Vor verschlossenen Türen

Mei, mei, mei. Eine "Wiesn-Suff-Affäre" (tz) hat es jetzt natürlich noch gebraucht von Seiten des allseits geschätzten Jungpolitikers Baretti, äh, Dr. Baretti von den Truderinger Böllerschützen, dessen erklärtes Ziel immerhin der "Erhalt christlicher Werte in der Politik"(!) ist. Mein kleiner Tipp: wenn man um 11 ins Käferzelt nicht hineinkommt, einfach durch die Küche marschieren. Einen Stadtratsausweis brauchts dafür nicht, auch nicht die Androhung, "das Haus zu zerlegen". (Der alte "durch-den-Zaun-wuzl-Trick", den so mancher schlanke Leser dieses Blogs schon erfolgreich angewandt hat, dürfte beim doch bereits relativ abgerockten "Sudetendeutschen" Baretti nicht mehr funktionieren).
Warum man sich diesen immer wieder an der Grenze der Legalität bzw. des Anstandes agierenden Bazi von Seiten des Stadtrats immer noch gefallen lässt, ist mir ein Rätsel, vermutlich zeichnet sich der "Ältestenrat" (die tagen vermutlich unter der Dorfeiche?) durch besondere Altersmilde aus.
Also, von dem Skandal hat vermutlich ja jeder Münchner dank der az-Schlagzeilen (siehe Abb.) schon gelesen, aber: gerade für momentan Abwesende ist der Baretti interessant. Man sehe sich in diesem Zusammenhang bitte den Betreff des Antrags 02-08 / F 00801  unseres parteilosen Lieblingsstadtrates an…

Neueröffnung

Schelling Ecke Augusten – praktisch schräg gegenüber von der Munich Readery (cohu berichtete) – war vor Urzeiten mal ein Müller-Bäcker Backtriebmittel-& Emulgatoreneinzelhandel.
Dann stand der Laden ein, zwei Jahre leer und jetzt – oh Wunder: macht dort ein Geschäft (oder Restaurant?) auf mit dem Namen “Schindler’s Schnitzel”. Im Internet find ich nix dazu, weiß jemand, was das ist?
Eins steht für mich alte Doppel-Dichterin jedenfalls schon fest. Wenn die Schnitzel inklusive Getränk nur 4,95 kosten, wie ein Plakat an der Noch-Baustelle ankündigt, müssten die in Wirklichkeit einen anderen Namen haben: Schnitzler’s Schindel.

O’zapft is…

…wenn man Freitags um eins bei der (in München ansässigen) Krankenkasse anruft und die Sachbearbeiter alle beim "Außentermin" sind…

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Cohu’s Urlaubslektüre

Endlich gibt es – wie versprochen – einen Bericht über meine Urlaubsbücher, in nach Wichtigkeit absteigender Reihenfolge:

"I Am Charlotte Simmons" von Tom Wolfe: 1-
In diesem Buch geht es um ein weibliches Landei, dass in den Orkus eines (fiktiven) amerikanischen Elitecolleges gerät und um seine Identität und soziale Stellung kämpft – ob mit Erfolg, verrate ich hier nicht, ihr müsst das Buch selbst lesen!
Gut, dass Cohu vor dem Urlaub nicht die Kritiken gelesen hat. Die waren nämlich – von Ausnahmen abgesehen – nicht gerade Lobeshymnen. Ja, der Wolfe hat sogar den "Bad Sex in Fiction Award" des Jahres 2004 abgestaubt.
All das ging an Cohu, wie gesagt, vorbei, und sie fand den Roman (ja, sogar die unanständigen Stellen) durch und durch gelungen, die Protagonistin glaubwürdig (wenn auch wenig sympathisch), die Nebenfiguren großartig herausgearbeitet und das Ende genau richtig (nicht zu offen, nicht zu happy). Dass der Roman "unrealistisch" ist und das Collegeleben nicht korrekt abbildet, kann sich m.E. nur ein vollkommen mit humorabweisenden Brettern vernagelter Kritikerkopf ausdenken: das ist so, als würde man einem Karikaturisten vorwerfen, seine Spottzeichnungen stellten die Karikierten mit zu großen Nasen dar…
Eine 1- gibt’s deshalb, weil ich den Wolfe ein bisserl unsympathisch finde, obwohl er schon ein Hund ist, der Wolfe!

