Panopticon

Jahrzehntelang gänzlich unbeobachtet am Schreibtisch schmoren und sich in der viel zu kurzen Mittagspause dann auch noch von den Kollegen Tesa und Traube-Nuss aus der Schublade klauen lassen? Eine wahre Horrorvorstellung, wie schon Jeremy Bentham wusste!

Hier kann man sich zur Abhilfe eine schöne Überwachungskamera aus Papier basteln. Derart sicherheitstechnisch ausgerüstet kommt man sich 1. wesentlich wichtiger vor und 2. schützt den Arbeitsplatz vor diebischen Elstern. Ein voller Erfolg!

(Bild: Deutsches Institut für Normung/Wikimedia Commons)

Rätsel

Welches rätselhafte X, liebe Leser, zieht wohl nächste Woche in Cohus Haushalt ein?

Man braucht zwei kräftige Männer, um X zu tragen.
Wenn man X untenrum tritt, wird es weich oder leise.
Im Zusammenhang mit X spielt die Zahl 88 eine große Rolle.
Obenrum ist X spiegelglatt.
X ist ständig leicht verstimmt und ein bisschen zu laut für kleine Räume.

(Kleiner Tipp: trotz deutlicher Anzeichen ist X kein Neonazi!)

Must, like a whore, unpack my heart with words

Ich muss zugeben, ich hab hier ja schon oft ganz böse über die SZ – insbesondere über ihren Online-Ableger sueddeutsche.de – gelästert und geschimpft. Irgendwie dachte ich, die habens nicht so drauf. Spontane Assoziationskette zum SZ-Onlineangebot: Titten-Bildstrecken, von Praktikanten mühsam betextet, dazu ein wildes Sammelsurium an Tipp- und Sachfehlern, rechts, links, dazwischen, oben und unten Werbung, und zu guter Letzt eine absurde Kommentarpolitik. Aber ich lag ganz falsch. Die Jungs stehen für mich seit gestern noch weit vor der Titanic, weil sie wirklich einen ausgeprägten Humor haben.

Oder kann man es sich anders erklären, wenn Hans-Jürgen Jakobs, der Chefredakteur von sueddeutsche.de, ausgerechnet dieses Buch schreibt?

"Medien sind der Kitt der Zivil- und Bürgergesellschaft. Ein Gemeinschaftswesen ist nicht lebendig ohne Presse und Rundfunk, die den Bürgern gemeinschaftliche Themen liefern. Soziologen wissen, dass Menschen etwas wissen wollen über die Werte, an die sie sich halten können – und von solchen Werten können sie nur in unabhängigen, freien Medien erfahren. Diese Medien stehen, wenn sie stark sind, für Glaubwürdigkeit. Wenn sie diese Qualität verlieren, gehen sie unter im Kampf um die nächste Gesellschaft." (Hans-Jürgen Jakobs: "Geist oder Geld. Der große Ausverkauf der freien Meinung.")

Was haben wir gelacht. Weiter so, Herr Jakobs!

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Plötzlicher Sinneswandel

Cohu hatte bis jetzt eigentlich nie das Bedürfnis, die Stadt Bern zu besuchen. Seit ich aber (wohlgemerkt innerhalb von 2 Tagen…) den Vorrat an Trüffeln aufgebraucht habe, die mir die IT dankenswerterweise von der dort ansässigen Confiserie Läderach mitgebracht hat, ist das anders.

Ich glaube, ich muss unbedingt mal ganz dringend in der nächsten Zeit so bald wie möglich und unverzüglich, unaufschiebbar und unabwendbar nach Bern.

[Inwiefern eigentlich diese schweizer Firma mit dem gleichnamigen deutschen Unternehmen zusammenhängt, ist mir nicht ganz klar…]

(Bild: Wikimedia Commons)

Pädagogischer Eros, statistisch betrachtet

Der großartige Greg Mankiw macht auf eine interessante statistische Untersuchung aufmerksam –  die Wissenschaftler James Felton et al. haben sich in ihrem Paper Attractiveness, Easiness, and Other Issues: Student Evaluations of Professors on RateMyProfessors.com mit den Daten der amerikanischen Seite "Rate My Professors" beschäftigt. Dort haben Studenten die Möglichkeit, ihre Professoren nicht nur fachlich, sondern auch im Hinblick auf ihre sexuelle Attraktivität hin zu bewerten. Felton et al. untersuchen die Korrelationen zwischen unterschiedlichen Bewertungskritierien. Was Mankiw – und uns – aber sogar noch mehr interessiert, sind die fachvergleichenden Unterschiede hinsichtlich der sexuellen Attraktivität der Professoren (und -innen). Crooked Timber fragt also: in welchen Fächern finden sich die heißesten Dozenten? Die Ergebnisse sind der Abbildung zu entnehmen.

