caked in mud, breath billowing white against the dark heather, they roar their welcome to the dawn…"

Sauberer Geweihporno also. Aber dieses Jahr habens die Hirschnerds übertrieben:

"We had one stag who walked all the way here from Bournemouth and as soon as he got here he was surrounded by 29 people with cameras. There are so many people coming now that they disturb the animals." (…) One stag arrived last week. "The next day we had 50 or 60 people here. They came from Bristol, Devon and Cornwall after they read about him on a website." (Guardian)

Mal wieder ist es Zeit für den Briten, sich am Deutschen ein Beispiel zu nehmen. Auch wir schätzen ja traditionell die Hirschbrunft, aber wir machen’s richtig und hängen uns einfach so einen zünftigen Gesellen über das Sofa, statt mit der Spiegelreflex zum stagstalking zu hetzen. Wem das zu unreflektiert ist, der kann interpretatorisch etwas mit Bazon Brock nachhelfen.

(Ein Rätsel der Hirschbrunft bleibt allerdings ungelöst. Jeden Herbst wundert sich Cohu wieder über das obige Schild im Tierpark Hellabrunn: Warum wird das Damwild-Streichelgehege denn bitte aus Tierschutzgründen geschlossen? Wären das nicht eher "Menschenschutzgründe"?)

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