"Indecision" von Benjamin Kunkel: 2-
Dwight Wilmerding leidet unter klinischer "Abulia" (= krankhafte Entscheidungsunfähigkeit), bei der ihm weder die Lektüre philosophischer Klassiker, Golfspielen mit seinem insolventen Vater noch der Verzehr großer Mengen "Jiggy Juice" helfen können. Mithilfe eines neuen Wundermittels, das ihm sein pharmakologisch versierter Mitbewohner vermittelt, soll er davon geheilt werden. Zwischendrin findet er noch einen haarentfernenden Wunderbaum im Ecuadoranischen Dschungel, eine seltsame Europäerin und diverse andere Kuriositäten.
Die erste Hälfte dieses Buchs ist furios und so komisch, dass man am liebsten jeden Satz auswendig lernen würde:
"Sanch said, "Yeah man fucking Hugo Chávez drinks sixteen espressos a day. And that’s after his staff weaned him down from twenty-four."
"Amazing!" I was really impressed with this man.
Who is Hugo Chávez?"
"He’s, like, a revolutionary."
"Sounds like it," I said.

 Vielleicht seid ihr anderer Meinung, aber: gegen Ende lässt das Buch stark nach. Antiklimaktisch, würde ich sagen. Wenn der Kunkel es beim nächsten Mal genau andersherum macht, kriegt er auch eine 1-. Aber es ist ja ein Erstling, er darf also noch üben.

Die Tyrannei des Gemeinsinns von Richard Herzinger: 1-
Schon etwas ältere, aber zeitlose Polemik eines wahren Liberalen. Herzinger rechnet mit der besserwissenden und gutmeinenden deutschen Intelligenz genauso ab wie mit der politischen Elite (haha)aller Parteien und entlarvt ihre ständigen Aufrufe zum Konsum-, Fernseh- und – allgemeiner- Individualitätsverzicht als anmaßende Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen. In der schönen Tradition des Sarkasmus entweiht Herzinger vollkommen hemmungslos und treffsicher die Begriffe der Kultur, der Heimat, der Moderne, der Identität und der "Gemeinschaft". So ein Ikonoklasmus gefällt der Cohu natürlich, weil man ja immer gerne das liest, wovon man sowieso schon immer überzeugt war (nur, dass der Herzinger sich halt besser auskennt und seine Überzeugungen sogar begründen kann). Es wäre jetzt noch interessant, zu lesen, was jemand von diesem Buch hält, der nicht liberal denkt. So einen hatt ich im Urlaub aber nicht dabei. 1- weil mir das Buch zu kurz war und weil ich das Kapitel "Opfer und Interesse" nicht mal ansatzweise verstehe.

The Virgin Suicides von Jeffrey Eugenides: 2
Wie der Titel andeutet, geht es um den Selbstmord von Mädchen, und zwar fünf Stück Schwestern, was jetzt kein Spoiler ist, weil es schon auf der ersten Seite steht. Ihr kennt den Eugenides vielleicht vom großartigen "Middlesex". Die IT war – ganz verfeinerter Kunstmensch, Freund des L’art pour L’art – vom Eugenideserstling total begeistert. Cohu mag gerne Bücher, die primär Geschichten erzählen, statt artifiziell dahinzuschwadronieren, egal, wie gut der Autor das kann. Außerdem fand sie den mythologisierenden Umgang mit diesem Thema vollkommen daneben: 2. Hat jemand den Film gesehen? Lohnt sich das?

Jetzt noch einige kurze Erwähnungen:

Stephen Fry: Revenge – (In England erschienen als "The Stars’ Tennis Balls"). Wie der Titel andeutet, geht es (in der zweiten Hälfte) um Rache, und in der ersten Hälfte des Buchs um das angetane Unrecht, das Letztere rechtfertigt. Sowas aus meinem Munde, aber: das Buch ist irgendwie so… negativ! Böse! Brutal! Vielleicht bin ich nur zu humorlos, nicht mal Pulp Fiction find ich lustig. Also, mit meinem Lieblings-Fry "Hippopotamus" kann es jedenfalls nicht mithalten. 2-

Yadé Kara: Selam Berlin – Der deutschtürkische Protagonist wächst zwischen Istanbul und Deutschland auf, zieht zur Wendezeit nach Berlin, seine Eltern trennen sich, Familiengeheimnisse kommen ans Licht… Die Geschichte ist reizend (und wird immer reizender), aber in derart hölzerner Sprache erzählt, dass man sich fragen muss, warum die Autorin sich überhaupt literarisch ausdrücken will. Vielleicht kann sie Malen, vielleicht kann sie Singen, vielleicht ist sie gut im Ballett, vielleicht kann sie sogar (mündlich) Geschichten erzählen: Schreiben kann sie jedenfalls nicht, und wenn doch, gelingt es ihr in diesem Buch bestens, ihr Können zu verbergen. Des ist keine "Art brut" sondern "Art egalwie." Naja, de gustibus… Und ich weiß nicht ob das Lektorat schuld war oder die Autorin, aber die ständigen Deppenleerzeichen á la "Barbie Puppe" machen mich wahnsinnig!!! Trotzdem, weil wie gesagt die Geschichte sehr nett ist: 3 (heißt: durchaus lesbar). Mehr zu dem Buch gibts beim Deutschlandfunk Büchermarkt.

