Schilderung

München ist ja bekanntermaßen die Hauptstadt des Expressionismus. Ein besonders eindrucksvolles (bzw.: ausdrucksvolles) Beispiel dieser Stilrichtung sah ich gestern – brutal komplementärfarben, Geworfensein in die Welt, Wasser als Unbewusstes, ein stilisierter aufgerissener Mund als Bildeinrahmung beschwört die kollektive Oralfixierung herauf: beeinflusst von der Art Primitif bis hin zur piktogrammatischen Abstraktion, verworrene Dynamik. Bild einer Epoche oder purer Psychologismus? Hoffnung oder Tod? Die Spannung bleibt bestehen.


Urban Art am Oberföhringer Isarwehr, Emaille auf Blech, unbekannter Künstler.

(*) Das erinnert mich dran, dass ich mal auf XING von einem Künstler gebeten wurde, seine Ausstellungskataloge zu betexten. Mit meiner Ablehnung habe ich der Welt viel erspart.)

Rainald Grebe: Bernd/Stiftung Warentest

Karten für nächste Woche gibts hier.

 

Cohu’s Freitagabend-Fernsehtipp

Eine neue Serie von F.X. Bogner (Irgendwie und Sowieso, Zur Freiheit, Café Meineid und zuletzt München 7) geht heute im BR an den Start, und zwar um 21:35: Der Kaiser von Schexing. Der Hauptdarsteller Dieter Fischer ist vielleicht dem einen oder der anderen LeserIn noch vom Südostbayerischen Städtetheater ein Begriff.
Cohu ist gespannt (kann das ganze aber vermutlich erst später anschauen, da bekanntlich kein Fernseher im Haus, also bitte keine Spoiler!).

Asiatischer Snacktipp, die Zweite

Neulich hatte ich ja erst auf den Imbiss Ni Hao in der Amalienstr. aufmerksam gemacht. Gerade werden wir Maxvorstädter aber regelrecht verwöhnt, was die asiatische Küche angeht: in der Barerstraße 56, neben dem "Landmann" Biosupermarkt, hat die japanische (?) "Nudel-Bar" Warmi vor ein paar Tagen ihre Türen geöffnet (leider keine Webseite).
Schon jetzt ist das Lokal mittags wie abends gut besucht – immer ein gutes Zeichen. Hier kann man sich aus Fleisch- bzw vegetarischen Hauptgerichten (heute gab es Champignons, Rind Teryaki, Schweinefleisch, und Huhn Miso) und Beilagen (Reis, Eiernudeln gebraten oder in Suppe, Udon, Ramen) ein köstliche Speise zusammenstellen, die zwischen 5,50 und 7 Euro kostet. Ich war mit meiner Wahl, Udon-Nudeln (die man leider sonst nur sehr selten bekommt, s. Abb.) und Miso-Huhn, heute sehr glücklich, und sogar meine eigentlich eher auf Schnitzel geeichten Begleiter waren voll des Lobes. Das Lokal hat auch abends (bis 22 Uhr) geöffnet, dabei ist die Einrichtung zwar ganz nett, aber wohl eher für einen kurzen Imbiss-Happen als für ein längeres Mahl geeignet. Speisen abholen kann man auch,  und es gibt sogar eine Rabatt-Karte, die verspricht: "Nach 10 Stempeln erhalten Sie eine limitierte VIP-Karte, mit der werden Ihnen alle Hauptgerichte 3 Jahre lang mit 10% Nachlass angeboten."
Cohu lässt sich das natürlich nicht zweimal sagen und wird innerhalb kürzester Zeit zum Warmi-"VIP" werden.

