Von wegen Free to Choose

Wir wissen: normalerweise ist von Ökonomen nicht viel zu erwarten außer schlechte Manieren und unwürdige Schwanzlängenvergleiche. Es gibt aber auch Ausnahmen, so z.B. Tim Harford, bekannt als "Undercover Economist" (bei Slate und FT) und Autor des gleichnamigen Buches.
So widmet er sich dankenswerterweise in seiner Kolumne "Dear Economist" mit ökonomischem Sachverstand einem Problem, das Cohu sehr bekannt vorkommt:

"Dear Economist,
In restaurants my husband always picks something better than me. It’s boring to choose the same as him. What can I do?
Sarah"

In der Tat: auch die IT schafft es immer wieder, mich von meinen Lieblingsgerichten abzubringen, indem sie sich hartnäckig die köstliche Nummer 44 (bei Man Fat) oder die unvergleichliche Nummer 32 (bei Mao) bestellt. Der dann einsetzende Effekt, den ich immer für einen Cohu-spezifischen Defekt hielt, ist laut wissenschaftlichen Untersuchungen tatsächlich verbreitet (zumindest in den USA): man wählt ungern das Gleiche wie der Vor-Besteller, selbst, wenn man unbeeinflusst genau diese Wahl bevorzugt hätte. Das Ergebnis fand ich schon mal beruhigend. Harfords Tipp ist dann allerdings nicht mehr so hilfreich:

"The implication is obvious. You should make a mental note of what you wish to eat and not change your mind when your husband announces his selection. If that is too “boring’’, the solution is even simpler: order first."

Leichter gesagt als getan, wenn die IT schon auf dem Weg zum Chinesen die altbekannte Bestellabsicht äußert! Vielleicht muss man da mal mit mechanism design rangehen: wer seine Bestellabsicht zuerst äußert – der zahlt. Oder: geheime Bestellungen. Werde demnächst DFG-Forschungsgelder für eine große, chinarestaurantbasierte Studie beantragen!

3 Responses to “Von wegen Free to Choose”

  1. Helga Says:

    der Begleiter ist dazu übergegangen seine Bestellung mit den Worten abzuschließen: nein, ich tausche nicht…

  2. Weltenweiser Says:

    Mein selbstgeprüfter Rat: Mit einem Vegetarier zusammen ziehen. Da wird dann nie das auserkorene Gericht bestellt.

  3. IT Says:

    Vegetarisch: das wird mit mir nix… Ich bräune mir jetzt erstmal einen Leberkäse mit Ei zum Frühstück, und dazu ein lecker Kartoffelsalat!


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