Der erste Platz der Languages ist vielleicht noch dadurch zu erklären, dass fremde Sprachen einen gewissen erotischen Reiz ausstrahlen – wer, liebe Leser, ist nicht schon angesichts eines reizenden Akzents regelrecht dahingeschmolzen? (Eine der seltenen Ausnahmen von dieser zeitlosen Regel findet sich hier).

Aber schon bei Platz zwei brechen alle Erklärungsmodelle zusammen. Jura? Wir müssen hier natürlich eine Einschränkung machen: die Daten beruhen auf Bewertungen nicht aller Studenten oder gar der Gesamtbevölkerung, sondern natürlicherweise nur auf der Einschätzung der Jurastudenten – sie scheinen also ihre Professoren überdurchschnittlich heiß zu finden, unabhängig davon, was der Rest der Welt dazu sagen würde. Man kann hoffen, dass ein ähnliches Erklärungsmodell auch auf den dritten Platz – Religion – anzuwenden ist – oder verpassen wir Nicht-Theologen da was?

Warum nun verlinkt Herr Mankiw auf diese Ergebnisse? Am Ranking seines eigenen Fachs kann es nicht liegen: VWL liegt erwartungsgemäß weit abgeschlagen grade mal einen Platz vor Mathematik. Aber zumindest mit seinem eigenen Ranking bei Ratemyprofessors.com dürfte er zufrieden sein:

"Mankiw is probably God in human form. He’s one of the most attractive men I’ve ever seen and some say he has brains as well. I’ve never seen his wife, but I bet she’s a looker." (Mankiws Bewertung bei ratemyprofessors.com)

Eine deutsche Professorenbewertungsseite findet man übrigens unter MeinProf.de. Kriterien wie "Hotness" werden da leider nicht berücksichtigt, vermutlich aus der irrigen Annahme heraus, solche Dinge seien fürs gedeihliche Lernen irrelevant. Vor ein paar tausend Jahren war man da in Europa schon mal weiter. Mit dem pädagogischen Eros meinte Platon nämlich beileibe nicht rein asexuelle Nettigkeiten, auch, wenn man das in allzu schultauglich sterilisierten Interpretationen seines Werks heute gerne so darstellt. Vielleicht haben wir es dieser großen Tradition zu verdanken, dass die Philosophie es – trotz der bekannten Vorliebe ihrer Vertreter für die Beschränkung auf geistige Qualitäten – doch noch auf einen respektablen neunten Platz schafft.

Volltreffer

Geschmackvolle Anzeigenplatzierung in einem sueddeutsche.de-Artikel über eine Selbsthilfegruppe für jung verwitwete Männer. Gut, das ist jetzt schäbig, sich darüber lustig zu machen, schließlich finden sich unter dem gleichen Artikel auch wirklich passende und für die Zielgruppe hilfreiche Anzeigen:

Wie heißt es so schön beim AdSense-Optimierungs-Team: "Die Süddeutsche hat das Potenzial der Anzeigenplatzierung gleich von Anfang erkannt und erfolgreich genutzt."

Kinoun akineton

Simulationsobjekt
Articulatio composita

Der moderne Mensch steht, wie es so vielfach von besorgten Mitmenschen beklagt wird, unter dem Beschuss eines enormen, immer weiter um sich greifenden Konsumterrors. Während sich der Homo Sapiens in der Vergangenheit mit Kinkerlitzchen wie Säbelzahntigern und natürlichen Geburten die Zeit vertrieb, ist er heute ein Gehetzter, ein Getriebener der eigenen Affluenz. Und während er also, letztlich ahnungs- und willenlos, durch das Jammertal des Wohlstands wankt, tappt er in manchen Konsumfalle, vor die ihn nicht einmal die menschliche Eigenart der Vernunft bewahren kann.
Zur Veranschaulichung der Gefahr: Schon im 18. Jahrhundert erfand Monsieur Perrelet handliche Zeitmesser, die sich, durch die kleinen Alltagsbewegungen des Handgelenks getrieben, immer wieder selbst aufladen – Triumph menschlicher Ratio! Wer eine solche Uhr hat – so denkt man, wenn man den Mechanismus des Konsumterrors noch nicht kennt – wer eine solche Uhr besitzt, dessen Bedürfnisse müssen restlos befriedigt sein. Nie wieder den Kopf in Richtung Sternenhimmel drehen, an winzigen Rädern wuzeln, Batterien kaufen oder gar auf den Sonnenaufgang warten. Die Zeitfrage ist ein- für alle mal geklärt, der Kopf des Uhrträgers nun frei für Wichtigeres (z.B. Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit o.ä.).
Doch weit gefehlt. Konsumterroristen sind ja keine RAF, die gleich den Schwanz einzieht, nur weil sie mal ein paar Jahre lang ein bisserl überflüssig wirkt – neinnein. Im Jahre 2009 bietet also die Firma Pro-Idee ein Gerät feil, das "die Bewegung Ihres Handgelenks simuliert" und so "Ihre wertvollen Chronometer automatisch in Gang hält" (automatisch-automatisch, möchte man hinzufügen!). Der "präzise Uhrenbeweger für bis zu 3 Automatikuhren gleichzeitig (Mit Innenbeleuchtung)" ist nicht nur "Kein Vergleich zu einfachen Uhren­bewegern", nein, er kostet auch nur schlappe 269 €!
Feinden der Entfremdung, der Entsagung von den Wurzeln, der Vertreibung aus dem Paradies der Mutter Erde muss dies ein tief eingebohrter Dorn im Auge sein. Lebten wir noch in einer organischen Beziehung zu unserer Umwelt, ohne freien Markt, Fortschrittswahnwitz und anonyme, unpersönliche Internetversender, bliebe uns die Bürde dieses geschmacklosen Produktes erspart. Und wir könnten in unbedarfter Fröhlichkeit (mit der einen oder anderen Keule oder angespitzten Stöcken bewaffnet) schwächere Mitmenschen versklaven und ihnen unsere Uhren an die Arme zu schnallen, statt mit derart holprigen Simulationsgeräten vorlieb nehmen zu müssen. Auf sowas fällt eine anspruchsvolle Automatikuhr doch nicht rein, da hilft aller Klavierlack nix!

