Pädagogischer Eros, statistisch betrachtet

Der großartige Greg Mankiw macht auf eine interessante statistische Untersuchung aufmerksam –  die Wissenschaftler James Felton et al. haben sich in ihrem Paper Attractiveness, Easiness, and Other Issues: Student Evaluations of Professors on RateMyProfessors.com mit den Daten der amerikanischen Seite "Rate My Professors" beschäftigt. Dort haben Studenten die Möglichkeit, ihre Professoren nicht nur fachlich, sondern auch im Hinblick auf ihre sexuelle Attraktivität hin zu bewerten. Felton et al. untersuchen die Korrelationen zwischen unterschiedlichen Bewertungskritierien. Was Mankiw – und uns – aber sogar noch mehr interessiert, sind die fachvergleichenden Unterschiede hinsichtlich der sexuellen Attraktivität der Professoren (und -innen). Crooked Timber fragt also: in welchen Fächern finden sich die heißesten Dozenten? Die Ergebnisse sind der Abbildung zu entnehmen.

Der erste Platz der Languages ist vielleicht noch dadurch zu erklären, dass fremde Sprachen einen gewissen erotischen Reiz ausstrahlen – wer, liebe Leser, ist nicht schon angesichts eines reizenden Akzents regelrecht dahingeschmolzen? (Eine der seltenen Ausnahmen von dieser zeitlosen Regel findet sich hier).

Aber schon bei Platz zwei brechen alle Erklärungsmodelle zusammen. Jura? Wir müssen hier natürlich eine Einschränkung machen: die Daten beruhen auf Bewertungen nicht aller Studenten oder gar der Gesamtbevölkerung, sondern natürlicherweise nur auf der Einschätzung der Jurastudenten – sie scheinen also ihre Professoren überdurchschnittlich heiß zu finden, unabhängig davon, was der Rest der Welt dazu sagen würde. Man kann hoffen, dass ein ähnliches Erklärungsmodell auch auf den dritten Platz – Religion – anzuwenden ist – oder verpassen wir Nicht-Theologen da was?

Warum nun verlinkt Herr Mankiw auf diese Ergebnisse? Am Ranking seines eigenen Fachs kann es nicht liegen: VWL liegt erwartungsgemäß weit abgeschlagen grade mal einen Platz vor Mathematik. Aber zumindest mit seinem eigenen Ranking bei Ratemyprofessors.com dürfte er zufrieden sein:

"Mankiw is probably God in human form. He’s one of the most attractive men I’ve ever seen and some say he has brains as well. I’ve never seen his wife, but I bet she’s a looker." (Mankiws Bewertung bei ratemyprofessors.com)

Eine deutsche Professorenbewertungsseite findet man übrigens unter MeinProf.de. Kriterien wie "Hotness" werden da leider nicht berücksichtigt, vermutlich aus der irrigen Annahme heraus, solche Dinge seien fürs gedeihliche Lernen irrelevant. Vor ein paar tausend Jahren war man da in Europa schon mal weiter. Mit dem pädagogischen Eros meinte Platon nämlich beileibe nicht rein asexuelle Nettigkeiten, auch, wenn man das in allzu schultauglich sterilisierten Interpretationen seines Werks heute gerne so darstellt. Vielleicht haben wir es dieser großen Tradition zu verdanken, dass die Philosophie es – trotz der bekannten Vorliebe ihrer Vertreter für die Beschränkung auf geistige Qualitäten – doch noch auf einen respektablen neunten Platz schafft.

5 Responses to “Pädagogischer Eros, statistisch betrachtet”

  1. Maex Says:

    Hehe … jetzt muesste man die heissen Dozenten korrelieren mit der Statistik zuvirginity rates. Finden Jungfrauen/Jungmaenner Maenner/Frauen prinzipiell und generell attraktiver? Das wuerde dann ja die "Hotness" der Dozenten wieder relativieren :-)Die Chemiker und Mathematiker haetten dann allerdings immer noch total verloren 🙂

  2. cohu Says:

    Angesichts der Tatsache, dass zumindest Logiker Formeln als "schön" oder gar "sexy" empfinden, habe ich aber den Eindruck, dass derart ausgerichtete Menschen ihre Jungfräulichkeit u.U. gar nicht wirklich als "Verlust" ansehen :-)[So ne Art Venus von Milo (oder meinetwegen Bettie Page) unter den Gleichungen muss wohl die Eulersche Identität sein, angeblich "Die schönste Formel der Welt".]

  3. croco Says:

    Die Biologen damals waren teilweise ziemlich steife Anzugsträger, der andere Teil war schon verwegen und wild, und sehr attraktiv.Bei den Chemikern waren zwei, die waren bildschön.Man konnte kaum an ihnen vorbei an die Tafel schauen.Die anderen hatten große Autos, da habe ich meinen ersten Jaguar gesehen.Attraktiv? Die Autos waren das schon :-))Hat man bei der Umfrage die Männer zu den Frauen, und die Frauen zu den Männern befragt?Dann wird es in Chemie sehr schwer, frauen zu finden, das ist eine reine Männerwelt, bei den Proffs und den Studenten. Dass diese ihre Proffs nicht für hot halten , ist eh klar.

  4. cohu Says:

    Eine Statistik über die Autos der Profs wäre auch sehr interessant; nicht, dass ich ein großer Autofan wäre, eher im Gegenteil, aber so ein Auto sagt doch etwas über den Charakter aus. (Mein Doktorvater fährt übrigens Porsche – das fällt wohl unter Weisheit des Alters!)

  5. croco Says:

    Meine Schwester hatte auch einen, einen Porsche, meine ich. Der ist aber mitsamt Ehemann und Geld verschwunden. Fuhr sich aber nicht so toll wie im Artikel erwähnt.Ich halte ihn für überbewertet. Der interessanteste Proff der Biologen war zuerst Automechaniker bevor er sich auf den Marsch durch die Institutionen machte.In den Pausen, oder immer,wenn es ging, lag er mit den Hausmeistern und anderen Interessierten unter seinem VW Bully und sie schraubten.


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