(Bild: Lusheeta / Wikimedia Commons)

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Qual der Wahl, die Xte

Da klagte ich heute morgen noch über die Schwierigkeiten, die es mir bereitet, Wahlentscheidungen zu treffen. Dabei gibt es ja inzwischen moderne Technologie, die uns da weiterhilft! Laut dem "Presidential Candidate Selector" müsste ich, lebte ich in den USA, nach dem "Idealkandidaten" mit 100% Übereinstimmung (den es leider nicht gibt), folgendes wählen:
– 81% Übereinstimmung: Kent McManigal (ein mir unbekannter anarcholiberaler Kandidat, der wohl auch schon die Flinte ins Korn geworfen hat – ich bitte, in diesem Formulierungszusammenhang auch seine Webseite zu beachten!)
– 74% Übereinstimmung: Wayne Allyn Root (mir ebenfalls unbekannt, nach kurzer Recherche schließe ich: das  wird auch weiterhin so bleiben)
– 70% Übereinstimmung: Ron Paul (klar – der einzige Kandidat mit einem eigenen Zeppelin!)
Obama (den der Deutschlandfunk gestern in Gänsehautauslösender Manier als "farbigen Newcomer" bezeichnete)  bekommt immerhin noch 63%, McCain 60 und Clinton 55% (Romney 50%, Huckabee 31). Und ich hab jetzt wirklich keine Extrempositionen angekreuzt. Angesichts dieser Ergebnisse kann ich doch froh sein, dass ich nur für die harmlosen Münchner Wahlen zu einer Stimmentscheidung kommen muss. Gibt’s hier eigentlich auch einen "Candidate Selector"?

Schon wieder Tyranny of Choice

Wahlbenachrichtigung kam gestern an. Nur 300 Meter zum Wahllokal! Dann ist Faulheit am 2. März ja wohl leider keine Ausrede. Obwohl, die Entscheidung bei den zur Wahl stehenden Bürgermeisterkandidaten ist natürlich höchst schwierig, da bin ich schon leicht überfordert. Jetzt der Schmid, er redet einen rechten Schmarrn, andererseits hat er halt eine schöne Brille und geht immer rechtzeitig zum Friseur. Oder Herr Mattar von der FDP, nicht so schöne Brille und Friseur brauchts nicht, aber:

Wenn man im ideologischen rot-grünen Stau der stopp-and-go Ampeln steht oder die neue Zweitwohnungssteuer und die höhere Grundsteuer zahlen muss oder sinnlosen Verboten ausgesetzt ist, findet man, dass München besser regiert werden müsste. (michaelmattar.de)

Wahnsinnig verlockend. Bei der Auswahl fragt man sich als Anhängerin des freien Marktes als Organisationsprinzip natürlich spontan, ob man seine Wählerstimme nicht auch verkaufen könnte. Warum eigentlich nicht?

Decline of a Nation: The last one bite ze dogs

Britische Hunde bringen’s nicht, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters:

Years of breeding German shepherds as pets in England has made them too tame for police work, British forces believe. (…) The dogs are no longer considered aggressive enough for police work (…)"They are more likely to go and lick you to death than bite you, which is not really a deterrent." (Reuters UK)

Aber jetzt kommts: aufgrund der Zahmheit der britischen Köter müssen Polizisten in Derbyshire vierbeinige Fremdarbeiter rekrutieren. Und wer wäre da besser geeignet als wirklich Deutsche Schäferhunde? Dummer Nebeneffekt: die Importhunde hören in der ersten Zeit nur auf deutsche Befehle, denn sie müssen ja auch erst mal Englisch lernen. Davor müssen sich die Britischen Polizeikräfte natürlich die korrekte Intonation deutscher Hundebefehle beibringen, was ein Bild (und vor allem ein Ton) für Götter sein muss. Ein Video von Bobbies, die mit unterschiedlichem Erfolg "Sitz",  "Gib Laut" und "Fass" rufen, habe ich leider nicht aufgetrieben, das soll aber laut sehr amüsierten Informanten schon in Vox zu sehen gewesen sein.
Den angeblichen Befehl "bissen", den die Daily Mail zitiert, verstehen deutsche Hunde vermutlich genausowenig wie deutsche Menschen. Ist aber vielleicht auch besser so.

