Decline of a Nation: Oh Deer

Großbritannien ist bekannt für seine ausgefallenen Hobbies. Neben diversen anoraks wie dem Zug-, Flugzeug-, Bus-, Schiff-, Sturm- und dem Vogelspotter (vulgo Twitcher) gibt es auch deer-spotter. Die sind fasziniert vom Naturschauspiel geschlechtsreifer Cervi elaphi zur Paarungszeit:

"Testosterone-charged stags with thickened manes make a fearsome sight as, muscles rippling, flanks caked in mud, breath billowing white against the dark heather, they roar their welcome to the dawn…"

Sauberer Geweihporno also. Aber dieses Jahr habens die Hirschnerds übertrieben:

"We had one stag who walked all the way here from Bournemouth and as soon as he got here he was surrounded by 29 people with cameras. There are so many people coming now that they disturb the animals." (…) One stag arrived last week. "The next day we had 50 or 60 people here. They came from Bristol, Devon and Cornwall after they read about him on a website." (Guardian)

Mal wieder ist es Zeit für den Briten, sich am Deutschen ein Beispiel zu nehmen. Auch wir schätzen ja traditionell die Hirschbrunft, aber wir machen’s richtig und hängen uns einfach so einen zünftigen Gesellen über das Sofa, statt mit der Spiegelreflex zum stagstalking zu hetzen. Wem das zu unreflektiert ist, der kann interpretatorisch etwas mit Bazon Brock nachhelfen.

(Ein Rätsel der Hirschbrunft bleibt allerdings ungelöst. Jeden Herbst wundert sich Cohu wieder über das obige Schild im Tierpark Hellabrunn: Warum wird das Damwild-Streichelgehege denn bitte aus Tierschutzgründen geschlossen? Wären das nicht eher "Menschenschutzgründe"?)

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