John Irving: A Son of the Circus – Die Story von Irvingbüchern zu erzählen ist witzlos – selber lesen! Dieser Irving – zum zweiten Mal gelesen – ist jedenfalls mein Lieblingsirving, weil er schön bunt ist. Langweilen muss man sich da nicht, da kommen Zwerge vor, Straßenkinder, Eunuchen, Transvestiten, eine Zwillings-Verwechslungsgeschichte, eine Hollywooddiva, Schlangenmenschen… Besser als "Complete Review" kann mans nicht sagen: "Exuberant, free-wheeling fun, with a lot going on, but no character the reader can really empathize with and a multitude of plots, verging on the chaotic." – sehr gut geeignet als Urlaubslektüre. Ganz im Gegensatz zum letzten Irving (Until I Find You). Den hab ich wirklich nur aus Irving-Loyalität fertiggelesen, sowas Zähes! Also, Zirkuskind: 2.

Wohlbehalten zurückgekehrt…

…aus dem Land der Berge bin ich. Zwar habe ich – dank altersbedingter Kreislaufschwäche und darauffolgendem Regenwetter – keinen Berg bestiegen, aber dafür auf den Hütten des Tals zahlreichen Marillen- und Spinatknödeln, Schlutzkrapfen und Spätzle den garaus gemacht und  einen liebeskranken Hirsch röhren gehört.
Gewohnt wurde stilecht in einem jahrhundertealten Tiroler Bauernhaus mit mehreren Original-Herrgotts-bzw. Muttergottes-winkeln (siehe Abb.) und zugehörigen (Nicht-Original)-Scottish-Highland-Rindern sowie Zentralheizung und Satellitenfernsehen. Bin jetzt – nach dem Türkeiurlaub – wieder ausreichend europäisiert, auch dank der zahlreichen FPÖ-Plakate für den Österreichischen Wahlkampf ("Sichere Pensionen statt Asyl für Millionen!" – "EU-Austritt!")
Morgen gibts dann einen ausführlichen Bericht über Cohus Sommerferienlektüre!

Wandervögel

Mit Freude darf ich auf das frisch ins Leben gerufene Blog “Sterne und Streifen” des ehemaligen Marco Polo, der sich inzwischen zum Kolumbus gemausert hat, hinweisen. Lest das ruhig mal, da könnt Ihr noch was lernen, über das schöne New Haven, von einem kosmopolitischen Geistesmenschen.
Des ist wieder ein typischer Fall von Brain Drain, Hirnabfluss, erst hats ihn sozusagen nach Deutschland drainagiert, den Fromager, dann zu den Asiaten gezuzelt, und jetzt hats ihn in die USA gespült. Obwohl, ich muss jetzt anmerken: abgehört wird man da wahrscheinlich noch mehr als in Italien (grad bei einem, äh, dunkleren Teint) insofern: vom Regen in die Traufe!

Und noch ein Hirn verlässt Euch, wenn auch nur vorrübergehend: fahre, um mich vom Urlaub zu erholen, ein paar Tage nach Tirol, zum Wandern Mountain Hiking. Es geht wieder nach Niederthai, wo ich letztes Jahr auch schon war, und die Superschuhe sind auch wieder dabei. Laut Eichendorff bin ich ja als (Promotions-)Studentin geradezu prädestiniert für dieses Hobby:

Der wandernde StudentBei dem angenehmsten Wetter
Singen alle Vögelein,
Klatscht der Regen auf die Blätter,
Sing ich so für mich allein.

Denn mein Aug kann nichts entdecken,
Wenn der Blitz auch grausam glüht,
Was im Wandern könnt erschrecken
Ein zufriedenes Gemüt.

Frei von Mammon will ich schreiten
Auf dem Feld der Wissenschaft,
Sinne ernst und nehm zuzeiten
Einen Mund voll Rebensaft.

Bin ich müde vom Studieren,
Wann der Mond tritt sanft herfür,
Pfleg ich dann zu musizieren
Vor der Allerschönsten Tür.

Ok, das Musizieren lass ich weg, aber ansonsten: sehr zutreffend. Vor allem der Teil mit “Frei von Mammon…”. Viel Spaß auf der Wiesn!