Von wegen Free to Choose

Wir wissen: normalerweise ist von Ökonomen nicht viel zu erwarten außer schlechte Manieren und unwürdige Schwanzlängenvergleiche. Es gibt aber auch Ausnahmen, so z.B. Tim Harford, bekannt als "Undercover Economist" (bei Slate und FT) und Autor des gleichnamigen Buches.
So widmet er sich dankenswerterweise in seiner Kolumne "Dear Economist" mit ökonomischem Sachverstand einem Problem, das Cohu sehr bekannt vorkommt:

"Dear Economist,
In restaurants my husband always picks something better than me. It’s boring to choose the same as him. What can I do?
Sarah"

In der Tat: auch die IT schafft es immer wieder, mich von meinen Lieblingsgerichten abzubringen, indem sie sich hartnäckig die köstliche Nummer 44 (bei Man Fat) oder die unvergleichliche Nummer 32 (bei Mao) bestellt. Der dann einsetzende Effekt, den ich immer für einen Cohu-spezifischen Defekt hielt, ist laut wissenschaftlichen Untersuchungen tatsächlich verbreitet (zumindest in den USA): man wählt ungern das Gleiche wie der Vor-Besteller, selbst, wenn man unbeeinflusst genau diese Wahl bevorzugt hätte. Das Ergebnis fand ich schon mal beruhigend. Harfords Tipp ist dann allerdings nicht mehr so hilfreich:

"The implication is obvious. You should make a mental note of what you wish to eat and not change your mind when your husband announces his selection. If that is too “boring’’, the solution is even simpler: order first."

Leichter gesagt als getan, wenn die IT schon auf dem Weg zum Chinesen die altbekannte Bestellabsicht äußert! Vielleicht muss man da mal mit mechanism design rangehen: wer seine Bestellabsicht zuerst äußert – der zahlt. Oder: geheime Bestellungen. Werde demnächst DFG-Forschungsgelder für eine große, chinarestaurantbasierte Studie beantragen!

Decline of a Nation: Traumatisch

Dass man mit den Pizzen von "Domino’s" bestenfalls traumatische Erfahrungen macht, war bekannt (das Zeug ist ungenießbar, kulinarisch gesehen wäre es ratsam, nur den Karton zu essen).
Aber nun hatte Domino’s eine neue Geschäftsidee, die vom Guardian mit dem schönen Titel "Telephone Tracker Takes Trauma out of Takeaway" treffend beschrieben wird. Wenn man auf der Domino’s-Seite seine Telefonnummer eintippt, kann man genau nachverfolgen, wo die Pizza grade ist. Exemplarische Meldungen:

– Pizza wird geknetet
– Pizza wird belegt
– Pizza fällt auf den Boden
– Pizza wird aufgehoben
– Schmutz wird von Pizza entfernt
– Nochmal ne handvoll Käse drüber, da Pizza staubig aussieht
– Pizza backt im Ofen
– Pizza wird eingepackt
– Pizzabote macht sich auf den Weg.
– Pizzabote überfährt rote Ampel
– Pizzabote klingelt
– Machen Sie halt endlich die Tür auf, sie Depp!

Damit, sagt Domino’s, wird die "emotionale Achterbahnfahrt" des Pizzabestellens etwas gemildert. Es hatte nämlich vor der Einführung des Trackers eine Studie (!) ergeben, dass:

"(…) the "high" at the point of ordering was followed by a trough of anxiety. "People have told us that anxiety sets in. They don’t know if we’ve got their order, if we’ll get it right, if it will arrive on time," said spokesman Tim McIntyre. "The tracker takes out the mystery involved."

Und das von einer Nation, die noch vor ein Paar Jahren mit Stiff Upper Lip einen Blitzkrieg überstanden hat, ganz ohne Bombenalarmtracker und nur mit dem oben abgebildeten Poster. Schande.

Uff.

Aus dem Wikipediaeintrag zu "Bedeutung (Sprachphilosophie)":

"Auch unter dieser Perspektive zeigt die Diskussion zwar immer differenziertere Positionen, aber am Ende keine inhaltliche Entwicklung. […] Es scheint, dass diese Diskussion zwar zu immer besseren und differenzierteren Argumenten führt, aber nicht entscheidbar ist, weil alle Argumente je nach Ausgangspunkt gravierenden Gegenargumenten ausgesetzt sind."

Willkommen in der modernen Philosophie. In diesem Zusammenhang auch interessant, das wiki "How to Catch a Greased Pig", eine detaillierte Anleitung zum Fangen eingeölter Schweine.

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