(Bild: Gray’s Anatomy/Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Hühnchenauge sei wachsam

Europäische Vogelbeobachter lechzen aufgrund der spärlichen Verbreitung dieser Vögel in unseren Breiten regelrecht nach den sogenannten Wassertretern (Phalaropus), die ihre poetischen Namen "Thorshühnchen" und "Odinshühnchen" definitiv nicht martialischen Neigungen oder besonderer Göttlichkeit verdanken. Eher im Gegenteil, die Viecher sind ziemlich unscheinbar und machen, abgesehen von einer Neigung zu serieller Polyandrie und alleinerziehender Vaterschaft, nicht viel her. Trotzdem, auch die englischen Birdwatcher sind ganz scharf auf die Phalaropen. Wenn alle paar Monate mal einer einen Abstecher an eine britische Küste macht, strömen deshalb sogleich Scharen von Twitchern zum Beobachtungsort, um neben die Vogelspezies auf ihrer stetig wachsenden life list endlich einen befriedigenden tick machen zu können.

Das alles nur als Vorgeschichte dafür, warum das hier wahnsinnig lustig ist.

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Spültrieb

Dieser Monat steht immer noch im Zeichen der Energieeffizienz. Und so ist im Hause Cohu inzwischen ein großartiger Siemens-Geschirrspüler tätig, der die Cohu-Eigene Handspülmethode ("Kochend heißes Wasser 3 Stunden laufen lassen und ab und zu mal nen Teller drunter halten") um Längen schlägt. Der Wasser- und Stromverbrauch liegt bei diesen potzblitzgescheiten autoprogrammversehenen Wunderwerken deutscher (?) Ingenieurskunst inzwischen im einstelligen H2O-Molekül bzw. Elektronenbereich. Eigentlich hätte man uns das Ding staatlich subventionieren müssen. Der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben: Cohu ist hin und weg von der Genialität der heutigen Spültechnik, von Rackmatic über VarioSpeed und Dosierassistenten bis zur Perpetuum-Mobile-Verdächtigen Zeolith-Trocknung. Wenn Siemens Autos bauen würde, könnten die schon längst nicht nur selbst einparken, sondern auch einen Parkplatz finden. Und dabei Benzin produzieren statt verbrauchen. (Selbst ich würde allerdings nicht so weit gehen, meinen Desktophintergrund mit einem Spülmaschinen-Wallpaper zu verzieren…).

Leider wurde aller Effizienzgewinn dadurch zunichte gemacht, dass Cohu die im jetzt zum Spülgebiet deklarierten Unterschrank befindlichen Viktualien umlagern musste, was den Bau eines IKEA-Küchenschranks erforderlich machte. Sagen wir nur soviel: er ist noch nicht ganz fertig.

(Bild: Bundesarchiv/Wikimedia Commons)

If life throws you lemons

Was um alles in der Welt macht man mit einer "Konfitüre aus grünen Zitronen"? Möglichkeit 1: Gebäck mit einem Mandelmürbteig. Passt gut zum Tee. Für weitere Vorschläge bin ich dankbar, wie auf dem Foto sichtbar, ist das Glas noch so gut wie voll. Aufs Brot essen kommt nicht in Frage, da die Konfitüre für meinen Geschmack pur etwas zu bitter ist. Dafür duftet sie ganz köstlich. Erstaunlicherweise ein wenig nach…Lavendel? Die Jahre als Raucher haben wohl doch aromatische Schneisen geschlagen.