Endlich wird mir klar…

…warum ich für jedes Semester an der LMU 50€ “Verwaltungsgebühr” bleche: weil ich dadurch die einmalige Möglichkeit habe, während der zweieinhalb Stunden, die es dauert, bis die von mir vor der Studentenkanzlei gezogene Zahl 126 drankommt, die anderen Wartemarkenbesitzer zu begaffen. Dass es so einen Überbiss heute, im Zeitalter der Kieferorthopädie, überhaupt noch gibt? (Vermutlich eine Engländerin!) Wer, in Gottes Namen, ist unter 60 und liest “Verborgene Zeugnisse des frühen Christentums” (oder so ähnlich?) – muss ein Theologe sein, nach kurzer Beobachtung: ein katholischer. Ihm gegenüber sitzt ein junger Mann, der eine deutliche Ähnlichkeit zu Jesus aufweist. Er holt sogar eine Schachtel “Merci” (vermutlich ein Geschenk von seinen Jüngern!) aus dem Rucksack und bietet sie  seinen Sitznachbarn an. Spiele kurzfristig mit der Idee, vor dem Gebäude einen Kinderwagen&Kinderattrappen- bzw. einen Schwangerschaftsvortäuschungskissenverleih aufzumachen, denn werdende und seiende Mütter dürfen ohne Marke vor – vielleicht der beste Grund für Akademikerinnen heutzutage, schwanger zu werden.
Aber trotzdem: zweieinhalbstunden Humanethologie, super!

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Zurück aus Kleinasien

Nicht ganz pünktlich zum Wiesnanstich ist Cohu back in town. Was ich alles verpasst habe! Äh… ja, was eigentlich? Außer dem Einrücken der NPD in einen Landtag und dem  Ratzingers in München wohl nicht besonders viel. In der Türkei konnte ich mich  nicht nur mit dem "Herald Tribune", sondern auch mit "Turkish Daily News" nachrichtentechnisch über Wasser halten – Berichte über die große türkische Haselnussaffäre erwiesen sich als besonders amüsant und urlaubstauglich.
Ansonsten riss mich eine ungekannte (orientalische?) Ruhe aus meinem sonst so hektischen Arbeitsalltag: eigentlich verbrachte ich den ganzen Urlaub so wie auf der Abbildung: als (bekleidete) Odaliske auf den teppichgepolsterten Teeplattformen des Hotels. Irgendwann waren die Bücher aus und ich musste sie nochmal lesen – vertiefte Kommentare zu meiner Urlaubslektüre folgen. Genauso wie einige Fotos (die meisten müssen erst entwickelt werden) von unserem Hotel, unserem einzigen Ausflugsziel – der antiken Stadt Olympos – und die Ergebnisse meiner Unterwasserknipserei. Mit der Türkei als Reiseziel ist Cohu nachträglich sehr zufrieden. Sie erwägt, sich als Karettschildkrötenzüchterin oder aber (Alternativplan) als Atatürkbildhauerin an die türkische Südküste abzusetzen. Besonders drollig fand ich übrigens die zahlreichen Lehnwörter im Türkischen (so z.B. "Pötibör" für Butterkeks / "Petit Beurre", "Feribot" für Ferryboat / Fähre, "tişört" für T-Shirt). Nur auf das manchmal anwesende deutsche/britische Lumpen- bzw. Achselshirt- und Goldkettchenproletariat hätte Cohu verzichten können (Gipfel der kulturellen Einfühlsamkeit war die Idee eines mutmaßlichen Gelsenkirchners, beim gemeinsamen Tauchbasis-Grillabend eine Sau über dem Feuer zu braten zu lassen) aber dafür kann ja die Türkei nichts, gell? Also, abschließend: ich finde, die EU kann der Türkei ruhig beitreten!

Ferien-Doppel

Heut nachmittag fliegt Cohu – wie bereits angekündigt – weg. Ihr könnt Euch meine unendliche Trauer angesichts des verpassten Papstbesuches nächstes Wochenende ja sicher vorstellen.
Zum Abschied noch ein kleines Doppel:

Ur-Laub

Urlaub

Decline of a Nation: Take Away

33% der Briten haben noch nie eine Mahlzeit gekocht, berichten die Evening Times (via Slashfood). Vielleicht – ich bin heut mal ganz positiv eingestellt – ist es besser so.
Á propos britische Küche: habe gestern, wie Jamie Oliver rät, den Eischnee für mein Omelette mit der Hand geschlagen, bzw. vermittels eines nicht motorisierten Schneebesens. Und siehe da: wird tatsächlich viel lockerer. Zusätzlicher Bonus: andere müssen nen Tag lang surfen, um sich einen Trizepsmuskelkater zu holen – Cohu schafft das auch an der Rührschüssel!